Friedrich Christoph Schmincke

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Friedrich Christoph Schmincke (* 29. März 1724 in Kassel; † 8. Januar 1795 ebenda) war ein deutscher Bibliothekar und Historiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Christoph Schmincke wurde als Sohn des Johann Hermann Schmincke, Historiker und Hochschullehrer der Universität Marburg, und dessen Ehefrau Katharina Elisabeth (1688–1743), Tochter des Dr. jur. Wilhelm Müldner (1649–1701), Bürgermeister von Kassel, geboren.

Er begann 1741 ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen und ging dann, mit verschiedenen Empfehlungsschreiben anderer Gelehrter, die Freunde seines Vaters waren, nach Holland. Nach seiner Rückkehr von dort wurde er am 13. Juni 1751 als Hofarchivar in Kassel durch den Landgrafen Friedrich II. ernannt. 1766 erfolgte seine Ernennung zum Rat und Bibliothekar. Am 13. August 1767 beantragte er beim Landgrafen eine Erleichterung der Benutzung der Bibliothek für jeden „Bedienten und Unterthanen“, so dass Bücher für vierzehn Tage allgemein verliehen werden konnten; die bisherige Nutzung der Bibliothek gestattete lediglich, das Entliehene in einem Raum der Bibliothek zu lesen. Zuvor hatte er einen Plan zur Beschaffung von Geldmitteln unterbreitet, der sicherstellen sollte, dass der Landgraf jährlich 200 Reichstaler zur Bücherbeschaffung an die Bibliothek geben konnte. Hierzu sollten alle Beamten durch einmalige Zahlung eines Monatsgehalts beitragen, dazu alle Buchhändler, Buchdrucker, Buchbinder, Papiermüller, Juden und alle Studenten, der einzuziehende Betrag sollte im Ermessen des Landgrafen liegen. Professoren, Gelehrte und Buchdrucker sollten die Bibliothek fördern, indem sie je eines ihrer verfassten beziehungsweise gedruckten Schriften kostenlos überließen. Dieser Plan wurde durch den Landgrafen abgelehnt, allerdings stimmte er der neuen Benutzungsordnung zu. Später wurde dann aber die Pflichtexemplar-Regelung für Universitäten eingeführt und 1770 auf Buchdrucker und Buchhändler der Landgrafschaft ausgeweitet.[1]

1771 wurde Rudolf Erich Raspe zum 2. Bibliothekar ernannt.

Am 23. April 1776 übernahm Friedrich Christoph Schmincke zusätzlich die Leitung der Münzsammlung und der Kunstschätze mit dem Titel und Rang eines Regierungsrats. Seine Hauptaufgabe war die Verwaltung der Kasseler Bibliothek, die damals schon zu den stattlicheren Bibliotheken mit ungefähr 40.000 Bänden gehörte.

Im März 1777 erstattete er dem Landgrafen einen Bericht, in dem er aufwies, das mit der Hofbibliothek, der Bibliothek der Landbaugesellschaft, des Kunsthauses, des Collegium Carolinum und des Hofbauamts, sowie bei verschiedenen Kirchen (Unterneustädter, Martins- und Hofkirche) Bibliotheken vorhanden waren, die aus Stiftungen hervorgegangen, aber vollkommen unzugänglich waren; jedoch könnten diese, ohne die Absichten der Stifter zu verletzen, mit der öffentlichen Bibliothek vereinigt werden. Die daraus entschiedenen Weisung des Landgrafen gaben sogar die Kirchenbehörden nach, so dass im Laufe eines Jahrzehnts 2.500 Bände abgeliefert wurden.

Friedrich II. berief 1775 den Franzosen Jean-Louis Barbot de Luchet, Geheimer Legationssekretär, nach Kassel und beförderte diesen zum „Oberinspektor in allen kulturellen Angelegenheiten“, so wurde er auch Direktor der Hofkapellmusik und Hof-Bibliothekar und damit Vorgesetzter von Friedrich Christoph Schmincke. Eigentlich war er für die inzwischen vakante 2. Bibliothekarsstelle vorgesehen, allerdings konnte ein Geheimer Legationssekretär keinem Regierungsrat unterstellt werden, so dass er die 1. Bibliothekarstelle erhielt und Friedrich Christoph Schmincke auf die offene Stelle weichen musste.

Jean-Louis Barbot de Luchet begann eine Neuorganisation der Verwaltung der Bibliothek, die als „Revolution der Casselschen Bibliothek“[2] bekannt wurde. Aufgrund von Unkenntnis im Bibliothekswesen kam es hierbei zu schwerwiegenden Fehlern, die zu Entrüstungs-Äußerungen von Gelehrten, auch in der Öffentlichkeit führten. Obwohl es keine Hinweise gab, dass Friedrich Christoph Schmincke versuchte, Jean-Louis Barbot de Luchet an der Umgestaltung der Bibliothek zu hindern, versuchte dieser, beim Landgrafen die Entlassung Schminckes zu erwirken. Als 1780 Friedrich II. einen weiteren Franzosen, Robert-André Andréa de Nerciat, einstellte, legte der Landgraf Friedrich Christoph Schmincke nahe, um seinen Abschied zu bitten, der ihm sonst gegen seinem Willen erteilt worden wäre. Er behielt sein früheres Gehalt und die Leitung des Münzkabinetts, der Kunstsammlung und die Bewahrung der Manuskripte der Bibliothek. 1781 veröffentlichte August Ludwig von Schlözer in der Gothaischen gelehrten Zeitung einen Artikel, in dem er auf die Missstände hinwies.

Nach dem Tod Friedrich's II. wurde Jean-Louis Barbot de Luchet durch dessen Nachfolger Landgraf Wilhelm IX. entlassen und als 1791 der damalige Bibliothekar Ernst Wilhelm Cuhn (1756–1809) sein Amt niederlegte, konnte Friedrich Christoph Schmincke wieder in das Amt des 1. Bibliothekars nachfolgen, das er dann bis zu seinem Tod ausübte.

Schriftstellerisches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die hessische Geschichtsschreibung hat Friedrich Christoph Schmincke einige wichtige Werke veröffentlicht, bei denen er von seinem Vater hinterlassene Abhandlungen mit eignen Arbeiten versah und veröffentlichte. Hierbei wurden auch wichtige Urkunden und Akten, besonders zur Geschichte des Landgrafen Philipps des Großmütigen abgedruckt, so die Homberger Kirchenordnung von 1526, Gesetze und Statuten Philipps von 1535 und die Halsgerichtsordnung von 1535. Außerdem veröffentlichte er eine vom Justizrat Friedrich Groschuff (1700–1784), dem Bibliothekar Johan Arckenholtz und dem Hanauer Professor Johann Balthasar Hundeshagen (1734–1800) abgeschlossenen, aber nicht veröffentlichte, Darstellung des Versuch einer genauen und umständlichen Beschreibung der Hochfürstlich Hessischen Residenz- und Hauptstadt Cassel.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Adam, Siegrid Westphal: Handbuch kultureller Zentren der Frühen Neuzeit: Städte und Residenzen im alten deutschen Sprachraum. S. 1062. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2012, ISBN 978-3-11-029555-9 (google.de [abgerufen am 21. September 2018]).
  2. Hopf, Wilhelm: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930. 1930 (uni-kassel.de [abgerufen am 21. September 2018]).