Frederic Lamond

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Frederic Lamond

Frédéric Archibald Lamond (* 28. Januar 1868 in Glasgow; † 21. Februar 1948 in Stirling, Schottland) war ein schottischer Pianist, Komponist und Musikpädagoge.

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten]

Sein um 19 Jahre älterer Bruder David bildete ihn zum Orgelspieler aus, so dass er 1878 – mit 10 Jahren – Organist wurde in der Newhall Parish Church (Glasgow), wo sein Vater Chormeister war. Er musste 4 Orgelwerke an jedem Sonntag spielen. Lamond erinnerte sich, dass seine Beine die Pedale nicht erreichten, so dass ein Stück von der Orgelbank abgesägt werden musste. Das waren die einzigen Probleme, die er hatte. Mit 12 Jahren wurde er dann Organist an der Laurieston Parish Church. Gleichzeitig nahm er Violin-Unterricht bei H. C. Cooper in Glasgow und spielte auch Oboe und Klarinette. In Glasgow galt Lamond als „Wunderkind“.

Lamond hörte Hans von Bülow das erste Mal mit 9 Jahren, als dieser 1877-78 unter der Schirmherrschaft der Glasgow Choral Union für vier Monate als Dirigent engagiert war. Hier hörte er zum ersten Mal ein Werk von Liszt, und zwar das symphonische Gedicht „Les Préludes“. Durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Stadtväter und auch seiner Geschwister reiste er im September 1882 in Begleitung seines Bruders David und seiner beiden Schwestern Elizabeth und Isabella nach Frankfurt. [1] Er wollte gerne von Clara Schumann unterrichtet werden, doch sie nahm nur Schüler mit Empfehlung auf. So besuchte er 1882 das Raff-Konservatorium in Frankfurt, wo er Geigenunterricht bei Hugo Heermann nahm, jedoch gleichzeitig bei Max Schwarz Klavier und Anton Urspruch Komposition studierte. Hans von Bülow unterrichtete ihn in den Beethoven-Sonaten. [2]

Als Lamond sein Studium 1885 am Konservatorium abschloss, gab ihm Max Schwarz ein Empfehlungsschreiben für Franz Liszt in Weimar. Weiterhin erhielt er eine Empfehlung von Carl Stasny, die an Arthur Friedheim adressiert war, der Sekretär von Liszt war. Dieser lud ihn zu einem Treffen im „Russischen Hof” ein, wo Lamond die Bekanntschaft mit den Koryphäen der 1885er Klasse von Liszt machte, d. h. neben Friedheim, Karl Schroeder, Conrad Ansorge, Bernhard Stavenhagen, Alexander Siloti und Moriz Rosenthal. Am nächsten Tag hatte er seinen Termin bei Liszt. Dieser meinte nur „Schwarz schreibt, dass Sie eine gute Vorstelltung der Sonate Op. 106 geben können. Nun gut, morgen Nachmittag um 4 Uhr möchte ich die Fuge von Ihnen hören.“ ('Schwarz writes that you can give a good rendering of Sonata Op.106. Very well! Tomorrow afternoon, at four o'clock, let me hear you play the fugue!') [3] Liszt nahm ihn als Schüler und er hatte viermal in der Woche Unterricht, wo Lamond ihm sein ganzes Repertoire vorpielte. Später war er mit Liszt in Rom und noch einmal zusammen mit Stavenhagen 1886 in London, wo Liszt Lamonds ersten Auftritt am 15. April in der St. James Hall durch seine Anwesenheit ehrte. [4] Harold Bauer hat diese Begebenheit in seiner Autobiografie beschrieben. [5]

  • Bach/Tausig - Toccata and Fugue in D Moll
  • Beethoven - Appassionata Sonata, op.57
  • Chopin - Fantasie
  • Brahms - Zwei Capriccios, op.76
  • Liszt - Harmonies du Soir, Feux Follets, Mazeppa
  • Raff - Fantasie und Fugue op.91
  • Lamond - Impromptu
  • Rubinstein-Walzer
  • Liszt - Liebestraum, Ungarische Rhapsodie no.9

Erste Erfolge[Bearbeiten]

Im Februar 1896 gab Lamond einen Brahms-Abend im Wien. Von Bülow hatte ihn gut auf die Musik von Brahms eingestimmt. Brahms war persönlich nach Meiningen gekommen, um die Premiere seiner Vierten Symphonie zu hören. Lamond war bei allen Proben anwesend, die von Bülow angesetzt hatte, und auch als Brahms persönlich dirigierte. Lamond wurde von Johannes Brahms zu dessen Werken eingearbeitet, ebenso wie zu Mendelsohns Werken.

  • Sonata in 3F Moll op.5
  • Sonata in 3F Moll op.5
  • Eine Rhapsody
  • Zwei Balladen
  • Scherzo in es-Moll op. 4
  • Zwei Capriccios aus op.76
  • Variationen über ein Thema von Händel op. 24
  • Variationen über ein Thema von Paganini (zwei Reihen) op. 35

1888 trat Lamond in St. Petersburg auf und wurde Anton Rubinstein vorgestellt, der seinen zweiten Auftritt besuchte.

