Friedrich Lengfeld

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Porträt von Friedrich Lengfeld. Aufgenommen an der Grabstelle (Friedhof Düren-Rölsdorf)

Friedrich Lengfeld (* 29. September 1921 in Grunwald, Kreis Glatz, Provinz Niederschlesien; † 12. November 1944 in Froitzheim) war ein Leutnant der Wehrmacht und Kompaniechef der 2. Kompanie des Füsilierbataillons der 275. Infanterie-Division. In der Allerseelenschlacht um die Ortschaft Schmidt kam er bei dem Versuch ums Leben, einen verwundeten amerikanischen Soldaten aus einem Minenfeld zu retten.

Militärische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über seine frühe militärische Laufbahn ist wenig bekannt. Die Inschrift seiner Erkennungsmarke (Nr. 1406 1. Geb.Jäg.Ers.Btl.98)[1] lässt darauf schließen, dass er dem Stab des Gebirgsjäger-Ersatz-Bataillon I./98 in Mittenwald angehörte, die Teil der 8. Gebirgs-Division war. Lengfeld wurde an verschiedenen Fronteinsätzen in Russland mehrfach verwundet und ausgezeichnet.[2] 1944 wurde Lengfeld der in Frankreich aufgestellten 275. Infanterie Division zugeteilt.

Schlacht im Hürtgenwald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schlachtenverlauf im Hürtgenwald (1944)

Friedrich Lengfeld war während der Kämpfe bei der Schlacht im Hürtgenwald Kompaniechef der 2. Kompanie der 275. Infanteriedivision. Diese war im November 1944 rund um das Minenfeld (interne Ortsbezeichnung: Wilde Sau) und Forsthaus Hürtgen eingesetzt.

Am Nachmittag des 2. November wurde von den deutschen Truppen eine Verteidigungslinie aufgebaut, die vom Minenfeld Wilde Sau bis auf die Westseite der Straße führte. Ein Maschinengewehrnest schützte die minenfreie Gasse, die heute zum Friedhof führt. Der Nachschubweg für die amerikanischen Truppen war die alte Zweifaller Straße, über die während der Kämpfe schwere Kettenfahrzeuge an die Front herangeführt werden konnten. Der von hier aus am 2. November 1944 gestartete Angriff auf Hürtgen wurde wenig später durch die Deutschen im Bereich des Minenfeldes Wilde Sau gestoppt. Das Minenfeld hielt den Vormarsch des amerikanischen 109th Infantry Regiment auf.

Am 3. November eroberte die 116. Panzer-Division „Windhunde“ die zerrissene Front zwischen Schmidt und Hürtgen zurück. Am 4. November begannen die Gegenangriffe der amerikanischen Streitkräfte. In der Gegend zwischen Vossenack und Schmidt tobten schwere Kämpfe, begleitet von Artillerieschlägen und Panzergefechten. Das US Army Air Corps beteiligte sich durch seine Luftüberlegenheit an den Bodenkämpfen, musste aber wegen des sehr schlechten Wetters die Luftunterstützung einstellen.

Nach schweren Verlusten des 109th Infantry Regiment, wurde der Frontabschnitt am 7. und 8. November vom 12. Infanterieregiment der 4. US-Infanteriedivision übernommen. Leutnant Lengfeld führte mit seinem Meldegänger, Hubert Gees, einen Spähtrupp zu einem amerikanischen Außenposten, der noch nicht wieder von der US-Army besetzt war. Gegen Mittag des 10. November eröffneten die deutschen Befehlshaber an der Spitze des Waldes und an der amerikanischen Frontlinie südwestlich von Hürtgen einen halbstündigen schweren Artilleriebeschuss. Dies war ein neuer Versuch, die Amerikaner mit allen verfügbaren Mitteln zurückzuwerfen.[3] Die Kompanie von Leutnant Lengfeld war von amerikanischen Truppen (12th US Infantry Regiment) belagert. In den Gefechten wechselte das strategisch wichtige Forsthaus mehrmals den Besitzer.[4] In der Nacht vom 12. November eroberten die amerikanischen Truppen kurzfristig das Forsthaus Hürtgen zurück, wurden aber in den Morgenstunden wieder von den Deutschen zurückgeschlagen.

Am Vormittag des 12. November 1944 vernahmen die deutschen Soldaten Hilferufe und Schmerzensschreie aus dem Minenfeld Wilde Sau. Es handelte sich um einen verwundeten amerikanischen Soldaten, der an der Böschungskante der östlichen Straße, mitten im Niemandsland zwischen der Frontlinie, um Hilfe rief. Leutnant Lengfeld gab den Befehl, auf keinen Fall auf eventuell anrückende amerikanische Sanitäter zu schießen, damit diese den verwundeten Soldaten bergen und versorgen können.

