Friedrich Vordemberge-Gildewart

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Friedrich Vordemberge-Gildewart

Friedrich Vordemberge-Gildewart (* 17. November 1899 in Osnabrück; † 19. Dezember 1962 in Ulm) war ein deutscher Grafiker, Maler und Bildhauer. Das künstlerische Werk von Vordemberge-Gildewart ist durch Vielfältigkeit geprägt. Er schuf nicht nur Gemälde, sondern auch Reliefs, Collagen und Fotomontagen. Darüber hinaus war er als Typograf, Theater- und Bühnenmaler, Möbeldesigner und Innenarchitekt tätig. Sein Nachlass, bestehend aus Kunstwerken, schriftlichen und fotografischen Dokumenten sowie der Bibliothek des Künstlers befindet sich seit 1997 im Museum Wiesbaden.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seinen Geburtsnamen Vordemberge erweiterte er zu Vordemberge-Gildewart, um sich von seinem gleichnamigen, zwei Jahre älteren Cousin Friedrich Vordemberge abzuheben. Gildewart war der Name der Osnabrücker Altstadtgasse, in der er aufwuchs. Friedrich Vordemberge-Gildewart begann seine berufliche Tätigkeit mit einer Tischlerlehre in der Holzbearbeitung Julius Schütze.

Firmenfoto aus der Zeit der Tischlerlehre von Friedrich Vordemberge-Gildewart

Seit dem Jahr 1919 studierte er an der Technischen Hochschule in Hannover Architektur, Plastik und Malerei. In Hannover arbeitete Vordemberge-Gildewart an der avantgardistischen Zeitschrift «Der Sturm» mit.

In den Jahren 1919 bis 1922 begann Vordemberge-Gildewart sein künstlerisches Schaffen mit abstrakten Reliefs und Collagen und seit 1923 mit der Malerei. In Hannover kam es zu Begegnungen und zum Austausch mit den Künstlern Kurt Schwitters, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und Hans Arp. Im Jahr 1924 gründete Vordemberge-Gildewart zusammen mit Hans Nitzschke die Künstlergruppe: «Gruppe K». Ebenfalls im Jahr 1924 traf er Theo van Doesburg in Hannover. Dieser bot ihm die Mitgliedschaft in der Gruppe De Stijl an, welche er annahm.

Im Jahr 1927 gründete Friedrich Vordemberge-Gildewart die «abstrakten hannover», zusammen mit Kurt Schwitters, Hans Nitzschke, Carl Buchheister und Rudolf Jahns. Die «abstrakten hannover» waren eine Ortsgruppe der Internationalen Vereinigung der Expressionisten, Futuristen, Kubisten und Konstruktivisten. 1932 wurde Vordemberge-Gildewart Mitglied der Künstlergruppe Abstraction-Création. Die Künstlergruppe war von Naum Gabo, Antoine Pevsner, Auguste Herbin, Theo van Doesburg und Georges Vantongerloo in Paris gegründet worden.

Im Jahr 1936 zog er nach Berlin. Seine Kunst galt unter dem nationalsozialistischen Regime als "entartet". Er entschloss sich daher, zu emigrieren und ging im Jahr 1937 erst in die Schweiz und dann nach Amsterdam ins Exil, wo er auch Kontakt zu Max Beckmann und weiteren Emigranten aufnahm[1]. In Amsterdam lebte und arbeitete er bis 1954. Bis zum Kriegsausbruch im Jahr 1939 beteiligte sich Friedrich Vordemberge-Gildewart an einigen bedeutenden internationalen Ausstellungen in New York, Paris und London. Im Jahr 1954 erfolgte seine Berufung an die Hochschule für Gestaltung Ulm. Friedrich Vordemberge-Gildewart war dort bis zu seinem Tod am 19. Dezember 1962 als Leiter der Abteilung für visuelle Kommunikation tätig.

Vordemberge-Gildewart war Teilnehmer der documenta 1 (1955) und der documenta II (1959) in Kassel. Er wurde in seiner Heimatstadt Osnabrück bestattet. Sie ehrte ihn mit der Verleihung der Justus-Möser-Medaille.

Werke in öffentlichen Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vordemberge-Gildewart Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Erfüllung des testamentarischen Willens der Stifterin Ilse Leda, der Ehefrau von Friedrich Vordemberge-Gildewart, vergibt die in Rapperswil im Kanton St. Gallen (Schweiz) ansässige Stiftung seit 1983 Förderpreise und Stipendien für junge Künstler. Das Stipendium gehört zu den am höchsten dotierten Auszeichnungen für junge Kunst in Europa. Preisträger waren bisher unter anderen Yves Netzhammer, James Aldridge, Volker Lang und Ricarda Roggan. Die Jury tagt jährlich an einem anderen Ort, um die Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern der jeweiligen Region zu begutachten und unter ihnen einen oder mehrere Preisträger und Stipendiaten auszuwählen [2].

Nachlass im Museum Wiesbaden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dank der Vordemberge-Gildewart Stiftung in Rapperswil befindet sich der Nachlass des Künstlers seit 1997 im Museum Wiesbaden.

