Freikorps Oberland

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Bund Oberland ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zu der gleichnamigen rechtsextremen Schweizer Organisation siehe Bund Oberland (Schweiz).
Erlanger Studenten im Bund Oberland (Nürnberg 1923)

Das Freikorps Oberland war ein zur Schwarzen Reichswehr zählender Wehrverband in der Anfangsphase der Weimarer Republik. Der daraus hervorgegangene Bund Oberland bildete ab 1921 den Kern der Sturmabteilung (SA) in Bayern.

Historie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung als Freikorps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Freikorps wurde im April 1919 durch Rudolf von Sebottendorf, den Vorsitzenden der rechtsextremen Thule-Gesellschaft, gegründet. Die vor der Münchner Räterepublik nach Bamberg geflohene Regierung des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann hatte zuvor die Werbung für Zeitfreiwilligenverbände frei gegeben. Die militärische Führung übernahm Major Albert Ritter von Beckh (1870–1958). Da die Freiwilligen der ersten Einheiten überwiegend aus dem bayerischen Oberland stammten, wurden der Name und das Symbol des Edelweiß’ gewählt. Direkter Vorläufer war der innerhalb der Thule-Gesellschaft bestehende „Kampfbund“, der ebenfalls gegen die Räteregierung gerichtet war.

Eingesetzt wurde das Freikorps im Mai 1919 bei den Kämpfen gegen die Münchner Räterepublik. Teile des Freikorps wurden anschließend mit Teilen des Freikorps Epp in die Reichswehrbrigade 21 übernommen und 1920 als geschlossener Verband während des Ruhraufstands eingesetzt. Das Freikorps selbst wurde am 21. Oktober 1919 formell aufgelöst. Deren Angehörige traten aber geschlossen als Zeitfreiwilligenbataillon in die Organisation Escherich ein. Bei der Niederschlagung der Aufstände in Oberschlesien 1921 war das Freikorps deshalb schnell einsatzbereit und maßgeblich an der Erstürmung des St. Annabergs in Oberschlesien beteiligt. In Oberschlesien unterhielt das Freikorps eine Nachrichtenzentrale, die ein Mordkommando bildete und vermutlich Fememorde und Entführungen in Auftrag gab.[1] Zwischen den verschiedenen Organisationen des rechtsextremen Milieus in Bayern bestanden enge Verbindungen. Die Mörder des Politikers Matthias Erzberger etwa, Heinrich Tillessen und Heinrich Schulz, gehörten nicht nur der Organisation Consul, sondern auch der „Arbeitsgemeinschaft Oberland“ an.[2] Es gibt Hinweise, die Angehörige von Oberland mit dem Mord an dem USPD-Politiker Karl Gareis in Verbindung bringen.[3]

Umgründung in einen eingetragenen Verein und Verbot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als im November 1921 die Freikorps aufgelöst wurden, bezeichnete sich die Organisation im November 1921 als Bund Oberland e. V. und wurde im Dezember 1921 ins Vereinsregister eingetragen. Das offizielle Programm postulierte als Grundgedanken den Kampf gegen den Versailler Vertrag, die unbedingte Reichstreue und die Versöhnung aller Klassen und Schichten. Tatsächlich konzentrierte sich der Bund jedoch auf seine geheime Wehrarbeit.[4] Im Sommer 1922 kam es über die Frage, ob der Bund Oberland in den Bund Bayern und Reich integriert werden sollte, zur Spaltung des Bundes. Der bürgerliche, eher föderalistisch eingestellte Flügel bildete den Bund Treu Oberland, den späteren Blücherbund. Der soldatische Flügel konstituierte sich unter der Führung des Tierarztes Friedrich Weber neu.

