Friedrich Haider (Dirigent)

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Friedrich Haider (2012)

Friedrich Haider (* 7. November 1961) ist ein österreichischer Dirigent und Pianist.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Haider ist Absolvent der Anton Bruckner Privatuniversität Linz (Klavier bei Martha Picker und Dirigieren bei Leopold Mayer), der Musikuniversität Wien (Dirigieren bei Karl Österreicher) sowie der Internationalen Sommerakademie Salzburg (Meisterklasse von Milan Horvat). Sein Theaterdebüt erfolgte am 26. Juli 1984 in Klagenfurt mit Johann StraußWiener Blut. Im Konzertsaal stellte er sich im gleichen Jahr erstmals am Pult des Wiener Kammerorchesters vor. Nach verschiedenen Stationen als Assistent erarbeitete er sich an vornehmlich kleineren Opernhäusern ein Repertoire, das heute mehr als 60 Titel umfasst und unterschiedlichste Fächer und Stile vereint.

Zu den Höhepunkten seiner bisherigen Theater-Arbeit zählen Verdis Otello (beim Tivoli Festival Kopenhagen), Gounods Faust (an der Bayerischen Staatsoper München), Mozarts Die Entführung aus dem Serail (an der Semperoper Dresden), Wagners Lohengrin (in Barcelona) und Tristan und Isolde (in Nizza) sowie StraussSalome (an der Nationaloper Tokio) und Webers Freischütz (am Teatro La Fenice in Venedig).

Wiederholt widmete sich Haider dem italienischen Belcanto, wobei er vor allem mit seiner Entdeckung von Roberto Devereux von Donizetti persönliche Erfolge erringen konnte – zuletzt 2004 an der Bayerischen Staatsoper.[1] Nach seinem erfolgreichen Debüt 2002 an der Wiener Staatsoper dirigierte er an diesem Haus über sieben Saisonen hindurch Repertoire-Vorstellungen, darunter auch drei mal die traditionelle Silvester-Aufführung von Johann Strauss' Die Fledermaus. 2006 feierte er seinen Einstand an New Yorks Metropolitan Opera mit Verdis Rigoletto, und folgte 2011 der ersten Einladung an die Staatsoper Berlin (Mozart: Die Entführung aus dem Serail).

Friedrich Haider gastierte am Pult bedeutender Symphonie-Orchester wie London Symphony, Tschechische Philharmonie, Dresdner Staatskapelle, Brucknerorchester Linz, Göteborger Symphoniker, Mailänder Kammerorchester, Tokyo Philharmonic und Symphonic.

Von 1991 bis 1994 wirkte Haider als Chefdirigent der Opéra national du Rhin in Straßburg.

Oviedo Filarmonia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 wurde Friedrich Haider Chefdirigent der nordspanischen Oviedo Filarmonia. Eine Position, die er mit zwei Vertragsverlängerungen bis 2011 innehatte. Mit dem Klangkörper bestritt er 30 Konzertprogramme und gastierte in Madrid, Tokyo (Bunka Kaikan Hall) sowie Paris (Théâtre des Champs-Élysées). Für das Label Naxos spielte er mit dem Orchester Giuseppe Verdis Otello und mehrere Werke von Ermanno Wolf-Ferrari ein. 2011 wurde Haider für seine Arbeit mit der Goldmedaille des Auditoriums Principe Felipe ausgezeichnet.

