Freilichtmuseum Ballenberg

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Freilichtmuseum Ballenberg
Ballenberg (4915420303).jpg
Fachwerkhaus im Freilichtmuseum, im Hintergrund Alpen
Daten
Ort Hofstetten bei Brienz
Art Freilichtmuseum
Eröffnung 1978
Website http://www.ballenberg.ch/
aktuelles Logo des Freilichtmuseums Ballenberg (2015)
Fachwerkhaus und Rinder im Freilichtmuseum
Wiedererrichtetes Haus im Bereich Tessin
Weinbauernhaus Richterswil und Waschhaus Rüschlikon
Blick in die wiederaufgebaute Alpkäserei von Kandersteg

Das Freilichtmuseum Ballenberg ist ein Freilichtmuseum bei Brienz in der Schweiz.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gelände des 66 ha großen Freilichtmuseum Ballenbergs befindet sich in der Gemarkung der Gemeinde Hofstetten bei Brienz zwischen Brienz und Meiringen über dem Aaretal im Berner Oberland. Es befindet sich auf dem gleichnamigen Ballenberg in Höhenlagen um 660 m.ü.M und ist umkreist von hohen Bergen, die auch im Sommer häufig schneebedeckt sind. Nicht weit entfernt befinden sich der Brienzer See und das Brienzer Rothorn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Eröffnung des Museums Skansen bei Stockholm im Jahre 1891 schlug die Geburtsstunde der heutigen Freilichtmuseen. Bereits 20 Jahre nach der Skansen-Gründung existierten in Nordeuropa rund 20 bedeutende Freilichtmuseen. Der grosse Aufschwung dieser Museumsgattung vollzog sich jedoch zwischen den 50er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, als unzählige Institutionen dieser Art, darunter auch die ersten Industriemuseen und aussereuropäischen Freilichtmuseen, gegründet wurden.

Zur Zeit der ersten Gründungen in Skandinavien entstanden auch in der Schweiz Ansätze für den Aufbau eines Freilichtmuseums. Doch weder die Pläne für ein «mittelalterliches Schweizer Städtchen» beim Bernischen Historischen Museum noch die Diskussionen, ob das Schweizerische Landesmuseum in Zürich durch ländliche Bauten ergänzt werden sollte, führten weiter. Erst 1963 setzte der Bundesrat eine Expertenkommission ein, welche die Schaffung eines nationalen Freilichtmuseums genauer prüfen sollte. Das Gelände des Ballenbergs vermochte im Vergleich zu weiteren Standorten am meisten zu überzeugen.

1978 öffnete Das Schweizerische Freilichtmuseum Ballenberg dann seine Tore. Nachdem bei der Eröffnung 16 Museumsobjekte präsentiert werden konnten, waren es zwei Jahre später bereits 25 und im Jahr 1985 gar 61 Gebäude. Heute stehen über 100 Wohn- und Nebengebäude auf dem Ballenberg. Als Grundlage für das wissenschaftliche Konzept des Freilichtmuseums Ballenberg dienen die Forschungsarbeiten der «Aktion Bauernhausforschung in der Schweiz». Sie ermöglichen eine gezielte, breit abgestützte Auswahl der wichtigsten charakteristischen Haus-, Hof- und Siedlungsformen unseres Landes.

Das Schweizerische Freilichtmuseum ist nun eine bedeutende kulturelle, wissenschaftliche und touristische Institution, die jährlich rund 250’000 Besucherinnen und Besucher aus aller Welt anzieht. Mit den nahezu 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die das Museum während der Saison von Mitte April bis Ende Oktober beschäftigt, gehört es auch zu den bedeutendsten Arbeitgebern in der Region.

Museumsgelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 1978 eröffneten Ausstellungsgelände des Freilichtmuseums kann man über 100 originale, jahrhundertealte Gebäude aus allen Landesteilen der Schweiz, 250 Bauernhoftiere, und damit alle einheimischen Arten (vor allem vom Aussterben bedrohte Rassen), sowie historische Nutzpflanzen (Gemüse, Kräuter, Getreidearten) finden.

