Fresh Fruit for Rotting Vegetables

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Fresh Fruit for Rotting Vegetables
Studioalbum von Dead Kennedys
Veröffentlichung 2. September 1980
Label Cherry Red Records, Alternative Tentacles, Faulty Products
Format LP, CD
Genre Hardcore Punk, Politpunk
Anzahl der Titel 14
Laufzeit 32:55

Besetzung

Produktion „Norm“, Dead Kennedys
Studio Mobius Music, Noe Valley, San Francisco
Chronologie
Fresh Fruit for Rotting Vegetables In God We Trust, Inc.
(1981)
Singleauskopplungen
Juni 1979 California über alles
Mai 1980 Holiday in Cambodia
18. Oktober 1980 Kill the Poor
Jello Biafra live

Fresh Fruit for Rotting Vegetables ist das Debütalbum der kalifornischen Politpunk-Band Dead Kennedys aus dem Jahr 1980. Es erschien zunächst über das britische Independent-Label Cherry Red Records und war im Heimatland der Band zunächst nur als Import erhältlich.

Das Album gilt heute als einer der Meilensteine der US-amerikanischen Punkgeschichte und eines der frühen stilprägenden Hardcore-Punk-Alben. Es ist einerseits geprägt durch das für das Erscheinungsjahr sehr hohe Tempo der enthaltenen Musikstücke, andererseits durch die satirischen, gesellschaftskritischen Texte von Jello Biafra. In den durchweg polemischen Songtexten kritisieren und karikieren die Dead Kennedys soziale Ungleichheit.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da sich der Rest der Dead Kennedys mit Sänger und Haupt-Songwriter zerstritten hatte, existieren zwei Versionen der Entstehungsgeschichte, eine von Jello Biafra und eine vom Rest der Band. An einigen Stellen des folgenden Absatzes werden daher divergierende Sichtweisen den jeweiligen Personen zugeordnet.

1978 gegründet suchte die live sehr präsente Band Dead Kennedys eine geeignete Plattenfirma. Durch ihren provokanten Bandnamen gestaltete sich die Suche recht schwierig. Eine richtige Independent-Szene war noch nicht entstanden und nach The Dickies und The Ramones interessierten sich die Major-Labels nicht mehr für US-amerikanische Punkbands. DIY („Do it yourself“, zu dt. „Tu es selber“) wurde dadurch zu einem der Säulen der noch jungen US-amerikanischen Punkbewegung. Nach der Veröffentlichung der Single California über alles über das bandeigene Label Alternative Tentacles kam die Band mit dem Booker Bill Gilliam in Kontakt. Dieser hatte die Singles gehört sowie die drei Lieder Police Truck, Short Song und Straight A von der Kompilation Live at the Deaf Club. Auch John Peel hatte Stücke der Band in seiner Show gespielt. Gilliam hätte die Band gerne gebucht, doch ohne Album sah er keine Chance. Daher stellte er den Kontakt zu Iain McNay von Cherry Red Records her. Auch Terry Gordon, der Manager von Sham 69 wollte die Band auf Tour schicken. Er vermittelte die Band an Safari Records, die allerdings kein Interesse an einer Albumveröffentlichung hatten. So fiel die Zusage von Seiten der Band schnell auf Cherry Red Records.[1]

Um die Dead Kennedys McNay schmackhaft zu machen, schickte ihm die Band eine frühe Fassung ihres Songs Holiday in Cambodia, der als nächste Single geplant war. Die Band veranschlagte für die Produktion ihres Albums zwischen 8.000 (Biafra) und 10.000 US-Dollar (Rest der Band). Geld, das Cherry Red Records eigentlich nicht hatte. Zudem hatte auch McNay Vorbehalte wegen des Bandnamens. Holiday in Cambodia allerdings überzeugte ihn. Daher besprach er den Deal mit seinem Geschäftspartner Richard Bishop von Caroline Records, einem Sublabel von Virgin. Dieser bot ihm an, die 10.000 Dollar vorzustrecken, wenn das Album für Virgin günstiger werden würde und das Label zudem für die ersten drei Monate das exklusive Vertriebsrecht erhalten würde. Darauf ließ sich McNay ein und der Vertrag war unter Dach und Fach.[2]

