Freienhagen (Waldeck)

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Freienhagen
Stadt Waldeck
Koordinaten: 51° 16′ 45″ N, 9° 3′ 58″ O
Höhe: 418 (325–475) m ü. NHN
Fläche: 18,85 km²[1]
Einwohner: 785 (Okt. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 42 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Postleitzahl: 34513
Vorwahl: 05634
Freienhagen von Nordwesten
Freienhagen von Nordwesten

Freienhagen ist ein Stadtteil der Stadt Waldeck im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freienhagen, das sich nördlich der Kernstadt von Waldeck im Langen Wald befindet, liegt auf einem nach Osten gerichteten Hügelsporn und wird von zwei Quellbächen der Watter um- bzw. durchflossen. Es grenzt im Norden an Dehringhausen, im Osten an Ippinghausen und Landau, im Süden an Netze und im Westen an Sachsenhausen. Der Ort liegt an der B 251 bzw. an der Deutschen Fachwerkstraße. Höchste Erhebung bei Freienhagen ist mit 475 m ü. NN der im „Freienhagener Stadtwald“ etwa 1,5 km südwestlich der Ortschaft an dieser Bundesstraße gelegene Berg „Stirn“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1231 wurden vermutlich schon die Stadtrechte erteilt, wobei die ältest gekannt urkundliche Erwähnung, als Vrigenhagen aus dem Jahr 1251 stammt,[2] hier wird ein Scultetus als Bürgermeister und Bürger zu Freienhagen genannt. Allerdings ist davon auszugehen, dass der Ort viel älter ist. In verschiedenen Quellen wird berichtet, dass schon Karl der Große ein Freigericht in Freienhagen angeordnet haben soll; die erste bekannte urkundliche Erwähnung des Freigerichts findet sich allerdings erst 1371, als es zur Hälfte an die Landgrafen von Hessen abgegeben werden musste. Das Freienhagener Freigericht tagte zuerst auf dem "Schiebenscheid" (einer Anhöhe in der Nähe von Sachsenhausen) und später unter der Linde am "Steinborn". Unter den Freigrafen Sigmund Manegold (1435–1455) und Johann Manhoff (1438–1458) erreichte es seine größte Bedeutung; selbst der Deutsche Orden und die Städte Frankfurt und Köln wurden nach Freienhagen zitiert.

Um 1368 gelangte Freienhagen in den gemeinsamen Besitz des Erzbistums Mainz und des hessischen Landgrafen Heinrich II. Der Landgraf und der Mainzer Erzbischof Gerlach von Nassau besetzten die Stadt gewaltsam, wohl auch um sich Einfluss am damals sehr angesehenen Freistuhl Freienhagen und dessen Einnahmen zu sichern. Sie schleiften die alte, zu eng gewordene „waldeckische“ Stadtmauer um die Unterstadt und bauten eine Burg am oberen Tor der neuen, weiträumigeren „hessischen“ Stadtmauer zur Sicherung gegen waldeckische Angriffe, die nur aus der Richtung von Sachsenhausen Erfolg haben konnten. Die Wohnfläche innerhalb der weit großzügigeren neuen Mauer war fast doppelt so groß wie zuvor. Im Jahr 1369 wurde Adolf von Itter als Erbburgmann von beiden Parteien bestätigt. Um 1371 besaß Freienhagen eine geschlossene Stadtmauer mit zwei Stadttoren. Durch den Ort führte die alte Handelsstraße von Köln nach Leipzig.

In den späteren Auseinandersetzungen zwischen Hessen und Mainz fielen Ort und Burg gänzlich an Hessen. Die hessischen Landgrafen gaben die Stadt den Waldecker Grafen zu Lehen. Graf Wolrad I. von Waldeck verpfändete im 15. Jahrhundert den Ort an Kurt von Viermund, löste dieses Pfand aber 1472 wieder ein. Vermutlich war die hessische Oberhoheit um diese Zeit bereits verloren gegangen. Freienhagen war Sitz eines Amtes. 1578 ging es zur Hälfte an das Amt Landau.

Im Jahr 1947 errichtete die damals durch ihr Holzreichtum sehr wohlhabende Stadt zeitgleich eine Stadthalle, einen Sportplatz und ein Freibad direkt nebeneinander an der Straße nach Dehringhausen.

Am 1. Januar 1974 wurde die Stadt Freienhagen kraft Landesgesetz als Stadtteil in die Stadt Waldeck eingemeindet.[3][4] Dadurch wurde Ober-Werbe ein Stadtteil von Waldeck. Für Freienhagen und die anderen Stadtteile wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1738: 91 Häuser
• 1770: 120 Häuser
Freienhagen: Einwohnerzahlen von 1770 bis 2016
Jahr  Einwohner
1770
  
700
1800
  
?
1834
  
912
1840
  
938
1846
  
993
1852
  
936
1858
  
956
1864
  
914
1871
  
844
1875
  
813
1885
  
831
1895
  
815
1905
  
755
1910
  
718
1925
  
719
1939
  
671
1946
  
982
1950
  
962
1956
  
851
1961
  
837
1967
  
826
1980
  
?
1990
  
?
2003
  
964
2007
  
875
2009
  
850
2011
  
840
2016
  
812
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2]; Stadt Waldeck; Zensus 2011[6]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Freienhagen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[2][7]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1885: 815 evangelische (= 100,00 %) Einwohner
• 1961: 746 evangelische (= 89,13 %), 89 katholische (= 10,63 %) Einwohner

Vorgeschichtliche Ansiedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der „Hünenburg“, einem 452 m hohen Berg im „Freienhagener Stadtwald“ rund 2,2 km südwestlich der Ortschaft, wurden Spuren einer vorgeschichtlichen Ansiedlung gefunden. Rund 1,5 km westlich davon befindet sich nord-nordöstlich von Sachsenhausen das Kulturdenkmal „Tanzplatz“ (472 m ü. NN).

Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1354 wird erstmals eine Burg in Freienhagen erwähnt;[8] es soll sich um ein mit Wallgraben gesichertes Steinhaus am Westrand des Orts gehandelt haben. Als Erbauer werden die Waldecker Grafen genannt. Zu den späteren Besitzern gehörten die Landgrafen von Hessen und die Erzbischöfe von Mainz. Vermutlich wurde die Burg bei einem Stadtbrand 1780 zerstört; von ihr sind keine Reste geblieben.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche wird erstmals 1270 erwähnt, über ihre Entstehung ist wenig bekannt. Sie ist der Jungfrau Maria und den Aposteln Petrus und Paulus geweiht. Von 1411 bis zur Einführung der Reformation 1527 wurde sie auch als Konventskirche der Wilhelmiten genutzt, da der kleine Konvent keine eigene Kirche hatte. Der Turm ist 30 Meter hoch und hat zwei Meter dicke Wände, was auf eine frühere Wehrkirche schließen lässt. 1712 wurden drei schieferbehangene Stockwerke auf die Wehrmauern aufgesetzt und mit einer in sich gedrehten Zwiebelkuppel beendet. Eine ähnliche „verdrehte Kaffeekanne“ findet man auch in Landau. Das Kirchenschiff ist nahezu quadratisch und mit drei Jochen unterteilt. Grundriss und Bauform sind deutlich mit denen einer westfälischen romanischen Hallenkirche vergleichbar.[9]

Kloster Freienhagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich nachweisbar sind die Wilhelmiter Mönche von 1411 bis 1502. Sie kamen aus dem Kloster Witzenhausen[10] und führten ein kleines Kloster, dass sich vermutlich östlich der Kirche auf dem Pfarrgelände befand. In einer Urkunde von 1518 wird der „Convent zom Frienhagen Sant Wilhelmsorden“ erwähnt. Die Mönche benutzten die Freienhager Stadtkirche als ihre Konventskirche. Vermutlich wurde das Kloster um 1527 aufgehoben, nach Einführung der Reformation durch Graf Philipp IV. in der Grafschaft Waldeck 1526. Die Besitzungen, wie Wohnung und Gärten, erhielt die evangelische Pfarre (Pfarrgemeinde).[11][12][13]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ursprüngliche Freienhagen ist ein relativ regelmäßig aufgebauter Ort, der an einer Hauptstraße, der heutigen Kasselerstraße (der B 251), und zwei dazu parallel verlaufenden Hinterstraßen, der Nordstraße und der Südstraße, die untereinander durch Gassen verbunden sind, angelegt ist. Noch heute prägt die Landwirtschaft den Ort.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswert sind die im spätromanischen und gotischen Stil erbaute Wehrkirche mit seltener in sich gedrehter Zwiebelkuppel (verdrehte Kaffeekanne) sowie die vielen gut erhaltenen, denkmalgeschützten Fachwerkhäuser und eine nahe bzw. nördlich des Orts stehende Mühle im oberen Tal der Watter. Die untere Wattermühle, 1717 von den Fürsten zu Waldeck erbaut, erhielt 2008 den Hessischen Denkmalschutzpreis.[14]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kindergarten

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Martinius (1572–1630), deutscher Theologe, geboren in Freienhagen
  • Justus Lippe (1840–1919), deutscher Landwirt und Politiker, 1886 bis 1919 auch Bürgermeister von Freienhagen, geboren in Freienhagen
  • Ewald Schäfer (1905–2001), in Freienhagen geborener Musikpädagoge und Liedkomponist
  • Georg F. Backhaus (* 1955), deutscher Agrarwissenschaftler und Präsident des Julius Kühn-Instituts Quedlinburg, geboren in Freienhagen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Freienhagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stadtteil Freienhagen. In: Webauftritt. Stadt Waldeck, abgerufen im Dezember 2020.
  2. a b c d e Freienhagen, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Frankenberg und Waldeck (GVBl. II 330-23) vom 4. Oktober 1973. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1973 Nr. 25, S. 359, § 4 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,3 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 409.
  5. Hauptsatzung. (PDF; KK kB) § 6. In: Webauftritt. Stadt Waldeck, abgerufen im August 2020.
  6. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Burg Freienhagen, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Burgen, Schlösser, Herrenhäuser. (Stand: 12. Dezember 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  9. Kirche St. Peter und Paul (Ev. Kirchengemeinde Freienhagen)
  10. ehem. Wilhelmiten Kloster Witzenhausen
  11. „„Freienhagen, Wilhelmiten, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, Landkreis Waldeck-Frankenberg“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  12. J. Geldmacher: Geschichte der Wilhelmiter in Freienhagen (PDF; 42 kB)
  13. Louis Curtze: Geschichte des Fürstenthums Waldeck, S. 330, S. 653
  14. Wattermühle bei Freienhagen auf www.denkmalpflege-hessen.de