Friedrich Franz II. (Mecklenburg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg

Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg [-Schwerin], (* 28. Februar 1823 in Ludwigslust; † 15. April 1883 in Schwerin) war Großherzog von Mecklenburg im Landesteil Mecklenburg-Schwerin und regierte zwischen 1842 und 1883.

Familie und Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Franz II. war der Sohn von Großherzog Paul Friedrich (1800–1842) und Alexandrine von Preußen (1803–1892), der vierten Tochter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. (1770–1840) aus dessen Ehe mit Prinzessin Luise (1776–1810). Seine ersten Jugendjahre verlebte Friedrich Franz (II.) in Ludwigslust unter den Augen seiner Eltern und am Hofe seines Urgroßvaters, des regierenden Großherzogs Friedrich Franz I. Nach seiner häuslichen Erziehung besuchte er ab November 1837 die „Blochmannsche Erziehungsanstalt“ in Dresden. Im Anschluss studierte der Erbgroßherzog Rechtswissenschaften in Bonn, das dort begonnene Studium brachte er an der Landes-Universität Rostock erfolgreich zum Abschluss.[1] Nach dem Tode seines Vaters 1842 wurde Friedrich Franz II. im Alter von 19 Jahren Großherzog in Mecklenburg-Schwerin. In den Jahren seiner Regierungszeit reist er u. a. nach Russland, nach Italien und in den Orient.

Regierungszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen des Hauses Mecklenburg-Schwerin

Politisches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Revolution von 1848/49 nahm Friedrich Franz eine kompromissbereite Haltung ein und erließ 1849 gegen die Interessen der eigenen Verwandten als „Staatsgrundgesetz“ eine liberale Verfassung für den von ihm regierten Landesteil, die jedoch im Freienwalder Schiedsspruch 1850 wieder aufgehoben wurde. Nicht zuletzt wegen dieser Verfassung galt er bis zum Tode als beliebter Fürst.

Während seiner über 40 Jahre andauernden Regierungszeit initiierte er zahlreiche Reformen, darunter die Reform des Justizwesens, die Umgestaltung der Landes-Gendarmerie, die innere Reform der Landeskirche und die Verbesserung des Krankenhauswesens des Landes, um nur einige aufzuzählen. Auch der Ausbau der Verkehrswege des Landes wurde in seiner Regierungszeit kontinuierlich fortgeführt, bis 1882 waren 1500 km befestigte Straße geschaffen worden und die Friedrich-Franz-Bahn versah auf mehreren Strecken ihren täglichen Dienst.

Militärisches Handeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von Großherzog Paul Friedrich begonnenen Militärreformen wurden durch Großherzog Friedrich Franz II. fortgeführt. Unter seiner Leitung werden die militärischen Verbände des Landes reorganisiert. Unter Führung des Großherzoges schloss das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin am 24. Juli 1868 eine Militärkonvention mit Preußen, die den Übertritt der Offiziere in die preußische Armee regelte, später treten die mecklenburgischen Truppen vollständig in den Etat der preußischen Armee. Mit die wichtigsten militärischen Umstrukturierungen die in die Regierungszeit des Großherzoges fielen.

Kurz nach seinem Regierungsantritt, wird der Großherzog am 19. März 1842 vom preußischen König zum Chef des „Infanterie-Regiments Nr. 24“ ernannt, einhergehend mit der Beförderung zum Generalmajor.

Am 12. März 1854 folgt die weitere Beförderung zum General der Infanterie. Als er 1864 vor dem Deutsch-Dänischen Krieg vom preußischen König das Kommando über ein preußisches Armeekorps angeboten bekam, lehnte er ab. Grund war eine mögliche Bedrohung der mecklenburgischen Küste durch Dänemark, es stand zu diesem Zeitpunkt keine effektive Seeflotte zur Verfügung um den Schutz zu gewährleisten. Zum anderen war Friedrich Franz II. seit seiner Studienzeit in Bonn mit dem dänischen König befreundet.[2] Der Großherzog verhielt sich wohl auch aus diesem Grund weitgehend neutral, seinem Wunsch entsprechend schloss er sich allerdings am 1. Februar 1864 dem preußischen Hauptquartier an und verfolgte im Stab des Feldmarschalls von Wrangel das Kampfgeschehen. Nachfolgend werden ihm die Schwerter zum Rothen Adlerorden verliehen.[3]