Bevor die Arbeiten am Debütalbum beginnen konnten, nahm die Gruppe die Single Holiday in Cambodia (B-Seite: Police Truck) im Tewksbury-Studio in Richmond auf. Als Toningenieur verpflichtete die Band Geza Gedeon, bekannt als Geza X, der vorher bereits mit Black Flag und Germs zusammenarbeitete und selbst in den Punkbands Deadbeats und The Bag spielte. In den Vereinigten Staaten erschienen die ersten 3.000 Exemplare über Optional Records, danach folgte eine zweite Veröffentlichung über Faulty Products, einem Ableger von Miles Copeland IIIs Independent-Label I.R.S. Records. Ursprünglich sollte die Single über A&M erscheinen, doch hier machte der Band ihr Name wieder einmal einen Strich durch die Rechnung: Labelgründer Jerry Moss war mit Ted Kennedy befreundet und lehnte daher eine Veröffentlichung einer Band dieses Namens ab. Im Mai 1980 erschien die Single schließlich auch im Vereinigten Königreich und dort bereits über Cherry Red.[3]

Nach der Veröffentlichung der Single willigten McNay und Gilliam ein und gaben der Band die 10.000 Dollar für die Aufnahme des Albums. East Bay Ray gab später an, dass die Band für das Studio 6.000 Dollar einkalkuliert und das restliche Geld unter den vier Bandmitgliedern aufgeteilt habe. Die Band mietete das Studio Mobius Music von Oliver DiCicco in Noe Valley und entschied sich gegen die Verpflichtung von Geza X. Dabei überstimmte sie Jello Biafra, der diesen Produzenten bevorzugte. Das Studio war gerade auf 16-Spur-Technik umgestellt worden und war räumlich sehr beengt. Da Klaus Flouride arbeiten musste, fanden die Aufnahmen abends und nachts statt. Von der technischen Seite her wurden die Aufnahme auf Zwei-Zoll-16-Spur-Band statt. East Bay Ray verwendete einen DOD-Overdrive-Vorververstärker, eine Fender Super Reverb und als Hallgerät eine Echoplex aus den 1960ern. Außerdem spielte er eine alte Telecaster mit Seymour- und Humbucker-Pickups, einem Hals im Stratocaster-Stil und einem Steg von Schecter.[4] Jello Biafra verwendete das Neumann U47-Mikrofon, eine Empfehlung von Geza X. Für den Endmix wurde ein Ampex-351-Zweispurgerät verwendet.[5]

East Bay Ray, zum Teil Produzent des Albums

DiCicco, Musikproduzent und Besitzer des Studios, war lediglich der Toningenieur des Albums, da er wenig Erfahrung mit Punkmusik hatte. Seine vorherigen Produktionen entstammten dem New-Age-Bereich. Die Band ging nach Plan vor und verwendete viel Zeit auf die Vorproduktion. Die Lieder waren bereits fertig geschrieben und mussten nur noch eingespielt werden. Insbesondere Jello Biafra und East Bay Ray überwachten die Aufnahmen des Albums. Bis heute streiten sich die beiden um den Hauptanteil. Biafra verlangte, dass die Lieder schneller gespielt wurden. Die meisten Songs waren nach dem ersten oder zweiten Take fertig. Auf dem Album sind daher nur wenig Overdubs zu hören. Während der Aufnahmen kam es zu Konflikten innerhalb der Band. Ray fühlte sich übergangen und hatte nach seinem Verständnis zu wenig Kontrolle während der Produktion. Als Produzenten wurden schließlich im Booklet Norm und die Dead Kennedys angegeben. Bei Norm handelt es sich um die Siamkatze des Produzenten.[6]

Das Album erschien schließlich am 2. September 1980 im Vereinigten Königreich. Der ersten britischen Pressung des Albums wurden von einem fehlerhaften Masterband erstellt. Das Band lief zum einen zu schnell ab, zum anderen fehlten alle tiefen Frequenzen.[7] Zunächst war das Album im Heimatland der Band nur als Import erhältlich, erst 1981 erschien die US-Version über I.R.S. Records.[8]

