Friedrichskoog

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Friedrichskoog führt kein Wappen
Friedrichskoog
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Friedrichskoog hervorgehoben
Koordinaten: 54° 1′ N, 8° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Dithmarschen
Amt: Marne-Nordsee
Höhe: 2 m ü. NHN
Fläche: 53,35 km²
Einwohner: 2565 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25718
Vorwahlen: 04854, 04856
Kfz-Kennzeichen: HEI, MED
Gemeindeschlüssel: 01 0 51 034
Adresse der Amtsverwaltung: Alter Kirchhof 4/5
25709 Marne
Webpräsenz: www.amt-marne-nordsee.de
Bürgermeister: Roland Geiger (KWV)
Lage der Gemeinde Friedrichskoog im Kreis Dithmarschen
Karte

Friedrichskoog (kurz Fri’ko bzw. Frie’ko oder als Spitzname Friko rsp. Frieko, abgeleitet von der plattdeutschen Bezeichnung Friechskouch, die wiederum auf den Namen „Friech“ als traditionelle Dithmarscher-Platt-Version des Namens Friedrich verweist) ist eine Gemeinde im Südwesten des Kreises Dithmarschen (Schleswig-Holstein) zwischen der offenen Nordsee und der Elbmündung. Ursprünglich durch Landwirtschaft geprägt, kam Anfang des 20. Jahrhunderts die Fischerei hinzu. Mittlerweile ist es vor allem ein Touristenort. Vor der Küste im Nationalpark Wattenmeer liegen sowohl die Vogelschutzinsel Trischen als auch die größte deutsche Bohrinsel Mittelplate.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrichskoog liegt in der Marsch Süderdithmarschens. Das Land, das erst im 19. und 20. Jahrhundert eingedeicht wurde, ist ausnehmend fruchtbar. In der Elbmündung entwickelte es sich aus natürlicher Landgewinnung, die erst zum Entstehen der Dieksander Hallig – heute Friedrichskoog – dann zum Entstehen des Dieksanderkoogs und heute zu umfangreichen Salzwiesen vor der Küste führte.

Die Salzwiesen zwischen Hafen und Trischendamm waren 2001 insgesamt 485 ha groß und bis zu 1,2 km breit. Ungefähr die Hälfte der Fläche wird intensiv beweidet, die andere Hälfte aus Naturschutzgründen nicht. Etwa 40 ha dienen als Spülfläche, um Schlick aufzunehmen, der aus dem Hafenbecken gebaggert wird. Seit den Naturschutzmaßnahmen nahm die Zahl der Vegetationstypen von 5 auf 17 zu, dominante für intensiv genutztes Grünland typische Gesellschaften wie der Andelrasen ist von 53 % auf 13 % gesunken, dafür zeigten sich erstmals beweidungsempfindliche Pflanzengesellschaften wie Strandquecken-Flur oder Salzmelden-Flur. Der 2001 am weitesten verbreitete Vegetationstyp war die Schlickgras-Flur, die ein Viertel der Fläche einnahm.[2] Im meerseitigen Anschluss an die Salzwiesen sowie auf der dem Hafen abgewandten Seite des Trischendammes liegt das Wattgebiet Mittelplate mit bis zu 12 km meerseitiger Ausdehnung.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrichskoog (nochmals untergliedert in Friedrichskoog I–III), Friedrichskoog-Spitze, Kaiserin-Auguste-Viktoria-Koog (zudem unterteilt in Auguste-Viktoria-Koog I und II), Dieksanderkoog und Trischen.

Trischen ist eine 180 ha große Insel vor der Dithmarscher Küste, die auch als Vogelinsel gilt. Außer im Sommer durch einen Vogelwart darf die Insel aus Gründen des Naturschutzes nicht betreten werden.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind die Gemeinden Kronprinzenkoog im Osten und Kaiser-Wilhelm-Koog im Süden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde, benannt nach dem dänischen König Friedrich VII., entstand ab 1853 durch Eindeichungen aus der Nordsee und umfasste vor allem die damalige Insel Dieksand. Das Land wurde nach Beendigung des Deichbaus von der dänischen Krone verkauft.

