Freguesia

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Die Freguesia [frɛɡɘˈziɐ] ist die kleinste Verwaltungseinheit und unterste Stufe der Körperschaften (autarquias) in der kommunalen Selbstverwaltung in Portugal, die etwa einer Gemeinde entspricht. Freguesias sind in Municípios zusammengefasst.

Auch in anderen Ländern, die zum Portugiesischen Weltreich gehörten, gibt es die Freguesia als Verwaltungseinheit noch, insbesondere in der Verwaltungsgliederung Kap Verdes.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff freguesia leitet sich von der vulgärlateinischen Bezeichnung filius ecclesiae („Sohn der Kirche“) her[1] und ist die weltliche Entsprechung der Pfarrgemeinde, die man im Deutschen als Kirchspiel bezeichnet hat.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Liberalen Revolution in Portugal 1822 und dem Miguelistenkrieg 1834 war im Königreich Portugal die kirchliche Gemeinde (Paróquia) mit der staatlichen Verwaltungseinheit identisch. Mit der Verwaltungsreform vom 18. Juli 1835 wurden die behördlichen Gemeinden von den kirchlichen unterschieden. Mit Gesetz vom 23. Juni 1916 wurden die staatlichen Verwaltungseinheiten fortan Freguesias genannt. Umgangssprachlich hat sich bis heute jedoch der Begriff der Freguesia auch für die Kirchengemeinde gehalten.[2]

Bis 2013 hatte Portugal 4259 Freguesias, die mit der Administrativen Neuordnung in Portugal 2013 auf 3091 reduziert wurden. Die Umsetzung erfolgte nur in Kontinentalportugal (Stand: Februar 2015); in den Autonomen Regionen Madeira und Azoren ist sie den beiden Insel-Parlamenten anvertraut.

Auch in einigen ehemals portugiesischen Überseegebieten findet man heute noch diese administrative Gliederung, wobei sie in Kap Verde der portugiesischen am ähnlichsten geblieben ist. Macau etwa ist in sieben Freguesias eingeteilt.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Freguesias sind zu einem Município zusammengefasst. Eine Freguesia kann ein sehr kleines Territorium haben, es gibt jedoch auch Freguesias, deren Gebiet 100 km² überschreitet oder Dutzende kleinere Orte beinhaltet. Ebenso kann die Bevölkerungszahl sehr stark variieren. Es ist für die Municípios möglich, neue Freguesias zu gründen, innerhalb gesetzlich festgelegter Rahmenbedingungen.

Momentan gibt es in Portugal sechs Municípios, die nur eine einzige Freguesia beinhalten.[3] Der Município mit der höchsten Anzahl an Freguesias ist Barcelos mit 89 Gemeinden.

Im Rahmen der statistischen Gliederung der EU bilden die Freguesias die fünfte und unterste Stufe (LAU 2; siehe auch: NUTS:PT).

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jede Freguesia wird von einer Junta de Freguesia, zu Deutsch etwa Ratsversammlung der Gemeinde als Exekutivorgan regiert. Dieses wird von der gewählten Assembleia de Freguesia, also der Gemeindeversammlung gewählt.

Der Präsident der Junta da Freguesia ist der Leiter der Gemeinde und entspricht einem Bürgermeister. Er ist geborenes Mitglied, also automatisch Mitglied der Assembleia Municipal des zugehörigen Municípios.

Die Zuständigkeiten der Freguesia sind grundsätzlich nicht sehr umfassend, weswegen in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung dem Organ des Municípios, der Câmara Municipal und ihrem Präsidenten, eine größere Bedeutung zukommt, wobei ihre Stellung und ihr Einfluss aufgrund der Möglichkeit der Übernahme von munizipalen Zuständigkeiten tatsächlich sehr unterschiedlich sein kann. Insgesamt aber erreicht die gemeindliche Selbstverwaltung nicht einen mit deutschen Gemeinden vergleichbaren Grad, insbesondere fehlt den Freguesias die allgemeine Planungshoheit.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • José António dos Santos: As Freguesias. História e actualidade. Celta Editora, Oeiras 1995, ISBN 978-972-8027-38-4.
  • Isabel Silva (Hrsg.): Dicionário Enciclopédico das Freguesias. 2. Auflage, 4 Bände. Minha Terra, Matosinhos 1996–98 (portugiesisch):
    • Band 1: Braga, Porto, Viana do Castelo. Minha Terra, Matosinhos 1996, ISBN 972-96087-2-3 (formal falsch) (portugiesisch).
    • Band 2: Aveiro, Coimbra, Leiria, Santarém e Viseu. Minha Terra, Matosinhos 1997, ISBN 972-96087-5-X (portugiesisch).
    • Band 3: Bragança, Guarda, Vila Real. Minha Terra, Matosinhos 1997, ISBN 972-96087-7-6 (portugiesisch).
    • Band 4: Beja, Castelo Branco, Évora, Faro, Lisboa, Portalegre, Setúbal, Açores, Madeira. Minha Terra, Matosinhos 1998, ISBN 972-97885-0-2 (portugiesisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freguesia. In: Grande Enciclopédia Portuguesa e Brasileira. 40 Bände. Hrsg. von António Mendes Correia, António Sérgio, Armando Gonçalves Pereira, António Maria Godinho u. a. Editorial Enciclopédia, Lisboa/Rio de Janeiro 1935–1960, OCLC 490044460.
  2. Freguesia. und Freguesia vs. Paróquia. In: www.terrasdeportugal.com, abgerufen am 7. Oktober 2012.
  3. Zu den fünf einschlägigen Municípios in Kontinentalportugal kommt der „Sonderfall“ der azorischen Insel Corvo hinzu. Der vormals hier zuzurechnende Município Entroncamento wurde in zwei Freguesias geteilt. Vgl. Freguesia. In: www.terrasdeportugal.com, abgerufen am 16. Juni 2016.