Friedrich Wendel

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Journalisten Friedrich Wendel. Zu anderen Personen siehe Fritz Wendel.

Friedrich Wendel (* 12. Mai 1886 in Köslin; † 8. März 1960 in Kiel) war ein sozialdemokratischer Journalist, Autor und Leiter der Buchgemeinschaft Der Bücherkreis.

Berliner Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bucheinband: Das Schellengeläut. Berlin 1927.

Friedrich Wendel, Sohn eines Tischlermeisters, absolvierte eine Lehre als Buchdrucker. 1907 trat er der SPD bei. Im Ersten Weltkrieg war er Soldat. Nach dem Kriegsende war Wendel in Berlin zunächst Mitglied der KPD, betrieb jedoch gemeinsam mit Karl Schröder eine oppositionelle Parteipolitik, die im April 1920 zur Abspaltung der KAPD führte.[1] Wendel gehörte – gemeinsam mit Arthur Goldstein – dem ersten Exekutivkomitee der KAPD an.

Von 1924 bis 1928 leitete Wendel die sozialdemokratische Buchgemeinschaft Der Bücherkreis. Von 1923 bis 1927 arbeitete er auch als Redakteur beim Satireblatt Lachen links, das erstmals am 11. Januar 1923 und ersatzweise für die eingestellte Zeitschrift Der Wahre Jacob erschien. In dieser Zeit gab es eine Zusammenarbeit mit dem Grafiker Karl Schulpig, von dem das Startplakat für das Satireblatt sowie das Logo des Bücherkreises stammen. Ab 1927 bis zum Verbot infolge der Machtübernahme am 25. Februar 1933 übernahm Friedrich Wendel die Chefredaktion dieser Zeitschrift.[2]

Wendel zählte zu den Autoren des Berliner Verlages J.H.W. Dietz Nachf. Sein Spezialgebiet war die politische Karikatur: Als Autor des Buches Das 19. Jahrhundert in der Karikatur startete 1925 das Programm des neugegründeten Bücherkreises. Eine zweite Sammlung kulturkritischer Karikaturen erschien 1927 unter dem Titel Das Schellengeläut, ebenfalls im Bücherkreis. Den Einbandentwurf besorgte Arthur Wellmann. Nach der Machtübernahme arbeitet Friedrich Wendel von 1933 bis 1945 in Berlin als Fotograf und Versicherungsvertreter.

Kieler Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Kapitulation floh er nach Kiel, wo er zu den Wiederbegründern der SPD-Organisation zählte. Bereits im Mai 1945 traf er sich mit anderen Genossen in einem sogenannten Stubenzirkel[3], aus dem dann die Gründung eines Ortsvereins entstand. 1946 wurde Wendel vom Oberbürgermeister Andreas Gayk zum Leiter des Presseamtes der Stadt Kiel ernannt.

Auf Betreiben von Andreas Gayk gründete sich am 2. April 1947 im Kieler Gewerkschaftshaus die Gesellschaft der Freunde Coventrys mit dem Ziel, einen Beitrag zur Versöhnung der im Krieg zerstörten Städte zu leisten. Den Vorsitz übernahm der ehemalige Oberbürgermeister Willi Koch und die Präsidentschaft führte Andreas Gayk. Zum Sekretär der Gesellschaft wurde Friedrich Wendel bestellt. Als in der Bundesrepublik Deutschland mit der Gründung des Amtes Blank im Jahr 1950 eine Politik der Wiederbewaffnung begann, kam es zwischen Gayk und Wendel zum Konflikt. Karl Rickers, langjähriger Chefredakteur der Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung, schreibt in seinen Memoiren:

„Wendel nämlich war strenger Pazifist und brachte das in seine Tätigkeit für die Conventry-Gesellschaft ein. Gayk aber war alles andere als Pazifist; das vertrug sich nicht mit seinem politischen Realismus. So mußte es zum Konflikt kommen, als die Bundesrepublik im Rahmen der Nato militarisiert wurde.“[4]

Nachdem Gayk „zwischen sich und Wendel das Tischtuch zerrissen hatte“,[5] verlor der letztere sein Amt als Leiter des Presseamtes und war bis zur Pensionierung im Archiv der Stadt Kiel tätig.

Friedrich Wendel war verheiratet. Das Ehepaar wohnte nahe der Friedrich-Junge-Schule in einem genossenschaftseigenen Häuserblock am Westring im Kieler Stadtteil Schreventeich.[6]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Sozialismus in der Karikatur von Marx bis Macdonald. Ein Stück Kulturgeschichte. Dietz, Berlin. 1924.
  • Das 19. Jahrhundert in der Karikatur. Einbandentwurf von Hans Windisch. 1925.
  • Das Schellengeläut. Kulturkritische Karikaturen des 19. Jahrhunderts. Bücherkreis, Berlin 1927.
  • Hans Baluschek. Eine Monographie. Dietz, Berlin 1924.
  • Die Kirche in der Karikatur. Eine Sammlung antiklerikaler Karikaturen, Volkslieder, Sprichwörter und Anekdoten. Freidenker, Berlin 1927.
  • Wilhelm II. in der Karikatur. Artemis, Dresden 1928.
  • Die Mode in der Karikatur. Aretz, Dresden 1928.
  • 50 Jahre Wahrer Jacob. Eine Festschrift des Verlages J.H.W. Dietz Nachfolger G.m.b.H. Berlin 1929.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ossip K. Flechtheim: Die KPD in der Weimarer Republik. Junius, Hamburg 1986, S. 115f.
  2. Julia Schäfer: Vermessen – gezeichnet – verlacht; S. 47.
  3. Hans-Ulrich Schilf: Der Aufbau der Kieler SPD 1945–1949. In: Wir sind das Bauvolk. Neuer Malik Verlag, Kiel 1985, S. 40f.
  4. Karl Rickers: Erinnerungen eines Kieler Journalisten 1920–1970. Wachholtz, Neumünster 1992, S. 294.
  5. Karl Rickers: Erinnerungen eines Kieler Journalisten 1920–1970. Wachholtz, Neumünster 1992, S. 294.
  6. Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung: Friedrich Wendel – Der Gendarm von Hildburghausen. Ein national-sympathisches Traktätchen. Eine Durchleuchtung. Berlin, 1932.