Freier Beruf (Deutschland)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Freiberuf oder freier Beruf ist eine selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit (§ 18 EStG und § 1 PartGG), die nicht der Gewerbeordnung unterliegt. Wesentliche Folge der Freiberuflichkeit ist die Befreiung von der Gewerbesteuer.

Menschen, die freie Berufe ausüben, werden als Freiberufler bezeichnet. Die freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt (§ 1 Abs. 2 PartGG).

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es derzeit etwa eine Million Freiberufler.[1] Es gibt keine offizielle oder einheitliche Vertretung aller Freiberufler. Unter anderem gibt es für Belange von Freiberuflern auf Bundes- und europäischer Ebene den Bundesverband der Freien Berufe (BFB).

Viele freiberufliche Tätigkeiten werden in Deutschland durch sogenannte Standesordnungen geregelt. Solche und andere Berufsgruppen sind auch in Standesvertretungen oder berufsständischen Körperschaften organisiert.

Laien verwechseln den Begriff „Freiberufler“ gelegentlich mit dem Begriff „Freier Mitarbeiter“. Beide Begriffe haben jedoch unterschiedliche Bedeutungen. Die Bezeichnung „Freier Mitarbeiter“ bezieht sich auf die Art eines Beschäftigungsverhältnisses – in Abgrenzung zum Arbeitnehmer –, besagt aber nichts über den ausgeübten Beruf, insbesondere, ob die Tätigkeit gewerblich oder freiberuflich ist.

Die Bezeichnung „Freiberufler“ bezieht sich hingegen immer auf selbständig tätige Angehörige bestimmter Berufe, z.B. Architekten, Ärzte und Rechtsanwälte. Alle Tätigkeiten, die nicht zu den im Gesetz aufgezählten Katalogberufen oder ihnen als ähnlich anerkannten gehören, sind nicht freiberuflich. Dazu gehören z. B. die Ausübung eines Gewerbes, der Betrieb einer Land- oder Forstwirtschaft und die Verwaltung eigenen Vermögens.

Die Anerkennung der Freiberuflichkeit ist jedoch kein Automatismus aufgrund einer Berufsbezeichnung, sondern es sind weitere Kriterien zu erfüllen und hängt damit vom Einzelfall ab. Eine Einordnung nimmt zunächst das zuständige Finanzamt vor. So gehört der Beruf des Apothekers zwar zu den freien Berufen. Wenn dieser jedoch eine Apotheke betreibt- in der naturgemäß Verkäufe getätigt werden- ist die Tätigkeit gewerblich, und er verliert seinen Freiberuflerstatus. Siehe Abschnitt Abgrenzung zur gewerblichen Tätigkeit.

Auch der Inhaber eines Unternehmens mit Mitarbeitern wird nur unter bestimmten Bedingungen als freiberuflich anerkannt, eine Beschränkung auf die Unternehmensführung ist nicht ausreichend, siehe Abschnitt Charakter der freien Berufe.

Zusammenschlüsse von Freiberuflern sind möglich, siehe Abschnitt Zusammenschluss von Freiberuflern.

Eine Kapitalgesellschaft wird, unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Aktivität, nie als Freiberufler behandelt, auch wenn das Standesrecht insoweit teilweise Anwendung findet. Kapitalgesellschaften sind kraft Rechtsform immer gewerbesteuerpflichtig.

Steuerliche Behandlung, Gewerbesteuer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freiberufler sind nicht gewerbesteuerpflichtig, da sie kein gewerbliches Unternehmen betreiben § 2 GewStG. Sie unterliegen mit ihren Umsätzen jedoch regelmäßig der Umsatzsteuer (allerdings sind bestimmte Leistungen der Humanmedizin, für Bildung und Kultur usw. umsatzsteuerfrei). Einkommensteuerlich wirkt sich vor allem die fehlende Buchführungspflicht aus. Freiberufler können ihren Gewinn unabhängig von der Höhe mittels Einnahmen-/Überschussrechnung ermitteln.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

§ 18 EStG definiert Freiberuflichkeit allgemein als selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit. Zusätzlich enthält die Vorschrift eine Aufzählung von Berufen (Katalogberufe) deren selbständige und eigenverantwortliche Ausübung stets freiberuflich ist. Auch ein den Katalogberufen ähnlicher Beruf kann freiberuflich sein.

Wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gesetz enthält hierzu keine weiteren Abgrenzungsmerkmale, so dass sich die Abgrenzung nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes richtet. Die Tätigkeit eines Wissenschaftlers ist auf neue Erkenntnisse gemäß wissenschaftlicher Grundsätze gerichtet. Zu den künstlerischen Tätigkeiten können auch Arbeiten mit praktischem Gebrauchszweck gehören, wenn die Arbeiten eine künstlerische Gestaltungshöhe erreichen. Eine schriftstellerische Tätigkeit setzt keinen künstlerischen oder wissenschaftlichen Inhalt voraus. Auch das Verfassen von technischen Dokumentationen kann schriftstellerisch sein. Zu den unterrichtenden oder erzieherischen Freiberuflern gehören typischerweise die selbständigen Dozenten, Erzieher, Lehrer (auch etwa Musiklehrer)[2], Tagesmütter und Sozialpädagogen.

Katalogberufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

§ 18 EStG enthält einen Katalog von Berufen, deren selbständige und eigenverantwortliche Ausübung freiberuflich ist. Die Katalogberufe gemäß § 18 EStG sind:

  • Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte,
  • Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten,
  • Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte,
  • Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten und Handelschemiker,
  • Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratende Volks- und Betriebswirte, vereidigte Buchprüfer, Steuerbevollmächtigte,
  • Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer und
  • Lotsen.

Ähnliche Berufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch den oben aufgezählten Katalogberufen ähnliche Berufe sind freiberuflich. Die Rechtsprechung hat die Ähnlichkeit zu den oben genannten Katalogberufen für viele Berufsgruppen anerkannt. Bei Ausübung eines ähnlichen Berufes ist jedoch stets im Einzelfall zu prüfen, ob die Tätigkeit tatsächlich einem Katalogberuf vergleichbar ist.

Ein typisches Abgrenzungsproblem zeigt der Beruf des Programmierers. Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass Programmierer – ähnlich einem Ingenieur – freiberuflich tätig sein können, solange sie keine Trivialsoftware herstellen. Die früher maßgebliche Trennung zwischen Systemsoftware und Anwendungssoftware wurde aufgegeben. Auch künftig ist nicht jede Tätigkeit im Bereich der Entwicklung von Anwendersoftware als freiberufliche Tätigkeit zu beurteilen. Diese setzt vielmehr die Entwicklung qualifizierter Software durch eine klassische ingenieurmäßige Vorgehensweise (Planung, Konstruktion, Überwachung) voraus sowie eine Ausbildung, die der eines Ingenieurs zumindest vergleichbar ist.[3] Allein die Ausübung der Tätigkeit ohne breit fundierte Wissensbasis reicht für die Annahme freiberuflicher Tätigkeit im Bereich der "ähnlichen" Berufe nicht aus. Weist z. B. ein Steuerpflichtiger, der über keinen Abschluss an einer (Fach-)Hochschule verfügt und auf dem Gebiet der Qualitätssicherung selbständig tätig ist, nicht nach, dass er in Breite und Tiefe das Wissen eines Diplom-Ingenieurs hat, ist er gewerblich tätig. Selbst vertiefte Kenntnisse auf einem Teilgebiet des Fachstudiums genügen dem Anforderungsniveau freiberuflicher Tätigkeit nicht [4]. Zur Begründung verweist der BFH darauf, dass die "Vergleichsberufe" ausübenden Personen gem. § 18. Abs. 1 S. 2 Einkommensteuergesetz zum Erwerb ihrer tiefen und breit angelegten Kenntnisse eine längere Ausbildungszeit auf sich nehmen mussten.

Ähnliche Berufe können sein:

In den beratenden und begutachtenden Berufen

In den Heilberufen

In den Medizinalfachberufen

In den publizistischen Berufen

In den technischen Berufen

Charakter der freien Berufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Ausübung eines freien Berufs muss der persönliche Arbeitseinsatz gegenüber dem Einsatz von Kapital eine besondere Rolle spielen. Ein Angehöriger eines freien Berufs bleibt aber auch dann freiberuflich tätig, wenn er sich der Hilfe fachlich vorgebildeter Arbeitskräfte bedient. Voraussetzung ist, dass er aufgrund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig wird. Eine Vertretung im Fall vorübergehender Verhinderung steht der Annahme einer leitenden und eigenverantwortlichen Tätigkeit nicht entgegen.

Abgrenzung zur gewerblichen Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jede selbständig, nachhaltig und mit Gewinnerzielungsabsicht ausgeübte Tätigkeit, die nach den oben beschriebenen Kriterien nicht zu den freiberuflichen Tätigkeiten gehört und auch nicht den sonstigen selbständigen Tätigkeiten (bspw. Testamentsvollstreckung, Aufsichtsratstätigkeit), den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft und der privaten Vermögensverwaltung zuzurechnen ist, gehört im Umkehrschluss zu den gewerblichen Tätigkeiten.

