Freilichtmuseum Beuren

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Museumsdorf „Neckartal“

Das Freilichtmuseum Beuren ist eines von sieben regionalen Freilichtmuseen in Baden-Württemberg.

Es wurde 1995 eröffnet und präsentiert hierher versetzte alte Gebäude aus dem Raum Mittlerer Neckar und Schwäbische Alb. Das Museum liegt nordöstlich von Beuren bei Nürtingen im Gewand Herbstwiesen und zeigt 24 historische Gebäude (Stand 2018). Träger des Freilichtmuseums Beuren ist der Landkreis Esslingen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 1980 befasste sich der Landkreis Esslingen wiederholt mit Überlegungen, ob im Landkreis ein Freilichtmuseum erstellt werden könne. Mit den im Einzugsbereich des geplanten regionalen Freilichtmuseums liegenden Landkreisen Böblingen, Ludwigsburg, Rems-Murr, Göppingen, Reutlingen, Tübingen sowie der Stadt Stuttgart wurde verhandelt, eine finanzielle Beteiligung war trotz intensiver Bemühungen nicht zu erreichen. Angesichts der seinerzeit einsetzenden Rezession, der angespannten Finanzlage und anderer wichtiger Aufgaben beschloss der Kultur- und Schulausschuss des Kreistages 1982, die Errichtung des Museums abzulehnen. Man begann sogar damit, eingelagerte Gebäude wieder loszuwerden. So wurde die ehemalige Dorfkirche von Tischardt, das „Tischardter Kirchle“, an das Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck verschenkt.

1985 wurde das Thema im Kreistag wieder aufgegriffen. Aus Beuren war ein Vorschlag eingegangen, das Museum im Gewand Herbstwiesen aufzubauen. Am 19. Dezember 1995 beschloss der Kreistag die Errichtung des Museums am Standort Beuren. Rund 9 ha Fläche wurden erworben, die Gemeinde Beuren stellte rund 4 ha kostenlos zur Verfügung. 1987 fand der erste Spatenstich in Anwesenheit des damaligen Ministers für Wissenschaft und Kunst, Helmut Engler, statt, man begann mit dem Aufbau der eingelagerten Gebäude. Am 13. Mai 1995 wurde dieses bislang letzte der sieben regionalen Freilichtmuseen in Baden-Württemberg mit acht wieder aufgebauten Gebäuden dann eröffnet.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingangsbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Museumseingang führt durch ein modernes, nach ökologischen Gesichtspunkten errichtetes Eingangsgebäude mit Kassen und dem vom Förderverein des Museums betriebenen Tante-Helene-Laden. Direkt dahinter steht rechts das 2014 im Museum wiedereröffnete Haus aus Öschelbronn. Dieses ist nur in Teilen historische eingerichtet. Der größere Teil des Hauses dient heute als modernes Tagungsgebäude mit barrierefrei zugänglichen Tagungsräumen. Direkt dahinter befindet sich ein Wohnhaus mit Schreinerei aus Ohmenhausen. Vor diesem Gebäude stehen eine Obstmühle aus Owen und ein Hühnerstall aus Stuttgart-Birkach.

Neckardorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu sehen sind bei einem Rundgang ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude aus Tamm, in dem auch die Museumsgaststätte untergebracht ist. Direkt daneben, über den Bach gebaut, steht das Back- und Waschhaus aus Sielmingen. Eine Scheune aus Gärtringen wird als Ausstellungsscheuer genutzt. Ein Backhaus aus Sulzgries und das Schul- und Rathaus aus Häslach schließen sich an. Weiterhin umfasst eine Scheune aus Beuren (Schlegelscheuer), einen Schweinestall aus Ehningen und ein Wohn-Stall-Haus aus Beuren. Ein Kalkofen und ein Viehunterstand sind auf dem Weg zum Schafstall aus Schlaitdorf zu sehen. Eine Besonderheit ist das hinter dem Rathaus stehende das ehemalige Fotoatelier Hofmann aus Kirchheim unter Teck, in dem sich schon Hermann Hesse fotografieren ließ. Es ist eines der wenigen in Europa erhaltenen freistehenden Fotoateliers. Ein vergleichbares steht im Ryedale Folk Museum.

