Friedrich Heinrich von der Hagen

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Friedrich Heinrich von der Hagen
Grab Hagens und seiner Frau Marie Josephine geb. Reynack an der Kirche in Angermünde-Schmiedeberg

Friedrich Heinrich von der Hagen (* 19. Februar 1780 in Angermünde-Schmiedeberg in der Uckermark; † 11. Juni 1856 in Berlin) war ein deutscher Germanist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Heinrich von der Hagen war einer der ersten Professoren der Germanistik während ihrer Gründungsphase. Seine Arbeiten verloren allerdings im Zuge des ‚Wissenschaftskrieges‘ mit den Brüdern Grimm und aufgrund der Konkurrenz mit Karl Lachmann an Einfluss und Ansehen.[1] Insbesondere mit Blick auf seine Editionen wurde ihm Ungenauigkeit, Unredlichkeit und Dilettantismus vorgeworfen.

Hagen wurde 1810 erster außerordentlicher Professor für altdeutsche Literatur in Berlin, im Jahr 1818 ordentlicher Professor in Breslau. 1824 kehrte er als Ordinarius an die Berliner Universität zurück. 1841 wurde er zum Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften ernannt. Seit 1851 war er auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Er ist durch seine Textausgaben mittelhochdeutscher und persisch-arabischer Dichtungen bekannt geworden. Dazu gehörte 1807 die Übersetzung des Nibelungenliedes ins Neuhochdeutsche und 1810 dessen Herausgabe in modernisiertem Mittelhochdeutsch sowie die Herausgabe von Tausendundeine Nacht. Seine umfassende Ausgabe mittelhochdeutscher Lyrik bietet in Einzelfällen bis heute die einzige Edition einzelner Dichter. Hagen pflegte wissenschaftliche Kontakte mit Ludwig Tieck, den Brüdern Grimm, Achim von Arnim, Clemens Brentano und Johann Wolfgang von Goethe.

Hagen war Herausgeber der Germania, des Jahrbuchs der Berlinischen Gesellschaft für Deutsche Sprache und Alterthumskunde.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Nibelungen Lied, Berlin 1807.
  • Buch der Liebe, Bd. 1, Berlin 1809.
  • Der Nibelungen Lied in der Ursprache mit den Lesarten der verschiedenen Handschriften, Berlin 1810.
  • Der Helden Buch, Bd. 1, Berlin 1811.
  • Altnordische Sagen und Lieder welche zum Fabelkreis des Heldenbuchs und der Nibelungen gehören, Breslau 1813.
  • Die Edda-Lieder von den Nibelungen zum erstenmal verdeutscht und erklärt, Breslau 1814.
  • Der Nibelungen Lied, zum erstenmal in der ältesten Gestalt aus der St. Galler Handschrift mit Vergleichung der übrigen Handschriften. Zweite mit einem vollständigen Wörterbuche vermehrte Auflage, Breslau 1816.
  • Der Helden Buch in der Ursprache, Bd. 1, Gudrun. Biterolf und Dietlieb. Der große Rosengarten. Kaspars von der Roen Heldenbuch: Otnit. Wolfdietrich, Berlin 1820.
  • Gottfrieds von Straßburg Werke aus dem beßten Handschriften mit Einleitung und Wörterbuch. Josef Max, Breslau 1823.
  • Der Helden Buch in der Ursprache, Bd. 2, Kaspers von der Rön Heldenbuch. Hörnen Siegfried. Dietrichs Ahnen und Flucht zu den Heunen. Die Ravenna-Schlacht, Berlin 1825.
  • Tausend und Eine Nacht. Arabische Erzählungen. Zum ersten Mal aus einer Tunesischen Handschrift ergänzt und vollständig übersetzt, Breslau 1825.
  • Minnesinger. Deutsche Liederdichter des zwölften, dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts, aus allen bekannten Handschriften und früheren Drucken…, Bd. 1-4, Leipzig 1838.
  • Gesammtabenteuer. Hundert altdeutsche Erzählungen…, Bd. 1-3, Stuttgart/Tübingen 1850.
  • Heldenbuch. Altdeutsche Heldenlieder aus den Sagenkreisen Dietrichs von Bern und der Nibelungen, Bd. 1-2, Leipzig 1855.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Friedrich Heinrich von der Hagen – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bluhm, Lothar: ‘compilierende oberflächlichkeit’ gegen ‘gernrezensirende Vornehmheit’: Der Wissenschaftskrieg zwischen Friedrich Heinrich von der Hagen und den Brüdern Grimm. In: Romantik und Volksliteratur. Hrsg. von Lothar Bluhm und Achim Hölter. Heidelberg 1999, S. 49–70.