Friedrich Krupp AG

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Friedrich Krupp AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1903
Auflösung 1999
Auflösungsgrund Übernahme durch die Thyssen AG
Sitz Essen

Die Friedrich Krupp AG war ein deutsches Schwerindustrie-Unternehmen mit Sitz in Essen. Es entstand Anfang des 20. Jahrhunderts unter der Führung des Chemnitzers Gustav Hartmann aus dem Krupp’schen Familienunternehmen. Die offizielle Schreibweise, die sich auf Aktien, Briefbögen usw. fand, lautete Fried. Krupp AG. Durch den Erwerb der Mehrheit an der Hoesch AG bildete sich 1992 die Friedrich Krupp AG Hoesch-Krupp. Seit der Fusion mit der Thyssen AG im Jahr 1999 ist das Unternehmen Teil der ThyssenKrupp AG.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch Krupp Gussstahlfabrik und die Artikel zu den Personen.

Entwicklung des Familienunternehmens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krupp-Werke in Essen 1864
Zerspanende Werkstatt um 1900
Im Schützengraben schießen Soldaten durch vorbereitete Löcher in Krupp-Metallplatten (1915)

Die Vorgeschichte der Friedrich Krupp AG begann Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Herstellung von Gussstahl in der damaligen preußischen Rheinprovinz gelegenen Essen. Hier gründete Friedrich Krupp am 20. November 1811[1] zusammen mit den Brüdern Georg Karl Gottfried und Wilhelm Georg Ludwig von Kechel die Firma Friedrich Krupp zur Verfertigung des Englischen Gussstahls und aller daraus resultierenden Fabrikationen, aus der die Krupp Gussstahlfabrik entstand. Als es zu Problemen mit den beiden Teilhabern kam, erreichte Friedrich Krupp 1816 gerichtlich, zum Alleininhaber zu werden.

Nach Friedrich Krupps Tod 1826 führte zunächst seine Ehefrau Theresia Krupp das Unternehmen. Der gemeinsame Sohn Alfred Krupp begann etwa ab 1830 den weiteren Ausbau der Firma zum zeitweise größten Industrieunternehmen Europas.

Nach Alfred Krupps Tod 1887 übernahm dessen Sohn Friedrich Alfred Krupp. Er war verheiratet mit Margarethe Freiin von Ende, mit der er zwei Töchter hatte. Er verstarb 1902 ohne männlichen Erben. In seinem Testament verfügte er deswegen, dass das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden sollte. Die ältere Tochter Bertha erbte im Alter von 16 Jahren das Unternehmen durch Fideikommiss, das auch für die folgenden zwei Generationen verbindlich sein sollte. Ihre Mutter Margarethe vertrat die Erbin bis zur Volljährigkeit treuhänderisch.

Friedrich Alfred Krupps Testament wurde durch Ernst Theodor Haux und Gustav Hartmann vollstreckt. Die Aufgabe der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft entfiel hauptsächlich auf Gustav Hartmann, da zwischen den Familien Krupp und Hartmann eine jahrelange geschäftliche und familiäre Verbindung bestanden hatte. So hatte Gustav Hartmanns Tochter Elisabeth 1891 den Bruder von Margarethe Krupp geheiratet. Außerdem hatte Gustav Hartmann bereits 1870 die Umwandlung der Firma seines Vaters in eine Aktiengesellschaft miterlebt (Sächsische Maschinenfabrik vormals Richard Hartmann AG). Unter seiner Leitung wurden 1903 160.000 Aktien ausgestellt, die aber nie an der Börse gehandelt wurden: Die ältere Tochter Bertha bekam alle Aktien bis auf vier, die an andere Verwandte und Firmenangehörige gingen, und erbte somit das Unternehmen.

Nach ihrer Heirat 1906 mit Gustav von Bohlen und Halbach übernahm dieser den Vorsitz im Aufsichtsrat der Friedrich Krupp AG. In der Funktion als Vorsitzender des Direktoriums der Finanzwesen ab 1. Oktober 1909 bis 1918 führte jedoch Alfred Hugenberg den Rüstungskonzern durch den Ersten Weltkrieg. Hugenberg wurde später Hitlers erster Wirtschafts- und Landwirtschaftsminister im Kabinett 1933.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direktor und Leiter aller Werke war ab 1938 der Metallurg Friedrich Badenheuer (1902–1965).[2]

Während des Zweiten Weltkrieges beschäftigte Krupp Zwangsarbeiter. Aufgrund der stetigen Fluktuation ist eine Gesamtzahl nicht zu ermitteln, der höchste Personalstand an Kriegsgefangenen und ausländischen Zivil- bzw. Zwangsarbeitern zu einem Stichtag lag am 1. Januar 1943 bei ungefähr 25.000. Im Frühsommer 1944, forderte die Friedrich Krupp AG, nachdem keine Kriegsgefangenen und ausländischen Zivilarbeiter mehr zur Verfügung standen, die Zuteilung von 2000 männlichen KZ-Häftlingen zur Arbeit an. Dem wurde im Juni entsprochen, aber stattdessen wurden der Firma jüdische Frauen zugesagt, die man zuvor, meist aus Ungarn, in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert hatte. Von einer Krupp-Delegation aus Personalverwaltung und Betriebsführung wurden daraufhin 500 rund zwanzigjährige junge Frauen ausgewählt. Zusätzlich wählte man noch 20 sogenannte Funktionshäftlinge aus. Alle Frauen wurden im August in das KZ-Außenlager Humboldtstraße des KZ Buchenwald in Essen-Fulerum verbracht (offiziell: SS-Arbeitskommando Fried. Krupp, Essen). [3] Die Arbeitskräfte wurden in verschiedenen Krupp-Betrieben eingesetzt.