Baugruppe Albdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der dritten Hausgruppe sieht man ein Tagelöhnerhaus aus Weidenstetten, ein Bauernhaus aus Aichelau mit dem dazugehörenden Ausgedinghaus und ein Weberhaus aus Laichingen.

Gärten, Felder, Museumstiere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besonderheit des Museums ist es, dass es innerhalb von Streuobstwiesen errichtet wurde, die meist älter als das Museum sind. Bei den meisten Bäumen konnte die Sorte von Pomologen mittlerweile bestimmt werden. Sehenswert sind auch die Museumsäcker und die Hausgärten mit alten Kulturpflanzen wie Alblinsen, alten Getreidesorten, Hanf, Topinambur, Kartoffeln und Filderspitzkraut. Das Museum hält regionale und zum Teil vom Aussterben bedrohte Rassen von Merinolandschafen, Ziegen, Gänsen, Hühnern, Stallhasen und besitzt einen Schneckengarten mit Weinbergschnecken. Daneben werden einige Wiesen des Museums von benachbarten Bauern als Kuhweide genutzt und so sind manchmal auch Schottische Hochlandrinder zu sehen. Für die Imkerei steht der Bienenwagen aus Ohmden und das Bienenhaus aus Köngen bereit.

Tor zum Biosphärengebiet und zum GeoPark Schwäbische Alb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Teile des Biosphärengebiets Schwäbische Alb liegen im Einzugsbereich des Beurener Museums. Aus diesem Grund ist es prädestiniert, das Biosphärengebiet betreffende Themen zu vertiefen. Das Freilichtmuseum ist deshalb auch eines von 15 dezentralen Informationszentren des Biosphärengebiets. Außerdem ist das Freilichtmuseum seit 2017 eine von 26 Infostellen des Geoparks Schwäbische Alb.

Förderverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1994 gegründete Förderverein Freilichtmuseum Beuren e. V. unterstützt mit seinen Aktivitäten den weiteren Ausbau des Freilichtmuseums. Inzwischen gehören rund 500 Mitglieder zum Förderverein Freilichtmuseum Beuren.

Zu den Schwerpunkten in der Arbeit des Fördervereins gehören unter anderem

  • der Betrieb des „Tante-Helene-Lädles“ im Freilichtmuseum (seit 1997);
  • der jährliche Aktionstag, u. a. mit Vorführungen alter Handwerke und Mitmachangeboten (seit 1996, immer am 3. Sonntag im Juni);
  • der Bau einer „Pädagogik-Scheuer“ (1997/1998), in der Kinder und Jugendliche durch vielfältige Angebote das Freilichtmuseum Beuren „mit allen Sinnen“ erleben können;
  • die finanzielle Beteiligung beim Wiederaufbau des Fotoateliers Hofmann (2000–2002);
  • die finanzielle Beteiligung beim Ab- und Wiederaufbau eines spätmittelalterlichen Bauernhauses der Schwäbischen Alb (2006 ff).

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Jahr gibt es traditionell mehrere Aktionstage:

  • Schäfertage
  • Museumsfest des Fördervereins Freilichtmuseum Beuren e.V.
  • Bulldog- und Schleppertreffen
  • Großes „Moschtfescht“, eine Veranstaltung rund und den Streuobstbau und die Herstellung von Apfelmost

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Steffi Cornelius/Barbara Wehling: Hausgeschichten – Ein Führer durch das Freilichtmuseum Beuren, Herausgeber: Landkreis Esslingen 1995, ISBN 978-3980445108

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Freilichtmuseum Beuren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 34′ 33″ N, 9° 24′ 51″ O