Friedrich Theodor von Frerichs

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Friedrich Theodor Frerichs 1859
Grabstätte, Großgörschenstraße 12, in Berlin-Schöneberg

Friedrich Theodor Frerichs, seit 1884 von Frerichs (* 24. März 1819 in Aurich; † 14. März 1885 in Berlin) war ein deutscher Internist und Pathologe. Er gilt als Begründer der experimentellen Klinischen Medizin.[1]

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Theodor Frerichs war Sohn des Gastwirts Frerich Jürgens Frerichs und Theda Frerichs (geb. Rhoden)[2]. Frerichs studierte Medizin an der Universität Göttingen von 1838 bis 1841, wie auch zuvor schon sein Bruder Jürgen (1834-1837). Nach seiner Promotion (20. Februar 1841) arbeitete er vier Jahre als Augenoptiker mit eigener Praxis in Aurich, kehrte aber 1846 nach Göttingen zurück, wo er sich habilitierte und mit physiologisch-chemischen Untersuchungen befasste. Während des deutsch-dänischen Krieges 1848 hatte Frerichs als Militärarzt die Leitung der Lazarette in Rendsburg inne. 1850 folgte er einem Ruf an die Universität Kiel, 1852 an die Universität Breslau und schließlich 1859 als Nachfolger von Johann Lukas Schönlein an die Charité in Berlin, wo er Direktor der Ersten Medizinischen Klinik wurde. Paul Ehrlich war dort von 1878 bis 1885 sein Assistent.[3][4] Im Jahr 1853 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.[5] Parallel dazu betrieb er später in seinem Wohnhaus eine Praxis.[6] 1882 gründete er als erster Vorsitzender die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. und eröffnete den ersten Internistenkongress in Wiesbaden. Er war von 1882 bis 1884 der 1. Vorsitzende. Seit 1862 war er gewähltes Mitglied der American Philosophical Society.[7]

Schwerpunkte in Frerichs Forschungstätigkeit waren Stoffwechselvorgänge der Leber und Nieren, entsprechende Erkrankungen und deren Diagnostik. Bernhard Naunyn, einer seiner Schüler, beschrieb ihn als selbstbewusst und unerschütterlich. Frerichs starb nach einigen Angaben an einem Schlaganfall, nach Angabe seines Assistenten Krönig an einer Überdosis Opium.[8] Er wurde auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof beigesetzt.[9]

Nach ihm ist der von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin verliehene Theodor-Frerichs-Preis benannt. Kardiologische Stationen in den Medizinischen Abteilungen der Universitätskliniken Heidelberg (Ludolf-Krehl-Klinik) und Freiburg[10] tragen seinen Namen.

In seinem Wohnhaus befindet sich heute die Schweizerische Botschaft in Berlin. Er hatte es in den Jahren 1869 bis 1870 für sich und seine Familie bauen lassen.[11]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dostojewski beschrieb in Briefen an seine Frau den Besuch bei Frerichs:

„Der Fürst und einer seiner Bekannten … haben mich sehr beirrt: sie meinen, ich solle lieber nach Soden fahren und nicht nach Ems, denn Ems sei ein tiefes Tal in einer Schlucht, sehr feucht und regnerisch. Für mich aber ist feuchtes Wetter schädlicher als alles andere. Sie suchten mich zu überzeugen, in Berlin zu einem berühmten Doktor Frerichs zu gehen und ihn um seine Meinung zu bitten“[12]

„Am nächsten Morgen war ich bei … Frerichs. Diese Leuchte der deutschen Wissenschaft wohnt in einem Palast (buchstäblich). Als ich auf meinen Aufruf wartete, fragte ich einen anderen Patienten, wieviel man Frerichs zahle und er antwortete mir, dies sei nicht festgelegt, aber er selbst werde 5 Taler geben. Ich beschloß, ihm drei zu geben. Mit jedem Patienten befaßt er sich drei, allenfalls fünf Minuten. Mich behielt er nicht länger als zwei Minuten da, berührte lediglich mit dem Stethoskop meine Brust. Danach sprach er nur ein einziges Wort: ‚Ems‘, setzte sich schweigend hin und schrieb zwei Zeilen auf einen Fetzen Papier. ‚Hier haben Sie die Adresse eines Arztes in Ems, sagen Sie, daß Sie von Frerichs kommen.‘ Ich legte drei Taler hin und ging. Der Weg hatte sich gelohnt.“[13]

Büste Frerichs (DGIM-Bestand)

