Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners

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Freunde der Erziehungskunst
Rudolf Steiners e. V.

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Rechtsform Eingetragener Verein
Gründung 1971
Sitz Stuttgart, Deutschland
Leitung Nana Göbel, Bernd Ruf, Henning Kullak-Ublick, Andreas Schubert
Website www.freunde-waldorf.de

Freiwillige aus der ganzen Welt
Notfallpädagogik: Zeltlager in Haiti
WOW-Day

Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e. V. (kurz Freunde der Erziehungskunst oder „Freunde“) ist ein 1971 gegründeter gemeinnütziger Verein mit Sitz in Stuttgart. Der Verein fördert weltweit Initiativen eines freien Bildungswesens und Einrichtungen, die auf Grundlage der Waldorfpädagogik arbeiten. Als Trägerorganisation für Freiwilligendienste vermittelt der Verein ca. 1700 Freiwillige pro Jahr ins In- und Ausland. Die Abteilung Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst leistet seit 2006 internationale Kriegs- und Katastrophenhilfe für traumatisierte Kinder und Jugendliche.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1919 legte Rudolf Steiner die Grundlagen für die Waldorfpädagogik und gründete die erste Waldorfschule im Stuttgart. Um die Waldorfpädagogik und insgesamt ein freies Schulwesen weltweit zu unterstützen und finanzieren zu können, gründete Ernst Weissert am 10. Oktober 1971 den Verein Freunde der Waldorfpädagogik. Ernst Weissert selbst trat nicht in den Vorstand ein, sondern überließ diese Aufgabe seinem größten Helfer und zweiten Mitglied Dr. Manfred Leist. Als weitere Vorstände traten hinzu Günter Ziegenbein (Vorstandsmitglied der Freien Waldorfschule am Kräherwald) und Armin Scholter, Geschäftsführer dieser Schule. Damit war ein handlungsfähiges Vorstandsgremium des neuen Vereins gebildet. Viele ehemalige Schülerinnen und Schüler der Waldorfschule Stuttgart-Uhlandshöhe wurden Mitglieder und sind es zum Teil langjährig geblieben. Ernst Weissert und Manfred Leist hatten aber jeweils weitere anspruchsvolle Aufgaben beim Aufbau der deutschen Schulbewegung und bei der Führung des Bundes der Freien Waldorfschulen, sodass für diesen Verein nicht sehr viel Zeit blieb.

Im Jahr 1976 griffen ehemalige Waldorfschüler die Idee auf, einen Weltschulverein zu begründen. Ernst Weissert unterstützte diese Intention und bot ihnen den Verein Freunde der Waldorfpädagogik als Rechtsinstrument an. Andreas Büttner, Nana Göbel und Justus Wittich wurden im November 1978 in den Vorstand gewählt, Günther Ziegenbein und Armin Scholter schieden aus. Sie nannten den Verein in Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners um. 1987 wurde Bernd Ruf in den Vorstand gewählt. Nana Göbel und Bernd Ruf, sie in Berlin, er in Karlsruhe, führen den Verein als die beiden geschäftsführenden Vorstände[1]. Seit 1976 betreibt der Verein den Aufbau der internationalen Förderung und der Vernetzung waldorfpädagogischer Einrichtungen u. a. mit Hilfe des neu begründeten Internationalen Hilfsfonds. Im Jahr 1994 wurden die Freunde der Erziehungskunst von der UNESCO zur Internationalen Konferenz für Erziehung nach Genf eingeladen, um Waldorfpädagogik einem internationalen Publikum vorzustellen. Die Zusammenarbeit mit der UNESCO wurde fortgesetzt und im Mai 2001 wurden die Freunde der Erziehungskunst als Stiftung mit offiziellen Beziehungen zur UNESCO aufgenommen.[2] Heute beschäftigt der Verein über 100 Mitarbeiter mit zwei Niederlassungen in Berlin und Karlsruhe (Stand August 2018). Den Vorstand des Vereins bilden Nana Göbel, Bernd Ruf, Henning Kullak-Ublick und Andreas Schubert.

Arbeitsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeit der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners unterteilt sich in verschiedene Arbeitsbereiche, welche jedoch alle in Zusammenhang und im Dienst der Waldorfpädagogik stehen.

