Friedrich Hänssler junior

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Friedrich Hänssler

Friedrich Hänssler (* 6. März 1927 in Stuttgart; eigentlich Friedrich Hänßler) ist ein deutscher Theologe, Musikwissenschaftler und als langjähriger Leiter des Hänssler Verlags ein bedeutender evangelischer Verleger des 20. Jahrhunderts in Deutschland.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Hänssler ist ein Sohn des gleichnamigen Gründers (1892–1972[1]) des damaligen Musikverlags Hänssler. Zwei seiner Geschwister starben kurz nach ihrer Geburt, eine Schwester mit 17 Jahren an Diphtherie, auch er erkrankte schwer als Kind und wurde wider Erwarten gesund. 1944 musste er als 17-jähriger deutscher Soldat einem Erschießungskommando beiwohnen, worauf er eine „existenzielle Gotteserfahrung“ machte und eine persönliche Glaubensentscheidung traf.

1945 begann er in Tübingen Theologie und Musikwissenschaft zu studieren. Er erkrankte schwer an Tuberkulose, überlebte aber, konnte weiterstudieren und sein Studium abschließen.

1950 stieg er in den Verlag seines Vaters ein, übernahm ihn 1959 und entwickelte ihn zu einem der führenden evangelischen Verlage in Deutschland. Hänssler war die Bibeltreue seines Verlags ein persönliches Anliegen: Gemeinsam mit seiner Frau Ursula prüfte er jahrzehntelang persönlich jedes Manuskript bis ins Detail. Viele Manuskripte wurden deswegen auch abgelehnt. Ab 1970 gab er über 1000 Bücher zur Bibel und Bibelkommentare heraus. Er publizierte auch 1-Mark-Taschenbücher, um evangelistische Literatur für Kleinverdiener auf den Markt und unter die Leute zu bringen. Zur Zeit des Kalten Kriegs schmuggelte er mit weiteren Beteiligten auf eigene Kosten Bibeln, Liederbücher und christliche Literatur in die DDR, in die Sowjetunion und nach Jugoslawien.

Durch das Musikprogramm des Verlags, insbesondere seine Bach-Aufnahmen, erreichte Hänssler Weltruf. Der Dirigent Helmuth Rilling überzeugte ihn nach 1970, alle Kirchenkantaten und später das erhaltene Kompositionswerk von Bach aufzunehmen.[2] Ein weiterer Themenschwerpunkt war Israel, zu dem er über hundert Werke publizieren ließ.

2002 geriet Hänsslers Verlagsunternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten, weil unter anderem die Umstellung auf Automatisierung in der Logistik nicht schnell genug funktioniert hatte. Sein Verlag wurde von der Stiftung Christliche Medien übernommen; er konnte dort als Berater weiter tätig bleiben.[3][4][5]

Neben seiner Verlagstätigkeit übernahm Hänssler zahlreiche Leitungsaufgaben in kirchlichen und christlichen Gremien. So gehörte er der Kammer für Publizistik der EKD an und war einer der Gründer des Christlichen Medienverbunds KEP. 1979 gründete er zusammen mit Rudolf Decker nach amerikanischem Vorbild die Initiative Gebetsfrühstückstreffen für Parlamentarier.[6] Er ist außerdem Kuratoriumsmitglied des evangelikalen Vereins ProChrist,[7] eines dem CVJM nahestehenden Organisators von Großevangelisationsveranstaltungen, und gehörte dem Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz an. 1970 bis 1992 leitete er den Württembergischen Brüderbund.[8]

Friedrich Hänssler ist seit 1955 mit seiner Frau Ursula verheiratet und Vater von sechs Kindern.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Audio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Variationen in Dur & Moll – Hörbuch. SCM/ERF, Holzgerlingen 2004, ISBN 978-3-89562-854-2
  • Bleibende Schätze – Lieder meines Lebens. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2007

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jesu Name nie verkinget, Bd. 4, S. 105.
  2. a b Helmut Matthies: Große Erfolge – tiefes Leid, ideaSpektrum, 28. Februar 2007.
  3. Verlagsgeschichte SCM Hänssler
  4. Helmut Matthies: Verlagsrekord: Da muss Bibeltreue drin sein, ideaSpektrum 26/2016.
  5. Daniela Städter: Die Generation Ü-90. Gott auch im Leid vertrauen, ideaSpektrum 13/2017, S. 26–28.
  6. Informationen zur Initiative Gebetsfrühstück, kath.net, Meldung vom 7. Februar 2014.
  7. Kuratorium ProChrist e.V., aufgerufen am 12. Juni 2016
  8. Friedrich Hänssler ist 85 Jahre alt, ead.de, Artikel vom 6. März 2012.
  9. Staatsministerium Baden-Württemberg: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. Liste der Ordensträger 1975–2009. Seite 35.
  10. Börsenblatt, 12. Februar 2007
  11. SELK Info 11-2001: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für Verleger Friedrich Hänssler. Abgerufen am 22. Juli 2010 (PDF; 316 kB).
  12. Arbeitskreis christlicher Publizisten, ACP-Heft 1/2002.