Freibad Plötzensee

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Freibad Plötzensee, Hauptgebäude

Das Freibad Plötzensee, auch Strandbad Plötzensee, ist ein Freibad am Westufer des Plötzensees im Berliner Ortsteil Wedding. Das Bad geht auf mehrere Vorgänger im 19. Jahrhundert zurück. Die heutige Gestaltung und das denkmalgeschützte Hauptgebäude stammen aus den 1920er Jahren. Da der Plötzensee als Landschaftsschutzgebiet geschützt ist, ist der Besuch des Freibads der einzig legale Weg, um im See zu baden. Das Bad gehört den Berliner Bäder-Betrieben, die es verpachtet haben. An Spitzentagen kommen etwa 10.000 Besucher in das Bad.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute liegt der Plötzensee zwar im Wedding, allerdings kam er erst relativ spät zu Berlin. Bis 1915 gehörte der See zum Gutsbezirk Plötzensee, deren Gutsherr die preußische Armee war. Die privaten Schwimmbadbetreiber bekamen ihre Erlaubnis von der Armee, das Militärbad lag auf ihrem eigenen Gelände. Erst nachdem der See 1915 zu Berlin kam, begann der Magistrat sich für den See zu interessieren und startete wenige Jahre später den Bau eines öffentlichen Freibades.

Zivile Bäder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich am Plötzensee eine kleinere Badestelle am Westufer mit einem Nichtschwimmerbereich und einem Bademeister.[2] Eine erste größere private Schwimmanstalt errichtete der Turn- und Fechtlehrer Wilhelm Auerbach – nach dem der Auerbachsalto benannt ist – 1877. Das Auerbachsche Wellenbad verfügte über ein Schaufelrad, mit dem im Wasser Wellen erzeugt wurden. Darüber hinaus war dort ebenfalls ein Sprungturm und es gab getrennte Bereiche für Männer und Frauen. 1906 wechselte das Bad seinen Besitzer. Das nun Pantziersche Wellenbad genannte Bad war eine große Publikumsattraktion. Die Umkleidekabinen reichten für 800 Personen. Neben dem Wellenrad verfügte es über einen abgesperrten wettkampffähigen 50-Meter-Becken-Bereich, der auf 100 Meter erweitert werden konnte. Ebenfalls gehörte weiterhin ein kleines Damenbad zum Bad.[2]

Militärbad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls seit 1850 nutzte die preußische Armee den Plötzensee zum Schwimmen. Die nahe gelegenen Rehberge dienten der Armee als Übungsgelände und so entstand am Ostufer des Plötzensees eine militärische Badeanstalt. Erst nur ein Freigelände mit etwa 10.000 m² in Wald und Wiese, gab es seit 1891 auch Gebäude mit Umkleiden. Zum Bad gehörten ein Floß, die Trennung zwischen Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich sowie verschiedene Sprungbretter. Die Becken des Militärbades waren auf 12 Meter Tiefe ausgeschachtet.[2]

Das heutige Bad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strand, 2005

Das heutige Gelände entstand in den 1920er Jahren. Zusammen mit der Entstehung des Volksparks Rehberge sollte der bis dahin noch kaum erschlossene Wedding als Freizeitort für die im Wedding lebenden Arbeiter umgestaltet werden. Die Planungen zur Errichtung eines öffentlichen Bades begannen 1922. Der Bau des Bades sowie die Umgestaltung des Geländes dauerten mehrere Jahre. Die Eröffnung fand, auf einer Baustelle, schon 1923 statt. Schon bald nach der Eröffnung kamen in den Sommermonaten bis zu 10.000 Besucher am Tag.[2] Zu Hochzeiten stiegen die Besucherzahlen des Bades auf 30.000 bis 40.000 Besucher am Tag.[3] Die Fertigstellung des Bades erfolgte von 1926 bis 1928.[4] Ursprünglich gehörten eine 100-Meter-Bahn im Wasser und ein Zehn-Meter-Sprungturm zum Bad, die jedoch beide den Zweiten Weltkrieg nicht überlebten.[2] Nach dem Krieg entstanden bis 1951 eine neue 100-Meter-Bahn, eine 50-Meter-Bahn und zwei 25-Meter-Becken sowie ein 5-Meter-Sprungturm, von denen heute auch keine Spuren mehr existieren. Bis 1955 kamen eine große Wasserrutsche und Drei-Meter-Bretter hinzu.[2]

Zum Bau einer Wasserskianlage, die in den 1970er Jahren geplant war, kam es nicht.[2]

Der Plötzensee selbst hat keine oberirdischen Zu- oder Abflüsse, so dass er auf die Belastung durch Schwimmende relativ sensibel reagiert. Bis in die 1990er Jahre hinein hatte sich die Lage so verschlimmert, dass der See umzukippen drohte. Ab 1997 reicherte Berlin den See mit Sauerstoff an und pumpte mehrere tausend Tonnen Faulschlamm ab.[2] Auch wenn das Wasser mittlerweile als unbedenklich eingestuft wird, kann es immer wieder kurzfristig zum Auftreten von Blaualgen kommen, wie zum Beispiel im August 2014.[5]

Im Jahr 2009 wurde das Bad dann an die heutigen Pächter verpachtet.[6]

