Frauenkirchen

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Frauenkirchen
Wappen von Frauenkirchen
Frauenkirchen (Österreich)
Frauenkirchen
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Neusiedl am See
Kfz-Kennzeichen: ND
Fläche: 31,93 km²
Koordinaten: 47° 50′ N, 16° 55′ OKoordinaten: 47° 50′ 28″ N, 16° 55′ 10″ O
Einwohner: 2.866 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 90 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7132
Gemeindekennziffer: 1 07 05
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Amtshausgasse 5
7132 Frauenkirchen
Website: www.frauenkirchen.info
Politik
Bürgermeister: Josef Ziniel (SPÖ)
Gemeinderat: (2012)
(23 Mitglieder)
13
5
5
13 
Von 23 Sitzen entfallen auf:
Lage der Stadt Frauenkirchen im Bezirk Neusiedl am See
Andau Apetlon Bruckneudorf Deutsch Jahrndorf Edelstal Frauenkirchen Gattendorf Gols Halbturn Illmitz Jois Kittsee Mönchhof Neudorf bei Parndorf Neusiedl am See Neusiedl am See Nickelsdorf Pama Pamhagen Parndorf Podersdorf am See Potzneusiedl Sankt Andrä am Zicksee Tadten Wallern im Burgenland Weiden am See Winden am See Zurndorf Bezirk Neusiedl am SeeLage der Gemeinde Frauenkirchen im Bezirk Neusiedl am See (anklickbare Karte)
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Frauenkirchen, Basilika mit Mariensäule und Franziskanerkloster
Frauenkirchen, Basilika mit Mariensäule und Franziskanerkloster
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Frauenkirchen ist eine Stadt im Bezirk Neusiedl am See (Burgenland) mit 2866 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017), von denen mehr als 7 % der Volksgruppe der Burgenland-Ungarn angehören. Der ungarische Ortsname der Stadt ist Boldog-Asszony oder Fertőboldog-Asszony.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Königreich Ungarn als Szent Maria im Jahr 1324. 1529 (Erste Wiener Türkenbelagerung) und 1683 (Zweite Wiener Türkenbelagerung) wurden das Dorf und die Kirche von den Osmanen zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte unter dem Grundherrn Paul I. Esterhazy, einem der größten Grundbesitzer Altungarns.

Um die von 1695 bis 1702 errichtete Basilika und das Franziskanerkloster entwickelte sich der überwiegend von Deutschsprachigen bewohnte Ort ab dem Ende des 17. Jahrhunderts allmählich zu einem regionalen Handelszentrum. Von 1898 an musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Fertőboldogasszony bzw. Boldogasszony verwendet werden (Fertő-tó = Neusiedler See, fertő = Sumpf).

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde Frauenkirchen nach zähen Verhandlungen wie ganz Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 bzw. 1920 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört daher seit 1921 zum neu gegründeten österreichischen Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes). Frauenkirchen wurde 1982 zur Stadtgemeinde erhoben.

Jüdische Gemeinde

1678 erlaubte Graf Paul I. Esterhazy den Mönchhofer Juden, die von Husaren überfallen und ausgeplündert und vom Abt des Stiftes Heiligenkreuz des Ortes verwiesen worden waren, die Ansiedlung in Frauenkirchen. 1876 erreichte die Jüdische Gemeinde in Frauenkirchen mit 864 Juden ihren Höhepunkt. Dies entsprach etwa einem Drittel der gesamten Einwohnerschaft.

Nach dem so genannten „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 wurde in Frauenkirchen ein provisorisches Anhaltelager eingerichtet, in das etwa 400 Juden des Seewinkels unter Zwang verbracht wurden. Im April 1938 wurden die meisten dieser Juden über die ungarische Grenze abgeschoben und in der Folge die Jüdische Gemeinde vernichtet. Die Synagoge wurde 1939 demoliert, der Jüdische Friedhof ist erhalten.[1]

1938 lebten in Frauenkirchen rund 350 Juden, ein Drittel von ihnen überlebte die Nazi-Herrschaft nicht. Ihre Häuser wurden durch die Nazis geschleift, berichtete der ORF Burgenland. Am 31. Mai 2016 wurde an der Stelle der ehemaligen Synagoge die Gedenkstätte „Garten der Erinnerung“ eröffnet. Zu sehen sind drei Tafeln mit den Nachnamen der einstigen jüdischen Familien von Frauenkirchen, ergrabene Mauerreste der Synagoge und die Skulptur einer Thora-Rolle.[2]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 23 Mitglieder.

