Frauenstreik

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Frauenstreik in Montevideo (Uruguay), am 8. März 2018.

Ein Frauenstreik ist die organisierte Aussetzung der Arbeit von Frauen, um auf Probleme aufmerksam zu machen bzw. entsprechende politische Ziele durchzusetzen. Er unterscheidet sich dadurch vom Sexstreik sowie vom Streik im üblichen – Verweigerung der Arbeitsleistung – Sinn.

Streik der 700 in Österreich, 1893[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der sogenannte „Streik der 700“ war der erste organisierte Frauenstreik Österreichs. In Folge beginnender Organisation von Frauen in einer Wiener Appreturfabrik, angeführt von Amalie Seidel und Adelheid Popp, traten während der Ereignisse schließlich insgesamt 700 Arbeiterinnen aus drei Appreturfabriken in den Streik. Ihre Forderungen waren der arbeitsfreie 1. Mai, die Reduzierung der täglichen Arbeitszeit von 13 auf 10 Stunden und eine bessere Bezahlung, sowie die Wiedereinstellung von Amalie Seidel nach deren Kündigung. Die Forderungen wurden nach drei Wochen Streik durchgesetzt.[1]

Poster Women's Strike for Equality 1970

Women's Strike for Equality 1970[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. August 1970 beteiligten sich etwa 50.000 Frauen in den USA am Women's Strike for Equality. Wichtige Ziele waren das Recht auf Abtreibung, Chancengleichheit in der Arbeit und kostenlose Kinderbetreuung. Der Streiktag fand in New York und anderen Landesteilen statt und wurde von der feministischen National Organization for Women unterstützt.[2][3]

Isländischer Frauenstreik 1975[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Oktober 1975 legten anlässlich des Internationalen Jahres der Frau etwa 90 % der weiblichen Bevölkerung Islands ihre Arbeit für einen Tag nieder. Ein Komitee der fünf wichtigsten Frauenorganisationen des Landes hatte den als „Frauen-Ruhetag“ bezeichneten Protesttag organisiert, um für mehr Gleichheit, eine gerechtere Bezahlung und eine bessere Kinderbetreuung zu demonstrieren. Rund 25.000 Frauen und einige Männer beteiligen sich an der Demonstration in Reykjavík.[4][5]

Schweizer Frauenstreiks 1991 und 2019[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweizer Frauenstreik 1991, Kundgebung in Zürich
Schweizer Frauenstreik 2019, Kundgebung in Basel
Bundesrätin Viola Amherd (mit heller Jacke) und Nationalratspräsidentin Marina Carobbio Guscetti (rechts neben ihr) am 14. Juni 2019 auf dem Bundesplatz in Bern

Beim landesweiten Schweizer Frauenstreik vom 14. Juni 1991 beteiligten sich Hunderttausende von Frauen an Streik- und Protestaktionen.[6] Die Idee für den Streik hatten einige Uhrenarbeiterinnen im Vallée de Joux, die sich über die ungleichen Löhne empörten. Anlass war das zehnjährige Bestehen des Verfassungsartikels „Gleiche Rechte für Mann und Frau“. Motto des Streiks war „Wenn frau will, steht alles still“. Der Streikaufruf des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes wurde von den meisten Frauenorganisation mitgetragen, nur der Bund Schweizerischer Frauenvereine äußerte sich öffentlich gegen das Vorhaben. In Informationsveranstaltungen wurde über die zögerliche Umsetzung des Artikels durch die Bundesregierung informiert und in verschiedensten Aktionen der Unmut der Schweizerinnen über die Verzögerungstaktik des Bundesrates bei Gleichberechtigungsthemen ausgedrückt. Es war dies die grösste politische Mobilisation in der Schweiz seit dem Generalstreik von 1918.[7]

Im Juni 2011 fand ein nationaler Frauenaktionstag mit einer Demonstration statt, der von rund 50 Organisationen getragen wurde, darunter zum ersten Mal dem Bäuerinnen- und Landfrauenverband. Damit wurde daran erinnert, dass manche der Anliegen des Frauenstreiks von 1991, insbesondere im Bereich der Lohngleichheit, immer noch nicht erfüllt waren.[7]

