Friedhof St. Leonhard

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Der St.-Leonhard-Friedhof in Graz liegt im Stadtteil St. Leonhard und gehört zur römisch-katholischen Pfarre Graz-St. Leonhard. Der große Friedhof befindet sich im Süden und Osten der Leonhardkirche und enthält zahlreiche historisch bedeutende Grabdenkmäler.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leonhardkirche

Die Geschichte des St.-Leonhard-Friedhofs reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Mit der Einweihung der Leonhardkirche als Pfarrkirche im Jahre 1483 dürfte auch die Anlage eines eigenen Pfarrfriedhofes verbunden gewesen sein, erstmals urkundlich belegt ist ein Friedhof bei St. Leonhard im Jahr 1468. Diese Begräbnisstätte erstreckte sich unmittelbar um die Leonhardkirche herum. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Bestattungen im diesem Kirchhof eingestellt und ein neuer Pfarrfriedhof am heutigen Standort angelegt.[1] Der erste Teil (Abteilung A I)[2] des neuen St.-Leonhard-Pfarrfriedhofs wurde am 26. November 1817 feierlich eröffnet.[3] Ein Verzeichnis der Gräber in der Pfarre St. Leonhard aus dem Jahr 1827 listet noch 33 Grabstellen auf dem alten Kirchhof und bereits 43 auf dem neuen Pfarrfriedhof auf.[4] Die wichtigste Begräbnisstätte in Graz war damals der St.-Peter-Friedhof, wie zahlreiche historisch-topographische Veröffentlichungen belegen.[5]

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde die Entwicklung des St.-Leonhard-Friedhofs von zwei gegensätzlichen Tendenzen geprägt, nämlich von Forderungen der Pfarrbevölkerung nach seiner Erweiterung aufgrund von Platzmangel einerseits und von Forderungen der Stadtgemeinde Graz nach seiner Schließung zugunsten des neuen Zentralfriedhofs andererseits.[6] Die Grazer Bevölkerung nahm rasch zu, sodass die Planung eines zentralen Friedhofs außerhalb der Stadt sinnvoll erschien. Dazu kamen hygienische Bedenken, da das Areal um St. Leonhard immer stärker verbaut wurde.[7] Der anhaltende Zuzug erforderte 1849 eine erste Erweiterung des St.-Leonhard-Friedhofs (Abteilung A II), zwei weitere Erweiterungen (B I – B IV) folgten 1864 und 1878.[2] Zur gleichen Zeit strebte der Grazer Stadtrat die Auflassung der kirchlichen Friedhöfe in der Stadt an, wozu neben dem St.-Leonhard-Friedhof auch der St.-Peter-Friedhof, der Steinfeldfriedhof und der Kalvarien-Friedhof gezählt wurden.[8] Nach den Plänen des Stadtrates sollte der neue Zentralfriedhof als alleinige Begräbnisstätte von Graz dienen und deshalb einen interkonfessionellen Charakter besitzen.[9] Die heftig umstrittene "Grazer Friedhofsfrage" konnte erst 1894 durch den Verkauf des Zentralfriedhofs an die katholische Stadtpfarre gelöst werden, worauf die Auflassung der kirchlichen Friedhöfe vom Stadtrat nicht weiterverfolgt wurde.[10]

Grab der Anna Freifrau von John, Witwe des Generalstabschefs und Kriegsministers Franz von John (1815–1876), am Friedhof St. Leonhard