1942 übertrug Gustav von Bohlen und Halbach aus gesundheitlichen Gründen die Leitung der Firma an seinen Sohn Alfried Krupp von Bohlen und Halbach. Am 12. November 1943 erließ Adolf Hitler eigens ein Reichsgesetz, die sogenannte Lex Krupp, mit dem der Konzern von einer Aktiengesellschaft in ein Familienunternehmen mit besonders geregelter Nachfolge umgewandelt wurde. Mit diesem Gesetz wurde es der Firma (bzw. der Familie) Krupp ermöglicht, 400 Millionen Reichsmark an Erbschaftsteuer zu sparen.

1943 wurde ein Teil der kriegswichtigen Rüstungsproduktion der Krupp AG in die Räume der Maschinenfabrik Johannisberg in Geisenheim ausgelagert. Um den kriegsbedingten Arbeitermangel auszugleichen, wurde 1944 in Geisenheim ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof errichtet, in dem 200 Arbeiterinnen, überwiegend polnische Jüdinnen, untergebracht wurden. Am 18. März 1945 wurde das Lager geräumt, die Frauen in das Dachauer Außenlager Allach bei München verbracht.[4]

Die gelegentlich angeführte Zünderfabrik bei Auschwitz war zwar von der Firma Krupp geplant und auch schon zwei Millionen Reichsmark für den Bau bewilligt, aber ab 1943 produzierte die Firma Weichsel-Metall-Union Sils und Co. dort. Die Zünderpoduktion wurde stattdessen in Wüstegiersdorf im damaligen Schlesien mit 250 Häftlingsfrauen des KZ-Auschwitz, nach Auslagerung aus Essen, verwirklicht.[5] Im Dezember 1944 beschäftigte die Firma Krupp hier 224 Kriegsgefangene, 1029 ausländische Zwangsarbeiter, zudem 200 ungarische und kroatische weibliche KZ-Häftlinge.[6]

Luftaufnahme der zerstörten Krupp-Werke in Essen, 1945

Während des Zweiten Weltkriegs wurden weite Teile des Betriebsgeländes in Essen durch alliierte Luftangriffe auf das Ruhrgebiet zerstört. Zur Abwendung und Täuschung alliierter Luftangriffe betrieb die Luftwaffe auf dem Rottberg bei Velbert eine Nachtscheinanlage.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Kriegsende konnte Gustav Krupp von Bohlen und Halbach im Rahmen der Nürnberger Prozesse aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr abgeurteilt werden. Sein Sohn Alfried wurde 1948 im sogenannten Krupp-Prozess zu zwölf Jahren Haft verurteilt sowie zehn von elf mit ihm angeklagte Manager. Sie wurden allesamt mit einer Ausnahme im Zeitraum bis 1952 begnadigt.

Während der Haft des designierten Unternehmensnachfolgers Alfried Krupp von Bohlen und Halbach vertrat sein Bruder Berthold von Bohlen und Halbach zeitweilig die Familieninteressen, weil sein Vater Gustav nach mehreren Schlaganfällen bettlägerig krank war und seine Mutter Bertha ihm Generalvollmacht übertragen hatte. Bei Alfrieds vorzeitiger Haftentlassung im Februar 1951 holte ihn sein Bruder Berthold am Landsberger Gefängnistor ab.[7]

Der freigelassene Alleininhaber Alfried Krupp von Bohlen und Halbach wollte danach bei der Wahrnehmung seiner Gesamtinteressen einen Vertrauten an seiner Seite haben, der nicht zur Familie gehört. Daraufhin trat Berthold Beitz 1953 in das Unternehmen ein und wurde Generalbevollmächtigter des Konzernchefs. Nach dessen Tod 1967 ging der Krupp-Konzern 1968 vollständig in den Besitz der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung über. Berthold Beitz leitete die Gründung der Stiftung. Von 1970 bis 1989 war Beitz Vorsitzender des Aufsichtsrates bei Krupp, danach Ehrenvorsitzender.

Am 17. Juli 1974 beteiligte sich der Staat Iran unter Schah Mohammad Reza Pahlavi zu 25,04 Prozent an der Fried. Krupp Hüttenwerke AG.[8] Das Angebot deutscher Banken wurde abgelehnt, um eine damit verbundene Bedingung, Sitze im Aufsichtsrat an die Banken abzugeben, zu umgehen. Im Zuge der Islamischen Revolution erwirkte die US-amerikanische Citibank im Dezember 1979 beim Amtsgericht Essen einen Pfändungsbeschluss für die iranischen Anteile an der Fried. Krupp GmbH. Erst zuvor im November hatte die US-Bank Morgan Guaranty Trust Company Pfändungen veranlasst.

