Frauenverband Courage

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Der Frauenverband Courage e. V. ist eine deutsche Frauenorganisation. Sie wurde 1991 gegründet. Der Name Courage, frz. Mut, soll für das Profil und Programm stehen. Der Verband wird von einigen Verfassungsschutzbehörden als extremistische Organisation des linken Spektrums eingeschätzt.[1][2]

Profil[Bearbeiten]

Der Verein wurde am 16. Februar 1991 von 63 Frauen in Gelsenkirchen gegründet.[3] Der Verband bezeichnet sich als überparteilich. Der Frauenverband engagiert sich für gleiche Rechte und die Befreiung der Frau. Auch politisch nimmt der Verband Stellung und unterstützte 2007 den Aufruf NPD-Verbot jetzt! der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.[4] Die Eigendarstellung von Courage nennt „vier Säulen“ ihrer Verbandsarbeit:

  • Kämpferische Interessenvertretung – darunter versteht der Verband ein gemeinsames und selbstbewusstes Frauenbewußtsein. Der Verband sieht sich verbunden mit der internationalen Arbeiterbewegung und in Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Bewegungen, die für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen eintreten.
  • Bildung – diese Bildungsarbeit versteht der Verband vor allem als kollektiven Lernprozess, um aktuelle frauen- und gesellschaftspolitische Entwicklungen zu verstehen.
  • Hilfe und Beratung – dafür gibt sich der Verband das Motto „Gemeinsam sind wir stark!“. Darunter versteht der er eine praktische gegenseitige Hilfe und Beratung in allen wichtigen Fragen des Lebens, Familie, Partnerschaft, Kinderbetreuung, Umzug, Problemen mit ARGE und anderen Behörden, beruflichen und gesundheitlichen Angelegenheiten.
  • Kultur – gemeinschaftliche Freizeitgestaltung, Erholung und Ausflüge der Mitgliedsfrauen. Besonders knüpft der Verband an die Tradition des Internationalen Frauentags an, wozu der Verein dort öffentliche Präsenz zeigt.

Folgende vier Prinzipien der Organisation und Arbeitsweise stellt der Frauenverband Courage in seiner Eigendarstellung in den Vordergrund:

  • Er versteht sich als überparteilich
  • Der Meinungsbildungsprozess beruht auf breitem Gedankenaustausch und Willensbildung an der Basis. Der Vorstand wird in der Rolle des Beraters und Unterstützers bei beschlossenen Projekten gesehen.
  • Der Verband strebt eine internationale Ausrichtung an. Er vertritt die Position, dass gesellschaftlicher und patriarchalischer Unterdrückung nur international erfolgreich begegnet werden kann, da Produktion und Handel ebenfalls international organisiert seien und damit zusammenhängende Probleme wie Ausbeutung, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen analog global stattfinden.
  • Der Verband betont seine finanzielle Unabhängigkeit.[5]

Struktur[Bearbeiten]

Courage ist ein bundesweiter Frauenverband, der sich in Ortsgruppen und Landesverbände gliedert und in mehr als 50 Städten vertreten ist. Die Bundesgeschäftsstelle hat ihren Sitz in Wuppertal. Das höchste Organ ist die alle drei Jahre tagende Bundesdelegiertenversammlung. Sie ist beschlussfähig, wenn mindestens 50 % der Mitglieder durch Bundesdelegierte vertreten sind. Zwischen den Bundesdelegiertenversammlungen vertritt der gewählte Bundesvorstand den Verband. Mitgliederzahlen werden nicht genannt. Frauen von Courage beteiligen sich an der Organisation von Aktivitäten zum Weltfrauentag am 8. März. Der Frauenverband gibt alle zwei Monate die Zeitung Courage heraus; diese steht in keinem Zusammenhang zur gleichnamigen bis 1984 erschienenen feministischen Frauenzeitschrift Courage. Der Verband unterhält in Essen, Wuppertal und Gelsenkirchen je ein Courage- Zentrum. Das Programm wendet sich im Wesentlichen an Frauen und umfasst kommunikative- und kreative Angebote, Bildungsveranstaltungen sowie Beratungshilfe zu verschiedenen Themen durch Fachfrauen.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Am Aufbau des Frauenverband Courage war Monika Gärtner-Engel (* 1952) beteiligt, stellvertretende Vorsitzende der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) und Ehefrau des MLPD-Vorsitzenden Stefan Engel.[7] Sie gehörte dem ersten Courage-Vorstand an, ab 1992 als Sprecherin. Sie arbeitete mit am 10-Punkte-Programm des Frauenverbands und vertrat den Verband Courage 1995 als Delegierte beim Forum der Nichtregierungsorganisationen anlässlich der UN-Weltfrauenkonferenz in Peking.[7] Ferner vertrat sie den Frauenpolitischen Ratschlag, in dem der Frauenverband Courage mitarbeitet, 2008 in Düsseldorf beim 1. Nationalen Vorbereitungstreffen zur Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen 2011 in Venezuela.[8]

