Friedrich Bohndorff

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Friedrich Bohndorff (1887)

Friedrich Bohndorff (* 16. August 1848 in Plau; † nach 1894) war ein deutscher Afrikaforscher und Ornithologe.

Leben[Bearbeiten]

Bohndorff absolvierte zunächst eine Lehre zum Goldschmied, ging aber schon 1870 auf eine ausgedehnte Reise über die Schweiz, Savoyen und Italien nach Tunis, von dort über Malta nach Ägypten. Er blieb 4 Jahre als Goldschmied in Kairo und erlernte dort die arabische Sprache. Eine 1874 mit dem Botaniker Witt unternommene erste kurze Forschungsreise war auf Grund mangelnder Vorbereitung ohne wissenschaftliche Bedeutung. Anschließend stand der mittellose Bohndorff als Kammerdiener und Dolmetscher in Diensten des britischen Gouverneurs der anglo-ägyptischen Provinz Äquatoria Charles George Gordon und begleitete diesen als Proviantmeister auf vier Reisen in den Sudan. Von 1876 bis 1879 folgte eine besser ausgerüstete vierjährige Expedition in den Sudan (Dongola, Kordofan, Dar Fur, Schakka, Dar Banda, Dar Abu Dinga) und nach Zentralafrika (Azande, Nsakkara). Während dieser Expedition geriet Bohndorff in Kaluka in Gefangenschaft desertierter afrikanischer Soldaten und entging nur durch seine Befreiung durch seinen Dienstherren Gordon dem Tode.

Ab Dezember 1879 bis 1882 begleitete Bohndorff eine Expedition des deutsch-russischen Afrikaforschers Wilhelm Junker. Am 4. Dezember 1879 brachen sie von Khartum aus in die Länder der Mangbetu und Azande (Niam-Niam) auf, um dort die Forschungen von Georg Schweinfurth fortzusetzen. Es wurden von ihnen die Quellgebiete des Uelle und des Aruwimi erforscht. Schwer erkrankt musste Bohndorff 1882 die Expedition verlassen. Der Mahdi-Aufstand versperrte ihm zunächst den weiteren Rückweg und zwang ihn zu einem mehr als einjährigen Aufenthalt am Bahr al-Ghazal beim Volk der Dinka. Sein Reisebericht „Reise nach Dar Abu Dinga“ erschien im Juli 1884.

Nach einem kurzen Erholungsaufenthalt in Deutschland reiste Bohndorff Ende November 1884 via Liverpool auf dem Dampfer „Kinsembo“ im Dienste der belgischen internationalen Assoziation in den Kongo, um dort in Manyanga Stationsvorsteher zu werden. Bereits wenig später, von 1885 bis 1887, unternahm Bohndorff im Auftrag der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft zusammen mit zwei Österreichern, dem Geologen und Ethnologen Oskar Lenz sowie dem Kartographen Oscar Baumann eine West-Ost Durchquerung des Kontinents von der Mündung des Kongo bis zur Mündung des Sambesi, bekannt als „österreichische Kongoexpedition“. Danach ging er mit Oskar Lenz sechs Monate auf Vortragsreise, u. a. nach Wien und Brüssel, anschließend folgte seine Rückkehr nach Kairo.

1889 wurde Bohndorff Dragoman und Proviantmeister der kaiserlichen Schutztruppe in Afrika im Dienst von Major Hermann von Wissmann. Ein Jahr darauf erhielt er das Kommando der Mtoni-Fähre, die zwischen Bagamoyo und der Insel Sansibar verkehrte.

Im Jahr 1892 reiste Bohndorff einige Zeit nach Berlin und unternahm nun für die Allgemeine Deutschen Ornithologischen Gesellschaft (ADOG) Vortragsreisen. In seiner Begleitung erregten zwei junge Frauen vom kleinwüchsigen Stamme der Akka mit Namen Asmini und Schikamao Aufsehen. 1893 und 1895 - seinen Wohnsitz hatte Bohndorff inzwischen wieder in Bagamoyo - war er Gast auf den Jahrestagungen der ADOG in Berlin.

Über das Lebensende Bohndorffs ist nichts bekannt.

Entdeckungen[Bearbeiten]

Bohndorff entdeckte und beschrieb auf seinen Reisen mehrere Insekten, sowie Vogelarten und -unterarten, einige sind nach ihm benannt:

Auch ein als "lebendes Juwel" bezeichneter Bockkäfer trägt seinen Namen:

Außerdem:

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Leslie Hill: A Biographical Dictionary of the Sudan, Routledge 1967
  • Conrad Weidmann: Deutsche Männer in Afrika. Lexicon der hervorragendsten deutschen Afrika-Forscher, Missionare etc. mit 64 Porträts in Lichtdruck; Lübeck 1894