Friedrich Georg Oye

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Friedrich Georg Oye (1779)

Friedrich Georg Oye (* 1758 in Hadersleben; † 3. Januar 1797 in Schleswig) war ein deutscher Verwaltungsjurist, Zeichner und Radierer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oye war Sohn des Hardesvogten der Tyrstrupharde im Amt Hadersleben Detlev Friedrich Oye († 1781). Er besuchte bis 1775 das Gymnasium Johanneum in Hadersleben[1] und studierte ab 1776 Rechtswissenschaften an der Universität Kiel[2] und 1778 bis 1780 an der Universität Göttingen.[3]

Aus seiner Studienzeit in Göttingen ist sein Schattenriss von 1779 in der Silhouetten-Sammlung Schubert in der SUB Göttingen überliefert.[4] Während seines Studiums in Kiel sind eigene Zeichnungen Oyes in Stammbüchern seiner Kommilitonen bei seinen Einträgen in diese überliefert; so im Stammbuch des Nikolaus Outzen[5] und dem Stammbuch des späteren Amtsverwalters in Hütten Hieronymus Kamphövener (1757–1824).[6] In Göttingen versuchte er sich im engen Austausch mit seinem Consemester Ludolph Friedrich von Laffert als Radierer-Dilettant und stach um 1778/1779 kleinformatige Abbilder seiner Göttinger Kommilitonen, von denen zumindest sechs in der Herzog August Bibliothek verwahrt und im Virtuellen Kupferstichkabinett gezeigt werden.[7] Darunter eine dem Subsenior der Hannoverschen Landsmannschaft Friedrich Ernst von Stoltzenberg[8] gewidmete Szene, die ein studentisches Duell zeigt, und eine studentische Abschiedsszene an einem der damaligen Stadttore Göttingens betitelt Les Adieux gewidmet dem königlich dänischen Konferenzrat F. von Klingenberg.[9] Carl Schubert vermerkte auf der Rückseite der Silhouette Oyes, dass Oye um Michaelis 1778 als Duellant in ein Duell mit einem stud. von Münchhausen verwickelt war und seitens der Universität daraufhin das consilium abeundi erhielt, aber kurz darauf seitens der Universität gemeinsam mit seinem Kontrahenten wieder „rezipiert“, also wieder aufgenommen worden sei.

Nach dem Studium trat er in den dänischen Verwaltungsdienst für die Herzogtümer Schleswig und Holstein ein und verstarb 1797 als Kanzleiassessor und zweiter Gouvernementssekretär beim dänischen Statthalter von Schleswig-Holstein Prinz Karl von Hessen-Kassel als Verwalter des königlichen Anteils in Schleswig.[10] Oye korrespondierte 1788 von Kopenhagen aus mit Christoph Martin Wieland.[11] Biographisch publizierte er über den dänischen Botaniker, Entomologen und Nationalökonomen Johan Zoëga (1742–1788). Zahlreiche weitere Beiträge in Zeitschriften wurden zum Teil unter seiner Chiffre –y– als Pseudonym veröffentlicht.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Friedrich Ekkard: Til det danske Publikum, fra den kiøbenhavnske Korrespondenz for den hamborgske politiske Journal, 1786
  • Ueber die einheimischen Wollenmanufacturen, insonderheit der in den Herzogthümern Schleswig und Holstein, Provinzialberichte 1788, Heft 5
  • Einige Nachrichten aus dem Leben des verstorbenen Etatsraths J[ohan]. Zoëga, Provinzialberichte 1789, Heft 5, S. 150–176 (Digitalisat, erschien auch in dänisch in der Minerva 1789 vor Veröffentlichung des deutschen Originals)

Radierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oyer, Friedrich Georg in: Berend Kordes: Lexikon der jetztlebenden Schleswig-Holsteinischen und Eutinischen Schriftsteller, Röhss, 1796, S. 240, S. 513
  • Oyer, Friedrich Georg in: Detlev Lorenz Lübker, Hans Schröder: Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen und Eutinischen Schriftsteller von 1796 bis 1828, Zweite Abteilung N–Z, Aue, Altona 1830, S. 418 Nr. 853 mit Korrektur der Namensfehlschreibung auf Oye auf S. 840
  • Thomas Otto Achelis: Matrikel der schleswigschen Studenten 1517–1864, Band 2: 1741–1864, G. E. C. Gads Verlag, Kopenhagen 1966, Nr. 6919 (S. 383)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedrich Georg Oye – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aus der Geschichte des Haderslebener Johanneums, 1921, S. 48
  2. Immatrikulation in Kiel am 19. April 1776; Franz Gundlach: Das Album der Christian-Albrechts-Universität Kiel 1665–1865
  3. Immatrikulation in Göttingen am 8. Mai 1778 ex ac. Kiel, siehe Götz von Selle: Die Matrikel der Georg-August-Universität zu Göttingen 1734–1837. Hildesheim, Leipzig 1937
  4. Signatur 8* Cod. Ms. hist. lit. 103 Cim.; Datierung der SUB Göttingen: 20. Juni 1779.
  5. Eintragung in Kiel am 26. August 1776 mit Blei-/Federzeichnung Paar mit Kind als Beigabe. Lagerort Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Signatur: Hs. 110.415 c Seite-Folium 123r nach Quelle Kurras, GNM II, Nr. 149/95
  6. Eintragung in Kiel am 4. Oktober 1778 mit einer Federzeichnung junger Mann als Beigabe auf S. 2. Quelle: v. Kamphövener, Das Stammbuch des Hieronymus Kamphövener, Nr. 87 nach Repertorium Alborum Amicorum (RAA) - Internationales Verzeichnis von Stammbüchern und Stammbuchfragmenten, Universität Erlangen.
  7. Neben den im Artikel Radierungen die Exponate [1], [2], [3], [4] und [5]. Sie wurden wegen der Rokoko-Uniformkleidung Göttinger Studenten von der HAB als Soldatenbildnisse falsch identifiziert (letzter Abruf am 14. November 2017). Die Widmungen Oyes lassen aber eine direkte Zuordnung zum Studentenleben zu.
  8. Friedrich Ernst von Stoltzenberg war seit 20. Dezember 1777 Sekretär der Hannoverschen Landsmannschaft und deren Subsenior vom 28. Februar 1778 bis 5. Februar 1779 sowie (zeitweilig ?) Mitglied des Studentenordens ZN; vgl. Otto Deneke: Alte Göttinger Landsmannschaften. Göttingen 1937. Ausweislich seines Eintrags bei seinem Schattenriss in der Silhouetten-Sammlung Schubert geriet er zum Ende seines Studiums 1779 in erhebliche finanzielle Bedrängnis. Er ging zum Militär und wurde später Platzkommandant der Festungen Hameln und Harburg.
  9. möglicherweise Frederik von Klingenberg (1716-1783), Amtmann in Hadersleben, der Heimatstadt Oyes, wo sein Vater Hardesvogt war.
  10. Genealogisches Reichs- und Staats-Handbuch: Auf das Jahr 1798, Band 2, Varrentrapp und Wenner, Frankfurt am Main 1798, S. 7 (Digitalisat)
  11. Klaus Gerlach: Wielands Briefwechsel, S. 121; beim Kalliope-Verbund [6] als Nachweis für die SLUB Dresden als Bestandshalter, Signatur: Mscr.Dresd.h.43,Bd.3,Nr.76