Freie Waldorfschule Oldenburg

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Freie Waldorfschule Oldenburg, 1928 als Volksmädchenschule Blumenhof gegründet. Entwurf von Robert Charton. Frontansicht mit Eingang. Links der Schulbrunnen
Freie Waldorfschule Oldenburg
Schulform Waldorfschule
Gründung 1980
Adresse

Blumenhof 9

Ort Oldenburg
Land Niedersachsen
Staat Deutschland
Koordinaten 53° 8′ 0″ N, 8° 13′ 20″ OKoordinaten: 53° 8′ 0″ N, 8° 13′ 20″ O
Träger Verein für ein freies Schulwesen Waldorfschulverein Oldenburg und Umgebung e.V.
Schüler 480
Lehrkräfte 30
Leitung Leitungsteam
Website http://www.waldorfschule-oldenburg.de/

Die Freie Waldorfschule Oldenburg in Osternburg ist die erste Schule der ehemaligen Residenzstadt des Großherzogtums Oldenburg und heutigen niedersächsischen Universitätsstadt Oldenburg, die nicht in kirchlicher oder öffentlicher Trägerschaft geführt wird.

Das Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freie Waldorfschule Oldenburg, Haupteingang

Das Schulgebäude und die Siedlungshäuser der Straße Blumenhof wurden 1925/26 von dem Oldenburger Stadtbaurat Robert Charton entworfen. Das Gelände war ab 1830 von den oldenburgischen Landdragonern, dann der Artillerie und schließlich vom Königlich Preußischen Proviantamt genutzt worden, das 1920 aufgelöst wurde. Für den Bau war die Summe von 400.000 Reichsmark bewilligt worden, wovon Charton nur 360.000 verbrauchte, wie die Nachrichten für Stadt und Land am 1. Februar 1928 hervorhoben. Seinerzeit galt der Bau als einer der großzügigsten Deutschlands.

Baubeginn war der 25. September 1926, am 1. April 1927 wurde das Hauptgebäude fertiggestellt. Aufgrund einer Frostperiode verschob sich die Aufnahme des Schulbetriebs vom 5. Januar auf den 1. Februar 1928. Die Schule trug ursprünglich den Namen Volksmädchenschule Blumenhof, der offenbar nach dem Zweiten Weltkrieg in Volksschule Blumenhof umgewandelt wurde. Die Mädchenschule hatte sich bis dahin an der Cloppenburger Straße befunden.

Das Hauptgebäude besteht aus vier Geschossen und einem Dach. Im Kellergeschoss befand sich die Hausmeisterwohnung und der Milchtrinkraum, der gleichzeitig als Modellierraum genutzt werden konnte. Die Hausmeisterwohnung besaß einen separaten Eingang, so dass im Fall einer Erkrankung der Hausmeisterfamilie keine ansteckenden Krankheiten auf Schüler und Lehrer übertragen werden konnten.

Im Erdgeschoss waren vier so genannte Normalklassen und das Hausmeisterdienstzimmer untergebracht. Im I. Obergeschoss befanden sich das Lehrer- und ein Konferenzzimmer, das Rektorzimmer und drei Normalklassen. Im II. Obergeschoss waren eine Normalklasse, eine Nähklasse, der Zeichensaal (gleichzeitig Physikzimmer), der Sammelraum und das Lehrmittelzimmer untergebracht. Das Dachgeschoss war nicht ausgebaut. Auf den Fluren waren Wandbrunnen aus Klinkern und Kunstsandstein eingebaut.

Das Zwischengebäude am Blumenhof enthielt getrennte Toilettenräume für Lehrerinnen, Lehrer und Schülerinnen sowie einen Turnraum, der separat von außen betreten werden konnte. Im Obergeschoss befand sich der Vorraum des Singsaals, geschmückt mit einem Gemälde von Christian Rohlfs.

Die Turnhalle enthielt neben der eigentlichen Halle Garderobenräume und einen Umkleideraum für den Lehrer. Im Obergeschoss war der Singsaal einschließlich einer kleinen Bühne untergebracht.

Linksseitig vom Hauptgebäude wurde ein Schulgarten nach dem Vorbild eines Musterkleingartens angelegt, der von dem Gartenarchitekten Hempel mitbetreut wurde. Der 2800 Quadratmeter umfassende Spielplatz enthielt eine Sandgrube für die jüngsten Jahrgänge. Vor dem Hauptgebäude befanden sich Grünanlagen. In der Mitte des Schulhofs befindet sich bis heute der von der Bildhauerin Elsa Oeltjen (auch Oeltjen-Kasimir) (1887–1944) geschaffene Brunnen im expressionistischen Stil.

