Friedlos

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Friedlos
Gemeinde Ludwigsau
Koordinaten: 50° 53′ 53″ N, 9° 44′ 42″ O
Höhe: 211 (200–256) m ü. NHN
Fläche: 6,47 km²[1]
Einwohner: 1439 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 222 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36251
Vorwahl: 06621
Blick vom Giegenberg ins Fuldatal auf Friedlos

Friedlos ist der größte Ortsteil der Gemeinde Ludwigsau im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg und Sitz der Gemeindeverwaltung. Friedlos liegt im Fulda-Werra-Bergland an der Fulda. Im Westen grenzt das Knüllgebirge an; jenseits der Fulda liegt der Seulingswald.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals erwähnt wurde Friedlos im Jahre 1352. Anlass war ein Streit um eine in Friedlos gelegene 'Fischweide' und 'Fischerei'. In der Urkunde wird ausdrücklich erwähnt, dass die Fischereirechte ein vom Hersfelder Abt empfangenes Lehen waren. In den folgenden Jahren sind neben den Hersfelder Lehnsrechten auch Lehnsrechte von denen von Altenburg, denen von Baumbach, denen von Felsberg und denen von Lilienberg nachweisbar. Friedlos war dem Dechneigericht der Abtei Hersfeld unterstellt.

Im Dreißigjährigen Krieg litt Friedlos unter Einquartierungen der Armee Tillys, der das nahe gelegene Hersfelder Stift besetzte. Mit der Auflösung des Hersfelder Stiftes 1606 wurde Friedlos dem Kasseler Landgraf unterstellt. Hierbei ging auch die Gerichtsbarkeit vom Hersfelder Stift auf den Kasseler Landgraf über. Die Friedloser waren frei und sie brauchten keinen Zehnt mehr zu entrichten, unterlagen jedoch zahlreichen anderen Diensten und Steuern.

Der Ort zählte in dieser Zeit (1630) 41 Hausgesessene, d. h. ca. 160 Einwohner. 1750 war nach dem Lager-, Stück- und Steuerbuch der landgrafschaftlichen die Einwohnerzahl auf 226 Leute angestiegen.

Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) war der Ort von Einquartierungen betroffen, als die französische Armee unter Marschall Broglie im benachbarten Hersfeld Quartier bezog.

Bei der landgräflichen Rekrutierung eines Heeres zur Unterstützung der Engländer im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wurden 1776 auch Friedloser eingezogen. Einige kehrten 1783 in die Heimat zurück.

Aufgrund ärmlicher Lebensverhältnisse wanderten in der Mitte des 19. Jahrhunderts einige Friedloser Familien in die Vereinigten Staaten aus.[2]

Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Friedlos im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit dem am 1. April 1969 aufgenommenen Ort Reilos auf freiwilliger Basis in die neue Gemeinde Ludwigsau eingegliedert.[3] Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Ludwigsau wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Friedlos 1449 Einwohner. Darunter waren 27 (1,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 243 Einwohner unter 18 Jahren, 568 zwischen 18 und 49, 318 zwischen 50 und 93 und 330 Einwohner waren älter.[5] Die Einwohner lebten in 648 Haushalten. Davon waren 183 Singlehaushalte, 171 Paare ohne Kinder und 219 Paare mit Kindern, sowie 66 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 117 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 411 Haushaltungen lebten keine Senioren.[5]

Einwohnerentwicklung

Friedlos: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2011
Jahr  Einwohner
1834
  
537
1840
  
536
1846
  
612
1852
  
596
1858
  
571
1864
  
600
1871
  
614
1875
  
581
1885
  
541
1895
  
535
1905
  
659
1910
  
736
1925
  
700
1939
  
836
1946
  
1.190
1950
  
1.232
1956
  
1.143
1961
  
1.125
1967
  
1.216
1970
  
1.838
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.449
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[6]; Zensus 2011[5]

Historische Religionszugehörigkeit

• 1885: 541 evangelische (= 100 %) Einwohner[6]
• 1961: 941 evangelische (= 83,61 %), 133 katholische (= 11,82 %) Einwohner[6]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort treffen sich die Landesstraße 3254 und die Bundesstraße 27.

Den öffentlichen Personennahverkehr stellt die ÜWAG Bus GmbH sicher.

Friedlos hat eine Haltestelle an der Bahnstrecke Bebra–Fulda. Sie wird von Cantus im Rahmen des Nordhessischen Verkehrsverbundes bedient.

Linie Verlauf Takt
RB5 Kassel Hbf – Kassel-Wilhelmshöhe – Guxhagen – Melsungen – Malsfeld – Malsfeld-Beiseförth – Altmorschen – Heinebach – Rotenburg an der Fulda – Lispenhausen – Bebra – Ludwigsau-Friedlos – Bad Hersfeld – Haunetal-Neukirchen – Burghaun – Hünfeld – Fulda
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2021
60 min

Schulen und Kindergärten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Friedlos befinden sich die Grundschule „Fuldatal“[7] und ein mehrgruppiger Kindergarten.[8]

Ärzte und Apotheken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es mehrere Ärzte sowie einen Zahnarzt und eine Apotheke

Kneipen und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benachbart zum Rathaus der Großgemeinde steht das Dorfgemeinschaftshaus. In ihm befindet sich eine Gaststätte. Des Weiteren bestehen an der Bundesstraße 27 eine weitere Gaststätte sowie ein Café.

Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirche ist ein 1911 errichteter neogotischer Neubau anstelle eines Vorgängerbaues. Zu der überwiegend bauzeitlichen Ausstattung gehören die künstlerischen Verglasungen in drei Fenstern aus der Glasmalerei-Werkstatt Wilhelm Franke.

Die am 1. August 1990 eingeweihte deutsch-amerikanische Fliegergedenkstätte Airmen’s Memorial, die an den Luftkampf vom 27. September 1944 im Zuge der Kassel Mission erinnern soll.[9]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ortsteil Friedlos In: Webauftritt der Gemeinde Ludwigsau, abgerufen im März 2022.
  2. Dieter Handtke: 650 Jahre Friedlos. Geschichte eines hessischen Dorfes an der Fulda. In: Walter Zerr (red. Leitung): 650 Jahre Friedlos 1325–2002. Ludwigsau 2002, S. 43–69.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 397.
  4. Hauptsatzung. (PDF; 109 kB) § 6. In: Webauftritt. Gemeinde Ludwisgau, abgerufen im März 2022.
  5. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,0 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 20 und 76, archiviert vom Original am 5. Dezember 2020;.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/statistik.hessen.de
  6. a b c Friedlos, Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 25. Februar 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Fuldatalschule
  8. Friedloser Kindergarten
  9. Die deutsch-amerikanische Fliegergedenkstätte in der Gemeinde Ludwigsau

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]