Im anschließenden Deutschen Krieg von 1866 führte er auf preußischer Seite das II. Reservekorps, welches im Raum Bayern zum Einsatz kam.[4][5] In Anerkennung der Verdienste im Feldzug wird dem Großherzog am 9. August 1866 der Orden Pour le Mérite verliehen.[3]

Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 traf der Großherzog, nach Ausbleiben französischer Landungsoperationen gegen die norddeutsche Küste, erst am 1. September 1870 am Kriegsschauplatz bei Metz ein.[6] Er übernahm als Kommandierender General die Führung des XIII. Armeekorps. Mitte September hatte er von General Moltke die Aufgabe erhalten, der auf Paris vorgehenden Hauptarmee des Kronprinzen Friedrich Wilhelm den Rücken abzusichern. Dafür übernahm er zusätzlich den Befehl über eine neue Armeeabteilung, bestehend aus dem I. bayrischen Armeekorps, zwei preußischen Kavalleriedivisionen und dem eigenen XIII. Korps. Er konnte den Raum zwischen Chalons und Reims sichern und auch die rückwärtige Festung Toul besetzen.[7] Nachdem auch Soissons bezwungen war, beteiligte er sich mit seinen Truppen Ende Oktober an der Belagerung von Paris. Am 2. Dezember 1870 siegte seine Armee-Abteilung bei Loigny-Poupry über die Franzosen unter General d’Aurelle de Paladines und besetzte am 5. Dezember Orléans. In der Schlacht von Le Mans, 10. bis 12. Januar 1871 wurde unter dem Oberbefehl des Prinzen Friedrich Karl von Preußen die letzte französische Loire-Armee unter General Chanzy vollständig zerschlagen. Bei der Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871 wurde er von seinem Sohn Friedrich Franz vertreten. Seine Truppen marschierten noch über Alençon in die Normandie ein und besetzten am 25. Januar Rouen. [8] Kaiser Wilhelm I. übertrug ihm nach dem Frieden die Inspektion der 2. Armee und ernannte den Großherzog am 2. September 1873 zum Generalobersten der Infanterie im Range eines preußischen Generalfeldmarschalls.[9]

Ehe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großherzog Friedrich Franz II. ging dreimal den Bund der Ehe ein. Am 20. Oktober 1849 heiratete er Auguste Reuß zu Schleiz-Köstritz. Großherzogin Auguste starb 1862, nachdem sie sich von der Entbindung ihres letzten Kindes, des Herzogs Alexander, 1859 nicht mehr erholt hatte.[10] Aus dieser Verbindung gehen sechs Kinder hervor. 1864 heiratete der Großherzog die 21-jährige Prinzessin Anna von Hessen-Darmstadt, Tochter von Prinz Karl von Hessen-Darmstadt (1809–1877), die jedoch schon ein Jahr später nach der Geburt der Tochter Anna starb. Nach einer Trauerzeit von drei Jahren heiratete der Großherzog in Rudolstadt die Prinzessin Marie von Schwarzburg-Rudolstadt, Tochter von Prinz Adolf von Schwarzburg-Rudolstadt (1801–1875), die ihn um fast vier Jahrzehnte überlebte.[11] Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor.

Nachdem die großherzogliche Familie in den 1840er Jahren nur noch sechs Personen gezählt hatte, war in den 1850er Jahren die Nachfolge des Hauses Mecklenburg-Schwerin gesichert.[12]

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Ehe mit Auguste Reuß zu Schleiz-Köstritz (1822–1862), Tochter von Fürst Heinrich LXIII. Reuß zu Schleiz-Köstritz:

∞ 1879 Anastasia von Russland (1860–1922)
∞ 1881 Prinzessin Maria von Windisch-Graetz (1856–1929)
∞ Großfürst Wladimir von Russland (1847–1909)
∞ 1886 Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Weimar-Eisenach (1854–1908)
∞ 1909 Prinzessin Elisabeth zu Stolberg-Roßla (1885–1969)
  • Alexander (1859–1859)

Zweite Ehe mit Anna von Hessen und bei Rhein (1843–1865), Tochter von Prinz Karl von Hessen-Darmstadt:

  • Anna (1865–1882)

Dritte Ehe mit Marie von Schwarzburg-Rudolstadt (1850–1922), Tochter von Prinz Adolf von Schwarzburg-Rudolstadt:

