Freiheit, die ich meine

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Dieser Artikel behandelt das Gedicht von Max von Schenkendorf. Zu weiteren Bedeutungen siehe Freiheit, die ich meine (Begriffsklärung).
„Freiheit, die ich meine!“ Grußpostkarte zum Abitur 1910
Erstdruck mit der Melodie von Karl August Groos (1825). Da die Melodie achtzeilig ist, sind die 15 Originalstrophen paarweise zusammengefasst und die erste am Beginn der letzten Liedstrophe wiederholt.

Freiheit, die ich meine ist ein politisches Gedicht von Max von Schenkendorf (1783–1817).[1] Mit der populär gewordenen Melodie von Karl August Groos gehörte es bis in die jüngste Zeit zu den bekanntesten deutschen Volksliedern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schenkendorf verfasste das Gedicht im Jahr 1815 im Eindruck der siegreichen Befreiungskriege. Die einfache und zugleich eingängige Audio-Datei / Hörbeispiel Melodie?/i dazu komponierte Karl August Groos wohl im Jahr 1818 (Erstdruck 1825).

Während das Lied in der Restaurationsära des Biedermeier vor allem idealistisch-innerlich verstanden wurde – „gehalten und innig“ lautet die Vortragsangabe zum Erstdruck der Melodie 1825 –, stand es im späteren 19. und im 20. Jahrhundert unter nationalen Vorzeichen und wurde den „Vaterlands-, Helden-, Kriegs- und Siegesliedern“ zugeordnet.

Freiheit, die ich meine gehörte lange zum deutschen Bildungskanon. Im Zentralblatt der preußischen Regierung von 1912 zum Beispiel wurde das Lied für den Schulunterricht in Preußen für die siebte und achte Klasse empfohlen.[2]

Eine christliche Kontrafaktur des ursprünglichen Gedichttextes stammt von dem Pädagogen Christian Heinrich Zeller (1779–1860). Sie wurde ab 1892 in der Liedersammlung „Reichs-Lieder“ der evangelischen Gemeinschaftsbewegung millionenfach verbreitet.

Max Kegel veröffentlichte 1891 in seinem „Sozialdemokratischen Liederbuch“ eine veränderte Fassung des Liedes, ohne die vierte und sechste Strophe. Religiöse Formulierungen in den verbliebenen Strophen ersetzte er.[3]

Kurz vor und während der Zeit des Nationalsozialismus wurde „Freiheit, die ich meine“ als sogananntes "deutsches Liedgut" auch in Publikationen der NSDAP aufgenommen, so 1932 in das „Nationalsozialistische Volksliederbuch“ und 1933 in das „SA-Liederbuch“.

Der Beginn des Gedichts wurde in jüngerer Zeit auch in Werbung, Publizistik und Musikschlagern aufgegriffen, etwa 1977 als Liedtitel der Schlagersängerin Juliane Werding und 1996 erneut von Peter Maffay. Die Musikgruppe Münchener Freiheit veröffentlichte 2000 ein gleichnamiges Album. Mit der Titelzeile warb 1986 der Autohersteller Renault. Der abgeänderte Slogan „Freizeit, die ich meine“ warb 1995 für Oberbekleidung. Als Buchtitel diente „Freiheit die ich meine“ unter anderem 1993 dem österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider sowie 2007 – zum Gedenken an die Befreiung vom Nationalsozialismus – für ein Buch des Landtags Rheinland-Pfalz.[1][4]

Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freiheit.

1. Freiheit, die ich meine,
Die mein Herz erfüllt,
Komm’ mit deinem Scheine,
Süßes Engelbild.

2. Magst du nie dich zeigen
Der bedrängten Welt?
Führest deinen Reigen
Nur am Sternenzelt?

3. Auch bei grünen Bäumen
In dem lust’gen Wald
Unter Blüthenträumen,
Ist dein Aufenthalt.

4. Ach! das ist ein Leben,
Wenn es weht und klingt,
Wenn dein stilles Weben
Wonnig uns durchdringt.

5. Wenn die Blätter rauschen
Süßen Freundesgruß,
Wenn wir Blicke tauschen,
Liebeswort und Kuß.



6. Aber immer weiter
Nimmt das Herz den Lauf,
Auf der Himmelsleiter
Steigt die Sehnsucht auf.

7. Aus den stillen Kreisen
Kommt mein Hirtenkind,
Will der Welt beweisen,
Was es denkt und minnt.

8. Blüht ihm doch ein Garten,
Reift ihm doch ein Feld
Auch in jener harten
Steinerbauten Welt.

9. Wo sich Gottes Flamme
In ein Herz gesenkt,
Das am alten Stamme
Treu und liebend hängt;

10. Wo sich Männer finden,
Die für Ehr und Recht
Muthig sich verbinden,
Weilt ein frei Geschlecht.



11. Hinter dunkeln Wällen
Hinter ehrnem Thor
Kann das Herz noch schwellen
Zu dem Licht empor.

12. Für die Kirchenhallen,
Für der Väter Gruft,
Für die Liebsten fallen,
Wenn die Freiheit ruft.

13. Das ist rechtes Glühen
Frisch und rosenroth:
Heldenwangen blühen
Schöner auf im Tod.

14. Wollest auf uns lenken
Gottes Lieb und Lust.
Wollest gern dich senken
In die deutsche Brust.

15. Freiheit, holdes Wesen,
Gläubig, kühn und zart,
Hast ja lang erlesen
Dir die deutsche Art.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max von Schenkendorf: Gedichte. Stuttgart und Tübingen: J. G. Cotta 1815, S. 72–75. DVA: L 2/10110

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Freiheit, die ich meine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Freiheit, die ich meine im Liederlexikon
  2. Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen - 1912 (online bei der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung)
  3. Max Kegel: Sozialdemokratisches Liederbuch. J. H. W. Dietz, 1891. (8. Aufl. 1897. online in der Universitätsbibliothek Bielefeld)
  4. Franz Steiner Verlag zum Buch "Freiheit, die ich meine", 2007