Frexit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Frexit ist ein Kurzbegriff für einen Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union (EU) oder der Eurozone. Die Wortbildung Frexit ist dem Begriff Brexit für den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs nachempfunden: Es ist ein Kofferwort aus „Fr“ (für „Frankreich“ oder französisch „France“) und „exit“ (englisch für Austritt);[1] trotz gelegentlicher Nutzung des Begriffs in den Medien ist das Wort Frexit nie in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen.

Umfragen und politische Positionen zum "Frexit"[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Umfrageergebnissen des Pew Research Center aus dem Juni 2016 – kurz vor dem EU-Mitgliedschaftsreferendum im Vereinigten Königreich 2016 – sahen 61 Prozent der Franzosen die EU unvorteilhaft. Dies war innerhalb der ausgewerteten EU-Staaten das zweitschlechteste Ergebnis nach den Griechen mit 71 Prozent für „EU unvorteilhaft“.[2] Bei einer im Juni 2016 von Taylor Nelson Sofres durchgeführten Erhebung zur direkten Frage des Verbleibs oder Austritts wünschten 45 Prozent der Franzosen den Verbleib und 33 Prozent den EU-Austritt.[3]

Bei den französischen Präsidentschaftswahlen 2017 traten daher auch mehrere Kandidaten mit explizit anti-europäischen Positionen an: Marine Le Pen, die Vorsitzende der Front National, kündigte an, dass sie im Fall ihres Sieges bei der den Austritt Frankreichs aus der EU mit Hilfe eines Austrittsreferendums betreiben werde.[4][5] Ebenfalls haben sich Jean-Luc Mélenchon, Vorsitzender der Parti de Gauche, und Nicolas Dupont-Aignan, Vorsitzender von Debout la France, und François Asselineau, Präsident der Union populaire républicaine (UPR) für den Austritt bzw. für ein Referendum ausgesprochen, falls Neuverhandlungen der EU-Verträge scheitern würden.[6]

Umfragen kurz vor Wahl sahen aber eine eher positive Haltung zu der EU mit einer 2/3-Mehrheit deutlich gegen den Euro-Austritt.[7] Der deutliche Wahlsieg von Emmanuel Macron im Mai 2017, der offen pro-EU Positionen im Wahlkampf vertreten hatte, und das schlechte Abschneiden von Le Pen und der verschiedenen anti-europäischen Kleinkandidaten wurde dann auch als ein klares Votum für die Verankerung Frankreichs in der EU gesehen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kate Lyons, Gordon Darroch: Frexit, Nexit or Oexit? Who will be next to leave the EU. In: The Guardian. 27. Juni 2016; abgerufen am 29. Januar 2017 (englisch).
  2. Euroscepticism on rise in Europe, poll suggests. BBC News, 6. Juni 2016; abgerufen am 29. Januar 2017 (englisch).
  3. Sondage : les Français ne veulent pas quitter l'Europe. lefigaro.fr, 29. Juni 2016; abgerufen am 29. Januar 2017 (französisch).
  4. Le Pen will Referendum über Frexit. In: Coburger Tageblatt. 6. Februar 2017. Online verfügbar als: Le Pen startet Wahlkampf mit Angriffen auf die EU. In: infranken.de. 5. Februar 2017; abgerufen am 6. Februar 2017.
  5. Marine Le Pen plädiert für „Frexit“. In: deutsch.rt.com. 24. Dezember 2016; abgerufen am 29. Januar 2017.
  6. Arnaud Focraud: Le Pen, Mélenchon, Dupont-Aignan… A chaque eurosceptique son "Frexit". In: Le Journal du Dimanche. 21. Juni 2016; abgerufen am 29. Januar 2017 (französisch).
  7. Le Figaro: Sondage : les Français hostiles à une sortie de l'euro, 25. März 2017 (franz).