Freie Gewerkschaften (Osteuropa)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Auch in den realsozialistischen Ländern des ehemaligen Ostblocks gab es zahlreiche Bemühungen, von den offiziellen Gewerkschaftsverbänden unabhängige freie Gewerkschaften zu gründen. In der Mehrzahl wurden sie als freie Gewerkschaften bezeichnet oder hießen sogar so.

Tschechoslowakei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Forderungen, freie und unabhängige Gewerkschaften zu etablieren, wurden während des Prager Frühlings in der damaligen Tschechoslowakei 1967/1968 gestellt. Es handelte sich dabei nicht explizit um die Gründung eines neuen Verbandes, weil es bald gelang, die bestehenden Gewerkschaften schnell zu transformieren. Sie wurden bald zu einer der treibenden Kräfte des Reformprozesses – vor allem unter dem Druck der Mitglieder.[1]

Sowjetunion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zaghafte Versuche, freie Gewerkschaften zu gründen, wurden auch in der Sowjetunion in den 70er Jahren unternommen, jedoch ohne Bedeutung erlangt zu haben (wie in Polen oder Rumänien).

Rumänien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 1979 gründeten einige Intellektuelle (Ionel Cană, Gheorghe Brasoveanu, Vasile Paraschiv) und Arbeiter in Bukarest die „Freie Gewerkschaft rumänischer Werktätiger“ SLOMR (Sindicatul liber al oamenilor muncii din Romania), in anderen Städten wie Timișoara, Arad und anderen folgten einige Ableger.[2] Die Gewerkschaften wurden jedoch sehr bald vom rumänischen Geheimdienst Securitate aufgelöst, einzelne Gründungsmitglieder sowie Sympathisanten verhaftet, vor Gericht gestellt und teilweise zu hohen Haftstrafen verurteilt.[3]

Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datei:Solidarnosc.png
Solidarność-Logo

Den höchsten Bekanntheitsgrad und Erfolg erzielte die polnische Bewegung Solidarność. Der Durchbruch der 1980 gegründeten Gewerkschaft unter der Führung von Lech Wałęsa, der sich bald Millionen Bürger anschlossen, konnte nur durch das von General Wojciech Jaruzelski verhängte Kriegsrecht gestoppt werden, auch das nur vorübergehend. In der Folge führten die Aktivitäten dieser Bewegung zum Fall des Regimes in Polen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max Borin, Vera Plogen [Pseudonyme für Richard Sklorz und Sibylle Plogstedt], Management und Selbstverwaltung in der CSSR, Berlin: Verlag Klaus Wagenbach, 1970 (Rotbuch Nr. 4)
  2. Siebenbürgische Zeitung vom 20. März 2009 - Interview mit Carl Gibson: Legitimer Protest gegen Ceauşescu-Diktatur; abgerufen am 3. Februar 2016
  3. SLOMR in Dialog, Dokumentation, in: Zeitschrift des Demokratischen Kreises der Rumänen in Deutschland, Heft März, 1989

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jerzy Holzer: Solidarität. Die Geschichte einer freien Gewerkschaft in Polen. Beck, München 1985, ISBN 978-3406306037
  • Carl Gibson: Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur. Röll, 2008, ISBN 978-3897542976
  • Sibylle Plogstedt: Arbeitskämpfe in der sowjetischen Industrie (1917-1933). Campus, Frankfurt/New York 1980