Fraueneishockey

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Europapokal-Spiel des HC Lugano gegen den OSC Berlin, 2006

Fraueneishockey (in Österreich: „Dameneishockey“) bezeichnet die Sportart Eishockey, wenn sie von Frauen ausgeübt wird. Nach einer Pionierphase in den 1980er Jahren, beschränkt sich die Beliebtheit weitestgehend auf Nordamerika, so dass zuletzt die Streichung aus dem Olympischen Programm drohnte.[1]

Geschichte des Fraueneishockeys[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frauenmannschaft 1921

In Europa entwickelte sich zuerst in den skandinavischen Ländern Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark ein eigenständiger Ligenbetrieb für die Frauen.

1930 wurde auf dem Internationalen Eishockey-Kongress in Chamonix während der Eishockeyweltmeisterschaft eine Entscheidung über die Einführung von Dameneishockey bzw. Wettbewerben für Damenmannschaften vertagt.[2]

In der Nazizeit wurden zahlreiche Sportarten als ungeeignet für Frauen betrachtet, darunter beispielsweise Disziplinen des Turnens, des Ruderns und auch „Eishockey als Frauensport“.[3]

Ähnlich wie bei Frauenfussball hielten sich Vorbehalte bis in die späten 1970er Jahre, von Eishockeypiel von Frauen berichtete aus Schweden der Spiegel 1970.[4], eine populärwissenschaftliche Publikation aus der DDR von 1974 über Frauen begründete eine Ablehnung mit dem „geringeren Leistungsvermögen“.[5]

In den 1980ern etablierte sich Fraueneishockey in der Bundesrepublik Deutschland, den Niederlande, Großbritannien, der Tschechoslowakei und später auch in der Volksrepublik China und Japan. In der Schweiz gibt es ebenfalls seit den 1980er Jahren einen geregelten Meisterschaftsbetrieb, seit 1994 ist dieser in drei Ligen unterteilt.

Internationale Turniere der Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eines der ersten großen internationalen Turniere in der Geschichte des Fraueneishockey war das World Women’s Ice Hockey Tournament 1987, das als Vorläufer der ersten Eishockey-Weltmeisterschaft der Frauen 1990 gilt.

Bei den Weltmeisterschaften und olympischen Turnieren dominieren bis heute die Nordamerikanerinnen aus Kanada und den USA. Dabei konnten die Spielerinnen aus Kanada bislang 10 Weltmeisterschaften sowie die olympischen Turniere von Salt Lake City 2002, Turin 2006, Vancouver 2010 und Sotschi 2014 gewinnen. Das Team aus den USA, bei den ersten acht Weltmeisterschaften nur Zweiter, schaffte es dagegen, im ersten olympischen Turnier der Frauen 1998 in Nagano die Kanadierinnen im Finale 3:1 zu besiegen und 2005 und 2008–2011 WM-Gold zu holen.

Von den europäischen Teams schaffte es Finnland, in zehn von 14 Weltmeisterschaften den dritten Platz zu belegen. Wie in einigen anderen Mannschaftssportarten schaffen es auch im Eishockey die Frauen aus der Volksrepublik China im Eishockey eine größere Rolle als die Herren zu spielen. So stehen die chinesischen Frauen zurzeit (2012) auf Platz 13 der IIHF-Weltrangliste, während die Herren gerade einmal auf Platz 38 rangieren.

Ein wichtiges Fraueneishockeyturnier für Nationalmannschaften in Deutschland ist der MLP Nations Cup, früher Air Canada Cup.

Für europäische Clubmannschaften existierte zwischen 2004 und 2015 der IIHF European Women Champions Cup, der Europapokal der Landesmeister, dessen Rekordsieger mit jeweils vier Erfolgen AIK Stockholm und Tornado Moskowskaja Oblast ist.

Einen regulären Spielbetrieb für Nachwuchsmannschaften im Fraueneishockey gibt es erst in wenigen Ländern. Auch hier nehmen die nordamerikanischen Länder eine besondere Rolle ein. So gibt es in Kanada und den USA reguläre Nachwuchsligen, während etwa in Schweden in erster Linie Turniere von Regionalmannschaften stattfinden. 2007 veranstaltete die Internationale Eishockey-Föderation ein Einladungsturnier vor allem für europäische U18-Frauenmannschaften, das für die Einführung der U18-Weltmeisterschaft 2008 als Qualifikationsturnier galt. Hier dominierten erwartungsgemäß die Nordamerikanerinnen: Erste Weltmeisterinnen wurden die USA, gefolgt von Kanada, während der dritte Platz überraschend von Tschechien eingenommen wurde.

In Deutschland dürfen Spielerinnen nach den Durchführungsbestimmungen der Saison 2006/07 im Jungen-Spielbetrieb in derselben Altersklasse oder einer Altersklasse tiefer eingesetzt werden.

Stars des Fraueneishockeys[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Profi-Eishockeyspielerin war Manon Rhéaume, die 1992 als erste Frau in einem NHL-Team stand. Dabei kam die Torhüterin allerdings nur in einem Vorbereitungsspiel der Tampa Bay Lightning zum Einsatz.

Anders als in den USA stand bisher keine Frau in der höchsten Spielklasse der Männer unter Vertrag. Maren Valenti, deren Bruder und Neffe ebenfalls Eishockey spielen, durfte 1998 in einem Spiel der DEL bei den Eisbären Berlin als Stürmerin für 53 Sekunden aufs Eis. Darauf folgte ein Vertrag bei den Wölfen Freiburg in der 2. Bundesliga, ebenfalls Männer. Maren Valenti war auch die jüngste Spielerin aller Zeiten, die bei der ersten Frauen A-Weltmeisterschaft 1990 (Ottawa/CAN) als 13-Jährige nominiert wurde.

Darüber hinaus hat Hayley Wickenheiser weltweiten Ruhm erfahren. Viona Harrer ist die erste deutsche Torhüterin, die sich bei einem männlichen Profiverein, nämlich den Tölzer Löwen durchsetzte.

Regeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Allgemeinen sind die Regeln beim Fraueneishockey die gleichen wie beim Eishockey der Herren. Jedoch ist bei den Frauen, genauso wie bei den männlichen Nachwuchsmannschaften, ein Gesichtsschutz vorgeschrieben. Des Weiteren sind international Bodychecks verboten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marc Heinrich: Pioniere ohne olympische Zukunft? In: FAZ.net. 20. Februar 2014, abgerufen am 7. Februar 2017.
  2. Österreichische Nationalbibliothek, (Wiener) Sporttageblatt: 30. Januar 1930 Seite 6: Entscheidung erst nach Vorlage entsprechender Ärztlicher Gutachten
  3. Zentralblatt für die gesamte Hygiene mit Einschluss der Bakteriologie und Immunitätslehre, S. 237 Nr. 33/1935, Springer-Verlag
  4. VERBÄNDE / FRAUEN-EMANZIPATION: Verstiert den Blick. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1970 (online).
  5. Die Frau, S. 64 VEB Bibliographisches Institut, 1974.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]