Friedrichsbau (Heidelberg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fridericianum mit Bunsenstatue, erb. 1863 (Aufn. 2012).

Der Friedrichsbau, syn. Fridericianum, ist ein historisches Gebäude in der Hauptstraße 47/49 in Heidelberg. Das schlossartige dreiflügelige Anwesen wurde 1863 für die Nutzung durch die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg errichtet und befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Alten Anatomie. Es beherbergt heute das Psychologische Institut der Universität Heidelberg.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Friedrichsbau wurde von 1862 bis 1863 auf dem ehemaligen Gelände des 1476 gegründeten Dominikanerklosters erbaut.[2] Die Ausführung der Bauarbeiten gehen auf den Bezirksbauinspektor Wilhelm Waag zurück. Das innerstädtische Grundstück wurde bereits 1804 von Großherzog Karl Friedrich von Baden erworben und der Universität zur Verfügung gestellt. Nach dem Großherzog ist auch das Gebäude benannt. Im Foyer findet sich noch heute die Inschrift: „Fridericus, badarum magnus dux“. Der repräsentative Bau spiegelt den hohen Stellenwert wider, den man den Naturwissenschaften damals beimaß.

Anfänglich befanden sich hier die Institute für Physik, Mineralogie, Mathematik, Technologie und Physiologie. Später dienten die oberen Stockwerke auch als Dienstwohnungen für Professoren der Universität Heidelberg und deren Familien. So wohnten hier zeitweise die Physiker Hermann von Helmholtz und Gustav Robert Kirchhoff.[3]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal für Robert Wilhelm Bunsen im Ehrenhof (Aufn. 2011).

Das dreigeschossige Fridericianum ist in schlichtem klassizistischen Stil als offene Dreiflügelanlage gebaut. Erste Planungen von 1847 zeigen zunächst eine Institutserweiterung der benachbarten Anatomie, die aber aus Kostengründen zurückgestellt wurde.[4] 1859 wurden die Pläne auf Drängen von Hermann von Helmholtz wieder aufgenommen und neu gestaltet. Das 1863 fertiggestellte dreiteilige Gebäude lehnt sich mit dem zur Hauptstraße ausgerichteten und begrünten Ehrenhof eng an die ursprünglich von Heinrich Hübsch erstellten Entwürfe an. Das rundbogige Hauptportal wird im 1. Obergeschoss durch einen steinernen, repräsentativen Schmuckbalkon betont. Der herrschaftlich gestaltete Komplex entspricht auch im Inneren ganz typisch dem klassizistischen Baustil.

Bunsendenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im öffentlich zugänglichen Ehrenhof vor dem Friedrichsbau findet sich seit 1961 das bekannte bronzene Denkmal für Robert Wilhelm Bunsen (1811–1899) in Überlebensgröße, 1907/08 geschaffen von Hermann Volz. Der Karlsruher Bildhauer Volz, der Bunsen noch persönlich gekannt hat, erhielt dafür die Ehrendoktorwürde der Universität Heidelberg.[5] Zuvor befand sich das Denkmal in der Friedrich-Ebert-Anlage (ehemalige Leopoldstraße, auf Höhe der Märzgasse), wo es am 1. August 1908 feierlich enthüllt wurde.[6] Die bronzene Statue wurde mehrmals vor der Einschmelzung bewahrt.[7]

Bunsendenkmal und Fridericianum sind denkmalgeschützt (§ 2 DSchG).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Melanie Mertens, Landesamt für Denkmalpflege (Herausgeber): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Bd. II.5.1, Stadtkreis Heidelberg. Thorbecke-Verlag, Ostfildern, 2013, S. 282 ff. ISBN 978-3-7995-0426-3
  • Rudolf Schuler (Fotos), Richard Henk (Text): Heidelberg. Edition Braus, Heidelberg 1990, ISBN 3-921524-46-6.
  • Günter Heinemann: Heidelberg: Verlag Brigitte Gunderjahn, 3. Auflage, 1996, S. 412–415.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Psychologisches Institut der Universität Heidelberg
  2. Pfaff, Karl: Heidelberg und Umgebung. Zweiter Nachdruck der dritten umgearbeiteten Auflage besorgt von Rudolf Sillib anno 1910. Nachdruck Verlag Brigitte Gunderjahn, Heidelberg, 1995, S. 150.
  3. Wolfgang U. Eckart, Klaus Hübner und Christine Nawa: Aufschwung der Naturwissenschaften – Bunsen, Kirchhoff und Helmholtz, in: Universität Heidelberg, Leibniz–Institut für Länderkunde, Peter Meusburger und Thomas Schuch, herausgegeben im Auftrag des Rektors Bernhard Eitel: Wissenschaftsatlas der Universität Heidelberg, Bibliotheca Palatina, Knittlingen 2011, S. 96–98; Englische Übersetzung: Wolfgang U. Eckart, Klaus Hübner, and Christine Nawa: The Rise of the Natural Sciences – Bunsen, Kirchhoff, and Helmholtz, in: Heidelberg University, Leibniz Institute for Regional Geography Leipzig, Peter Meusburger and Thomas Schuch (eds.) on behalf of Rector Bernhard Eitel: Wissenschaftsatlas of Heidelberg University, Bibliotheca Palatina, Knittlingen, 2012, S. 96–98;
  4. Neubau "Friedrichsbau" bzw. "Fridericianum" für die naturwissenschaftlichen Institute in Heidelberg auf leo-bw.de, abgerufen am 15. Juni 2023.
  5. Alfred Peltzer: Der Karlsruher Bildhauer Hermann Volz. In: Westermanns Monatshefte, Band 109,2 (1910), S. 690–701.
  6. HGV-Denkmäler und Skulpturen südlich des Neckar
  7. Bunsendenkmal Heidelberg auf psychologie-uni-heidelberg.de, abgerufen am 9. Juli 2023.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Friedrichsbau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Robert Wilhelm Bunsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Portal: Heidelberg – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Heidelberg

Koordinaten: 49° 24′ 39,5″ N, 8° 41′ 52,4″ O