Slowakisches Nationaltheater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. August 2012 übernahm Haider die für ihn geschaffene Position des Musikdirektors am Slowakischen Nationaltheater in Bratislava. Dieser Titel vereinte die Position des Operndirektors mit der des Chefdirigenten. Entsprechend dem persönlichen Wunsch des Kulturministers Marek Maďarič wollte Haider sich der Herausforderung stellen, das Haus europäisch wettbewerbsfähig zu machen. Repräsentanten des deutschen Regietheaters wie Peter Konwitschny, Hans Joachim Ruckhäberle oder Martin Schüler wurden mit Premieren von Puccinis La Boheme, Richard Strauss' Salome und Verdis Rigoletto ebenso an das Haus gebunden wie international tätige Gesangssolisten. Haiders Neueinstudierungen von Wagners Lohengrin und Mozarts La clemenza di Tito wurden mit dem Slowakischen Kritikerpreis ausgezeichnet. Zu Beginn des Jahres 2015 nahm das Kultusministerium eine Budget-Kürzung am Nationaltheater vor und stockte fast zeitgleich die Gehälter der benachbarten Philharmonie um insgesamt 1,5 Millionen Euro auf. Den Unwillen des Ministeriums, dieses Vorgehen zu rechtfertigen, nahm Haider zum Anlass, das Amt des Musikdirektors im Juni 2016 niederzulegen.[2]

Musicae Antiquae Collegium Varsoviense[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich einer Neueinstudierung von Mozarts Cosi fan tutte an der Kammeroper Warschau im Januar 2017 dirigierte Haider auch erstmals das Musicae Antiquae Collegium Varsoviense, Polens renommiertestes Orchester auf historischen Instrumenten. Den Aufführungen folgte eine Wiedereinladung mit Mozarts Zauberflöte. Zur Eröffnung des Warschauer Mozart-Festivals 2017 leitete Haider das Orchester erneut in einer konzertanten Aufführung von Mozarts Don Giovanni in der Nationalphilharmonie Warschau und wurde in der Folge zu dessen Chefdirigenten per 1. September 2017 ernannt.

Werke von Ermanno Wolf-Ferrari[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Londoner Antiquariat fiel Haider 2002 eine Partitur von Wolf-Ferraris opera buffa Il segreto di Susanna (Susannens Geheimnis) in die Hände. Er unterzog die Partitur einer Revision und setzte das Werk auf das Programm eines Konzertes mit dem Münchner Rundfunkorchester (Judith Howarth, Renato Bruson, Münchner Rundfunkorchester, München 2003).

2008 veröffentlichte das CD-Label „Philartis Vienna“ den Opern-Einakter Il segreto di Susanna (Judith Howard, Angel Oden, Oviedo Filarmonia) sowie die Welt-Ersteinspielung der Orchester-Suiten des Komponisten. Bei Farao Classics erschien als Beginn einer „Wolf-Ferrari Edition“ die Einspielung des Konzerts für Violine und Orchester D-Dur op. 26 (Solist: Benjamin Schmid), eine Aufnahme, die mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik (Vierteljahresliste 2013/1) ausgezeichnet wurde. Am Slowakischen Nationaltheater in Bratislava dirigierte Haider 2015 als slowakische Erstaufführung Wolf-Ferraris I gioielli della Madonna (Der Schmuck der Madonna).

Seit 1971 unterhält Friedrich Haider einen engen, freundschaftlichen Kontakt zum österreichischen Künstler Ernst Fuchs. Er sammelt das Frühwerk Fuchs’ (1945 bis 1960er Jahre) und hat darüber auch publiziert.

Friedrich Haider ist mit der Geigerin Lucia Haider verheiratet.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1979: Talentförderungsprämie des Landes Oberösterreich (Komposition)
  • 2002: Preis der Deutschen Schallplattenkritik (Richard Strauss: Die Orchesterlieder, integral)
  • 2011: Goldmedaille des Auditoriums Principe Felipe Oviedo
  • 2013: Preis der Deutschen Schallplattenkritik (Ermanno Wolf-Ferrari: Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 26)

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Haider (Herausgeber und Co-Autor): Ernst Fuchs – Zeichnungen und Graphik aus der frühen Schaffensperiode – 1942 bis 1959. Löcker-Verlag, Wien 2003, ISBN 3-85409-387-X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedrich Haider – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pressestimmen zu „Roberto Devereux“, Münchner Opern-Festspiele 2004
  2. Kulturpolitik: Österreichischer Musikdirektor verlässt Oper Bratislava. In: www.kleinezeitung.at. (kleinezeitung.at [abgerufen am 23. Dezember 2017]).