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • De polyporum structura penitiori. Göttingen 1843.
  • Untersuchungen über Galle in physiologischer und pathologischer Beziehung. Göttingen 1845.
  • Commentatio de natura miasmalis palustris. Habilitation, Göttingen 1845.
  • Über Gallert- und Colloidgeschwülste. 1847.
  • Über das Mass des Stoffwechsels, sowie über die Verwendung der Stickstoffhaltigen und stickstofffreien Nahrungsstoffe. In: Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, Leipzig 1849.
  • Ueber Hirnsklerose. In: Archiv für die gesammte Medicin, Jena, Bd. 10, 1849, S. 334–350.
  • Die Bright’sche Nierenkrankheit und deren Behandlung. Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig 1851.
  • Klinik der Leberkrankheiten. 2 Bände, Braunschweig 1858 und 1861.
  • Ueber den Diabetes. Berlin 1884.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Anton Ewald: Frerichs, Friedrich Theodor von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 21, Duncker & Humblot, Leipzig 1885, S. 782–790.
  • Wilhelm Rothert: Allgemeine Hannoversche Biografie Band 1: Hannoversche Männer und Frauen seit 1866, Sponholtz, Hannover 1912, S. 126–128
  • Manfred StürzbecherFrerichs, Friedrich Theodor von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 404 (Digitalisat).
  • Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker, S. 437, Digitalisat
  • Wilhelm Haberling, Franz Hübotter, Hermann Vierordt: Biographisches Lexikon der herausragenden Ärzte aller Zeiten und Völker. Berlin-Wien 1929-1934. 6 Bände.
  • Peter Schneck: Frerichs, Theodor von. In: Werner E. Gerabek u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 437 f.
  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der briefadeligen Häuser, 1908, Zweiter Jahrgang, S.309
  • Hildegard Kurz: Friedrich Theodor Frerichs. Sein Leben und seine Werke. 1819-1885. G.H. Nolte Verlag, Düsseldorf 1938.
  • Ernst Leyden, von: 1. Nachruf: Friedrich Theodor Frerichs. Z. klin. Med. IX. 1885 2. H. 2. Zum Tode Friedrich Theodor Frerichs. Dtsch. med. Wschr. Berlin (1885) S. 117 ff.
  • Moritz Litten: Zum Tode Friedrich Theodor Frerichs. Wien. med. Wschr. 35. Jg. Nr. 15, 1885 S. 465 ff.
  • Bernhard Naunyn: Erinnerungen, Gedanken und Meinungen. München 1925.
  • Hermann Vierordt: Todesursachen im ärztlichen Stande. Stuttgart 1926.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedrich Theodor von Frerichs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Axel C. Hüntelmann: Paul Ehrlich: Leben, Forschung, Ökonomien, Netzwerke. Wallstein, Göttingen 2011, ISBN 978-3-8353-0867-1, S. 45.
  2. Blaubuch der Burschenschaft Frisia zu Göttingen. In: Burschenschaft Frisia Gottingensis (Hrsg.): vom 1. Juli 1811 bis zur Gegenwart mit Berücksichtigung der Vorperiode seit 1807. Göttingen 10. Mai 1931.
  3. Axel C. Hüntelmann: Paul Ehrlich: Leben, Forschung, Ökonomien, Netzwerke, Göttingen: Wallstein, 2011, ISBN 978-3-8353-0867-1, S. 45.
  4. Wolfgang U. Eckart: Illustrierte Geschichte der Medizin, Springer Verlag Heidelberg, Berlin, New York 2011, zu Friedrich Theodor von Frerichs und Paul Ehrlich S. 127, Illustrierte Geschichte der Medizin 2011 Online Ressource
  5. Mitgliedseintrag von Friedrich Theodor von Frerichs bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 5. März 2017.
  6. Ärzte Zeitung: Schweizer Botschaft: Auf den Spuren von Theodor Frerichs. Abgerufen am 4. September 2017.
  7. Member History: Friedrich T. von Frerichs. American Philosophical Society, abgerufen am 12. August 2018 (Namensschreibweise nicht korrekt).
  8. Axel C. Hüntelmann: Paul Ehrlich: Leben, Forschung, Ökonomien, Netzwerke, Göttingen: Wallstein, 2011, ISBN 978-3-8353-0867-1, S. 71.
  9. Der Alte St._Matthäus-Kirchhof_Aktu. Abgerufen am 4. September 2017.
  10. Station | Universitätsklinikum Freiburg. Abgerufen am 4. September 2017.
  11. Ärzte Zeitung: Schweizer Botschaft: Auf den Spuren von Theodor Frerichs. Abgerufen am 4. September 2017.
  12. Brief # 534 v. 6. Juni 1874 in: Fjodor Dostojewski, Anna Dostojewskaja: Briefwechsel 1866–1880. Ruetten & Loening, Berlin 1982
  13. Brief # 535 v. 13./25. Juni 1874 in: Fjodor Dostojewski, Anna Dostojewskaja: Briefwechsel 1866–1880. Ruetten & Loening, Berlin 1982