Friedrich Miescher

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Friedrich Miescher.
Gedenktafel an der Tübinger Arbeitsstätte

Friedrich Miescher (* 13. August 1844 in Basel; † 26. August 1895 in Davos) – vollständiger Name: Johannes Friedrich Miescher, teilweise auch Johann Friedrich Miescher-Rüsch (jun.) – war Mediziner und Professor für Physiologie an der Universität Basel. Er ist bekannt als Entdecker der Nukleinsäuren als saure Bestandteile des Zellkerns.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war Sohn des Physiologen und Pathologen Friedrich Miescher-His (1811–1887) und Neffe des Anatomen Wilhelm His (1831–1904). Miescher studierte in Göttingen und Basel Medizin mit dem Abschluss 1868. Danach ging er in das Labor von Felix Hoppe-Seyler der Universität Tübingen, das damals im Schloss Hohentübingen war (heute als Museum zu besichtigen). 1869 ging er an das Physiologische Institut der Universität Leipzig und 1870 ging er wieder an die Universität Basel, wo er sich 1871 habilitierte und 1872 ordentlicher Professor für Physiologische Chemie wurde.

1869 entdeckte Miescher bei Hoppe-Seyler in Tübingen die Nukleinsäure in einem Extrakt aus Eiterzellen (weißen Blutkörperchen) und nannte sie „Nuclein“ – abgeleitet von lateinisch nucleus, Kern. Er untersuchte dessen Eigenschaften, fand, dass es nur im Zellkern vorkommt und außer in den Eiterzellen in den Zellkernen vieler anderer Zellen ebenfalls vorkommt. Außerdem entdeckte er dass Phosphor darin enthalten war. Genauere Analysen der Substanz, insbesondere bezüglich der Trennung der darin enthaltenen Nukleinsäuren und Proteine, führte er erst später aus. Hoppe-Seyler verzögerte die Veröffentlichung, da er die Ergebnisse erst überprüfen wollte und Mieschers Veröffentlichung erschien so erst 1871[1]

In Basel befasste er sich auf Einfluß seines Onkels Wilhelm His hin zur weiteren Untersuchung von Nuklein mit dem Sperma von Lachs (deren Zellkern besonders reich an Nukleinsäuren sind). Hier trennte er die Proteine im Nuklein von der eigentlichen Substanz ab, die er als Nukleinsäure charakterisierte und deren Säurecharakter er im Phosphor-haltigen Anteil ausmachte. In der Frage, wozu das Nuclein diente, schwankte er. 1874 glaubte er an eine Rolle bei der Befruchtung, lehnte aber später ähnliche Vermutungen von Richard von Hertwig ab.[2] Den Namen Nukleinsäuren führte erst Richard Altmann 1899 ein. Die Unterscheidung von DNA und RNA und die Aufklärung ihrer Rolle bei der Vererbung geschah erst viel später im 20. Jahrhundert.

Außerdem demonstrierte er, dass die Regulation der Atmung von der CO2-Konzentration im Blut abhängt. Er befasste sich auch mit der Lebensweise und Physiologie von Lachsen und zum Teil im Auftrag öffentlicher Auftraggeber mit Ernährungsfragen.

Im Jahr 1884 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt. Er war Mitglied der Zofingia und in den Jahren 1863–64 deren Centralpräsident.

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1969 wurde das nach ihm benannte Friedrich-Miescher-Laboratorium für biologische Arbeitsgruppen der Max-Planck-Gesellschaft in Tübingen von der Max-Planck-Gesellschaft gegründet, an dem unabhängige Nachwuchsforscher biologische Grundlagenforschung betreiben.

In Erinnerung an Friedrich Miescher wurde 1969 vom Basler Friedrich-Miescher-Institut der Friedrich-Miescher-Preis ins Leben gerufen. Der Preis ist die höchste nationale Auszeichnung der Schweiz für bedeutende Forschungen im Bereich der Biochemie.

1970 wurde in Basel von den Firmen Ciba und Geigy (heute fusioniert zu Novartis) das Friedrich-Miescher-Institut (FMI) gegründet, welches biomedizinische Grundlagenforschung betreibt.

2015 wurde in den Räumlichkeiten der ehemaligen Schlossküche vom Museum der Universität Tübingen MUT der Museumsraum Schlosslabor Tübingen. Wiege der Biochemie eingerichtet. Er thematisiert vor allem die Entdeckung der Nukleinsäure an diesem Ort durch Friedrich Miescher.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ralf Dahm: Der vergessene Entdecker der DNA. Spektrum der Wissenschaft, Heft Juli 2010, Seiten 50–57.
  • Ralf Dahm: Discovering DNA. Friedrich Miescher and the early years of nucleic acid research, Hum. Genet., Band 122, 2008, S. 565-581
  • Ralf Dahm: Friedrich Miescher and the discovery of DNA, Dev. Biol., Band 258, 2005, S. 274-288
  • 100-Jahr-Feier der Entdeckung der Nukleinsäure : Basel, 21/22.2.1969, Basel [u.a.] : Schwabe, 1970
  • Friedrich Miescher: 1844–1895; Vorträge gehalten anläßlich der Feier zum 100. Geburtstag von Prof. Friedrich Miescher in der Aula der Universität Basel am 15. Juni 1944, Basel : Schwabe, 1944,
  • Miescher, Johann Friedrich: Die histochemischen und physiologischen Arbeiten, Band 1 und 2, gesammelt u. hrsg. von seinen Freunden, Leipzig : Vogel, 1897
  • F. H. Portugal, J. S. Cohen: A century of DNA, MIT Press 1977

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Miescher, Über die chemische Zusammensetzung der Eiterzellen, Med.-Chem. Untersuchungen, Band 4, 1871, S. 441-460
  2. Winfried Pötsch u.a., Lexikon bedeutender Chemiker, Harri Deutsch 1989, S. 303, Artikel Miescher