Friedrich Reusch

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Friedrich Reusch und Wilhelm I.

Johann Friedrich Reusch (* 5. September 1843 in Siegen; † 15. Oktober 1906 in Agrigent) war ein deutscher Bildhauer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reusch, geboren in der Siegener Poststraße, war Sohn eines einer alteingesessenen bis ins Jahr 1658 in Siegen nachweisbaren Handwerkerfamilie angehörigen Schreinermeisters und erlernte in der Werkstatt seines Vaters zunächst das Schreinerhandwerk. Nachdem August Kiß durch Reuschs Schnitzarbeiten auf sein künstlerisches Talent aufmerksam geworden war und zum Studium riet, ging er 1863 nach Berlin. Dort war er bis 1867 Student der Kunstakademie und arbeitete von 1866 bis 1872 im Atelier von Albert Wolff an einem Denkmal Friedrich Wilhelms III. und an Wolffs Relief für die Berliner Siegessäule. 1872 erhielt er den Preis der Michael-Beer-Stiftung. Auf dem guten Abschlussergebnis seines Studiums basierend, wurde Reusch ein Stipendium für einen mehrjährigen Italien-Aufenthalt gewährt. Von 1872 bis 1874 lebte er in Rom.

Im Anschluss daran eröffnete er in Berlin ein Bildhaueratelier. Ab 1881 lehrte er als Professor in Königsberg i. Pr., zuletzt als Direktor der Kunstakademie Königsberg. Die Philosophische Fakultät der Albertus-Universität verlieh ihm die Ehrendoktorwürde. 1904 zwang ihn ein im Jahre 1900 seinen Anfang nehmendes Herzleiden zur Aufgabe seiner Lehrtätigkeit. Dass er mit zahlreichen Werken das Nationalgefühl der Deutschen ansprach, begünstigte sicherlich seinen Erfolg im Kaiserreich. 1906 verstarb Friedrich Reusch, der nicht verheiratet war, dessen Haushälterin Rosa ihn aber zeitlebens begleitete, während einer Erholungsreise auf Sizilien. Begraben wurde er auf dem Lindenbergfriedhof seiner Heimatstadt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Bildhauerei

Nach seiner Rückkehr aus Italien im Jahre 1874 wurde er durch die von ihm entworfenen Großplastiken bekannt, unter anderem durch:

  • ein Kriegerdenkmal in Siegen (1877)
  • die Marmorgruppe des Marktverkehrs auf der Belle-Alliance-Brücke (heute Hallesche-Tor-Brücke) in Berlin-Kreuzberg (verschollen) (1879)
  • die lebensgroße Gruppe: Psyche den Cerberus besänftigend
  • Amor mit dem Helm des Mars (Marmor)
  • Triumph des Amor über Herkules (Marmor)
  • Tritonenknabe auf einem Delphin
  • der Dämon des Dampfes (1880) und einige Büsten

Ein glücklicher Wurf war der 1880 modellierte, eigenartig erfundene Dämon des Dampfes, der später in Bronze gegossen und im Lichthof der Technischen Hochschule Charlottenburg aufgestellt wurde.

Königsberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Herzog-Albrecht-Denkmal

1881 wurde er als Lehrer an die Kunstakademie Königsberg berufen. Außer zahlreichen Büsten und dekorativen Figuren für öffentliche Gebäude schuf er in Königsberg die Denkmäler für den Astronomen Friedrich Wilhelm Bessel und den Ophthalmologen Julius Jacobson. Das kolossale Standbild Wilhelms I. im Krönungsornat vor dem Schlosse (1894) und ein Standbild Otto von Bismarcks (1901) waren weitere Königsberger Werke von Reusch.

Westfalen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Reiterdenkmäler Kaiser Wilhelms I. in Siegen (1892), Münster (1897) und Duisburg (1898) stammen von ihm. Von seinen Genrebildwerken sind eine den Cerberus besänftigende Psyche, ein Amor mit dem Helme des Mars, der Triumph Amors über Herkules und Tritonenknabe auf einem Delphin hervorzuheben.

Zwei überlebensgroße Standbilder haben nach mehreren Standortwechseln in den letzten hundert Jahren seit 2015 ihren Platz auf der Oberstadtbrücke in Siegen. Die bronzenen Figuren, genannt Henner und Frieder, stellen einen Bergmann und einen Hüttenmann dar und sind Symbole des Erzbergbaus und der Verhüttung des Erzes im Siegerland. Geschaffen wurden die beiden Figuren von Friedrich Reusch anlässlich einer Industrieausstellung im Jahre 1902 in Düsseldorf.

Das Germania-Denkmal in der Fissmeranlage in Siegens Oberstadt, neben der Nikolaikirche ist etwa 2,5 Meter hoch, den Sockel nicht mitgerechnet. Die Entstehung geht auf eine Initiative von Julius Debel im Sommer 1873 zurück. Das aus Stein geformte Denkmal wurde in Berlin bei Friedrich Reusch in Auftrag gegeben, gebaut hat es Fr. Spies. Von Berlin wurde es aber erst nach Siegen geschafft, nachdem der Magistrat und die Stadtverordneten von Siegen einen Zuschuss von 6000 Mark spendeten. Aufgestellt und eingeweiht wurde die Victoria am 6. August 1877. Das Kapital für das Denkmal wurde durch Verlosungen, Kollekten, Spenden und Konzerte aufgebracht.

Das 1892 in Siegen eingeweihte Kaiser-Wilhelm-Denkmal brachte Friedrich Reusch viel Lob und Anerkennung. Bis gegen Ende des Zweiten Weltkrieges hat es an seinem Platz auf dem Marktplatz gestanden, dann ist es „verschwunden“. Es wurde, wie auch das Standbild von Bismarck, eingeschmolzen.

Im Siegerlandmuseum befinden sich zudem eine ihn selbst porträtierende Marmorbüste sowie die Büsten seiner Eltern. Ferner ist auf der Rückseite des Unteren Schlosses am Eingang der neuen Universitätsbibliothek die bis 2016 nahe der Martinikirche positionierte von ihm erschaffene Büste Adolph Diesterwegs zu sehen, die ursprünglich am 29. Oktober 1890 auf der Siegener Poststraße enthüllt wurde, wenngleich andere Quellen diese dem Bruder Friedrich Reuschs, Eduard Reusch, zuordnen.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen H. Schawacht, Rainer S. Elkar (Hg.): Siegen 1896. Fotos Siegerlandmuseum. Verlag Vorländer, Siegen 1996, ISBN 3-923483-21-X, Seite 20–31.
  • Müller, Adolf (Hg.): Auf sieben Hügeln. Fotos Siegerlandmuseum. Verlag Vorländer, Siegen 1986, Seite 171–174 (Unser Krönchen. Band 3).
  • Herbert Meinhard Mühlpfordt: Der Siegner Bildhauer Johann Friedrich Reusch. Leben und Werk. Zum 75. Todestag am 15. Oktober 1981. J.-G.-Herder-Bibliothek Siegerland, Siegen 1981.
  • Siegerländer Symbolfiguren. Siegener Zeitung vom 9. Juli 2011, S. 43.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedrich Reusch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Denkmäler in Siegen“ (PDF-Datei; 470 KB)