Am 14. Juni 2019 wurde ein zweiter Frauenstreik durchgeführt.[8] Die Forderungen, die der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) formulierte, tragen die Überschrift „Lohn. Zeit. Respekt.“ Dabei geht es u. a. um eine finanzielle Aufwertung und höhere gesellschaftliche Anerkennung von Frauenarbeit, mehr Zeit und Geld für Betreuungsarbeit (Care-Arbeit), Bekämpfung von Sexismus und sexueller Belästigung.[9] Im Mittelpunkt standen die durch die Schweizerische Lohnstrukturerhebung und das Département d’économie quantitative der Universität Freiburg (CH) belegten Lohnungleichheiten zwischen Frauen und Männern: Laut der Studie verdienen Frauen in der Schweiz durchschnittlich 19,6 % weniger als Männer, wobei 42,9 % dieser Lohnunterschiede unerklärt sind.[10] Zudem sind weiterhin 71,8 % der Arbeitsstellen mit hohen Bruttolöhnen von über 8.000 Franken in Männerhand.[11] Laut den Organisatoren haben über 500.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im ganzen Land an Demonstrationen und Kundgebungen teilgenommen.[12]

Frauenstreik in Spanien 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Internationalen Frauentag 2018 beteiligten sich in Spanien mehr als 5,3 Millionen Menschen an einem Frauenstreik unter dem Motto Wenn die Frauen streiken, dann steht die Welt still.[13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

zum Streik der 700 in Österreich, 1893
zum Schweizer Frauenstreik 1991
  • Der Frauenstreik in den Medien = Lo sciopero delle donne nei mass media = La grève des femmes dans les mass media. Hg. Medienfrauen der SJU und des SSM. Bern 1992.
  • Christian Koller: Vor 25 Jahren: Der Frauenstreiktag vom 14. Juni 1991, in: Sozialarchiv Info 2 (2016). S. 7–11.
  • Elfie Schöpf: Frauenstreik: Ein Anfang…: Hintergrund, Porträts, Interviews. Bern 1992.
  • Maja Wicki (Hrsg.): Wenn Frauen wollen, kommt alles ins Rollen: Der Frauenstreik vom 14. Juni 1991. Limmat Verlag, Zürich 1991, ISBN 3-85791-192-1.
  • Brigitte Studer: Frauen im Streik. In: NZZ Geschichte, Nr. 21, März 2019, S. 56–67.
  • Brigitte Studer: Frauenstreik (1991). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Brigitte Studer: Streik als Fest: Der Schweizer Frauenstreik von 1991. In: Theresa Adamski et al. (Hrsg.): Geschlechtergeschichten vom Genuss: Zum 60. Geburtstag von Gabriella Hauch. Wien: Mandelbaum Verlag, 2019. S. 52–65.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Frauenstreik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Streik der 700 auf dasrotewien.de, abgerufen am 24. Februar 2019
  2. Catherine Gourley: Ms. and the Material Girl: Perceptions of Women from the 1970s to the 1990s. Twenty-First Century Books, 2008, S. 5–20
  3. Sascha Cohen: The Day Women Went on Strike. Time am 26. August 2015, abgerufen am 24. Februar 2019.
  4. Alva Gehrmann: Feminismus in Island: Aufstand der Frauen. Der Tagesspiegel, 18. Oktober 2015, abgerufen am 7. März 2017.
  5. Kirstie Brewer: The day Iceland's women went on strike. BBC, 23. Oktober 2015, abgerufen am 7. März 2017.
  6. Frauenstreik 2011: Die Transparente könnten noch immer dieselben sein. 7. Februar 2012 (woz.ch [abgerufen am 8. November 2016]).
  7. a b Christian Koller: Vor 25 Jahren: Der Frauenstreiktag vom 14. Juni 1991. In: Schweizerisches Sozialarchiv, 1. Juni 2016
  8. Brigitte Studer: Frauen im Streik. In: NZZ Geschichte, Nr. 21, März 2019, S. 67.
  9. Schweizerischer Gewerkschaftsbund: Argumente für den Frauenstreik. In: 14juni.ch – die gewerkschaftliche Seite für den Frauen*streik. Abgerufen am 20. März 2019.
  10. Zweiter landesweiter Frauenstreik am 14. Juni 2019. In: ekf.admin.ch. Eidgenössische Kommission für Frauenfragen EKF, 9. April 2019, abgerufen am 14. Juni 2019.
  11. Sylvie Fischer: Für gerechte Verhältnisse sind wir alle zuständig. In: syndicom magazin. Nr. 11. Syndicom, Bern Mai 2019, S. 8–14.
  12. Lise Bailat: Ce qui restera de la grève des femmes et d'une Suisse enflammée de violet. In: Pietro Supino (Hrsg.): Le Matin Dimanche. Nr. 24. Tamedia, Lausanne 16. Juni 2019, S. 4.
  13. Sebastian Schoepp: Letizia von Spanien. In: sueddeutsche.de. 9. März 2018, abgerufen am 14. März 2018.