Fredl Fesl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fredl Fesl, 2005

Alfred Raimund „Fredl“ Fesl[1] (* 7. Juli 1947 in Grafenau) ist ein niederbayerischer Musiker und Sänger, der als eigentlicher Erfinder des bayerischen Musikkabaretts gilt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fredl Fesl wuchs in seiner Geburtsstadt Grafenau im Bayerischen Wald auf und zog im neunten Lebensjahr mit seinen Eltern nach Greding im mittelfränkischen Altmühltal. Dort betrieben seine Eltern das Gasthaus Zum Bayerischen. Später zog die Familie nach München. Fesl besuchte nach der Volksschule Grafenau die Oberrealschule in Ingolstadt, wo er später in einem Schülerinternat lebte. Fredl Fesl wurde zweimal oberbayerischer Juniorenmeister im Gewichtheben. Seit 1962 ist er Mitglied im Sportverein der Eisenbahner (Ost). Das Gitarrenspiel erlernte er während seiner Zeit bei der Bundeswehr, wo er auch zum hintergründigen Spaßvogel der Gebirgsjägertruppe wurde und seine Vorgesetzten etwas verärgert haben soll.

Nachdem sich Fesl in verschiedenen Berufen erprobt hatte, wollte er sich als Kunstschmied eine Existenz aufbauen und richtete sich in Freising eine Werkstatt ein. Doch seine beim Publikum sehr beliebten Auftritte auf Münchener Kleinkunstbühnen ließen es anders kommen. Eigenen Aussagen zufolge begann seine Karriere damit, dass er in den Münchner Kleinkunstbühnen durch das Mitbringen seiner Gitarre keinen Eintritt bezahlen musste – er gab sich immer als der auftretende Musiker aus. Als eines Abends schließlich die eigentlichen Künstler fehlten, ließ sich Fesl überreden und trat selbst auf. Durch seine lustig plaudernde Art gewann er schnell die Sympathien des Publikums. 1976 entstand im Münchner Theater im Fraunhofer seine erste Schallplatte mit dem Titel Fredl Fesl und wurde quasi über Nacht berühmt. Fünf weitere Alben sollten folgen. Nach der Veröffentlichung seiner ersten Schallplatte hatte er eine eigene Fernsehsendung, Fredl und seine Gäste.[2]

Eines seiner Markenzeichen bei Liveauftritten war die ausführliche Vorrede vor seinen Stücken, die nach seiner eigenen Aussage manchmal länger gewesen sei, als die Lieder selbst. Unvergessen war jeweils zum Abschluss seiner musikalischen Darbietungen als Zugabe sein Handstand auf dem Stuhl, auf dem er während seines Konzertes die Lieder vorgetragen hatte. Fesl wird häufig mit dem früher von ihm regelmäßig vorgetragenen Königsjodler in Verbindung gebracht. Weitere bekannte Lieder wie der edle Rittersepp, der Anlassjodler das Taxilied oder das Fußballied konnten bereits in den späten 1970er Jahren eine Menge Menschen mitsingen. In den Medien wurde er auch unter den Bezeichnungen „Bajubarde“ oder „Bayerns bester Barde“ im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt und beliebt.

Seit einigen Jahren war Fesl regelmäßig in Radiowerbespots der Biermarke Veldensteiner zu hören. 2008 kam es wegen der Erwähnung von Jürgen Klinsmann in einem dieser Werbespots zu einem Gerichtsverfahren, in dem der Bierhersteller Kaiser Bräu unterlag. Bei der Verkündigung des Urteils bewies er auch in dieser Situation seinen Humor, indem er sagte: „Es gibt Schlimmeres, zum Beispiel zermatschte Semmelknödel“.[3]

Fesl leidet seit 1997 an der Parkinson-Krankheit und musste Ende 2006 seine gut besuchte Abschiedstournee deshalb vorzeitig beenden. Dennoch hat ihm diese langsam verlaufende, neurologische Erkrankung den Humor nicht rauben können. 2009 wurde ihm gegen die Parkinson-Symptome ein Hirnschrittmacher eingesetzt.[4] Er lebt mit seiner zweiten Frau Monika auf einem freistehenden Bauernhof in der Nähe von Pleiskirchen (Oberbayern).[5] Er hat zwei Töchter.[4]

Seit 2013 vertreibt er seine selbst erfundene Original Fredl-Fesl-Schunkelhilfe.[6] 2015 erschien seine Autobiografie Ohne Gaudi is ois nix im Volk Verlag. Das Buch enthält eine lange Liste von Wegbegleitern wie Zither-Manä, Mike Krüger, Konstantin Wecker, Hans Well, Willy Astor oder Martina Schwarzmann, die Fesl für seine Autobiografie eine ganz persönliche Erinnerungsgeschichte widmeten.

