Frieda von Bülow

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Frieda von Bülow, etwa 1902

Frieda Sophie Luise Freiin von Bülow (* 12. Oktober 1857 in Berlin; † 12. März 1909 auf Schloss Dornburg/Saale) war eine deutsche Schriftstellerin, Afrikareisende, Anhängerin des Kolonialgedankens und Begründerin des deutschen Kolonialromans.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frieda von Bülow entstammte dem Adelsgeschlecht Bülow und verlebte die ersten Kindheitsjahre in Smyrna (Osmanisches Reich). Dort war ihr Vater Hugo von Bülow (* 13. Mai 1821; † 26. Januar 1869) preußischer Konsul. Nach dessen Tod folgten Kindheits- und Jugendjahre mit der Mutter Klothilde Luise Henriette von Münchhausen (* 5. Dezember 1832;† 27. März 1891), Großmutter und vier Geschwistern in Neudietendorf und dem benachbarten Ingersleben (Rittergut der Familie von Münchhausen, aus der die Mutter stammte) in Thüringen. Ein besonders enges Verhältnis hatte Frieda von Bülow zu ihrer jüngeren Schwester Margarethe von Bülow (die ebenfalls Schriftstellerin wurde), bis zu deren tragischem Tod im Jahr 1884. Dem Schulbesuch in Neudietendorf bei der dortigen Herrnhuter Brüdergemeine[1] folgte ein Schuljahr in England. 1881 zog sie nach Berlin und gründete als begeisterte Anhängerin der Kolonialidee den Frauenverein für Krankenpflege in den Kolonien. Als Vorstandsmitglied der Deutsch-Ostafrikanischen Evangelischen Missionsgesellschaft machte sie sich bereits 1886 um die Errichtung eines Missionskrankenhauses in Dunda am Kigan stark.[2] Um Krankenpflegestationen einzurichten, reiste sie nach Sansibar und Deutsch-Ostafrika, wo sie von 1885 bis 1889 lebte. Dort lernte sie Carl Peters kennen, mit dem sie jahrelang zusammenarbeitete und in den sie sich unglücklich verliebte. Den Flirt mit Peters, der zu den grausamsten deutschen Kolonialpionieren gehörte und später nicht grundlos zum 'Kolonialheld' der Nazis wurde, stellt sie in ihrem Roman Im Lande der Verheißung (1899) dar.[3] Im Oktober 1886 gründete sie den Deutschnationalen Frauenbund. Sie organisierte Wohltätigkeitsveranstaltungen zugunsten von Krankenstationen in Ostafrika. Ihr als extravagant empfundener Lebensstil brachte von Bülow jedoch auch Kritik ein, da ihr Auftreten in vorwiegend männlichen Gesellschaftskreisen nicht in das damalige Bild einer Krankenschwester passte. 1888 entließ sie der Deutschnationale Frauenbund aus dem Vorstand. Aufgrund einer Malaria nach Deutschland zurückgekehrt, begann die schriftstellerische Tätigkeit von Frieda von Bülow mit zahlreichen Romanen und Novellen. Ihr Versuch, 1893/94 die Plantagen ihres 1892 am Kilimandscharo gefallenen Bruders Albrecht von Bülow in Deutsch-Ostafrika zu verwalten, misslang. Seitdem lebte sie wieder in Deutschland, ihre beiden letzten Lebensjahre verbrachte sie gemeinsam mit ihrer Schwester Sophie auf Schloss Dornburg in Thüringen. Frieda von Bülow erlag 1909 einem Krebsleiden.

Freundschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frieda von Bülow war mit der „Femme de lettre“[1]Lou Andreas-Salomé befreundet und im Frühjahr 1897 besuchte Andreas-Salomé von Berlin aus ihre Freundin Frieda von Bülow in München. Zu von Bülows Freunden und Bewunderern gehörte auch Rainer Maria Rilke, der die Ansicht vertrat, dass Frieda von Bülow sich immer zum Großen verpflichtet hielt.[1]

Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Auf Frieda und Margarethe von Bülow geht die Namensgebung „von-Bülow-Gymnasium“ in Neudietendorf im Jahre 1997 zurück.[4]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutsch-Ostafrikanische Novellen. Berlin 1892.
  • Ludwig von Rosen. Eine Erzählung aus zwei Welten. Berlin 1892
  • Margarethe und Ludwig. Berlin 1892 (Roman)
  • Tropenkoller. Episode aus dem deutschen Kolonialleben. Berlin 1896. (Digitalisat der Stanford University, 4. Aufl. 1911; PDF-Datei; 18,99 MB)
  • Im Lande der Verheissung. Ein deutscher Kolonial-Roman. Dresden 1899
  • Im Hexenring. Eine Sommergeschichte vom Lande. J. Engelhorn Stuttgart 1901
  • Die Schwestern. Geschichte einer Mädchenjugend. Dresden 1909
  • Frauentreue. Dresden 1910 (Roman)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Autorenkollektiv: „Zwei Blüten an einem Zweig“. Beiträge zu Leben und Wirken der Schriftstellerinnen Frieda und Margarethe von Bülow. Hrsg.: Heimatmuseum Ingersleben, 2000 (Im Anhang Werkverzeichnis von Frieda und Margarethe von Bülow)
  • Katja Kaiser: Neudietendorf: Frieda von Bülow, die koloniale Frauenfrage und koloniale Frauenorganisationen, in: Ulrich van der Heyden und Joachim Zeller (Hrsg.): Kolonialismus hierzulande – Eine Spurensuche in Deutschland. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-269-8, S. 171–176.
  • Monika Czernin: „Jenes herrliche Gefühl der Freiheit“. Frieda von Bülow und die Sehnsucht nach Afrika. List, Berlin 2008, ISBN 978-3-471-77279-9 (Romanbiographie)
  • Katharina von Hammerstein (Hrsg.): Frieda Freiin von Bülow: Reisescizzen und Tagebuchblätter aus Deutsch-Ostafrika (=COGNOSCERE HISTORIAS, Bd. 19). Trafo, Berlin 2012, ISBN 978-3-89626-946-1
  • Marianne Brechhaus-Gerst: Frieda von Bülow, in: Jürgen Zimmerer (Hrsg.): Kein Platz an der Sonne. Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte, Campus Verlag Ffm 2013, S. 365–373.
  • Kerstin Decker: Meine Farm in Afrika. Das Leben der Frieda von Bülow. Berlin Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-8270-1237-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Frieda von Bülow – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Volker Klimpel: Frieda von Bülow, in: Hubert Kolling (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte „Who was who in nursing history“, Bd. 7 hpsmedia Nidda, S. 53+54.
  2. Wolfgang U. Eckart: Die vaterländischen Frauenvereine des Roten Kreuzes am Beispiel des Frauenvereins für die Krankenpflege in den Kolonien, in: Wolfgang U. Eckart und Philipp Osten: Schlachtschrecken - Konventionen. Das Rote Kreuz und die Erfindung der Menschlichkeit im Kriege. Neuere Medizin- und Wissenschaftsgeschichte, Band 20, Centaurus Verlag Freiburg 2011, zu Frieda Freiin von Bülow S. 91+92, ISBN 978-3-86226-045-4. doi:10.1007/978-3-86226-459-9
  3. vgl. Timm Ebner: Nationalsozialistische Kolonialliteratur. Wilhelm Fink, Paderborn 2016, S. 46.
  4. Webseite: von Bülow Gymnasium Neudietendorf, abgerufen am 19. März 2017.