Dazu finden Vorführungen von traditionellem Handwerk, Brauchtum und Spezialveranstaltungen statt, welche Einblick ins frühere Leben geben.

Vorgeführt werden folgende Handwerke und Gewerbe: Backen, Brunnentrogen, Filochieren, Frivolite, Goldschmieden, Harzbrennen, Holzschnitzen, Hutmachen, Käsen, Kalkbrennen, Klöppeln, Kochen, Köhlern, Korbflechten, Mahlen, Ölpressen, Posamenten, Sägen (in der historischen Sägemühle), Sattlern, Schindeln, Schmieden, Schokoladenherstellen, Schuhmachen, Spanschachteln, Spinnen, Sticken, Töpfern, Uhrmachern, Weben, Weisküfern, sowie die Inbetriebnahme von zwei voll funktsionstüchtigen Wassermühlen, die sich beide in der Baugruppe Wallis befinden.

Auch die Besucher selbst können an einigen Stellen im Museum aktiv werden, so kann man z.B. an einer "Station" die Härte verschiedener Holzsorten vergleichen. Getragen wird das Museum von einer 1968 gegründeten privaten Stiftung, die das Ziel hat, traditionelle ländliche Bauten samt ihren typischen Einrichtungen zum Wohnen und Arbeiten aus allen Landesteilen der Schweiz zu sammeln, zu erforschen, zu erhalten und zu vermitteln.

Das Ausstellungsgelände ist in verschiedene Regionen der Schweiz unterteilt. Hierzu zählen die Bereiche (Stand 2011):

Baugruppe Anzahl Häuser ältestes Gebäude Bild
Alp- und Temporärsiedlungen 14 Gebäude Sennhütte, Axalp (1520) Ballenberg 1371 - Maiensäss-Wohnhaus von Buochs NW - Südwestansicht.jpg
Graubünden 1 Gebäude Heustall, Vals (1780)
Berner Mittelland 20 Gebäude Kornspeicher, Kiesen (1685) Ballenberg 331 - img 19687.jpg
Berner Oberland 12 Gebäude Wohnhaus, Matten (1570) Ballenberg 1024 - Heustall von Brienzwiler - Südansicht.jpg
Zentralschweiz 11 Gebäude Wohnhaus, Schwyz (1336)
Ostschweiz 3 Gebäude Wohnhaus, Wattwil (16. Jh)
Tessin 10 Gebäude Kornspeicher, Vallemaggio (1515)
Wallis 6 Gebäude Wohnhaus, Blatten (1568) Ballenberg 1121- Mill of Törbel VS - Exterior South.JPG
Schweizer Jura 4 Gebäude Bauernhaus, La Chaux-de-Fonds (1617) Ballenberg 111 - img 19670.jpg
Östliches Mittelland 13 Gebäude Kornspeicher, Lindau (1534) Picswiss BE-91-21 Freilichtmuseum Ballenberg-.jpg
Westliches Mittelland 10 Gebäude Kornspeicher, Heitenried (1652) Picswiss BE-91-27 Freilichtmuseum Ballenberg-.jpg
Zentrales Mittelland 4 Gebäude Bauernhaus, Oberentfelden (1609) Ballenberg 211 - Img 19674.jpg
Ländliches Gewerbe 1 Erlebnispunkt Köhlerei, Kalkbrennofen und Harzbrennerei


Übersichtskarte des Freilichtmuseums (2011)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max Gschwend; Rudolf Hunziker (Photos): Ballenberg. AT, Aarau 1988, ISBN 3-85502-322-0.
  • Edwin Huwyler; Marcus Gyger und Christian Perret (Photos): Freilichtmuseum Ballenberg: Das Erlebnis. Haupt, Bern / Stuttgart / Wien 2008, ISBN 978-3-258-07286-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ballenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 46° 44′ 58″ N, 8° 5′ 11″ O; CH1903: 649495 / 177788