Projektförderung/Internationaler Hilfsfonds[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freunde der Erziehungskunst unterstützen Waldorfschulen, Waldorfkindergärten und anthroposophische heilpädagogische Einrichtungen weltweit mit Spenden, aber auch mit Rat, Netzwerkbildung, Mentoren etc. Der Verein verfügt nicht über eigenes Kapital, ist also keine Stiftung, sondern bekommt Spenden und Zuwendungen von vielen Einzelspendern, Waldorfschulen, anderen Einrichtungen und mit ihm zusammenarbeitenden Stiftungen, die er jeweils im Sinne der Spender verwendet. Den Freunden der Erziehungskunst ist wichtig, dass die Spender selbst entscheiden, wen oder was sie fördern möchten. Sie verstehen sich als Dienstleister der internationalen Waldorfpädagogik. Rund 95 % aller Spenden, die die Freunde der Erziehungskunst erhalten, sind für einen bestimmten Verwendungszweck. Die Spender unterstützen Einrichtungen, zu denen sie eine persönliche Beziehung haben oder denen sie aufgrund eines Berichts oder aus anderen Gründen helfen möchten. Um notwendige größere Investitionen zu ermöglichen, arbeiten die Freunde der Erziehungskunst mit Stiftungen, anderen Hilfsorganisationen und mit dem BMZ zusammen.

Freiwilligendienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freunde der Erziehungskunst sind seit 1993 Träger für internationale Freiwilligendienste. Alle Freiwilligen arbeiten in waldorfpädagogischen und anthroposophisch orientierten Einrichtungen: Schulen, Kindergärten, Projekten der Sozialarbeit, heilpädagogische Einrichtungen, Lebensgemeinschaften mit Menschen mit erhöhtem Förderbedarf und in der biodynamischen Landwirtschaft. Ein soziales Jahr im Ausland mit den Freunden als Träger kann über folgende staatlich gefördert Programme geleistet werden:

Für die internationalen Freiwilligendienste sind die „Freunde“ mit dem Quifd-Gütesiegel (Qualität im Freiwilligendienst) zertifiziert. Seit 2011 bietet der Verein auch Freiwilligendienste in Deutschland an:

Als eine der wenigen Trägerorganisationen ermöglichen die Freunde der Erziehungskunst bereits seit 2006 auch internationalen Freiwilligen ein soziales Jahr in Deutschland. Das Programm, das Engagierten aus dem Ausland einen Freiwilligendienst in Deutschland ermöglicht, ist seit 2011 dem Bundesfreiwilligendienst zugeordnet. Aktuell arbeiten 200 Incomer aus über 40 Ländern in Einsatzstellen in Deutschland.

Bildungspatenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende der 1990er wurde der Bereich Bildungspatenschaften mit in die Arbeit aufgenommen, um einzelnen Kindern durch Patenschaften den Besuch einer Waldorfschule auch in solchen Ländern zu ermöglichen, in denen Waldorfschulen keine staatliche Subvention erhalten und deshalb Schulgeld erheben müssen. Patenschaften sind eine ganz individuelle Form der Hilfe. Die Waldorfschule war und ist von Anfang an als eine für alle Menschen und Schichten offene Schule gedacht. Ob Kinder eine Waldorfschule besuchen können, soll nicht von den wirtschaftlichen Verhältnissen der Eltern abhängig sein. Hier sind Patenschaften nicht nur für das einzelne Kind, sondern immer auch für die ganze Schule eine große Hilfe. Direkt durch den Verein vermittelt wurden derzeit rund 700 Patenschaften.[3] Diese unterstützen an über 50 Schulen den Schulbesuch entsprechend vieler Kinder mit rund 25–200 Euro pro Monat.