1983 übernahm die Krupp Stahl AG 45 Prozent der Anteile an dem Stahlunternehmen Wuppermann in Leverkusen.

Fusionen mit Hoesch und Thyssen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1986 berief Berthold Beitz Gerhard Cromme dazu, die Vorbereitungen zur Zusammenführung der Unternehmen der Industriedynastie Krupp unter der Firma ThyssenKrupp AG zu treffen.[9] 1992 fusionierte die Fried. Krupp AG nach einer feindlichen Übernahme vom 10. Oktober 1991 mit der Hoesch AG zur Fried. Krupp AG HoeschKrupp.[10] Die ThyssenKrupp AG entstand schließlich 1999 aus der Fusion der Thyssen AG mit Friedr. Krupp AG HoeschKrupp.

2004 wurden auf Druck der USA Beteiligungen durch die iranische Holding Ific an der mittlerweile fusionierten ThyssenKrupp AG von 7,8 auf 4,5 Prozent reduziert und zum vierfachen Preis des damaligen Marktwerts zurückgekauft. Der iranische Außenhandelsgesandte Mohammad-Mehdi Navab-Motlagh wurde nicht mehr zur Wiederwahl im Aufsichtsrat im Januar 2005 aufgestellt.

Filmprojektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dresdner Unternehmen Ernemann ging 1920 eine Interessengemeinschaft mit der F. Krupp AG ein. Die daraus entstandene „Krupp-Ernemann Kinoapparate AG“ beschäftigte sich mit der Herstellung und dem Verkauf von Filmprojektoren. Das bisher genutzte Ernemann-Warenzeichen, die Lichtgöttin, wurde durch ein dreiteiliges Malteserkreuzgetriebe auf den drei Krupp-Ringen ersetzt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Achim Dresler, Uwe Fiedler, Gert Richter, Jörn Richter (Red.): Mythos Hartmann. (Zum 200. Geburtstag des sächsischen Lokomotivenkönigs Richard Hartmann). Verlag Heimatland Sachsen, Chemnitz 2009, ISBN 978-3-910186-72-9.
  • Wolfgang Ibel, Lothar Petzold (Red.): 200 Jahre Krupp. Weltunternehmen mit Tradition. Eine Sonderveröffentlichung der ThyssenKrupp AG in Zusammenarbeit mit der WAZ Mediengruppe. ThyssenKrupp AG, Essen 2011, Digitalisat (PDF; 5,16 MB). Veröffentlicht am 20. November 2011, abgerufen am 15. Januar 2015.
  • Wilhelm Muehlon: Ein Fremder im eigenen Land. Erinnerungen und Tagebuchaufzeichnungen eines Krupp-Direktors 1908–1914. Herausgegeben und eingeleitet von Wolfgang Benz. Donat, Bremen 1989, ISBN 3-924444-44-7.
  • Frank Stenglein: Krupp. Höhen und Tiefen eines Industrieunternehmens. Überarbeitete und aktualisierte Neuauflage. Klartext Verlag, Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0518-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Krupp-Lastwagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Harold James: Krupp. Deutsche Legende und globales Unternehmen. Aus dem Englischen von Karl-Heinz Siber. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62414-8.
  2. Antek Schwarz: Stahl schreibt Geschichte. stahl und eisen 135 (2015) Nr. 10, S. 90.
  3. Ulrich Herbert: Von Auschwitz nach Essen. Die Geschichte des KZ-Außenlagers Humboldtstraße. In: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Red.): Sklavenarbeit im KZ (= Dachauer Hefte. H. 2 = dtv 4607). Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1993, ISBN 3-423-04607-4, S. 13–34.
  4. „Geisenheim, KZ-Außenkommando Geisenheim, Maschinenfabrik Johannisberg GmbH“. Topografie des Nationalsozialismus in Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 2. Dezember 2015)
  5. Harold James: Krupp. Deutsche Legende und globales Unternehmen. Aus dem Englischen von Karl-Heinz Siber. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62414-8, S. 225.
  6. Werner Abelshauser: Rüstungsschmiede der Nation? Der Kruppkonzern im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit 1933 bis 1951. In: Lothar Gall (Hrsg.): Krupp im 20. Jahrhundert. Die Geschichte des Unternehmens vom Ersten Weltkrieg bis zur Gründung der Stiftung. Siedler, Berlin 2002, ISBN 3-88680-742-8, S. 267–472, hier S. 424, 439.
  7. Frank Stenglein: Krupp. Höhen und Tiefen eines Industrieunternehmens. 2011, S. 199 mit Foto.
  8. Nina-Firouzeh Nowkam: Iran. Chronik des 20. Jahrhunderts. Books on Demand, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8334-7332-6, S. 246.
  9. Frank Stenglein: Krupp. Höhen und Tiefen eines Industrieunternehmens. 2011, S. 245 ff., 257.
  10. Heute vor 20 Jahren schluckte Krupp das Unternehmen Hoesch. In: Westfälische Rundschau, vom 10. Oktober 2011.