Da gegen 10:30 Uhr Ortszeit die Hilferufe des verwundeten Soldaten auch nach Stunden noch andauerten, befahl Leutnant Lengfeld den eigenen Sanitätern, einen Bergungstrupp zu bilden. Diesen Trupp führte er unter dem Schutzzeichen des Roten Kreuzes an den eigenen Panzerminen, deren Lage relativ gut zu erkennen war, vorbei. Als Lengfeld in Höhe des schwer verwundeten Amerikaners die Straßenseite wechselte, riss ihn eine Schützenmine zu Boden. Die Schrapnellwirkung der Anti-Personenmine fügte Lengfeld schwere innere Verletzungen zu.[5] Schnellstmöglich wurde er unter der Führung eines leicht verletzten Unteroffiziers zum Verbandplatz Lukas-Mühle und später zum Hauptverbandplatz in Froitzheim gebracht, wo sein Tod festgestellt wurde.[6] Friedrich Lengfeld ruht auf der Kriegsgräberstätte Düren-Rölsdorf (Endgrablage: Grab 38).

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Ehrenfriedhof Hürtgen steht zu seinen Ehren ein Denkmal, das die Veteranenvereinigung des 22. US-Infanterie-Regiment der 4. Infanteriedivision am 7. Oktober 1994[7] zu Ehren von Lengfeld errichten ließ. Dies und das Denkmal zu Ehren von Karl-Heinz Rosch in den Niederlanden sind die einzig bekannten Denkmäler für deutsche Wehrmachtsoldaten, welche von den damaligen Gegnern errichtet wurden.[8]

Inschrift des Gedenksteins[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein abgewandeltes Zitat aus dem Johannes-Evangelium: “No man hath greater love than he who layeth down his life for his enemy.” (deutsch: „Niemand hat größere Liebe, als wer sein Leben hingibt für seinen Feind“).

Führungsstil und Persönlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Führungsstil als Offizier wird als vorbildlich beschrieben. Besonders hervorzuheben ist seine Leistungsbereitschaft und von seinen Untergebenen nicht mehr zu fordern, als er selbst in der Lage war zu leisten. Gemäß dem taktischen Prinzip Führung von vorne führte er u. a. seine Soldaten persönlich an und setzte sich dazu an die Spitze einer Aufklärungspatrouille, als diese zu den amerikanischen Linien vorrückte.[9]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Identität und das Schicksal des verwundeten amerikanischen Soldaten im Minenfeld liegen keine gesicherten Informationen vor.[1][10] Der Augenzeuge und Meldegänger von Friedrich Lengfeld, Hubert Gees, gibt in seinem Augenzeugenbericht an, dass der verwundete G.I. möglicherweise transport- oder gehfähig gewesen war.

Dieser Ersteindruck entspricht jedoch nicht einer profunden medizinisch durchgeführten Triage.

Gees spekuliert in seinem Bericht, dass sich der verwundete US-Soldat aus eigener Kraft zu den amerikanischen Linien retten konnte, bevor die Umgebung am 13. November 1944 von der deutschen Wehrmacht zurückerobert wurde.[11]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lengfield: I died for the enemy Zeitschriften-Artikel von Argunners vom 3. Januar 2017 auf der Website des Magazin (Abgerufen am 10. Dezember 2017)
  2. Gedenken und Mahnen in Hürtgenwald von Robert Hellwig (Geschichtsverein) auf der Website der Nationalparkgemeinde Hürtgenwald http://www.huertgenwald.de/de/ (Abgerufen am 11. Dezember 2017)
  3. Schlacht im Hürtgenwald Erinnerungen von Hubert Gees (abgerufen am 10. Dezember 2017).
  4. Erinnerungen von Hubert Gees auf der Website von Stefan Willms: Hürtgenwald 1944–Heute (Abgerufen am 10. Dezember 2017)
  5. Biographie von Leutnant Lengfeld auf der Website von World of War Tours (Abgerufen am 10. Dezember 2017)
  6. 22nd Infantry Monument to a Fallen German Soldier Augenzeugenbericht von Hubert Gees der als Lengfelds Meldegänger diente. Auf der Website der Veteranenvereinigung der 1st Battalion 22nd Infantry (Abgerufen am 10. Dezember 2017)
  7. Friedrich Lengfeld Memorial auf der Website der American War Memorials Overseas, Inc. (Abgerufen am 10. Dezember 2017)
  8. Ein Dreiklang aus Stille, Licht und Finsternis Ein Zeitungsartikel von Andreas Kilb; veröffentlicht in der FAZ am 27. November 2008; (Abgerufen auf der Website der FAZ am 10. Dezember 2017)
  9. MEMORIES OF HUBERT GEES-Fusilier Battalion (Major Rider) - 275. Infanterie Division auf der Website The Battle of the Huertgen Forest (abgerufen am 18. Dezember 2019)
  10. The heroic German officer killed in a minefield trying to save an American auf der Website von War History Online (Abgerufen am 10. Dezember 2017)
  11. MEMORIES OF HUBERT GEES-Fusilier Battalion (Major Rider) - 275. Infanterie Division auf der Website The Battle of the Huertgen Forest (abgerufen am 18. Dezember 2019)
  12. Das Wunder vom Hürtgenwald, Die Welt, 23. Juni 2001 (abgerufen am 25. Juli 2017): „Schließlich spürte die noch heute im Dienst stehende 28. US-Infanteriedivision ihren Feind von damals auf. Sie ehrte ihn 1996 als Gast der Nationalgarde in einer Feierstunde“.