Musikstil und Texte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bereits bei den beiden Vorgänger-Singles handelte es sich musikalisch um schnell gespielten Punkrock, der später als Hardcore Punk definiert wurde. Neben dem frühen Punkrock wurden auch Elemente des Garage Rock, insbesondere der Sonics, des Surf und des Rockabilly in die Musik aufgenommen. Dadurch entstand eine für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Mischung aus traditionellen Rockelementen und Punkrock. Der Gesang von Jello Biafra war für die damalige Zeit ungewöhnlich schrill und erinnerte an ein wütendes Fauchen. Hinzu kam eine relativ dünne Produktion, die im Zusammenspiel mit der Musik jedoch einen besonderen Klang hervorbrachte, der zum Markenzeichen der dead Kennedys wurde.[9] Die Texte sind bissig bis bösartig-sarkastisch und aus einer sehr linken Perspektive geschrieben. Dabei werden nicht nur einzelne Aspekte herausgegriffen, die für die Neue Linke in den Vereinigten Staaten charakteristisch waren, sondern die Kritik richtet sich gegen alle Aspekte des sogenannten American Way of Life und das komplette politische System Amerikas. In den Liedern nimmt Biafra oft die andere Position ein und verhöhnt so seine Gegner mit ihren vermeintlich eigenen Worten.[10][11]

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiteres Foto von den „White Night Riots“

Auf dem Album befindet sich ein schwarz-weißes Foto, das eine Reihe brennender Autos zeigt. Die Aufnahme stammte von Judith Carlson und wurde für den San Francisco Examiner erstellt. Sie wurden während der sogenannten White Night Riots am 21. Mai 1979 aufgenommen. Diese entstanden, nachdem der ehemalige Polizeibeamte Dan Milk den Homosexuellen-Aktivisten Harvey Milk sowie George Moscone, den damaligen Bürgermeister von San Francisco, erschossen hatte und zu einer aus Sicht vieler Kritiker zu geringen Haftstrafe von lediglich sieben Jahren verurteilt wurde. Aus den Reihen einer aufgebrachten Menge von annähernd 5.000 Personen, die zum Rathaus marschierten, lösten sich einzelne Randalierer aus und steckten in dieser Nacht mehr als ein Dutzend Polizeiautos in Brand. Bei der Reproduktion des Bildes für die Erstveröffentlichung ging viel von der Qualität verloren. Ursprünglich sollten die Flammen deutlicher dargestellt werden und wurden von I.R.S. Records orange eingefärbt. Dies wirkte sich aber auch auf den Rest des Bildes aus, so dass Biafra nicht mehr damit zufrieden war.[7] Cherry Red Records übernahm dann den schwarz-weißen Druck, der auch auf allen späteren Veröffentlichungen Verbreitung fand. Die Wiederveröffentlichung zum 25. Jubiläum des Albums 2005 enthielt eine eingefärbte Version, bei der allerdings nur die Flammen hervorgehoben wurden, so wie es also ursprünglich geplant war.[12] Über die Jahre erschienen viele unterschiedliche Varianten des Coverartworks, die sich in Helle des Drucks sowie in der Farbe des Bandlogos (weiß oder gelb) unterschieden. Auf der Originalversion befindet sich zudem der Name des Albums nicht auf dem Schallplattencover, sondern nur auf dem Backprint. Bei einigen Versionen wurde dies geändert.[13]

Auf dem Backcover abgebildet war eine fremde Band. Das Bild wurde mit Totenköpfen und dem Dead-Kennedys-Logo verziert. Bei der Originalaufnahme handelte es sich um die Band Sounds of Sunshine, die Anfang der 1970er einen kleinen Hit mit Love Means You Never Have to Say You’re Sorry hatte. Tatsächlich hatte Flouride das Foto irgendwann auf dem Flohmarkt gekauft und weder band noch Fotograf konnte damals zugeordnet werden. Als die Dead Kennedys im Fernsehen gezeigt wurden und dazu immer wieder das Bild vom Backcover abgebildet wurde, wurden ehemalige Mitglieder der Band, die zwischenzeitlich zu konservativen Christen geworden sind, darauf aufmerksam und klagten gegen die Dead Kennedys. Der Vertrieb I.R.S. Records zahlte schließlich eine Entschädigung und auf späteren Pressungen wurden einfach die Köpfe der Bandmitglieder entfernt.[7]

Dem Album beigefügt war ein Poster mit einer Collage sowie den Texten des Albums. Die Collage wurde von Jello Biafra angefertigt mit etwas Unterstützung von Winston Smith, der auch für das Dead-Kennedys-Logo und später das Alternative-Tentacles-Logo verantwortlich zeichnete. Sie basierte auf den zahlreichen Ausschnitten aus Zeitungen und Zeitschriften, die Biafra in seinem Schlafzimmer hängen hatte. Im Wesentlichen beeinflusst wurde der Stil von der britischen Band Crass, allerdings war Biafras Ansatz ein eher politisch-humoristischer.[7]

Titelliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nummer Titel Songwriting Zeit Anmerkungen
1. Kill the Poor East Bay Ray, Jello Biafra 3:07
2. Forward to Death 6025 (Carlos Cadona) 1:23
3. When Ya Get Drafted Biafra 1:23
4. Let’s Lynch the Landlord Biafra 2:13
5. Drug Me Biafra 1:56 Keyboards: Ninotchka, Paul Roessler
6. Your Emotions Ray 1:20
7. Chemical Warfare Biafra 2:58 Chor: Rocky Mountain Arsenal Choir
8. California über alles Biafra, John Greenway 3:03
9. I Kill Children Biafra 2:04
10. Stealing People’s Mail Biafra 1:34
11. Funland at the Beach Biafra 1:49 Keyboards: Paul Roessler
12. Ill in the Head Cadona, Biafra 2:46 Gitarre: 6025
13. Holiday in Cambodia Biafra, Greenway, Dead Kennedys 4:37
14. Viva Las Vegas Doc Pomus, Mort Shuman 2:42 Originalversion von Elvis Presley

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei frühen US-Versionen befand sich zwischen Let’s Lynch the Landlord und Drug Me das Lied Police Truck und damit die B-Seite der Holiday in Cambodia-Single. Das Lied wurde erst wieder 1987 auf der Kompilation Give Me Convenience or Give Me Death auf einem Album-Format veröffentlicht.[14]

Vom Album existieren über 30 verschiedene Versionen, die sich in der Gestaltung unterscheiden. Als Bonustracks wurden gelegentlich die verschiedenen Single-B-Seiten verwendet. Zum 25-jährigen Jubiläum erschien eine Special 25th Anniversary Edition mit einer 55-minütigen Dokumentarfilm mit Interviews verschiedener Akteure, darunter Klaus Flouride und East Bay Ray. Dazu werden einige ältere Liveaufnahmen gezeigt. Einige davon befanden sich auf der Video-Kompilation Dead Kennedys: The Early Years Live.[15]

