Friedrich Gempp

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Friedrich Gempp (* 6. Juli 1873 in Freiburg im Breisgau; † 21. April 1947 in Moskau, am 11. August 1946 für tot erklärt) war ein deutscher Generalmajor sowie Gründer und bis 1927 erster Leiter der Abteilung Abwehr der Reichswehr.

Leben[Bearbeiten]

Preußische Armee und Reichswehr[Bearbeiten]

Gempp trat am 1. April 1893 als Einjährig-Freiwilliger in das 1. Unter-Elsässische Infanterie-Regiment Nr. 132 ein. In diesem war er nach Erwerb seines Offizierspatents als Bataillonsadjutant und Gerichtsoffizier tätig. Von 1903 bis 1906 besuchte er die Kriegsakademie. Es folgte eine Tätigkeit im Großen Generalstab und als Kompaniechef im 2. Ober-Elsässischen Infanterie-Regiment Nr. 171. 1913 wurde er als Abwehroffizier dem I. Armee-Korps zugeteilt.

Nach der Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg übte er die gleiche Funktion im Generalstab des Armeeoberkommandos 8 und im Stab Ober Ost aus und wurde im März 1915 zum Major befördert. Im Januar 1917 wurde er als Abwehroffizier dem Chef des Generalstabs des Feldheeres im Großen Hauptquartier zugeteilt und war zeitweise Stellvertreter von Oberst Walter Nicolai, dem Leiter der Abteilung III b. In dieser Stellung verblieb er in der OHL bis zu deren Auflösung im Oktober 1919. Für seine Leistungen hatte man Gempp u.a. mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes sowie dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern ausgezeichnet.[1]

Im Frühjahr 1920 wurde er als Oberstleutnant mit der Bildung eines neuen militärischen Nachrichtendienstes der Reichswehr beauftragt und gründete am 1. Januar 1921 die Gruppe Abwehr in der Heeresstatistischen Abteilung (T 3) des Truppenamtes, deren Leiter er bis zu seinem vorläufigen Ruhestand 1927 blieb. Bei seiner Verabschiedung im Juni 1927 erhielt er den Charakter eines Generalmajors verliehen.

Gempp-Bericht und Reaktivierung im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Von 1928 bis 1944 verfasste Gempp im Auftrag der Abwehrabteilung für deren internen Dienstgebrauch das mehrbändige Werk Geheimer Nachrichtendienst und Spionageabwehr des Heeres, den sogenannten Gempp-Bericht. In diesem berichtete er detailliert über die Arbeit des deutschen militärischen Geheimdienstes bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Durch diesen 1945 in amerikanische Hände gelangten Bericht wurden ehemalige und zum Teil noch nicht identifizierte Agenten wie Elsbeth Schragmüller bekannt. Der Bericht lagerte danach für die Öffentlichkeit nicht zugänglich bis zu seiner Rückgabe nach Deutschland Mitte der 1970er Jahre bei der National Archives and Records Administration (NARA) in Washington, D.C. und befindet sich heute im Freiburger Militärarchiv.

Bei der Mobilmachung zum Polenfeldzug 1939 wurde Gempp wieder zur Verfügung des Heeres gestellt und war bis Mai 1943 im Amt Ausland/Abwehr des Oberkommando der Wehrmacht (OKW) eingesetzt. Nachdem er wegen seiner Tätigkeiten 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet, galt er als verschollen. Er wurde rückwirkend mit dem Todesdatum 11. August 1946 für tot erklärt.

Verhaftung, Tod und Rehabilitierung[Bearbeiten]

Gempp war am 10. August 1946 von den Mitarbeitern des Militärgeheimdienstes Smersch in Rostock verhaftet worden. In das Moskauer Butyrka-Gefängnis wurde er am 3. Januar 1947 eingeliefert, in dessen Gefängniskrankenhaus er am 21. April 1947 an Herzlähmung verstarb.

Nach dem Beschluss der Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation vom 10. September 2001 war die Verhaftung Gempps politisch motiviert. Das Urteil wurde infolgedessen kassiert und Gempp rehabilitiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dermot Bradley (Hrsg.), Karl-Friedrich Hildebrand, Markus Rövekamp: Die Generale des Heeres 1921–1945. Die militärischen Werdegänge der Generale, sowie der Ärzte, Veterinäre, Intendanten, Richter und Ministerialbeamten im Generalsrang. Band 4: Fleck–Gyldenfeldt. Biblio Verlag, Osnabrück 1996, ISBN 3-7648-2488-3, S. 225–226.
  • Helmut Roewer, Stefan Schäfer, Matthias Uhl: Lexikon der Geheimdienste im 20. Jahrhundert. Herbig, München 2003, ISBN 3-7766-2317-9.
  • Jürgen W. Schmidt: Gegen Russland und Frankreich. Der deutsche militärische Geheimdienst 1890–1914. 3. Auflage. Ludwigsfelder Verlags-Haus, Ludwigsfelde 2009, ISBN 978-3-933022-44-8 (Geheimdienstgeschichte 1).
  • Kenneth J. Campbell: Major General Friedrich Gempp: German Intelligence Leader. In: American Intelligence Journal. 25, 1, 2007, ISSN 0883-072X, S. 75–81.
  • Markus Pöhlmann: German Intelligence at War, 1914–1918. In: Journal of Intelligence History. 5, 2005, S. 33–62.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reichswehrministerium (Hrsg.): Rangliste des Deutschen Reichsheeres. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1924, S. 116.