Einschätzung der Verfassungsschutzbehörden[Bearbeiten]

Nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Innenministeriums wird der Verein von der MLPD dominiert.[9] Nach dem Bericht des Landesamtes für Verfassungsschutz Hessen unterhält die MLPD den Frauenverband.[10] [1] Der Verfassungsschutz in Niedersachsen bezeichnet den Verband als „Vorfeldorganisation“ der MLPD.[11][12] Laut Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg übt die MLPD einen „erheblichen Einfluss“ auf den „formal unabhängig und überparteilich auftretenden“ Frauenverband aus.[13] Auch der Verfassungsschutz Baden-Württembergs bezeichnete den Frauenverband 2006 als „Vorfeldorganisation“ der MLPD.[14] Im Verzeichnis extremistischer oder extremistisch beeinflusster Organisationen des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz wird der Frauenverband Courage als linksextremistisch aufgeführt.[2] In Bayern müssen Bewerber für den Öffentlichen Dienst angeben, ob sie dem Frauenverband Courage angehören.[15][16] Der Verfassungsschutzbericht 2002 des Landes Brandenburg ordnete den Frauenverband Courage als Frauenorganisation der MLPD ein.[17] Der 18. Grundrechte-Report führt in der Ausgabe 2014 eine kritische Diskussion zur Rolle des Verfassungsschutzes gegenüber dem Frauenverband Courage. Der Report führt aus, wie eine breite Kampagne von rund 180 Organisationen sich gegen den Versuch einer Änderung des Jahressteuergesetzes 2013 wandte. Es ging darum, ob der Verfassungsschutz eine direkte und nicht widerlegbare Entscheidung über die Gemeinnützigkeit von Vereinen geben kann. Dieses Vorhaben hat die Bundesregierung nicht weiter betrieben. Es besteht allerdings seit 2009 ein Mitspracherecht der Verfassungsschutz-Behörden bei der Zuerkennung der Gemeinnützigkeit.[18]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Verfassungsschutzbericht 2007, S. 191 (Memento vom 20. September 2008 im Internet Archive). (PDF-Datei)
  2. a b Verzeichnis extremistischer oder extremistisch beeinflusster Organisationen des Bayerischen Justizministeriums (PDF-Datei; 397 kB)
  3. Couragezentrum Essen
  4. Kampagne NPD-Verbot jetzt! 2007 des VVN-BdA
  5. Eigendarstellung vom Frauenverband Courage
  6. Website des Courage-Zentrums in Essen
  7. a b Lebenslauf von Monika Gärtner-Engel auf deren Webseite (abgerufen am 7. Mai 2007)
  8. Monika Gärtner-Engel beim Vorbereitungstreffen der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen 2011 (abgerufen am 7. Mai 2009)
  9. Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen
  10. Bericht des Landesamtes für Verfassungsschutz Hessen
  11. Verfassungsschutz Niedersachsen
  12. Verfassungsschutzbericht Niedersachsen 2004 (PDF-Datei)
  13. Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg
  14. Verfassungsschutz Baden-Württemberg 12/2006
  15. Fragebogen zur Prüfung der Verfassungstreue für Bewerber im Öffentlichen Dienst in Bayern (PDF-Datei)
  16. Fragebogen der Bayerischen Forstverwaltung (PDF-Datei)
  17. Verfassungsschutzbericht 2002 Land Brandenburg (PDF-Datei; 2,0 MB)
  18. 18. Grundrechte-Report 2014. Zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland, Frankfurt/M. 2014