Die einzelnen Songs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kill the Poor ist die satirische Aufforderung, Arbeitslose und Menschen, die unter Armut leiden, durch die Neutronenbombe zu beseitigen, da die Wirkung dieser Waffe, „nett, schnell, sauber und effektiv“ (It’s nice and quick and clean and gets things done) [16] sei und die Gesellschaft so nicht länger durch „Wohlfahrtssteuer“ (Welfare Tax) belastet werde. Der Songtext wurde häufig mit A Modest Proposal von Jonathan Swift in Verbindung gebracht, das eine ähnliche Überzeichnung zum Inhalt hatte Die Idee stammte jedoch aus einem alten Devo-Interview im Fanzine Search & Destroy.[17]Kill the Poor wurde die dritte Singleauskopplung des Albums. B-Seite war der Track In-Sight. Bei der Single-Version handelt es sich um eine andere Abmischung des Songs. Als Werbeanzeige wurde ein Bild des Parteitags der Conservative Party verwendet, über dem der Singletitel prangte. Durch clevere Anzeigenschaltung und späte Abgabe erschien das Motiv in einigen Zeitungen und Zeitschriften. Dafür musste sich McNay vor dem Werberat rechtfertigen. Als Konsequenz durfte er die Anzeige nicht wieder verwenden, was aber auch gar nicht seine Absicht war.[7]
  • Forward to Death handelt von einem Junkie, der mit dem Leben abgeschlossen hat. Das Lied stammt von Carlos Cadona (Pseudonym: „6025“), dem zeitweilig zweiten Gitarristen der Band, der zum Zeitpunkt der Aufnahme aber bereits wieder ausgestiegen war. Obwohl die ursprüngliche Idee von Cadona stammte, entstand der Song letztlich in einer Art Jam, bei dem jeder seine Ideen hinzufügte. Für die Aufnahme kam der Gitarrist in das Studio.[18]
  • When Ya Get Drafted kritisiert das Wettrüsten zwischen Ost und West während des Kalten Krieges. Der Text selbst entwirft ein Schreckensszenario, das Volkszählung dazu führe, dass alle US-Amerikaner erfasst werden, um effizienter Krieg gegen andere Staaten führen zu können. Ursprünglich unter dem Namen Rhodesia geschrieben, beinhaltete die erste Textversion noch Motive der Kuba-Krise, die allerdings von der Band Mercenary bereits aufgegriffen wurde. Geza X riet Biafra zur Überarbeitung und so wurde der Text allgemeiner gehalten. Der Songtext war geradezu prophetisch, denn im Februar 1980, kurz nach der Überarbeitung, als sie den Song schon live spielten, beschloss Präsident Jimmy Carter eine Erfassung aller wehrdienstfähigen US-Amerikaner, um im Bedarfsfall die Streitkräfte zu vergrößern.[19][20]
  • Let’s Lynch the Landlord fordert satirisch dazu auf, Grundeigentümer zu ermorden, die ihre Immobilien zu Lasten von deren Bewohnern verkommen lassen, um ihren eigenen Profit zu maximieren. Der Text basiert auf Flourides und Biafras Erfahrungen als Mieter. Für das Lied benötigte die Band am Längsten. Zunächst war der Schlagzeugpart sehr schnell, so dass Bruce Slesinger („Ted“ in den Credits des Albums) nicht nachkam. So wurde das Schlagzeugspiel vereinfacht und der Song damit tanzbar. Der Text wurde im Wesentlichen von Biafras Vorliebe für das Duo Sparks und deren trockenen Humor geprägt.[4]
  • Drug Me handelt von einem aussichtslosen Leben, das nur durch Betäubung erträglich wird. Biafra kritisiert im Songtext, dass viele Mittel der Unterhaltung – der Text nennt unter anderem Fernsehen, Kreuzworträtsel, Zeitschriften, Pornographie – in erster Linie dem Zweck der Betäubung und Abstumpfung dienen. Das Riff wurde von (We Ain’t) Got Nothing Yet von den Blues Magoos adaptiert. Es handelte sich um eines der schnellsten Stücke aus dem Repertoire der Dead Kennedys und war live kaum zu spielen. Später veröffentlichte die Band Sepultura eine Coverversion.[21]
  • Your Emotions handelt von Emotionen, die Menschen zu Monstern machen. Der Text wurde von East Bay Ray geschrieben. Der Bass-Part von Klaus Flouride ist eine Reminiszenz an die Avengers.[18]
  • Chemical Warfare kritisiert das Wettrüsten sowie den Einsatz von chemischen Waffen. Der Text schildert, wie jemand, der illegal an Nervengas gelangt ist, Massenmord an den Gästen einer Cocktail-Party begeht. In das Lied wurde ein Walzer eingebaut, der eine Tanzkapelle auf einer Cocktail-Party in einem Country Club imitieren sollte. Die Partygesellschaft wurde von Freunden der Band dargestellt, darunter Barbara Hellbent, Bobby Unrest, ChiChi (damalige Managerin der Dead Kennedys), Curt, Dirk Dirkson (Booker), Eric Boucher (bürgerlicher Name von Jello Biafra), Geoffrey Lyall (bürgerlicher Name von Klaus Flouride), HyJean, Michael Snyder (Journalist und Musikproduzent), Ninotchka (Therese Soder, Sängerin von Feederz und Biafras Ehefrau von 1981 bis 1986) sowie Will Shater und Bruce Calderwood (beide Flipper).[4][22]
  • California über alles überzeichnet in grotesker Form die Machtgelüste des kalifornischen Gouverneurs Jerry Brown und unterstellt diesem das Ziel der Installierung eines faschistisch geprägten Regierungssystems in den USA. Die Albumversion ist wesentlich schneller, fast in doppelter Geschwindigkeit zur Singleversion, die dafür etwas rauher klingt und mehr musikalische Abwechslung bietet.[23]
  • I Kill Children parodiert einen Psychopathen, der es kaum erwarten kann, die Kinder der Hörer des Albums zu ermorden. Der Text wurde sehr oft misinterpretiert, da die Hörer den Perspektivwechsel nicht mitmachten und Jello Biafra als lyrisches Ich sahen. Dies sorgte unter anderem dafür, das Tipper Gore und ihre Zensurbehörde PMRC auf die Band aufmerksam wurde. Tatsächlich nahm Biafra als Basis beziehungsweise als Eröffnungszeile ein Zitat aus einem religiösen Traktat des fundamentalen Christen Jack T. Chick: „God told me, to skin you alive“ („Gott hat mir befohlen, dich lebendig zu häuten“).[24]
  • Stealing People’s Mail handelt von Leuten, deren Unterhaltung darin besteht, massenhaft Postsendungen zu stehlen um sich über deren Inhalte zu amüsieren. Biafra wurde beim Songwriting vom Garage-Rock der 1960er Jahre sowie von The Screamers beeinflusst.[21]
  • Funland at the Beach karikiert Sensationslüsternheit für Katastrophenfälle am Beispiel eines Psychopathen, der die Achterbahn in einem Vergnügungspark sabotiert, um sich anschließend an den verstümmelten Leichen zu erfreuen. Der Text zeigt die emotionale Kälte der Parkbetreiber, die sich mehr um einen Prozess sorgen, als sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden. Wie bei Kill the Children wurde der Text häufig falsch verstanden.[24]
  • Ill in the Head handelt von einem Schizophrenen. Es ist der einzige Song auf dem Carlos Cadona zu hören ist. Das Lied hatten er und Biafra zusammen geschrieben, wobei Biafra ihm einen Text gab, mit dem dieser nicht ganz zufrieden war. Es enthält mit einem Wechsel zwischen 13/8 und 11/8 eine für die westliche Musik ungewöhnliche Taktung. Cadona war von der Avantgarde-Musik beeinflusst und hatte während seines kurzen Beitritts versucht die Band in diese Richtung zu führen.[18]
  • Holiday in Cambodia wurde ebenfalls in einer anderen Version als die damalige Singleversion eingespielt. Am Anfang ist eine Art Schreien zu hören, das durch einen Effekt über das Echoplex von Ray entstand.
  • Viva Las Vegas ist eine parodistische Coverversion mit leicht geändertem Text und handelt vom Glücksspiel in Las Vegas und dessen Gefahren. Dabei wird der im Original von Elvis Presley gesungene Text so karikiert, das neben der Kritik am Glücksspiel auch Presley selbst kritisiert wird. So tauschte Biafra nur wenige Wörter aus und stellte einige Sätze so um, das sie unvorteilhaft enden. Am Ende wird dem Protagonisten des Songs Kokainkonsum unterstellt.[25] Hier fand eine Tradition der Dead Kennedys ihren Anfang: die überraschende Coverversion, die nicht zum Gestus und der Musik der Dead Kennedys passte. Fortgesetzt wurde sie unter anderem mit My Sharona, I Fought the Law und Boris the Spider. Jello Biafra imitierte hier den hohen Gesang von Feargal Sharkey.[21] Ian McNay plante dies als dritte Single ein, da er sich davon hohe Aufmerksamkeit von den britischen Medien versprach. Doch die Band lehnte ab, da sie Befürchtungen hatte, damit als One-Hit-Wonder zu gelten.[7]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben
Fresh Fruit for Rotting Vegetables
  UK 33 13.09.1980 (6 Wo.)
Singles
Kill the Poor
  UK 49 01.11.1980 (3 Wo.)
Vorlage:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/ohne Quellen

