Frieda (Meinhard)

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Frieda
Gemeinde Meinhard
Koordinaten: 51° 11′ 24″ N, 10° 7′ 36″ O
Höhe: 170 (163–230) m ü. NHN
Fläche: 5,62 km²[1]
Einwohner: 727 (Sep. 2014)[2]
Bevölkerungsdichte: 129 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 37276
Vorwahl: 05651

Frieda ist der östlichste Ortsteil der Gemeinde Meinhard im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von der Werraaue auf Frieda

Frieda befindet sich im unteren Werratal, etwa halbwegs zwischen den Städten Eschwege und Wanfried. In Ortsnähe bilden der Eichenberg und die benachbarte Auesche Kugel (nördlichster Ausläufer des Schlierbachswaldes) eine nur knapp 800 m messende Engstelle, welche eine Änderung der Fließrichtung der Werra nach Südwesten erzwingt. Von Norden kommend, zwängt sich das Flüsschen Frieda durch ein enges Durchbruchtal zwischen dem Eichenberg und seinem westlichen Nachbarn, dem spornartig auslaufenden Kahlenberg, um am Südrand der Ortslage Frieda in die Werra einzumünden. Steil und schroff ragen diese bewaldeten Berge jeweils 100 bis 150 m über den Talgrund empor.

Nachbarorte sind Schwebda, das ebenfalls der Gemeinde Meinhard angehört, sowie Wanfried und Aue, die beide der Stadt Wanfried angehören. Im Ort treffen sich die Bundesstraße 249 und die Landesstraße 3467. Die Bundesstraße verläuft seit 2015 nicht mehr mitten durch den Ort.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer im Volke tief verwurzelten Legende soll der heilige Bonifatius, als er im Werratal missionierte, vom benachbarten Hülfensberg blickend gesagt haben: „Wann wird endlich Frieden schweben über dieser schönen Aue“. Volksetymologisch lassen sich daraus die Namen der heutigen Orte Wanfried, Frieda, Schwebda und Aue herleiten. Ein Wandbild an einem Haus an der Ortsdurchfahrt von Wanfried-Aue illustriert diese Geschichte.

Die erste schriftliche Erwähnung Friedas findet sich in einer Urkunde von Kaiser Otto II., der darin den Königshof in Eschwege und weitere Siedlungen im Umkreis seiner Frau Theophanu als Wittum hinterlässt. Um 1358 erwarben die Herren von Boyneburg das Dorf Frieda vom hessischen Landgrafen. Seit 1583 gehörte es zum hessischen Amt Eschwege.

Anfang 1464 führte die Werra ein Jahrhunderthochwasser und richtete große Schäden an. Bei einer Visitation wurden in Frieda im Jahre 1585 68 Haushaltungen verzeichnet. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde auch Frieda mehrfach von Plünderungen und Überfällen heimgesucht, bereits 1623 wütete die Pest unter den Einwohnern. Im Siebenjährigen Krieg wurde Frieda durch Einquartierungen französischer und österreichischer Truppen über Monate hinweg ausgepresst. Auf Seiten der Briten kämpften im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg auch vier Friedaer Bürger, Söldner in einem hessischen Regiment; sie kehrten nicht zurück.

Im 18. und 19. Jahrhundert wirkten mehrere Generationen der Orgelbauerfamilie Schmerbach in Frieda; sie schufen zahlreiche Orgeln in Nordhessen, Thüringen und dem Eichsfeld.

Wegen Bauschäden musste 1860 die Fachwerkkirche bis auf die Grundmauern abgerissen werden. Der Neubau entstand am gleichen Platz und wurde am 23. November 1862 geweiht.

Im Deutsch-Französischen Krieg kämpfen auch 25 Männer aus Frieda. Aus militärstrategischen Gründen wurde quer durch das Eichsfeld eine weitere Eisenbahnlinie – die sogenannte Kanonenbahn – gebaut. Bei Frieda wurde dafür ein Tunnel erforderlich. Der Ort war um 1880 noch weitgehend landwirtschaftlich geprägt, es gab drei Mühlen, ein Schulhaus und ein Wirtshaus. Mehrere Bewohner gehen dem Stockmacher-Handwerk nach. Ab 1888 begann der Aufbau der Firma Friedola, zunächst eine Fabrikationsstätte von Wachstüchern und beschichteten Planen.