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der freie Raum zwischen der Grazer Innenstadt und St. Leonhard als Siedlungsgebiet erschlossen. Im Pfarrgebiet setzte eine rege Bautätigkeit ein, und die bisherige Vorstadtpfarre wurde zur städtischen Pfarre. Namhafte Persönlichkeiten siedelten sich im Pfarrgebiet an,[2] darunter viele Hochschulprofessoren, Adelige, pensionierte Militärs und hohe Beamte aus allen Teilen der Habsburgermonarchie, die hier ihren Lebensabend verbrachten. Auch die Nähe zur heutigen Universitätsklinik Graz machte sich bemerkbar, indem viele Ärzte nach St. Leonhard kamen. Während entlang der Verbindungsstraßen ins Grazer Stadtzentrum große bürgerliche Häuser entstanden, begann sich der St.-Leonhard-Friedhof als Begräbnisstätte bedeutender Persönlichkeiten zu etablieren und wurde früh zum Prominentenfriedhof der Stadt.[7] 1853 wurde der Feldzeugmeister Julius Freiherr von Haynau hier bestattet, 1865 der Historiker Friedrich von Hurter, 1872 Wilhelm von Tegetthoff, der Sieger der Seeschlacht von Lissa, und 1876 der Diplomat und Orientforscher Anton Graf Prokesch von Osten, der sich durch Theophil Hansen ein großes Mausoleum auf dem St.-Leonhard-Friedhof hatte errichten lassen.[11] Auch namhafte einheimische Künstler schufen bedeutende Grabdenkmäler, wie etwa der Bildhauer Wilhelm Gösser, der ebenfalls hier bestattet ist.[7] Die Grafen Brandis, Festetics, Herberstein und Künigl besitzen Familiengrüfte, außerdem sind auf dem St.-Leonhard-Friedhof zahlreiche Mitglieder des Militär-Maria-Theresien-Ordens (MMTO) begraben.

Die letzte Vergrößerung des St.-Leonhard-Friedhofs (C-Teil) erfolgte 1962,[2] der auch für Urnengräber und Urnennischen ausgelegt ist. Im Herbst 2012 wurde im jüngsten Teil des Friedhofs ein naturnaher Begräbnisort mit Rasen und Bäumen geschaffen.[12] Die Verstorbenen aus dem von Pater Wolfgang Pucher geleiteten Vinzi-Dorf für Grazer Obdachlose werden in einer Gemeinschaftsgrabanlage bestattet.[13]

Bestattungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Kurzmann, Ottfried Hafner: Tot in Graz. Lebendige österreichische Geschichte auf dem St.-Leonhard-Friedhof, Graz 1990
  • Wegweiser zu den Ruhestätten der Stadt Graz, Graz 2004
  • Eugen Gross, Mag. Karin Derler: Friedhofsführers der Pfarre Graz-St. Leonhard, h.g. vom Wirtschaftsrat der Pfarre Graz-St. Leonhard, Graz 2004

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurzmann/Hafner, S. 11
  2. a b c d Entstehung des St. Leonhardfriedhofes (online), Webseite der Pfarre St. Leonhard, Zugriff am 19. März 2017
  3. Kurzmann/Hafner, S. 11
  4. Kurzmann/Hafner, S. 11
  5. Kurzmann/Hafner, S. 18
  6. Siehe dazu im Detail Kurzmann/Hafner, S. 11–16.
  7. a b c Kunsthistorisch wertvolle Grabdenkmäler (online), Webseite der Pfarre St. Leonhard, Zugriff am 19. März 2017
  8. Kurzmann/Hafner, S. 11
  9. Kurzmann/Hafner, S. 14
  10. Kurzmann/Hafner, S. 16
  11. Kurzmann/Hafner, S. 19, 105-108
  12. Grünbestattung von Urnen (online), Webseite der Pfarre St. Leonhard, Zugriff am 19. März 2017
  13. http://religion.orf.at/stories/2603639/
  14. http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_M/Minutillo_Franz_1840_1916.xml
  15. http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S_42/Succovaty-Vezza_Eduard_1839_1919.xml
  16. http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Schoen_Josef_1863_1933.xml
  17. http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_B/Bockenheimer-Bockenheim_Franz_1856_1937.xml
  18. http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_M/Mueller_Richard_1867_1950.xml
  19. http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_M/Metzger_Hugo_1881_1950.xml
  20. Archivlink (Memento des Originals vom 9. April 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.graz.at

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 47° 4′ 38,7″ N, 15° 28′ 0,5″ O