Freiheiten der Luft

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Die Freiheiten der Luft (engl. Freedoms of the air) sind von der ICAO erstellte Vorschläge für Luftrechte im kommerziellen Luftverkehr. Die einzelnen Rechte werden entweder in bilateralen Abkommen wechselseitig gewährt oder sie bestehen zwischen Staaten, die die Transit- oder Transportvereinbarung unterzeichnet haben.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits kurz nach dem Jungfernflug der Gebrüder Wright von 1903 fanden erste Tagungen zur versuchsweisen Regelung inter- bzw. transnationaler Überflugrechte für Luftschiffe und Flugzeuge statt, wobei die jeweils daran teilnehmenden Staaten jedoch bis zum Ersten Weltkrieg keine gemeinsamen Übereinkommen finden konnten. Der Versailler Vertrag von 1919 kannte in seiner deutschen Fassung aber bereits "Durchflugs- und Landefreiheit", die der Artikel 200 des Vertrages alliierten Luftschiffen und Aeroplanen im deutschen Luftraum bis zur endgültigen Räumung Deutschlands von alliierten Streitkräften zusicherte. 1919 kam es auch zum Pariser Luftfahrtabkommen, das erste Rahmenbedingungen für inter- bzw. transnationale Flugrechte festlegte, auf deren Grundlage u. a. auch 1919 bzw. 1922 die International Commission for Air Navigation (ICAN) zur Überwachung von Lufträumen und Überflugrechten gegründet wurde.

Die erste wirklich international verbindlich, umfassend und detailliert normierte Fassung der Luftrechte geht auf das Chicagoer Abkommen aus dem Jahr 1944 zurück, bei dem die ICAO gegründet wurde. Die Freiheiten sind in Zusatzvereinbarungen geregelt und nicht im Chicagoer Abkommen selbst. Die 1. und 2. Freiheit sind Bestandteil der Transitvereinbarung, während die Freiheiten 3−5 zusätzlich in der Transportvereinbarung geregelt sind. Die sogenannten Freiheiten 6−9 sind hingegen nicht in völkerrechtlichen Verträgen festgelegt.

Die 9 Freiheiten der Luft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Luftverkehrs-Freiheiten, die sich die Vertragspartner gewähren können, sind derzeit in neun verschiedene Situationen differenziert[1]:

  1. Überflug: Die Fluggesellschaft kann vom Heimatstaat das Land A überfliegen um in B zu landen.
  2. Technische Zwischenlandung: Recht auf Zwischenlandung zu nicht kommerziellen Zwecken (z. B. zum Tanken).
  3. Direkter Transport (bringen): Recht auf Beförderung von Passagieren oder Fracht vom Heimatstaat der Fluggesellschaft ins Ausland (z. B. Lufthansa (LH) fliegt Frankfurt – Warschau).
  4. Direkter Transport (holen): Recht auf Beförderung von Passagieren oder Fracht vom Ausland in den Heimatstaat der Fluggesellschaft (z. B. Lufthansa (LH) fliegt Warschau – Frankfurt).
  5. Transport zwischen fremden Staaten (Start- oder Endpunkt im Heimatstaat): Die Fluggesellschaft vom Heimatstaat befördert Passagiere oder Fracht nach Land A, kann dort Passagiere aufnehmen und diese nach Land B bringen. Passagiere von Land B aufnehmen, in Land A entladen und dort Passagiere wieder aufnehmen und zum Heimatstaat bringen (z. B. LH fliegt Frankfurt – Warschau – Kairo und dann Kairo – Warschau – Frankfurt).
  6. Transport zwischen fremden Staaten (Zwischenlandung im Heimatstaat): Eine Fluggesellschaft befördert Passagiere oder Fracht zwischen Land A und B mit Zwischenlandung in ihrem Heimatstaat (z. B. LH fliegt Warschau – Frankfurt – Kairo).
  7. Transport zwischen fremden Staaten (ohne Berührung des Heimatstaates): Eine Fluggesellschaft befördert Passagiere oder Fracht zwischen zwei fremden Staaten ohne Stopp im Heimatstaat (z. B. LH fliegt Dubai – Kairo).
  8. Aufeinanderfolgende Kabotage: Eine Fluggesellschaft befördert Passagiere oder Fracht innerhalb eines anderen Staates auf einem Flug, der im Heimatland begann oder enden wird (z. B. LH fliegt Frankfurt – New York – Los Angeles und transportiert auf dem zweiten Flugabschnitt in New York zugestiegene Passagiere).
  9. Unabhängige Kabotage: Eine Fluggesellschaft befördert Passagiere oder Fracht innerhalb eines anderen Staates ohne Berührung eines weiteren Staates (z. B. LH fliegt nur New York – Los Angeles).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellenangaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ICAO: FREEDOMS OF THE AIR (engl.)