Friedhof Columbiadamm

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Kriegerdenkmal 1870/71 1888 geschaffen von Johannes Boese
Denkmal für die Gefallenen des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4, von Franz Dorrenbach, 1924/25
Denkmal für die Gefallenen des Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1, signiert Kluge 1927, dargestellt ist der Fähnrich von der Recke im Zeitpunkt seines Todes

Der landeseigene Friedhof Columbiadamm befindet sich im Berliner Ortsteil Neukölln, Columbiadamm 122–140. Er hatte schon einige Namen, beginnend mit Friedhof hinter der Hasenheide, Dennewitz-Friedhof, ab 1861 Neuer Garnisonfriedhof (um sich vom Alten zu unterscheiden), nach 1919 Garnisonfriedhof, seit den 1970ern offiziell Friedhof Columbiadamm, manchmal auch Friedhof am Columbiadamm. Er ist 104.044 m² groß und beherbergt derzeit gut 7000 Gräber.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Friedrich Wilhelm IV. beschlossen hatte, seine Garnison aus der Enge der Stadt abzuziehen und sie in neuen Kasernenbauten auf dem Tempelhofer Feld, das schon seit jeher als Exerzier- und Truppenübungsplatz genutzt worden war, unterzubringen, wurde der schon vorhandene kleine Friedhof hinter der Hasenheide einbezogen und ab 1861 zum Neuen Garnisonfriedhof erweitert. Er stiftete eine Friedhofskapelle dazu, auf die er auch gestalterisch Einfluss nahm. Sein Nachfolger König Wilhelm überließ 1866 einen kleinen Streifen, den noch heute bestehenden Türkischen Friedhof Berlin, dem Sultan Abdul Aziz für dessen Botschaftspersonal und alle Muslime in der wachsenden Hauptstadt Preußens.

Die gefallenen Soldaten der Kriege von 1866, 1870/71 und insbesondere von 1914/18 sorgten für kontinuierliche Belegung, in Friedenszeiten ließen sich Offiziere gerne – dem Stil der Zeit entsprechend – kostspielige Erbbegräbnisse bauen.

Wohl als Folge des Versailler Vertrags wurde die Garnison aufgelöst. Ab 1922 wurden die Kasernen zum Teil abgerissen und mit dem Bau des Flughafens Tempelhof begonnen. Der Friedhof blieb bestehen, weil sich auf ihm geschützte Kriegsgräber befanden (vgl. Gräbergesetz).

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angehörige verschiedener Regimenter haben auf dem weitläufigen Gelände insgesamt zehn Denkmäler unterschiedlicher Qualität aufgestellt, um ihren gefallenen Kameraden zu gedenken. Sie stammen überwiegend aus den 1920er Jahren und wurden teilweise um Gedenktafeln für die Toten des Zweiten Weltkrieges ergänzt.

Das künstlerisch bedeutendste dürfte das Denkmal für die Gefallenen der Kriege von 1866 und 1870/71 sein. Es stammt von Johannes Boese (1888) und gilt als dessen Hauptwerk. Ein lebensgroßer preußischer Soldat senkt seine Fahne, während er um seine getöteten Kameraden trauert. Direkt daneben ein Denkmal in gleicher Höhe und aus der gleichen Zeit für circa 50 französische Soldaten, die in Berliner Lazaretten ihren Verletzungen erlagen.

Ein weiteres monumentales Denkmal ist den Gefallenen des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4 gewidmet. Das Kunstwerk aus schwarzem Syenit stammt aus dem Jahre 1925 und wurde von Franz Dorrenbach geschaffen. Ein Helm liegt auf einem Fahnentuch, unter dem sich die Konturen eines Mannes abzeichnen. Unter dem Tuch zeichnet sich die geballte Faust des Mannes ab.

Der Friedhof hat den Charakter einer Parkanlage. Auf weiten Teilen des Areals wurden nach 1945 Gräber eingeebnet und durch die kleinen Gedenksteine aus Backstein ersetzt, die sich auch auf den meisten anderen Berliner Friedhöfen wiederfinden. Etliche kultur- und kunsthistorisch interessante Gräber haben sich jedoch erhalten. Einige Grabfelder wurden für die Neuköllner Bevölkerung freigegeben, auf einigen liegen die zivil und militärisch Verstorbenen Seite an Seite.

Mit den ersten Todesfällen aus der ersten türkischen Gastarbeitergeneration entstand Bedarf nach einem muslimischen Friedhof in Berlin. Hierfür wurde ein Teil des ehemaligen Soldatenfriedhofes für die Verstorbenen muslimischen Glaubens ausgewiesen.

Grabstätten bekannter Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(* = Ehrengrab des Landes Berlin )

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Einweihung des Friedhofes in der Hasenhaide bei Berlin. In: Illustrirte Zeitung. Nr. 15, 7. Oktober 1843, J. J. Weber, Leipzig 1843, S. 225–226 (online)
  • Wilhelm Borchert, Garnison-Friedhof Hasenheide in Wort und Bild, Berlin 1930
  • Karl-Robert Schütze, Von den Befreiungskriegen bis zum Ende der Wehrmacht – Die Geschichte des Garnisonfriedhofs am Rande der Hasenheide in Berlin-Neukölln, Berlin 1986
  • Arndt Beck / Markus Euskirchen, Die beerdigte Nation – ›Gefallenen‹-Gedenken von 1813 bis heute, Berlin 2009

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedhof Columbiadamm – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.gedenktafeln-in-berlin.de/nc/gedenktafeln/gedenktafel-anzeige/tid/hermann-fricke/

Koordinaten: 52° 28′ 53″ N, 13° 24′ 34″ O