Friedrich Ernst (Bankier)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Friedrich Ernst, 1929

Friedrich Ernst (* 9. Juni 1889 in Berlin; † 28. November 1960 ebenda) war ein deutscher Jurist, Verwaltungsbeamter, Bankmanager und Politiker.

Studium, Kriegsdienst und Weimarer Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Ernst studierte Rechts- und Staatswissenschaften. Er promovierte zum Dr. jur. und arbeitete nach Ableistung seines Kriegsdienstes von 1919 bis 1931 im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe, seit 1929 als Ministerialdirektor und Leiter der Handelsabteilung. Daneben war er von 1925 bis 1931 stellvertretender Bevollmächtigter Preußens zum Reichsrat und seit 1928 Erster Staatskommissar für die Berliner Börse. 1931 wurde er von Reichskanzler Heinrich Brüning zum Reichskommissar für das Bankgewerbe berufen. In dieser Funktion war er an der Sanierung der zusammengebrochenen Berliner Großbanken beteiligt. Nach dem Preußenschlag wurde er am 22. Juli 1932 zusätzlich zum Reichskommissar für Preußen ernannt und übernahm daraufhin die Leitung des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit. Am 4. Februar 1933 wurde er in dieser Funktion von Alfred Hugenberg abgelöst.

NS-Regime[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter den Nationalsozialisten wurde Ernst zunächst in seinem Amt als Reichskommissar für das Bankgewerbe belassen, 1935 dann von Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht zum Reichskommissar für das Kreditwesen ernannt. Dieses Amt übte er bis September 1939 aus. Ab Anfang 1940 war er Reichskommissar für die Behandlung feindlicher Vermögen. In dieser Funktion war seine Zuständigkeit auf die Vermögenswerte (Firmen- und Privateigentum) der westlichen Alliierten, Frankreich, Großbritannien und USA beschränkt. Diese Richtlinien bildeten eine wichtige Grundlage für den Wirtschaftsstab Ost (WiStab Ost) zur Ausbeutung der eroberten Ostgebiete. Im Herbst 1941 ließ er sich in den Ruhestand versetzen und wurde 1942 persönlich haftender Gesellschafter der Privatbank Delbrück, Schickler & Co.

Attentat am 20. Juli 1944[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Ernst verhaftet und am 17. April 1945 zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Ihm wurde zum Verhängnis, dass die Verschwörer um Carl Friedrich Goerdeler und Ludwig Beck ihn wegen seiner fachlichen Eignung und Verbindungen zu Hjalmar Schacht für ein Amt als Staatssekretär nach dem geplanten Sturz Hitlers vorgesehen hatten. Schon wenige Tage nach seiner Inhaftierung im Zellengefängnis Lehrter Straße wurde er jedoch am 25. April 1945 während der Schlacht um Berlin aus der Haft entlassen.

Bundesrepublik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Krieg war Ernst als Leiter der Berliner Währungskommission 1948 maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung der Währungsreform beteiligt. Von 1949 bis 1957 war er Vorsitzender des Verwaltungsrates der Berliner Zentralbank. Auf die Bitte von Konrad Adenauer übernahm er ab 1951 die Geschäftsführung im Kabinettsausschuss für Wirtschaft. Diese Einrichtung wird heute als Wirtschaftsnebenregierung im Bundeskanzleramt betrachtet.

Von 1952 bis 1958 war er Vorsitzender des Forschungsbeirates für Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands. Jede Berufung eines Mitglieds bedurfte seiner Zustimmung als Vorsitzendem. Am 21. Juni 1954 trat bei der Bank deutscher Länder erstmals ein kleiner Währungskreis zusammen, dessen Sitzungen Ernst leitete und über dessen Zusammensetzung er entschied. Die Aufgabe dieser Einrichtung bestand darin, für den Tag der Wiedervereinigung Vorschläge zur Abwicklung der einzelnen Vorgänge einer Währungsumstellung zu entwerfen. Die DDR-Bürgerrechtlerin Daniela Dahn berichtet, dass ein diesen Vorschlägen entsprechender Plan 13 Tage nach dem Fall der Berliner Mauer auf einer Sitzung des Zentralbankrats vorgelegt worden sei. Er habe die Einführung der D-Mark in der DDR vorgesehen.[1]

Von 1950 bis 1960 gehörte Ernst als Vorsitzender dem Aufsichtsrat der AEG an. In den 1950er-Jahren hatte er Wohnsitze in Hamburg in der Wentzelstraße 10 und in Berlin-Nikolassee in der Teutonenstraße 15.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Berlin 1955
  • Ralph Hartmann: Die Liquidatoren - Der Reichskommissar und das wiedergewonnene Vaterland. 3. Ausgabe, Berlin 2008
  • Friedrich Ernst, in: Internationales Biographisches Archiv 06/1961 vom 30. Januar 1961, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daniela Dahn: Wir sind der Staat!, Reinbek b. Hamburg 2013, S. 105.
  2. Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 3, Nr. 250, 29. Dezember 1951.