Das Debütalbum erhielt gemischte Kritiken. Am Besten schnitt das Album im Vereinigten Königreich ab. So kritisierte Andy Gill von Gang of Four im New Musical Express die Themen des Albums, die „abseitig und nicht mehr als Punk-Varielté“ seien. Dafür lobte er die Dynamik sowie die Originalität und den Abwechslungsreichtum der Kompositionen.[8] Robert Christgau und Lester Bangs äußerten sich negativ. Christgau bezeichnete Biafras Gesang als „Tiny Tim Vibrato[26] und verglich die Musik mit den Stooges. Eine gute Kritik kam dagegen von John Tobler vom ZigZag,[7] der vor allem die „subtilen“ Lyrics lobte.[8] In den USA waren die Kritiken verhaltener. So lobte New York Rocker zwar die dynamischen Tracks des Albums, bezeichnete aber die Lyrics zu I Kill Children und Funland at the Beach als sinnlos und nur für den Schockeffekt geschrieben.[8]

Trotz der eher verhaltenen Rezensionen verkaufte sich das Album sehr gut. Bis zum Ende des Jahres konnte Cherry Red alleine im Vereinigten Königreich 30.000 Einheiten absetzen. In Finnland, Spanien, Portugal und Australien erreichte es sogar Top-10-Platzierungen.[27] In den britischen Charts erreichte das Album Platz 33. Die Single Kill the Poor platzierte sich auf 49.[28]

Zur damaligen Zeit ebnete das Album den Weg für die San-Franscisco-Punkszene und machte diese sowohl in den USA als auch in Europa populär. Es war zudem einer der Meilensteine des frühen US-Hardcores, zusammen mit den ersten Veröffentlichungen von Black Flag, MDC und Bad Brains.[29] Heute gilt das Album als eines der bedeutendsten Werke der Punkmusik sowie als „Blaupause für textlich wie musikalisch vielseitigen Punk“.[25] Dementsprechend oft wird es zitiert. Insbesondere die beiden Hits California über alles sowie Holiday in Cambodia wurden recht häufig gecovert. Bei ersterem sind sicherlich die Versionen von der Death-Metal-Band Six Feet Under sowie von der Indie-Rock-Band The Delgados hervorzuheben. Von letzterem existieren unter anderem Versionen von Laaz Rockit und Boysetsfire. Serj Tankian und die Foo Fighters spielten auf den MTV Video Music Awards 2007 eine Neuauflage des Songs.[30]