Gelände und Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gestaltet wurden Anlage durch den Gartenbaudirektor Rudolf Germer und die Gebäude durch die Architekten Walter Krüger und Johannes Krüger. Das ursprüngliche Ufer lag mehrere Meter über dem Wasserspiegel des Sees. Für den Umbau zum Bad wurde das Ufer direkt am See abgetragen und dort ein künstlicher Sandstrand errichtet. In der Mitte des Hauptgebäudes führt eine breite Treppe aus Granit hinauf auf das eigentliche Uferniveau. Links und rechts der Treppe befinden sich vorgewölbte Gebäude mit Sanitäranlagen, Aufenthaltsräumen und Gastronomie unter einem schiefergedeckten Kegeldach. Daneben trennen Stützmauern Ufer und Wiesen, an den Stützmauern sind Terrassen angebracht.[4] Jeweils am nördlichen und südlichen Ufer des Strandes sind kleinere turmartige Pavillons, die im unteren Stockwerk einen Kiosk beherbergen und im oberen einen Freisitz mit Blick auf den See. Über diesen ist auch ein schiefergedecktes Kegeldach.

Unfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Kaiserreich und zu Zeiten der Weimarer Republik kam es immer wieder zu Todesfällen im Plötzensee, so dass der See Anfang des 20. Jahrhunderts im Volksmund auch „Totes Meer“ hieß. Allein im Juni 1920 starben zehn Menschen im See. Als ursächlich galten damals wechselnde Wassertiefen und Wassertemperaturen, die Nichtschwimmer und ungeübte Schwimmer überforderten.[2]

Im See kommen auch heute noch Menschen durch Ertrinken ums Leben. Meist handelt es sich jedoch nicht um Freibadbesucher, sondern um Personen, die vom gegenüberliegenden Seeufer baden gehen. 1992 schwamm ein Betrunkener auf den See und ertrank.[3] 2014 kam es zu großer öffentlicher Aufmerksamkeit als ein Mann im See ertrank. Der Ertrunkene stammte aus Kamerun, der damals diensthabende Schwimmmeister und Betriebsleiter soll sich nach Zeugenaussagen geweigert haben, den Mann zu retten. Der damalige Schwimmmeister selber war ein Aussteiger aus der rechtsextremen Szene. Mehrere Zeugen und Badbesucher hatten sich schon länger darüber beschwert, dass das Personal einschlägige Szenekleidung getragen hatte oder ihre Handys als Klingelton Musik einer Neonazi-Band aufwiesen. Im anschließenden Prozess wurde der Schwimmmeister frei gesprochen.[5] 2015 verschwand ein Mann, der ebenfalls wild an einer ungesicherten Uferstelle in das Bad eingestiegen war.[7]

Ebenfalls zu Auseinandersetzungen wegen des Personals kam es 2013. Ein im Bad geplantes lateinamerikanisches Musikfestival wurde kurzfristig abgesagt. Laut dem Veranstalter waren er und sein Team vom Personal rassistisch beleidigt worden und vom Betreiber eines Crêpe-Standes auch tätlich angegriffen worden. Der ehemalige Betreiber wies die Vorwürfe zurück und machte allein die mangelnde Genehmigung durch die Stadt für die Absage verantwortlich. Das Festival selbst fand dann im Yaam statt.[8]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte von 1915 mit dem Gelände der Militärbadeanstalt am rechten Seeufer

Eine erste Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung bekam der See durch den Hauptmann von Köpenick. Dieser stellte 1906 Soldaten unter sein Kommando, die gerade vom Wachdienst an der Militärbadeanstalt gekommen waren.

Literarisch kommt das Bad auch mehrfach in dem mittlerweile als Buch veröffentlichten Blog Arbeit und Struktur von Wolfgang Herrndorf vor. Der Blog entstand, nachdem Herrndorf mit einem Hirntumor diagnostiziert wurde und schildert sein Leben in der Zeit. Herrndorf, Schwimmer und nahe dem See wohnend, suchte diesen immer wieder auf und schilderte das im Blog.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Freibad Plötzensee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alina-Doreen Gröning: Berliner Bäder-Betreiber klagen über den Sommer ohne Sonne. In: BZ. 21. August 2016, abgerufen am 26. August 2016.
  2. a b c d e f g h i Uta Maria Bräuer und Jost Lehne: Bäderbau in Berlin. Lukas Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86732-129-7, S. 35–36.
  3. a b Sabine Deckwerth: Tausende zog es am Wochenende zum Plötzensee/Gesundheitsverwaltung: alle Frei- und Strandbäder mit guter Wasserqualität: Im Schatten des Recorders steht die Büchse Bier. In: Berliner Zeitung. 25. Juli 1994, abgerufen am 26. August 2016.
  4. a b Matthias Donath: Bezirk Mitte, Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen. In: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Berlin. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2004, S. 246–247.
  5. a b Online-Redaktion: Und jetzt auch noch Algen › BERLINER ABENDBLATT › Plötzensee, Strandbad › Wedding-Tiergarten. Abgerufen am 26. August 2016.
  6. Beate Brehm: Neue Männer braucht der Strand. In: Der Tagesspiegel. 9. Mai 2009, abgerufen am 26. August 2016.
  7. Berliner Morgenpost - Berlin: Mann verschwindet beim Baden im Plötzensee. In: morgenpost.de. 5. Juli 2015, abgerufen am 26. August 2016.
  8. Sophie Maass: Streit im Strandbad Plötzensee. In: Der Tagesspiegel. 31. Mai 2013, abgerufen am 26. August 2016.

Koordinaten: 52° 32′ 36,7″ N, 13° 19′ 45,7″ O