Vordemberge-Gildewart-Initiative (Osnabrück)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2005 haben sich Osnabrücker Bürger zur Vordemberge-Gildewart-Initiative zusammengeschlossen. Darüber hinaus hat der Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück die Schirmherrschaft übernommen. Aufgebaut wird seitdem ein Netzwerk, um im Verbund - mit den städtischen Kultur- und Bildungseinrichtungen, der Universität Osnabrück, der Bürgerstiftung Osnabrück und überregionalen Institutionen und Experten - Ausstellungen, Performances, Vortragsreihen und Projekte anzustoßen. Von Dezember 2012 bis Ende 2013 wird in Osnabrück ein VG-Jahr durchgeführt anlässlich des 50. Todestages im Dezember 2012. Es werden Ausstellungen, ein Filmprogramm und verschiedenste Vermittelungprogramm angeboten. Außerdem ist auf Wunsch der Initiative in Zusammenarbeit mit der Stadt Osnabrück ein Filmprojekt von und mit Osnabrücker Jugendlichen über Vordemberges Leben zustande gekommen.

Galerie Vordemberge-Gildewart (Osnabrück)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Geburtshaus von Friedrich Vordemberge-Gildewart in der Großen Gildewart 27 in Osnabrück ist die Galerie Vordemberge-Gildewart (VG-Galerie) beheimatet. Die VG-Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Osnabrücker Hintergrund dieses international renommierten Künstlers stärker ins Bewusstsein der Stadt und ihrer Besucher zu heben. Dieses geschieht nicht durch die Ausstellung der Werke selbst (die z.Zt. im Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück hängen), als vielmehr zwei Mal im Jahr durch Darstellung von Werkaspekten, Lebensumständen, Zeitzeugen und Dokumenten; insbesondere aber auch durch die Präsentation von Persönlichkeiten und Künstlern, die sich dem Werk und dem Nachleben der Kunst Vordemberge-Gildewarts verpflichtet fühlen. Ausgestellt haben in der Vordemberge-Gildewart-Galerie Dietrich Helms, Jürgen Paas, Norbert Thomas, Jo Niemeyer, Uli Pohl und viele weitere.

Quellen und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Erlhoff, Dietrich Helms: Typographie kann unter Umständen Kunst sein. Friedrich Vordemberge-Gildewart. Typographie und Werbegestaltung. Wiesbaden 1990.
  • Eugen Gomringer (Hrsg.): Friedrich Vordemberge-Gildewart. 10 Reproduktionen (serigrafiert) nach Werken aus verschiedenen Epochen seines Schaffens. Stuttgart 1970.
  • Eugen Gomringer u. a.: Friedrich Vordemberge-Gildewart. Zum 100. Geburtstag. Ulm 1999.
  • Dietrich Helms: Vordemberge-Gildewart. The Complete Works. München 1990.
  • Dietrich Helms: Friedrich Vordemberge-Gildewart. Briefwechsel. Wiesbaden 1997.
  • Dietrich Helms: Friedrich Vordemberge-Gildewart. Utopie. Die Amsterdamer Jahre. Wiesbaden 2004.
  • Dietrich Helms u. a.: Vordemberge-Gildewart. Gästebücher 1925-1962. Wiesbaden 2006.
  • Inge Jaehner, Mechthild Kunert u. a.: Friedrich Vordemberge-Gildewart zum 100. Geburtstag. Osnabrück 1999.
  • H. L. C. Jaffe: Vordemberge-Gildewart. Mensch und Werk. Köln 1971.
  • H. L. C. Jaffe, Gerhard Weber: Vordemberge-Gildewart. Remembered. London 1974.
  • Mechthild Kunert, Heribert Schulz: Hommage à Vordemberge-Gildewart. Osnabrück 1999.
  • Richard Paul Lohse (Hrsg.): Vordemberge-Gildewart. Eine Bild-Biographie. Dokumente - Fotografien - Zeichnungen - Bilder. Teufen 1959.
  • Judith Meyering: Gestaltung. Vordemberge-Gildewarts universales Prinzip freier und angewandter Kunst. Dissertation, Osnabrück 2004.
  • Volker Rattemeyer, Dietrich Helms u. a.: Friedrich Vordemberge-Gildewart. Baugestaltung. Möbel - Bauplastik - Architektur. Wiesbaden 1993.
  • Volker Rattemeyer u. a.: Friedrich Vordemberge-Gildewart. Retrospektive. Wiesbaden 1996.
  • Jost Schäfer: Friedrich Vordemberge-Gildewart. Studien zu einer beschreibenden Werkanalyse. Frankfurt am Main 1984.
  • Roman Zieglgänsberger, Vera Klewitz: „Nichts – und alles“. Friedrich Vordemberge-Gildewart. Ausstellungskatalog, Museum Wiesbaden, Bielefeld 2013.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gruppenbild Les Artistes mit Gemüse, Max Beckmann (1943)
  2. Hessischer Rundfunk hr-online.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]