Der Song I Kill Children, insbesondere der Eröffnungssatz, inspirierte den Künstler Winston Smith zu einem Gemälde mit dem Titel „God Told Me to Skin You Alive“, das später Verwendung als Artwork beim Green-Day-Album Insomniac fand.[31] Das Album diente zudem als Inspiration für eine ganze Reihe von Künstlern, unter anderem Dinosaur Jr., Hüsker Dü, The Pixies, Nirvana, The Offspring und Massive Attack bezeichneten das Album als großen Einfluss.[32]

Im Mai 2001 veröffentlichte das US-Musikmagazin Spin das Themenheft 25 Years of Punk mit einer Liste “The 50 Most Essential Punk Records”. Das Album Fresh Fruit for Rotting Vegetables steht dort auf Platz 46.[33] Das britische Mojo nannte das Album das „musikalisch komplexeste Punkalbum aller Zeiten“.[32] Robert Dimery nahm das Album in sein musikalisches Referenzbuch 1001 Albums You Must Hear Before You Die auf.[34] 2004 erschien eine Liste des deutschen Rolling Stone-Magazines, bei dem Fresh Fruit for Rotting Vegetables auf Platz 185 geführt wurde. Sowohl auf der Liste des US-amerikanischen Rolling Stones als auch bei der Neuauflage der Liste 2012 fehlte es dagegen.[35] Der New Musical Express nahm das Album 2013 in seine Liste der 500 besten Alben aller Zeiten auf. Geführt wird es dort auf Platz 365.[36]

Rolle im Prozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fresh Fruit for Rotting Vegetables ist das einzige Album der Band, dessen Rechte nicht bei Alternative Tentacles lagen, bevor der Rechtsstreit zwischen Jello Biafra und den restlichen Mitgliedern der Dead Kennedys begann. Während des Rechtsstreits ging es insbesondere um falsch berechnete und nicht ausgezahlte Royaltys sowie fehlerhafte Urheberrechtsangaben. Ein Punkt war allerdings, dass Biafra den Backkatalog nicht genügend beworben hätte. Als Gegenbeispiel wurde daher Cherry Red Records ausgewählt, die das Album als Digipak mit verschiedenen Bonustracks erneut herausgebracht haben und damit die Verkäufe von 5.000 Stück auf 15.000 Stück anheben konnten. Als Folge sprach die Jury den restlichen Mitgliedern die Rechte zur Veröffentlichung aller Alben außer Fresh Fruit for Rotting Vegetables zu.[37][38]