Hatte der Bund Oberland 1922 offiziell nur wenige hundert Mitglieder, waren es bis November 1923 allein in Bayern etwa 2000. Dazu gehörten viele Studenten, Angehörige freier Berufe und Angestellte, aber auch einige Arbeiter. Die militärischen Führer waren überwiegend junge ehemalige Offiziere, die inzwischen studierten. Die meisten Mitglieder waren zwischen 20 und 30 Jahre alt und kriegserfahren, entweder als Weltkriegsteilnehmer oder als Teilnehmer an den Kämpfen in Bayern, im Ruhrgebiet und in Oberschlesien. Der Bund konnte auf reichlich Waffen zurückgreifen, angeblich auch schwere Waffen. Jedoch wurden viele Waffen des Bundes durch die Reichswehr gelagert und gepflegt. Gefördert wurde der Bund vermutlich von Webers Schwiegervater, dem völkischen Verleger Julius Friedrich Lehmann.[5]

Unter Webers Führung näherte sich der Bund Oberland zunehmend den radikalen Kräften unter Adolf Hitler und Ernst Röhm an. Gemeinsam mit dem Wehrverband Reichsflagge und der SA bildete der Bund im Januar 1923 die Arbeitsgemeinschaft vaterländischer Kampfverbände. Im September 1923 schloss man sich gemeinsam mit der NSDAP und verschiedenen weiteren nationalistischen Organisationen im Deutschen Kampfbund zusammen, der sich am 25. September 1923 unter die Führung von Adolf Hitler stellte.

Am 8. November 1923 mobilisierte der Bund zahlreiche Mitglieder und nahm aktiv am Hitlerputsch teil. Mitglieder des Bundes unter Ludwig Oestreicher nahmen jüdische Geiseln. Weber nahm am Marsch auf die Feldherrnhalle teil.[6]

Wegen der Beteiligung an dem Umsturzversuch wurde der Bund Oberland e. V. zunächst in Bayern und später Ende 1923 auch in ganz Deutschland verboten.[7] Durch Verordnung des bayerischen Generalstaatskommissars Gustav Ritter von Kahr wurde der Bund Oberland e. V. am 9. November 1923 aufgelöst. Weber wurde noch am gleichen Tag inhaftiert, später im Hitler-Prozess angeklagt und zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt. Getarnte Auffangorganisationen sollten die offizielle Auflösung umgehen. Allerdings waren extremistische Kräfte des ehemaligen Vereins weiterhin verdeckt so gut vernetzt, um in Verbund mit der rechtsextremen Terrororganisation Organisation Consul am 9. Januar 1924 in der französisch besetzen Pfalz den Separatistenführer Franz Josef Heinz zu ermorden.[8]

Neugründung 1925[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Aufhebung des reichsweiten Verbots wurde der Bund im Februar 1925 wieder gegründet. Bereits 1930 kam es zu Differenzen innerhalb des Bundes, da die relativ starke österreichische Fraktion den austrofaschistischen Heimwehrführer Fürst Ernst Rüdiger Starhemberg zum Bundesführer wählte. Dies veranlasste über Dreiviertel der reichsdeutschen Gruppen, den Bund Oberland zu verlassen. Auch die Nationalrevolutionäre unter Führung von Gustav Sondermann, Drexel und Tröger traten geschlossen aus, unterstellten sich als „Oberlandkameradschaft“ geschlossen dem Nationalbolschewisten Ernst Niekisch und wandten sich gegen die dem Nationalsozialismus zugeneigte Gruppe um Friedrich Weber.

Der ehemalige Stabschef des Freikorps und Planer des Sturms auf den Annaberg Josef Römer trat zum kommunistischen „Scheringerkreis“ über und wurde zum mit diktatorischen Vollmachten ausgestatteten Führer einer bereits 1920 gegründeten Geheimorganisation namens „Bund Oberland“. 1939/40 baute Römer mit alten Freikorpskameraden und ehemaligen Mitarbeitern des „Aufbruch-Arbeits-Kreises“ Widerstandsgruppen in München und Berlin auf. Mit seinen Leuten verbreitete er Flugblätter, die das Volk zum Aufstand gegen Adolf Hitler aufriefen, bis er 1942 verhaftet und 1944 hingerichtet wurde.[9]

Heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die alten Freikorpskämpfer sammelten sich nach 1945 um Ernst Horadam und begründeten 1951 die bis heute bestehende Traditionsgemeinschaft Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland. Einige Autoren sehen sie als rechtsextreme Vereinigung.[10] In Schliersee fand bis einschließlich 2006 jährlich im Rahmen eines Gottesdienstes ein Totengedenken für die Gefallenen des Freikorps von 1921 statt. Nach Aussagen des Vorstandes der Landsmannschaft der Oberschlesier ist die Veranstaltung in der Vergangenheit regelmäßig vom Landesamt für Verfassungsschutz Bayern beobachtet worden.[11] Es erfolgte jedoch weder eine Aufnahme in den Bundes- noch in den Landesverfassungsschutzbericht, da nach Aussagen des Pressesprechers des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz gegenüber dem BR-Magazin „Der Zeitspiegel“ am 16.  Mai 2007 weder die Veranstaltung noch der Traditionsverband „Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland“ Beobachtungsobjekt seien. Zu den regelmäßig an der Veranstaltung teilnehmenden Organisationen gehörten die Landsmannschaft Schlesien, die Landsmannschaft der Oberschlesier und die Junge Landsmannschaft Ostdeutschland. Des Weiteren beteiligten sich Einzelpersonen aus unterschiedlichen extrem rechten Organisationen wie beispielsweise der NPD, der JN und der Burschenschaft Danubia.[12][10] Seit 2007 findet das Gedenken in einem sehr kleinen Rahmen statt. Im Jahr 2008 versuchten unterschiedliche rechtsextreme Jugend- und Nachwuchsorganisationen erfolglos an die Tradition der Annaberg-Gedenkfeiern anzuknüpfen.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Freikorps und Bund Oberland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Fenske: Konservativismus und Rechtsradikalismus in Bayern nach 1918. Verlag Gehlen,1969
  • Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland: Bildchronik zur Geschichte des Freikorps und Bundes Oberland. München 1974
  • Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland (Hrsg.): Für das stolze Edelweiß. Bild- und Textband zur Geschichte von Freikorps und Bund Oberland. Zusammengestellt und bearbeitet von Peter Schuster. Brienna Verlag, Aschau 1996. ISBN 3980387518

Zur Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrike Claudia Hofman: Verräter verfallen der Feme! Fememorde in Bayern in den zwanziger Jahren. Böhlau, Köln 2000, S. 125.
  2. Horst Möller: Die Weimarer Republik. Eine unvollendete Demokratie. dtv, München 2004, S. 152.
  3. Ulrike Claudia Hofman: Verräter verfallen der Feme! Fememorde in Bayern in den zwanziger Jahren. Böhlau, Köln 2000, S. 118 f..
  4. Christoph Hübner: Bund Oberland, 1921–1923/1925–1930. In: Historisches Lexikon Bayerns
  5. Harold J. Gordon jr.: Hitlerputsch 1923. Machtkampf in Bayern 1923–1924. Bernard & Graefe, Frankfurt/M. 1971, S. 94–96.
  6. Christoph Hübner: Bund Oberland, 1921–1923/1925–1930. In: Historisches Lexikon Bayerns
  7. Erwin Könnemann: Freikorps Oberland 1921-1930 (1921-1930 Bund Oberland) [BO], in: Fricke, Dieter (Hrsg.): Lexikon der Parteiengeschichte: die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland (1789-1945), Band 1, Köln: Pahl-Rugenstein, 1984, S. 678 f.
  8. Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft, 1903-1989. Bonn: Dietz, 1996, S. 83. ISBN 3-8012-5019-9
  9. Peter Schuster: Für das stolze Edelweiß, Brienna, Achau 1995. ISBN 3980387518.
  10. a b Oliver Schröm, Andrea Röpke: Stille Hilfe für braune Kameraden, S. 180f; Andreas Angerstorf: Rechte Strukturen in Bayern 2005
  11. SPD-Kreisvorsitzender fordert Distanzierung vom Dritten Reich. In: Münchner Merkur, 21. Mai 2005
  12. Bundestags-Drucksache 14/6729 (PDF; 57 kB)