∞ 1896 Großherzog Friedrich August von Oldenburg (1852–1931)
∞ 1917 Prinzessin Viktoria Feodora Reuß (1889–1918)
∞ 1924 Prinzessin Elisabeth zu Stolberg-Roßla (1885–1969)
∞ 1901 Königin Wilhelmina der Niederlande (1880–1962)

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Staatliche Museum Schwerin ehrte den Erbauer der gegenüber dem Schweriner Schloss liegenden Staatsgalerie 2007 als Kunstförderer mit einer Ausstellung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Schröder: Friedrich Franz III., Grossherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen. Schwerin: Bahn 1898 (Digitalisat)
  • Karl Schröder: Friedrich Franz II. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 49, Duncker & Humblot, Leipzig 1904, S. 96–116.
  • Ludwig von Hirschfeld: Friedrich Franz II., Grossherzog von Mecklenburg-Schwerin, und seine Vorgänger. 2 Bände. Duncker & Humblot, Berlin 1891.
eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche-USA Digitalisat des Exemplars der University of Michigan, ex Leseverein zu Parchim
eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche-USA Digitalisat des Exemplars der University of Michigan, ex Leseverein zu Parchim
  • Heinrich von Stein: Friedrich Franz II. und die Universität Rostock. Rostock 1891.
  • Bruno Garlepp: Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin. Breslau 1892.
  • Berthold Volz: Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin. Ein deutsches Fürstenleben. Wismar 1893.
  • Friedrich Schlie: Das Denkmal des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin. Zur Erinnerung an den 24.8.1893. Schwerin 1893.
  • Rene Wiese: Orientierung in der Moderne. Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg in seiner Zeit. Bremen 2005. ISBN 3-86108-053-2.
  • Rene Wiese: Vormärz und Revolution. Die Tagebücher des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin 1841–1854. Böhlau, Köln 2014. ISBN 978-3-412-22271-0.
  • René Wiese: Friedrich Franz II. Herrschen im Zeichen von Revolution und Reichsgründung. In: Bernd Kasten, Matthias Manke, René Wiese: Die Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin. Hinstorff Verlag, Rostock 2015. ISBN 978-3-356-01986-5. S. 68–101.
  • Jürgen Borchert: Mecklenburgs Großherzöge. 1815–1918. Demmler Verlag, Schwerin 1992. ISBN 3-910150-14-4. S. 45–69.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Berthold Volz: Großherzog Friedrich Franz II., ein deutsches Fürstenleben, Hinstorffsche Hofbuchhandlung, Wismar 1893, S. 60.
  2. Berthold Volz: Großherzog Friedrich Franz II., ein deutsches Fürstenleben, Hinstorffsche Hofbuchhandlung, Wismar 1893, S. 37.
  3. a b G. von Glasenapp: Militärische Biographien des Offizier-Corps der preußischen Armee. Druck G. Bernstein, Berlin 1868, S. 24.
  4. Theodor Fontane: Der deutsche Krieg von 1866. Band II., (Hrsg) R. v. Decker, Verlag der königlich Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin 1871, S. 273–279.
  5. Oskar Heavernick: Kurze Darstellung der Geschichte des Großherzoglich Mecklenburgischen Füsilier-Regiment „Kaiser Wilhelm Nr. 90“ 1788–1908. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1908, S. 38–40.
  6. Fischer: Die 17. Division im Feldzuge 1870–71. F. Schneider & Comp., Berlin 1872, S. 5.
  7. Fischer: Die 17. Division im Feldzuge 1870–71. F. Schneider & Comp., Berlin 1872, S. 74–94.
  8. Fischer: Die 17. Division im Feldzuge 1870–71. F. Schneider & Comp., Berlin 1872, S. 153–160.
  9. Klaus-Ulrich Keubke und Ralf Mumm: Mecklenburgische Militärgeschichte 1701–1918, Schriftenreihe zur Geschichte Mecklenburgs, (Hrsg.) APH, Schwerin 2005, S. 72.
  10. Rene Wiese: Orientierung in der Moderne. Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg in seiner Zeit., Bremen 2005, S. 183.
  11. Rene Wiese, op. cit., S. 183.
  12. Rene Wiese, op. cit., S. 186.
  13. Elisabeth im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Vorgänger Amt Nachfolger
Paul Friedrich Großherzog von Mecklenburg-[Schwerin]
1842–1883
Friedrich Franz III.