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fresh Fruit for Rotting Eyeball – 25th Anniversary Edition. Dokumentation über die frühen Jahre der Dead Kennedys, mit Live-Konzertmitschnitten. (Beigelegt in einer Ausgabe des Albums anlässlich des 25-jährigen Jubiläums) Produzent: Eric S. Goodfield.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Stewart Foley: 33 1/3: Fresh Fruit for Rotting Vegetables. New York: Bloomsbury Academic 2015. ISBN 978-1-6235-6730-9
  • Alex Ogg: California über alles: Dead Kennedys – Wie alles begann. Mainz: Ventil Verlag 2015. ISBN 978-3-95575-008-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alex Ogg: California über alles: Dead Kennedys – Wie alles begann. Mainz: Ventil Verlag 2015. ISBN 978-3-95575-008-4. S. 97f
  2. Alex Ogg: California über alles: Dead Kennedys – Wie alles begann. Mainz: Ventil Verlag 2015. ISBN 978-3-95575-008-4. S. 98f
  3. Alex Ogg: California über alles: Dead Kennedys – Wie alles begann. Mainz: Ventil Verlag 2015. ISBN 978-3-95575-008-4. S. 106f
  4. a b c Alex Ogg: California über alles: Dead Kennedys – Wie alles begann. Mainz: Ventil Verlag 2015. ISBN 978-3-95575-008-4. S. 132f
  5. Alex Ogg: California über alles: Dead Kennedys – Wie alles begann. Mainz: Ventil Verlag 2015. ISBN 978-3-95575-008-4. S. 123f
  6. Alex Ogg: California über alles: Dead Kennedys – Wie alles begann. Mainz: Ventil Verlag 2015. ISBN 978-3-95575-008-4. S. 124f
  7. a b c d e f g Alex Ogg: California über alles: Dead Kennedys – Wie alles begann. Mainz: Ventil Verlag 2015. ISBN 978-3-95575-008-4. S. 143f
  8. a b c d Michael Stewart Foley: 33 1/3: Fresh Fruit for Rotting Vegetables. New York: Bloomsbury Academic 2015. ISBN 978-1-6235-6730-9. S. 126
  9. Alex Deller: A caustic, snide and fiercely intelligent statement of intent. BBC, 2011, abgerufen am 19. März 2016.
  10. AllMusic Review by Steve Huey bei Allmusic (englisch). Abgerufen am 9. März 2016.
  11. Michael Stewart Foley: 33 1/3: Fresh Fruit for Rotting Vegetables. New York: Bloomsbury Academic 2015. ISBN 978-1-6235-6730-9. S. 120
  12. Fresh Fruit for Rotting Eyeball – 25th Anniversary Edition. Beilage zur Wiederveröffentlichung 2005 auf Cherry Red Records.
  13. Fresh Fruit for Rotting Vegetables (Übersicht). Discogs, abgerufen am 11. März 2016.
  14. Michael Stewart Foley: 33 1/3: Fresh Fruit for Rotting Vegetables. New York: Bloomsbury Academic 2015. ISBN 978-1-6235-6730-9. S. 116
  15. Cory D. Byrom: Dead Kennedys – Fresh Fruit for Rotting Vegetables. Pitchfork Media, 9. November 2005, abgerufen am 19. März 2016.
  16. zitiert nach Booklet von Fresh fruit for Rotting Vegetables, CD-Version, Cherry Red Records, unbekanntes Jahr
  17. Michael Stewart Foley: 33 1/3: Fresh Fruit for Rotting Vegetables. New York: Bloomsbury Academic 2015. ISBN 978-1-6235-6730-9. S. 114
  18. a b c Alex Ogg: California über alles: Dead Kennedys – Wie alles begann. Mainz: Ventil Verlag 2015. ISBN 978-3-95575-008-4. S. 134f
  19. Michael Stewart Foley: 33 1/3: Fresh Fruit for Rotting Vegetables. New York: Bloomsbury Academic 2015. ISBN 978-1-6235-6730-9. S. 115
  20. Jimmy Carter: Selective Service Revitalization Statement on the Registration of Americans for the Draft. The American Presidency Project, 8. Februar 1980, abgerufen am 2016-031-3.
  21. a b c Alex Ogg: California über alles: Dead Kennedys – Wie alles begann. Mainz: Ventil Verlag 2015. ISBN 978-3-95575-008-4. S. 139f
  22. Dead Kennedys – Fresh Fruit For Rotting Vegetables. Discogs, abgerufen am 8. März 2016.
  23. Alex Ogg: California über alles: Dead Kennedys – Wie alles begann. Mainz: Ventil Verlag 2015. ISBN 978-3-95575-008-4. S. 63f
  24. a b Michael Stewart Foley: 33 1/3: Fresh Fruit for Rotting Vegetables. New York: Bloomsbury Academic 2015. ISBN 978-1-6235-6730-9. S. 118
  25. a b Hannes Wesselkämper: Dead Kennedys - Fresh Fruit For Rotting Vegetables. Laut.de, abgerufen am 28. März 2016.
  26. Robert Christgau: Christgau's Consumer Guide. In: Village Voice. 4. Mai 1981 (robertchristgau.com).
  27. Alex Ogg: California über alles: Dead Kennedys – Wie alles begann. Mainz: Ventil Verlag 2015. ISBN 978-3-95575-008-4. S. 170f
  28. Dead Kennedys. officialcharts.com, abgerufen am 12. März 2016.
  29. Steve Taylor: The A to X of Alternative Music. Neuauflage Auflage. A&C Black, 2006, ISBN 978-0-8264-8217-4, S. 82.
  30. Alex Ogg: California über alles: Dead Kennedys – Wie alles begann. Mainz: Ventil Verlag 2015. ISBN 978-3-95575-008-4. S. 191
  31. Alex Ogg: California über alles: Dead Kennedys – Wie alles begann. Mainz: Ventil Verlag 2015. ISBN 978-3-95575-008-4. S. 194
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