Bürgermeister

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Frauenkirchen

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frauenkirchen ist Schulstadt mit einer Volks- und einer Hauptschule und einer Handelsakademie. In der Fußgängerzone gibt es einige Geschäfte. Nach Erbohrung einer ergiebigen Thermalquelle wurde die wasserrechtliche Bewilligung für einen Thermenbau erteilt und 2009 die St. Martins Therme & Lodge eröffnet.

Es gibt ein medizinisches Zentrum, mit einer Unfallambulanz, einer Rettungsstelle des Roten Kreuzes unter anderem mit einem Notarzteinsatzfahrzeug, ein Ärztezentrum, mit einem Pflegeheim, einer Tagesstätte und einer Wohngemeinschaft.

Frauenkirchen ist Ausgangspunkt für den bis zur Einbindung in den Jakobsweg Österreich in Haslau-Maria Ellend überwiegend im Burgenland verlaufenden Jakobsweg Burgenland.

Das Projekt eines 14 ha großen Gewächshauses für Tomaten in der Gemeinde, für das die Grundstücksumwidmung bereits bewilligt war, wurde von Landeshauptmann Hans Niessl unterstützt, aber von einer Bürgerinitiative mit Erich Stekovics bekämpft. Das Projekt wurde Ende 2016 vom Betreiber abgesagt.[3]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der amtierende Landeshauptmann des Burgenlandes (seit 2000), Hans Niessl, war in Frauenkirchen auch Bürgermeister.
  • Bürgermeister Johann Kobor (1882–1958) betrieb in Frauenkirchen ein Gasthaus und ein Kino.
  • Geboren in Frauenkirchen sind die Politiker Stefan Kettner (1887–1957) und Martin Wetschka (1888–1971).
  • Erich Stekovics gilt mit seinem Anbau von über 3200 verschiedenen Sorten Paradeiser als der „Kaiser der Paradeiser“.[4]
  • Josef Umathum erlangte mit seinem Weingut überregionale Anerkennung.
  • Isabelle Zwinger ist Landesmeisterin im Voltigieren.
  • Frauenkirchen ist der Geburtsort des Komponisten Mihály Mosonyi (dt. Michael Brand, 1815–1870).
  • Die Malerin und Ordensfrau Elfriede Ettl (1914–2003) ist gebürtig aus Frauenkirchen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michaela Irene Bauer: Siedlungs- und Ortsgeschichte von Frauenkirchen. Dissertation, Universität Wien 1982.
  • Sepp und Paul Gmasz: Chronik Stadtgemeinde Frauenkirchen. Frauenkirchen 1988.
  • Herbert Brettl: Die jüdische Gemeinde von Frauenkirchen. Ed. Lex Liszt 12, Oberwart 2003, ISBN 3-901757-32-5.
  • Erika Brunner-Hammerl: Die Wallfahrtskirche und der Kalvarienberg von Frauenkirchen. Diplomarbeit, Universität Wien 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Frauenkirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Barbara Coudenhove-Calergi: Paul Rosenfeld - Einer kam zurück. In: Süddeutsche Zeitung, Österreichisches Jüdisches Museum, 14./15. Juni 1986.
  2. http://burgenland.orf.at/news/stories/2777327/ Denkmal für die Juden von Frauenkirchen, orf.at 31. Mai 2016, abgerufen 31. Mai 2016.
  3. Aus für Glashausprojekt in Frauenkirchen orf.at, 31. Dezember 2016, abgerufen 31. Dezember 2016.
  4. Sebastian Herrmann: Tomatenzüchter. Der Kaiser der Paradeiser. In: Süddeutsche Zeitung, 14. August 2007 (und als PDF-Datei, 7 S.).