Am 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Frieda in die neue Gemeinde Meinhard eingegliedert.[3]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angesichts zahlreicher Brandkatastrophen in Umlandgemeinden gründeten die Friedaer 1874 ihre Freiwillige Feuerwehr; sie wurde am 5. Juli 1874 als Lösch- und Rettungscompagnie angemeldet. In Frieda selbst müssen die immer wieder vorkommenden Hochwasserereignisse abgewehrt werden. Ein Großfeuer zerstörte am 14. März 1929 die Wollgarnspinnerei am Ortsrand und drohte auf die Ortslage überzugreifen, was nach anstrengenden Löscharbeiten verhindert werden konnte.

Am 1. September 1901 gründeten 29 Friedaer Bürger den Männergesangsverein Harmonie, im Jahre 1922 waren bereits 77 Bürger im Verein, der sich bereits 1910 in einen gemischten Chor umgewandelt hatte.

Um 1930 entstand das Bedürfnis, einen eigenen Spielmannszug aufzubauen. Er sollte bei der Ausgestaltung von Vereinsfesten und bei Familienfesten oder Jubiläen zum Einsatz kommen. Nach dem Krieg wurde der Spielmannszug 1949 neu aufgebaut; er wurde besonders von der Jugend angenommen.

Mit Unterstützung Eschweger Kameraden wurde im März 1910 der Friedaer Turn- und Sportverein als Arbeiterverein gegründet. 1923 wurde die Fußballabteilung gegründet. Um am regelmäßigen Spielbetrieb erfolgreich teilnehmen zu können wurde bereits 1948 die Spielgemeinschaft Frieda-Schwebda-Aue als Mannschaft aufgebaut. Gleichzeitig entstanden Mannschaften für Faustball, Tischtennis, Damen-Handball, eine Turnerriege und Gymnastikgruppe.

Um das Ortsbild zu pflegen und die Heimatgeschichte zu erforschen gründeten 16 Einwohner den Heimatverein Frieda 1960, der auch wesentlichen Anteil an der Vorbereitung der 1000-Jahr-Feier im Jahr 1974 übernahm.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung von Frieda von 1834 bis 1974[4]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1834 759 1871 773 1910 757 1956 1011
1840 806 1875 826 1925 734 1961 974
1846 846 1885 769 1939 801 1967 1063
1852 779 1895 754 1946 1021 1970 1128
1864 796 1905 788 1950 1104 1974 1154

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsvorsteher ist Christian Genau (SPD).[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Frieda zählt zu den malerischen Fachwerkdörfern im Werratal. Um den Dorfanger gruppieren sich denkmalgeschützte Gebäude und bilden den historischen Ortskern. Die 1862 eingeweihte Kirche ersetzt eine erst 1860 wegen Baufälligkeit beseitigte Fachwerkkirche. Die heutige Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt, die Glocken wurden in den 1960er Jahren auf einem Lagerplatz wiederentdeckt und heimgeholt. Eine bautechnische Meisterleistung ist der Friedatunnel, ein ehemaliger Eisenbahntunnel, welcher für die Trassenführung der sogenannten Kanonenbahn erforderlich wurde. In der näheren Umgebung von Frieda trifft man auf zahlreiche Naturschönheiten und Aussichtspunkte.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größter Arbeitgeber im Ort ist das im Jahre 1888 gegründete Familienunternehmen Friedola Gebr. Holzapfel GmbH. Es hat sich auf die Herstellung von technischen Textilien und entsprechenden Gebrauchsgütern (Wachstuchartikel, Tischdecken, Spiel-, Sport- und Campingartikel) sowie Innenraumtextilien und Bodenbeläge spezialisiert.[6] Für den in Eschwege geborenen Kaufmann und Unternehmer Johann Gustav Holzapfel bildete die 1888 in Frieda ersteigerte Topfmühle, die Grundlage seiner Fertigung von beschichteten Planen und Tuchen. In den 1920er Jahren wurden die technischen Anlagen für die Herstellung von Kunstleder beschafft, nach dem Krieg revolutionierten die technischen Kunststoffe und Folien das Produktangebot. Im Dezember 2015 meldete Friedola Insolvenz an.[7]

Perönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinz Fromm (* 1948), ehemaliger Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Festausschuss (Hrsg.): 1000 Jahre Frieda (974–1974). Wanfried 1974, S. 186.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frieda, Werra-Meißner-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 25. Januar 2016). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Einwohnerzahlen der Ortsteile im Haushaltsplan 2015 der Gemeinde Meinhard. (PDF) Vorbericht S. 2; abgerufen im Februar 2016
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 388.
  4. Datenquelle Ortschronik 1000 Jahre Frieda
  5. Die Ortsbeiräte der Gemeinde Meinhard
  6. Firmenporträt. Friedola GmbH, abgerufen am 3. Januar 2010.
  7. Insolvenz für den Hersteller der Schwimmflügel in Orange. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine. 23. Dezember 2015, abgerufen am 23. Dezember 2015.