Nach Zeitzeugenberichten war im Dachgeschoss während der Endphase des Zweiten Weltkriegs ein Notlazarett untergebracht, im heutigen Heizungsraum im Kellergeschoss links vom Haupteingang befand sich ein Luftschutzraum.

1966 wurde der letzte Volksschuljahrgang eingeschult. Offenbar 1975 zog die nunmehrige Hauptschule in die Gorch-Fock-Straße 3 um, während die bislang in der Cloppenburger Straße 28 untergebrachte Pestalozzischule Oldenburg als Förderschule in die Blumenhofschule umzog. 1989 wurde das Schulgebäude von der Freien Waldorfschule Oldenburg übernommen und die Pestalozzischule offensichtlich aufgelöst.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freie Waldorfschule Oldenburg, Blick auf die Aula

Am 13. September 1980 begann die Freie Waldorfschule Oldenburg in den Räumen der Hermann-Ehlers-Schule ihren Unterricht mit 66 Schülern in 3 Klassen. 1989 konnte die Schule nach umfangreichen Um- und Anbauten und einer gründlichen Renovierung das Gebäude der 1926–27 erbauten ehemaligen Mädchenschule übernehmen. Neu entstanden ein Pavillon mit Unterrichtsräumen für Eurythmie, Malen, Plastizieren, Handarbeit und weitere Gruppenräume, eine Turnhalle, die gleichzeitig als Kulturbühne dient, und eine Musikaula für Unterricht und Konzerte. Im Jahr 2005 kamen Seminarräume für den Abiturvorbereitungskurs und im Sommer 2007 eine neugebaute Turnhalle auf dem ehemaligen Bahlsengelände dazu. Bekannter Schüler der Schule ist:

Heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freie Waldorfschule Oldenburg, Schulbrunnen. Der Schulbrunnen wurde 1927/28 von der Bildhauerin Elsa Oeltjen-Kasimir (1887–1944) entworfen

Heute werden etwa 480 Schülerinnen und Schüler in 13 Klassen von 30 Lehrerinnen und Lehrern in der Freien Waldorfschule Oldenburg unterrichtet. Die meisten Schüler erreichen entweder den Realschulabschluss nach Kl. 12, auf Antrag in manchen Fällen auch nach Kl. 11, oder das Abitur nach Kl. 13.
Mit dem Realschulabschluss der Freien Waldorfschule Oldenburg ist es möglich das Fachabitur an der Fachoberschule für Gestaltung nach nur einem Jahr zu erlangen. Die klare Mehrzahl erreicht bisher das Abitur nach Besuch der zweijährigen Qualifikationsphase in Kl. 13. Für die Qualifikationsphase zum Abitur besteht eine Kooperation mit den Freien Waldorfschulen in Evinghausen, Cuxhaven und Aurich. 2015 erlangten 55 Schülerinnen und Schüler die allgemeine Hochschulreife.

2015/16 feierte die Freie Waldorfschule Oldenburg ihr 35-jähriges Bestehen.

Die Theater- und Eurythmieaufführungen, die Instrumental-, Pop- oder Chorkonzerte der Freien Waldorfschule Oldenburg, aber auch die Ausstellungen zu den künstlerischen Abschlüssen in Kl. 12 oder die Präsentation der Facharbeiten zum Halbjahr in Kl. 11 sind immer wieder Höhepunkte des kulturellen Lebens in Oldenburg und Umgebung. Eine Reihe von Schülern absolvieren während ihrer Schullaufbahn Auslandsaufenthalte oder absolvieren eines der zahlreichen Praktika in Mittel- und Oberstufe im Ausland. 2014 und 2015 waren Schüler der Freien Waldorfschule Oldenburg beim Wettbewerb "Jugend Forscht" im Bereich Physik erfolgreich. 2014 wurden 10 Jugendliche und 2015 nochmals 8 Jugendliche dieser Schule als Stipendiaten der Stiftung Mercator und der Robert-Bosch-Stiftung zur Teilnahme an der Summer School der Sabanci Universität Istanbul ausgewählt.

Erstmals 2014–16 und erneut 2016–17 wird die Lehrerbildung der Freien Waldorfschule Oldenburg durch das Erasmus+ Programm gefördert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Neubau der Volksmädchenschule in Osternburg. Einfache und solide, aber gediegene Ausführung. – Die modernste Volksschule in Groß-Oldenburg, in: Nachrichten für Stadt und Land vom 1. Februar 1928, S. 13.
  • (Robert) Charton (Hg.): Neue Stadtbaukunstkunst Oldenburg i. O., Berlin/Leipzig/Wien 1929.
  • Stadtadreßbuch Oldenburg 1975/75, S. 12.
  • Stadtadreßbuch Oldenburg 1975/76, S. 11.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]