Friedrich Becker (Künstler)

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Geteilte Kugel (1992). Ludwigshafen am Rhein
Gläserner Brunnen (1983). Grevenstein
Scheibenkinetik (1988). Düsseldorf

Friedrich Becker (* 25. Mai 1922 in Ende bei Herdecke; † 15. Mai 1997 in Düsseldorf) war Künstler, Professor, Goldschmied und Schöpfer des „kinetischen“ Schmucks.

Leben und Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Becker wächst in Grevenstein im Sauerland auf. 1936 beginnt er eine Maschinenschlosserlehre in Düsseldorf. Vier Jahre später zieht er nach Thorn um dort Luftfahrttechnik zu studieren. Ab 1942 versieht er, bis zu seiner amerikanischen Gefangenschaft im Jahre 1945, Militärdienst bei der Luftwaffe. 1947 beginnt Becker in Iserlohn eine Lehre als Goldschmied. Ein Jahr danach verlässt er wegen sehr guter Leistungen die Schule und beginnt in Düsseldorf ein Studium an der Meisterschule für Werkkunst. 1951 besteht er nach vorzeitiger Zulassung die Prüfung mit „Auszeichnung“. Als Assistent von Prof. Karl Schollmayer beginnt im folgenden Jahr seine Lehrtätigkeit an der Werkkunstschule Düsseldorf. Im selben Jahr besteht er seine Meisterprüfung in Arnsberg, gründet eine eigene Werkstatt in Düsseldorf und heiratet Hildegard Kückelmann. 1964 übernimmt Becker die Leitung der Gruppe „Metallgestaltung“ an der Werkkunstschule. Nach Entwürfen im Jahr 1967 redet man erstmals von dem Begriff „kinetischer Schmuck“. Im selben Jahr lehnt der Künstler das Angebot der Staatlichen Zeichenakademie Hanau, Direktor zu werden, ab. 1970 wird Becker Pädagogischer Fachleiter der Werkkunstschule Düsseldorf und drei Jahre später im Jahr 1973 Professor an der Fachhochschule Düsseldorf. 1981 wird Becker emeritiert. Am 15. Mai 1997 stirbt Friedrich Becker in Düsseldorf kurz vor der Verleihung des Ehrendoktor-Titel in London durch das Royal College of Art. 2016 wurde posthum ein Ehrenraum für Prof. Friedrich Becker im Düsseldorfer Rathaus eröffnet, in dem Abbildungen seiner Werke mit Stadtbezug zu besichtigen sind.

Die wesentliche künstlerische Leistung von Friedrich Becker war die ständige Weiterentwicklung seines Œuvres in Richtung Variation und Bewegung. Bereits in den 1950er Jahren experimentierte er mit variablem Schmuck, insbesondere seinem "Zweiwegering", der in zwei Richtungen getragen werden konnte und damit unterschiedliche Ansichten bot. Über variablen Schmuck beispielsweise mit austauschbaren Steinen kam er schließlich zu kinetischem Schmuck, der die Variabilität durch ständige Bewegung bot.[1] Dabei kam ihm seine technische Ausbildung und die Freude am Experimentieren zugute. Sein von Zeitgenossen als freundlich und neugierig beschriebenes Wesen sowie die revolutionär moderne Formensprache brachten ihm größte Wertschätzung sowie Freundschaften im zeitgenössischen Künstlerkreis bis in die Gruppe ZERO ein.[2]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1958: Amtskette für den Oberbürgermeister von Düsseldorf, Georg Glock.
  • 1959: Lebensgroßer Corpus aus Silber für das Düsseldorfer Dominikanerkloster (Kirche St. Andreas).
  • 1960: Radschläger als Türknauf von St. Lambertus, Düsseldorf
  • 1961: Schaffung des Ehrenrings für verdiente Bürger der Stadt Schmallenberg.
  • 1962: Ehrenring für den Wirtschaftsminister Dr. Lauscher.
  • 1963: Neue Ratsglocke für den Oberbürgermeister von Düsseldorf. Größenlehre für Diamanten ("Diamondseller").
  • 1964: Amtskette für den Bürgermeister von Schmallenberg, Paul Falke.
  • 1965: Ehrenring der Stadt Düsseldorf für Königin Elisabeth II. verliehen am 25. Mai 1965 in Düsseldorf. Brunnen aus Remanit für die Messehallen der Stadt Hannover.
  • 1967: Beginn der Schaffensperiode „kinetischer Schmuck“.
  • 1968: Schmuckmuseum Pforzheim kauft erste kinetische Objekte. Amtskette für den ersten Rektor der Universität Dortmund, Prof Schmeißer.
  • 1969: Beckers Film über kinetische Gegenstände wird im deutschen Fernsehen gezeigt.
  • 1973: Goldene Fingerkuppe für Putto des Triton-Brunnens in Düsseldorf. Einweihung „Weinbrand-Brunnens“ in Hamburg.
  • 1974: Entwurf der „Paul-Langerhans-Medaille“. Drei kinetische Objekte werden in Puerto Rico aufgestellt.
  • 1976: Aufstellung des kinetischen Sonnenrades vor der Freizeitstätte Düsseldorf Garath.
  • 1978: Herstellung einer Wellenkinetik für Schacht der Wendeltreppe der Albrecht-Dürer-Schule in Düsseldorf.
  • 1983: Der „Gläserne Brunnen“ wird in Grevenstein vor dem Burgmannshof, Burgstraße, aufgestellt.
  • 1985: Neue Monstranz für die Kirche St. Andreas, Düsseldorf.
  • 1988: Die Plastik „Scheibenkinetik“, Schenkung der Iduna-Nova anlässlich des 700-jährigen Stadtjubiläums, wird an der Fassade des (ehemaligen) Signal-Iduna Hauses, Düsseldorf, angebracht. 2013 wird sie auf Initiative des Vereins "Professor Friedrich Becker eV" am Tanzhaus NRW angebracht.
  • 1987: „Kinetisches Wandrelief“ einer Sauerländer Brauerei wird in Foyer der IHK Arnsberg montiert.
  • 1992: Entwurf einer Amtskette für den Rektor der Universität Düsseldorf, Gert Kaiser.
  • 1993: Plastik „Dynamik“ für das neue Verwaltungsgebäude einer Brauerei in Grevenstein.
Ehrenraum für Friedrich Becker im Rathaus Düsseldorf