WOW-Day[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1994 engagieren sich einmal im Jahr Schülerinnen und Schüler einen Tag lang für Waldorfinitiativen in aller Welt. Durch künstlerische Aktivitäten oder Eintags-Arbeitsplätze sammeln sie Geld für Waldorfeinrichtungen, die dringend Hilfe benötigen. Mithilfe der Freunde der Erziehungskunst und ihren Kooperationspartnern Bund der Freien Waldorfschulen und European Council for Steiner Waldorf Education wächst die Schülerkampagne zunehmend. Die Schüler lernen dabei nicht nur, sich für eine fremde kulturelle Welt zu interessieren und sich für andere zu engagieren, sondern erleben auch wie es ist, sich gemeinschaftlich zu organisieren und eigene Ideen im Konkreten umzusetzen. In den ersten Jahren beteiligten sich rund 20 Schulen am WOW-Day, später waren es jährlich etwa doppelt so viele. Seit 2009 wurde der WOW-Day zu einer europaweiten Kampagne und findet seit 2011 weltweit statt. Inzwischen beteiligen sich jährlich über 200 Waldorfschulen aus mehr als 30 Ländern am WOW-Day, der an einem festgelegten Tag im Herbst stattfindet. Insgesamt haben Schüler beim WOW-Day seit 1994 rund 2,5 Millionen Euro gesammelt (Stand: 2013). Der WOW-Day trägt dazu bei, dass Schulen, Kindergärten, heilpädagogische Einrichtungen und Sozialprojekte eine überlebenswichtige Förderung bekommen: Kinder in Kenia können zur Schule gehen, in Brasilien erfahren sie in den Favelas Alternativen zur Kriminalität und Menschen mit Behinderung in Georgien wird ein würdiges Leben ermöglicht. Über 100 Einrichtungen wurden bereits durch den WOW-Day gefördert. Die gesammelten Spenden gehen jeweils an die Freunde der Erziehungskunst und werden von diesen zu 100 % an die Projekte weitergeleitet.[4]

Notfallpädagogik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Notfallpädagogik widmet sich der psychosozialen Stabilisierung von Kindern und Jugendlichen in Kriegs- und Katastrophengebieten. Der Sonderpädagoge Bernd Ruf entwickelte 2006 ein umfassendes, auf der Waldorfpädagogik basierendes Konzept zur Notfallpädagogik, nachdem er mit psycho-traumatisierten Kindern in einem Flüchtlingslager in Beirut im Kontext des Libanonkriegs 2006 konfrontiert wurde.[5] Die Zunahme von kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen erforderte seither Akuteinsätze mit psychotraumatisierten Kindern und Jugendlichen im Libanon (2006, 2013), China (2008, 2013), Gaza (2009–2013), Indonesien (2009), Haiti (2010,2016), Kirgisistan (2010), Japan (2011), Kenia (2012–2013,2017), Bosnien und Herzegowina (2014), Nepal (2015), Griechenland (2015), Slowenien (2015), Paris (2015), Brüssel (2016), Ecuador (2016), Mexiko (2017) und Bangladesh (2017–2018). Neben der Akuteinsätze sind langfristige Projekte und die Katastrophenvorsorge weitere Aufgabengebiete. Das Ziel hierbei ist, durch Ausbildung regionaler Teams vor Ort, in Katastrophensituationen schnell reagieren zu können.

Die Freunde der Erziehungskunst sind Mitglied im Hilfsbündnis Aktion Deutschland Hilft (ADH) und arbeiten in Kooperation mit verschiedenen anderen Hilfsorganisationen des Bündnisses wie z. B. 2012 mit der Organisation Habitat for Humanity in Chile.[6] In einer Untersuchung von UNICEF wurde der Songot-Kindergarten der „Freunde“ im Flüchtlingslager Kakuma in Kenia auf Platz 1 von allen 12 im Flüchtlingslager bestehenden Kindergärten gewählt.[5] Förderer der Notfallpädagogik sind die Globus Stiftung und die Deutsche Bank Stiftung.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unsere Mitarbeiter. In: www.freunde-waldorf.de. Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V., abgerufen am 2. November 2018.
  2. Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners (Hrsg.): Waldorfpädagogik weltweit. Berlin 2001, S. 12–17.
  3. Rundbrief Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners, Herbst 2013, S. 12, auf freunde-waldorf.de
  4. Rundbrief Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners, Herbst 2013, auf freunde-waldorf.de
  5. a b Erste Hilfe für die Seele - Notfallpädagogik in Kriegs-und Katastrophengebieten (Memento vom 3. Februar 2014 im Internet Archive), in November 2012 Veranstaltungen und Berichte aus Einrichtungen auf anthroposophischer Grundlage im Raum Hamburg, S. 5 – 19, auf treuhandstelle-hh.de
  6. aktion-deutschland-hilft.de
  7. Hilfe für die Schwächsten Deutsche Bank Stiftung fördert Traumaprojekt in Kenia (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive)auf deutsche-bank-stiftung.de