Selbst der Passauer Bischof Stefan Oster erhielt ein Exemplar von Fesls Autobiografie mit einer humorvollen Widmung, in der Fesl das Apostolische Schreiben von 2013, „Evangelii gaudium“ von Papst Franziskus dahingehend benennt, dass selbst in Rom ohne „Gaudi“ alles nichts sei. Mit einem ebenso humorvollen Kommentar publizierte und erwiderte der Passauer Bischof die freundliche Geste des Künstlers sogar auf seiner Facebook-Seite.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fredl Fesl bezeichnet seine Werke als „bayrische und melankomische Lieder“, was er auch für sein viertes Album als Untertitel wählte. Sie sind im Dialekt gehalten und wurzeln häufig in der Volksmusik, haben jedoch ausgesprochen humorvolle und hintersinnige Texte, nicht selten unter Verwendung von Wortspielen. Willy Astor steht mit seiner Wort-Komik stark in der Tradition von Fesl. Fesl selbst spielt Gitarre, Tuba, Trompete und Klavier. Ottfried Fischer bezeichnete ihn in seiner beliebten Kabarett- und Talk-Sendung Ottis Schlachthof im Bayerischen Fernsehen im Jahr 1999 treffend als Angehörigen der obersten Zunft der bayerischen Liedermacher, als „echten Pfundskerl“ und Rebell der eher sanfteren Sorte mit hintergründigem und skurrilem Humor.

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verleihung des Großen Karl-Valentin-Preises 2010
Fredl Fesl, Bayerischer Poetentaler 2017

Bekannte Titel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1976 Ritter Hadubrand
  • 1976 Taxilied (live oft als Ich will nicht nach Dachau angekündigt)
  • 1976 Der Königsjodler
  • 1977 Der edle Rittersepp
  • 1978 Anlass-Jodler
  • 1978 Fußball-Lied
  • 1978 Der Bi-Ba-Butzemann
  • 1978 Preiß’n-Jodler
  • 1978 Schulmeisterei
  • 1981 Sepp bleib’ da (zur Melodie von Adelita von Francisco Tárrega)
  • 1983 Ein Pferd hat vier Beiner
  • 1983 Weil i net mog
  • 2000 Riesenneger im Nieselregen

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fredl Fesl (1976)
  • Fredl Fesl 2 (1977)
  • Fredl Fesl – drei (1978)
  • Fredl Fesl 4 – Bayrische und melankomische Lieder (1981)
  • Die fünfte von Fredl Fesl (1983)
  • Fredl Fesl 6 – D’ Welt hat an Vogel (1993)

Sampler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fredl Fesl – Meine schönsten Lieder & Sprüche (1985 LP [CDS Schallplatten], 2006 CD [MVC])
  • Fredl Fesl – Eine Stunde mit Fredl Fesl (1989)
  • Fredl Fesl – Ein bayerischer Abend (1997)
  • Fredl Fesl – Anlass-Jodler (2003, Doppelalbum)
  • Fredl Fesl – Der bayerische Stier – Seine schönsten melankomischen Lieder (2005, Doppelalbum)
  • Fredl Fesl – Fußball-Lied und andere Erfolge (2005, 3 CDs)
  • Fredl Fesl – Ritter, Wirtsleut, Preiss’n und i (2007, 3 CDs, Alben 1–3)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auftritte und Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1977 spielte der Fesl im Film Die Jugendstreiche des Knaben Karl (handelt vom jungen Karl Valentin) einen Sänger und sang darin in einem Biergarten aus seinen Bibel-Gstanzl’n (Amen).
  • Für den Fernsehfilm Wunderland (1983) entstand das Lied Ich bin der Räuber Hotzenplotz.
  • 1989 hatte Fesl einen Gastauftritt in der Serie Meister Eder und sein Pumuckl in der Folge Pumuckl und die Musik. Er begründete sein verspätetes Erscheinen damit, dass sein Auto nicht angesprungen war, was als Anspielung auf seinen bekannten Anlass-Jodler zu deuten ist.
  • Die Dokumentation aus der Reihe Lebenslinien mit dem Titel Fredl Fesl: I bin wia i bin (2003) zeigt das Leben des Künstlers unter Verwendung zahlreicher Interviews und Ausschnitten seiner Auftritte.
  • Fesl kaufte sich privat einen Bagger. In mehreren Folgen von Ottis Schlachthof wurde er deshalb von Ottfried Fischer nach dem Bagger gefragt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fredl Fesl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Raimund Meisenberger: Der kerngesunde Humor des Fredl Fesl. Porträt zum 70. Geburtstag. Passauer Neue Presse, 17. September 2017, abgerufen am 7. Oktober 2017.
  2. Biographie auf seiner Website. Abgerufen am 14. Juli 2017.
  3. Klinsmann gewinnt Streit über Bierwerbung, Spiegel Online, 11. Februar 2009. Abgerufen am 14. Juli 2017.
  4. a b Fredl Fesl: Melankomisches Musikkabarett, br.de, 23. Mai 2012. Abgerufen am 14. Juli 2017.
  5. Thomas Grasberger: Fredl Fesl wird 70: Der König von Bairisch-Absurdistan - 2. Teil, br.de, 9. Juli 2017. Abgerufen am 14. Juli 2017.
  6. Fred Fesl hilft beim Schunkeln, ausführlich in MUH 11, 2013