Dies gilt natürlich insbesondere für Verkäufe. Dies stellt in der Praxis ein häufiges Problem dar: Die Freiberuflichkeit kann aufgrund der Infektionstheorie steuerrechtlich insgesamt erlöschen, wenn teilweise auch gewerbliche Umsätze getätigt werden (Beispiel: Tierarztpraxisgemeinschaft verkauft auch Tierarzneimittel). Die Rechtsfolgen können vermieden werden, indem die gewerblichen Umsätze in einer separaten Gesellschaft getätigt werden.

Wirtschaftliche Bedeutung der freien Berufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es derzeit etwa eine Million Freiberufler (von insgesamt 42 Mio. Erwerbstätigen, davon 4,5 Millionen Selbständige),[5] von denen ca. 906.000 selbständig sind. Diese beschäftigen rund 2,9 Millionen Mitarbeiter und 136.000 Auszubildende (BFB-Angaben, Stand: 1. März 2009) und erwirtschaften etwa 9 % des BIP. Die wirtschaftliche Bedeutung ist mit der des Handwerks oder der anderer Sektoren des Mittelstandes vergleichbar. Es gibt innerhalb des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ein eigenes wirtschaftspolitisches Referat für die Freien Berufe.

Zusammenschluss von Freiberuflern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die übliche Form der Zusammenarbeit ist die Personengesellschaft, meist in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) nach §§ 705 ff. BGB.

Seit 1994 gibt es die Partnerschaftsgesellschaft nach dem Partnerschaftsgesellschaftsgesetz. Die Partnerschaft ist eine Gesellschaft, in der sich Angehörige freier Berufe zur Ausübung ihrer Berufe zusammenschließen. Angehörige einer Partnerschaft können nur natürliche Personen sein. Die Partnerschaftsgesellschaft (PartG) haftet für ihre gemeinschaftlichen Aktivitäten mit ihrem Geschäftsvermögen und dem Privatvermögen der Gesellschafter; die Haftung für Fehler im Rahmen der Berufsausübung ist auf den Verursacher beschränkt. Damit soll vermieden werden, dass z. B. Ärzte in einer Gemeinschaftspraxis für evt. Kunstfehler eines Kollegen haften, obwohl sie mit dessen Operation nichts zu tun hatten. Die PartG wird in das Partnerschaftsregister eingetragen und ist rechtsfähig. Noch weitergehende Haftungsbeschränkungen ermöglicht mittlerweile die Partnschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung (PartGmbB) als Sonderform der PartG.

Die traditionelle Bezeichnung eines Zusammenschlusses von Anwälten (und teilweise auch anderen Freiberuflern) ist Sozietät, die sowohl eine GbR als auch eine Partnerschaftsgesellschaft sein kann.

Eine andere Form der Zusammenarbeit von Freiberuflern bietet die Genossenschaft. Insbesondere Dienstleistungsgenossenschaften bieten Freiberuflern vielfältige Vorteile. Jeder Freiberufler bleibt wirtschaftlich und juristisch selbständig und die Genossenschaft arbeitet ihren Mitgliedern wirtschaftlich zu. Beispiele sind Datev oder die IT-Dienstleistungsgenossenschaft JARIVA.

Eine reine Bürogemeinschaft stellt keinen Zusammenschluss dar.

Gebührenordnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für einige der oben genannten Berufe ist das Entgelt in einer Gebührenordnung festgelegt. Meist wird diese als Verordnung der Verwaltungsbehörde erlassen und den sich ändernden Bedingungen gelegentlich angepasst. Durch die Regelung soll Willkür bei der Rechnungslegung, aber auch ruinöser Wettbewerb der Berufsträger untereinander vermieden werden. Zu nennen sind hier als Beispiele für Rechtsanwälte das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz und für Steuerberater die Steuerberatervergütungsverordnung.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Svenja Hofert: Praxisbuch für Freiberufler. Alles, was Sie wissen müssen, um erfolgreich zu sein. 4., völlig überarbeitete Neuauflage. Gabal, Offenbach 2012, ISBN 978-3-86936-435-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesverband der Freien Berufe: Daten und Fakten
  2. IHK Magdeburg zur Abgrenzung Gewerbe und Freier Beruf
  3. Bundesfinanzhof, BFH (XI R 9/03) Urteil vom 4. Mai 2004
  4. BFH, Urteil vom 14. Juni 2007 – XI R 11/06 –
  5. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Erwerbstaetigkeit.html
  6. http://www.gesetze-im-internet.de/stbgebv
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!