Preise / Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1958: Preis im Internationalen Wettbewerb des Zentralverbandes für das Juwelier-, Gold- und Silberschmiedehandwerk
  • 1959: Bayerischer Staatspreis – Goldmedaille
  • 1960: 1. Preis im internationalen Wettbewerb "Der silberne Leuchter"
  • 1965: Staatspreis im Werkbereich Schmuck aus Metall für das Kunsthandwerk von Nordrhein-Westfalen
  • 1969: Zweiter Preis im dritten Internationalen Wettbewerb „Der goldene Armschmuck“, Pforzheim
  • 1970: Erster Preis im Wettbewerb um das neue Preissymbol des „Prix Jeunesse International“, München
  • 1971: Ehrenmitglied der „Worshipful Company of Goldsmiths“ in London. Sieger des Brunnen-Wettbewerbs in Bottrop.
  • 1972: Ehrenring der "Gesellschaft für Goldschmiedekunst"
  • 1973: Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (1. Klasse)
  • 1982: Rosenthal Studio-Preis "Das bessere Andenken"
  • 1987: Deutscher Schmuck- und Edelsteinpreis, Idar-Oberstein.
  • 1990: Ernennung zum Ehrenmitglied des „Forum für Schmuck und Design“, Köln.
  • 1997: Der Künstler stirbt vor der Verleihung des Ehrendoktor-Titels des Royal College of Art (London).

Friedrich Becker Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Vergabe des mit 5.000 Euro dotierten Friedrich Becker Preises, einer privaten Stiftung von Hildegard Becker in Düsseldorf, erinnert die Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V. an den besonderen Menschen und großen Gestalter Friedrich Becker.[3] Die bisherigen Preisträger waren:

  • 1999: Rudolf Bott
  • 2002: Anette Walz
  • 2005: Peter Bauhuis
  • 2008: Robert Baines
  • 2011: Alexander Vohswinkel
  • 2014: Sam Tho Duong; Ausstellung im Museum Kunstpalast, Düsseldorf[4]
  • 2017: Michael Becker

Die Preisverleihung fand in unterschiedlichen Düsseldorfer Museen statt, zuletzt im Stadtmuseum.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elke Pastré, Friedrich Becker, Erfinder des kinetischen Schmucks, Diss., 1995, Heidelberg
  • Friedrich Becker, Schmuck. Kinetik. Objekte, 1997, ARNOLDSCHE Verlagsanstalt GmbH, ISBN 3-925369-76-7
  • Peter Vormweg: Professor Friedrich Becker (1922–1997). Der Mensch wurde zum Spielen geboren, aber es kam anders. In: Der Landrat des Hochsauerlandkreises (Hrsg.): Jahrbuch Hochsauerlandkreis 2017. Brilon 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedrich Becker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Peter Vormweg, in: Jahrbuch Hochsauerlandkreis 2017, S. 85 f.
  2. Vgl. Rüdiger Joppien, in: Friedrich Becker. Schmuck. Kinetik. Objekte. S. 27
  3. Wettbewerbe & Auszeichnungen: Friedrich Becker Preis Düsseldorf, Gesellschaft für Goldschmiedekunst e. V., Hanau
  4. Mitteilung zur Ausstellung (Memento des Originals vom 24. September 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.smkp.de, abgerufen am 22. September 2014.