Lamond hörte Tchaikovsky im Februar 1889 das erste Mal in Frankfurt, wo er ihm von Hans von Bülow vorgestellt wurde. Danach fuhr er nach London, wo Tchaikovsky in der St. James Hall im April 1889 das Pianokonzert No. 1 mit Vasilii Sapelnikov (Vassily Sapellnikoff in Europa) [6] am Klavier aufführte. Lamond war dermaßen beeindruckt, dass er es in sein Repertoire aufnahm und anschließend in ganz Großbritannien spielte, ebenso wie Tchaikovskys Klavierkonzert Nr. 2 G-Dur op. 44 und die Konzertfantasie G-Dur op. 56 – für Klavier und Orchester. Er schrieb an Tschaikovsky mit der Bitte, ihm eine Konzertreise in Russland zu ermöglichen, wo er dessen Klavierkonzert No. 1 spielen wolle. Dieser antwortete im Mai 1892, [7] dass er mit Vasilii Safonov gesprochen habe, das Programm der Russischen Musikgesellschaft für die Saison 1892/93 jedoch bereits ausgebucht sei. 1896 erhielt Lamond ein Telegramm von Tschaikovskys ehemaligem Manager Hermann Wolff mit dem Angebot, vom 19. bis 31. Oktober in Moskau zu spielen – da war Tschaikovsky bereits drei Jahre tot. [8]

Solist und Pädagoge[Bearbeiten]

Frédéric Archibald Lamond, 1903.

Am 27. September 1905 nahm Lamond zwölf Klavierstücke für das Reproduktionsklavier Welte-Mignon im Leipziger Aufnahmestudio von Welte auf. Er war überzeugt von den Klavierrollen als damals einziger Möglichkeit der Wiedergabe. [9]

Lamond war einer der ersten, die Brahms' Klavierwerke bekannt machten, und galt als erste Autorität für Beethovens Klaviermusik. Der Musikverlag Breitkopf & Härtel veröffentlichte die 32 Pianosonaten, zum Teil noch mit Hans von Bülows Anmerkungen versehen. Das war bevor Artur Schnabel (1882 – 1951) die Möglichkeit erhielt, alle 32 Beethoven-Sonaten auf Schallplatte einzuspielen – die erste Gesamtaufnahme der Beethoven-Sonaten überhaupt. In den 1920er und 1930er Jahren machte Lamond viele Aufnahmen von Beethovens Werken (einschließlich des Emperor Concerto mit Eugène Goossens (Sohn)) für HMV. [10]

1902 war Lamond das erste Mal in den USA und danach zwischen 1922 und 1929 noch viermal auf Tournee. [11] In den Schuljahren 1923 und 1924 war er Lehrer für Klavier für fortgeschrittene Klassen an der 1921 gegründeten Eastman School of Music in Rochester. [12]

Lamond unterrichtete auch Meisterklassen am Konservatorium in Sondershausen. [13]

1935 unternahm er eine Konzertreise durch Südamerika.

Er lebte bis zum Ersten Weltkrieg in Berlin und wurde 1917 Professor am Königlichen Konservatorium in Den Haag. Später lebte er wieder in Berlin, bevor er 1938 wegen der nationalsozialistischen Regierung zurück nach Schottland ging.

Seit seiner Hochzeit 1904 lebte er in Berlin und gab Privatunterricht. Er galt als angesehener Lehrer und unter seinen Schülern waren Gunnar Johansen, Jan Chiapusso, Ervin Nyiregyhazi und Victor Borge. Johansen erzählte später, dass Lamond von ihnen als erstes die Beherrschung von Bachs „Das Wohltemperierte Klavier“ als auch die „Étuden“ von Adolf von Henselt verlangte. Lamond sprach perfekt Französisch, im Deutschen verstand er sogar die landestypischen Dialekte, ein wenig Russisch und Türkisch und im Alter studierte er noch die gälische Sprache.

Lamond war seit 1904 mit der österreichischen Schauspielerin Irene Triesch (1877–1964) verheiratet und hatte eine Tochter.

Späte Jahre[Bearbeiten]

Lamond befand sich in Prag, als 1938 die deutschen Truppen dort einmarschierten. Nach seiner Flucht aus Deutschland stand er vor dem Nichts. Er gab 1940 Klavierunterricht an der Academy of Music in Glasgow. Während des Krieges gab er noch in paar Konzerte in Schottland, Bath und London, wo er 1945 in der Wigmore Hall angekündigt wurde mit „Lamond – the greatest living exponent of Beethoven“ (Lamond – der größte lebende Repräsentant von Beethoven). Eine weitere Einkommensquelle waren Radiosendungen mit der BBC. Nichtsdestoweniger war es ein trauriges Ende der Karriere für einen bemerkenswerten Pianisten.

1986 wurde zur Erinnerung an Lamond die „The Scottish International Piano Competition“ (Internationaler schottischer Klavierwettbewerb) ins Leben gerufen, deren erster Preisträger mit der Frederic-Lamond-Goldmedaille ausgezeichnet wird.[14]

Werke[Bearbeiten]

  • Klavierstücke Op. 1.
  • Klaviertrio h-moll für Pianoforte, Violine u. Violoncello Op. 2.
  • Symphonie A-Dur Op. 3 (1893).
  • Ouvertüre aus dem schottischen Hochlande, Concert-Ouverture für großes Orchester Op. 4.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. An Enigmatic Pianist – and two Opera Stars! mit Auszügen aus den "Memoiren".
  2. Lamond biography by grande musica
  3. Frederic Lamond: Speaks about Franz Liszt
  4. Frederic Lamond: Speaks about Franz Liszt
  5. Harold Bauer. His Book. Verlag: W. W. Norton & Compay Inc., New York 1948 – Seite 22
  6. Vasilii Sapelnikov
  7. Antwortschreiben Tschaikovskys
  8. Tchaikovky Research
  9. Frederic Lamond recording for the Duca - 21 July 1909, Frankfurt – The Pianola Institute
  10. HMV und Nachfolger bei Schallplatten-Aufnahmen
  11. “Rochester Democrat and Chronicle” December 21, 1924 (PDF; 280 kB)
  12. The Rochester Review, University of Rochester, Rochester, New York, USA
  13. Lamond in Sonderhausen
  14. The Scottish International Piano Competition

Weblinks[Bearbeiten]