Friedrich-Schiller-Schule (Leipzig)

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Friedrich-Schiller-Schule, Gymnasium der Stadt Leipzig
Friedrich-Schiller-Schule
Schulform Gymnasium
Gründung 26. Januar 1960, Gebäude 1905[1]
Adresse

Elsbethstraße 2–4

Ort Leipzig
Land Sachsen
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 21′ 48″ N, 12° 22′ 8″ OKoordinaten: 51° 21′ 48″ N, 12° 22′ 8″ O
Träger Stadt Leipzig
Schüler 758 (2017/2018)[2]
Lehrkräfte 52 (2017/2018)[3]
Leitung Franz Walther
Website www.fschillerg.de

Die Friedrich-Schiller-Schule ist ein Gymnasium der Stadt Leipzig im Stadtteil Gohlis. Sie befindet sich an der Ecke von Sass- und Elsbethstraße in dem Gebäude, das von Einheimischen Turmschule genannt wird. Dieses Gebäude mit seinem auffälligen Turm beherbergte vorher schon die 11. Bürgerschule (ab 1905), die 36. Volksschule (ab 1919), die 36. Grundschule (ab 1946) und die 36. Mittelschule (ab 1956).[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es eine Schule in Gohlis. Diese befand sich an der Menckestraße gegenüber dem Gohliser Schlösschen. Zum Ende des Jahrhunderts wuchsen die Schülerzahlen schnell an. Deswegen wurde 1872 die 36. Volksschule gebaut, die 1888 einen Anbau erhielt. 1905 wurde die 11. Bürgerschule an dem Ort, wo heute die Schillerschule steht, errichtet. Auch dieses Gebäude hatte einen Turm.[4]

Kaiserzeit 1905 bis 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Direktor der 11. Bürgerschule war Eduard Käfer. Er weihte die Schule am 22. September 1905 ein. Käfer wurde 1915 wegen Differenzen mit Lehrer- und Elternschaft entlassen. Sein Nachfolger wurde Arthur Uebel, der die Schule noch bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden 1924 führte.[1]

Weimarer Republik 1919 bis 1933[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infolge des Ersten Weltkriegs und der Novemberrevolution, die auch in Sachsen um sich griff, veränderte sich der Alltag der Schule. Die offensichtlichste Veränderung war der neue Name 36. Volksschule. Außerdem schuf die neue politische Ordnung auch neue Schwerpunkte im Unterricht. Der Katechismusunterricht verschwand, und der Religionsunterricht wurde auf zwei Stunden pro Woche reduziert. In den nächsten Jahren wurden außerdem Strukturen der Elternmitwirkung, Schulessen und z. B. ein Schulgarten eingeführt. Das Amt des Direktors besetzte jetzt Paul Grünert.[1]

Nationalsozialismus 1933 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus verstärkte sich der Ideologische Einfluss auf die Schule. Lehrer und Schüler nahmen an Umzügen und Feiertagen teil. Die Schule erhielt weiterhin den Namen 36. Volksschule. Nach Kriegsbeginn spitzte sich im Jahr 1940 die Situation zu. Die Schüler wurden auf die 35. und 37. Volksschule verteilt, weil das Gebäude von nun an als Kaserne genutzt wurde. Am 20. Juli 1944 wurde ein Teil der Schule zerstört, und die Turmhaube fiel auf den Hof. Der Unterricht begann nach einem Beschluss der russischen Militärverwaltung vom 1. Oktober 1945 wieder.[1]

DDR 1945 bis 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den ersten Nachkriegsjahren fehlte es vor allem an Lebensmitteln, Lehrern (ehemalige Mitglieder der NSDAP waren entlassen worden), Heizmaterial und Baumaterial, das zur Reparatur des zerstörten Turmdaches benötigt wurde. Die Situation entspannte sich im Schuljahr 1948/49 wieder und machte den Weg für einen Unterricht nach den Vorstellungen der SED-Regierung frei. Das Kollegium wie auch die Schülerschaft organisierten sich in FDJ und SED. Während der Umstrukturierung des Bildungssystems der DDR in den 1950er und 1960er Jahren erhielt die Schule den neuen Namen 36. Mittelschule.[1]

Nachwendezeit 1990 bis 1995[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der Normalität, die sich in den Jahren 1948/49 eingestellt hatte, wurde bis zur politischen Wende das auffällige Dach der Schule nie erneuert. Dies geschah erst während der Renovierung des Gebäudes vor der Wiedereröffnung als Friedrich-Schiller-Schule am 20. Dezember 1994.[4]

Unterricht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gymnasium bietet Englisch (ab der 5. Klasse), Latein (ab der 5. Klasse bis zur 9. Klasse, dann Französisch), Französisch (ab der 6. Klasse) und Russisch (ab der 8. Klasse als Profil) sowie ein naturwissenschaftliches, ein sprachliches und ein gesellschaftswissenschaftliches Profil an.[5]

Neben dem Kulturraum und der Schillerakademie werden Projekte wie Sozial (er)leben, ein soziales Praktikum der 9. Klassen angeboten. Die Schule steht im Rahmen ihrer Partnerschaft mit der Menelik High School in Addis Abeba, Äthiopien in engem Kontakt. Zur Festigung der Zusammenarbeit reisten 2011 Schüler und Lehrer der Schule in die äthiopische Hauptstadt. Eine weitere Schülerreise fand im Oktober 2015 statt.[6]

Schulprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2009 änderte die Schule in Zusammenarbeit von Schülern, Lehrern und Eltern das Schulprogramm und schuf eine Schulphilosophie im Geiste Friedrich Schillers mit dem Motto anders.denkend.humanistisch.[7] Diese Umstellung beinhaltete gleichzeitig eine Reform der Hausordnung, die Einführung von Blockunterricht, des Kulturraums, einer Schillerakademie und eines Schülergerichts.[8]

Philosophie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schillerschule ist ein humanistisches Gymnasium, welches sich zu einem Umgang in Gewaltfreiheit und Gemeinschaft bekennt. Lehrer, Schüler und Eltern wollen äußere und innere Freiheitsräume schützen. Das Motto anders.denkend.humanistisch. will als Bekenntnis zur Offenheit, Verantwortung und zum Schutz der Entwicklung der Persönlichkeit verstanden werden. Die Schule legt Wert auf Selbstkenntnis, Vielfältigkeit und Interdisziplinarität. Umfangreiche Bildung und die persönliche Entwicklung der Schüler stehen im Mittelpunkt der Philosophie.[9]

Kulturraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als in vergleichbaren Gymnasien findet fast das gesamte Ganztagsangebot im sogenannten Kulturraum statt. Mittwochs in der 5. und 6. Stunde werden für Schüler der 5.–9. Klasse (etwa 500 Schüler[2]) kulturelle Kurse aus verschiedenen Bereichen (z. B. Musizieren, Darstellen, Gestalten, Kommunizieren, Entdecken, Organisieren) angeboten.[10] Der Besuch eines der etwa 45 Kurse ist Pflicht.

Der Kulturraum nimmt an verschiedenen Wettbewerben teil, z. B. dem Kultur.Forscher!-Programm der PwC-Stiftung,[11] weiterhin bildet er mit dem Geyserhaus e.V. ein Tandem im Netzwerk Kultur und Schule der Stadt Leipzig.[12]

Schillerakademie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schillerakademie die mit der Reform des Schulprogramms eingeführt wurde ist eine regelmäßige Veranstaltungsreihe, die für Schüler, Eltern, Lehrer und Gäste angeboten wird. Referenten der Vorträge aus Wissenschaft, Politik, Kultur und Gesellschaftsleben sind ebenfalls Schüler, Eltern, Lehrer oder Gäste.[8]

Zu den Referenten gehören:

Schülergericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hausordnung der Schule sieht bei Verfehlungen ein Eingreifen des Schülergerichtes vor (§ 6 Abschnitt 1). Das Gericht, das aus Schülern und einem beisitzenden Lehrer besteht, kann bei entsprechender Schwere des Vergehen der Schulleitung die Anwendung des § 39 des Sächsischen Schulgesetzes empfehlen. Es fungiert als Vorstufe zur Schulleitung.[15]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedrich-Schiller-Schule – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Festschrift zum einhundertjährigen Bestehen der „Turmschule in Leipzig – Gohlis“ im Jahr 2005 von S. Adolph, P. Rohr, H. Wulfert
  2. a b Friedrich-Schiller-Schule – Gymnasium der Stadt Leipzig, Anzahl der Schüler. In: Sächsische Schuldatenbank. Abgerufen am 12. Juli 2018.
  3. Friedrich-Schiller-Schule – Gymnasium der Stadt Leipzig, Anzahl der Lehrerinnen und Lehrer. In: Sächsische Schuldatenbank. Abgerufen am 12. Juli 2018.
  4. a b Schulhistorie. In: Website der Schule. Abgerufen am 12. Juli 2018.
  5. Fremdsprachenunterricht ab Klasse 5. In: Website der Schule. Abgerufen am 12. Juli 2018.
    Fremdsprachen- und Profil-Unterricht. In: Website der Schule. Abgerufen am 12. Juli 2018.
  6. Leipziger Bürger reisen nach Addis Abeba. Abgerufen am 12. Juli 2018 (Mitteilung der Stadt Leipzig zur Bürgerreise nach Äthiopien).
    Schiller trifft Menelik – Reisebericht zur ersten Schülerreise nach Addis Abeba. Städtepartnerschaft Leipzig – Addis Abeba e.V., abgerufen am 12. Juli 2018.
  7. Philosophie. In: Website der Schule. Abgerufen am 12. Juli 2018.
  8. a b Zusammenfassung des Schulprogramm für die Verabschiedung durch die Schulkonferenz auf der Schulwebsite (Memento vom 17. Dezember 2014 im Internet Archive), abgerufen am 25. März 2012
  9. Leitgedanken. In: Website der Schule. Abgerufen am 12. Juli 2018.
  10. Kulturelles Angebot. In: Website der Schule. Abgerufen am 12. Juli 2018.
  11. Teilnehmersteckbrief beim Kultur.Forscher!-Programm (Memento des Originals vom 8. November 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kultur-forscher.de, abgerufen am 24. März 2012
  12. Steckbrief des Tandems Schillerschule-Geyserhaus e.V. beim Netzwerk Kultur und Schule (PDF; 18,7 MB), abgerufen am 12. Juli 2018.
  13. Schillerakademie 16.12.2014. (Nicht mehr online verfügbar.) Friedrich-Schiller-Schule, Gymnasium der Stadt Leipzig, 16. Dezember 2014, archiviert vom Original am 20. Dezember 2014; abgerufen am 19. Dezember 2014.
  14. Schillerakademie 03.02.2015. (Nicht mehr online verfügbar.) Friedrich-Schiller-Schule, Gymnasium der Stadt Leipzig, 3. Februar 2015, archiviert vom Original am 3. Februar 2015; abgerufen am 3. Februar 2015.
  15. Hausordnung. (PDF; 0,1 MB) In: Website der Schule. Abgerufen am 12. Juli 2018.