Am 23. März 1901 wurde der im Jahr 1899 eingedeichte Auguste Viktoria-Koog eingegliedert.

Vor dem 12. Oktober 1904 trug die Gemeinde den Namen Frederik-VII.-Koog. Aus unbewohnten Teilen der Gemeinden Friedrichskoog, Kronprinzenkoog und Kaiser-Wilhelm-Koog sowie aus katastermäßig noch nicht erfassten Teilen des in den Jahren von 1933 bis 1935 eingedeichten Adolf-Hitler-Kooges (heute Dieksanderkoog, als nationalsozialistische Mustersiedlung geschaffen) wurde am 1. November 1935 eine neue Gemeinde mit dem Namen Adolf-Hitler-Koog gebildet. In diese neue Gemeinde wurde die bestehende Gemeinde Friedrichskoog am 1. April 1939 eingegliedert. Diese Gemeinde wurde wiederum am 25. August 1945 in Dieksanderkoog umbenannt. Am 1. April 1948 erhielt sie den bis heute gültigen Namen Friedrichskoog.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datum Einw.
03.12.1867 1212
01.12.1880 1347
01.12.1890 1381
01.12.1900 1432
01.12.1910 1458
08.10.1919 1648
17.05.1939 2481
13.09.1950 4336
06.06.1961 2938
27.05.1970 2872
31.12.2002 2457
31.12.2007 2469
31.12.2012 2457

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl 2013 kam folgende Zusammensetzung der Gemeindevertretung zustande:[4]

Partei / Liste Sitze
CDU 5
KWV 5
SPD 3

Inoffizielles Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrichskoog führt kein Wappen. Ein inoffizielles Wappen und auch eine inoffizielle Hissflagge sind jedoch im Gemeindebild allgegenwärtig, auch wenn sie nicht von der Gemeinde selbst verwendet werden.

Das Wappen ist zweigeteilt. Es stellt oben einen Bauernhof dar, bestehend aus Wohnhaus und baulich abgesetztem Wirtschaftsgebäude (eine in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts übliche Form, die neben anderen in der Gemeinde zu finden ist; die beiden Gebäudeteile werden in der Regel durch einen kurzen, schmalen Küchen- und Waschküchen-Trakt verbunden, der in der Darstellung jedoch nicht zu erkennen ist), der auf die Fruchtbarkeit des Bodens verweisen soll; unten sind die Nordsee mit Brandung und ein Deich dargestellt. Eine Blasonierung existiert nicht.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochzeitsmühle in Friedrichskoog

In der Liste der Kulturdenkmale in Friedrichskoog stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Seit 1985 besteht in Friedrichskoog die Seehundstation Friedrichskoog. Sie ist die einzige zur Aufzucht von Heulern autorisierte Stelle an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Ihr Aussehen wurde zahlreichen Fernsehzuschauern durch die Fernsehserie Hallo Robbie! bekannt, von der große Teile in der Station gedreht wurden.[5]

Unweit der Seehund-Station verläuft in unmittelbarer Nähe zur Schleuse der 54. Breitengrad, das ist in etwa die gleiche geografische Breite wie Danzig oder die Kommandeur-Inseln in Alaska. Auf der Deichkrone befindet sich ein Gedenkstein, wobei sich der tatsächliche Verlauf aber einige 100 m weiter südlich jenseits des Sperrwerkes befindet.

An der „Spitze“ befindet sich der 1935/36 erbaute Trischendamm. Während der Saison finden diverse Veranstaltungen zur Unterhaltung der Gäste statt, meist im oder in der Nähe des „Haus des Kurgastes“ im Ortsteil Spitze.

2008 wurde am Hafen ein 2.500 m² Indoor-Spielpark in der architektonisch interessanten Form eines Wals erbaut.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kutterregatta im Hafen

Der wohl bedeutendste Wirtschaftszweig in Friedrichskoog ist der Tourismus. Zwar verfügt Friedrichskoog über keinen Sandstrand – weder natürlich noch künstlich – und kann seinen Gästen ausschließlich den Deich anbieten, dafür grenzt der Deich aber unmittelbar an das Wattenmeer und ermöglicht ausgedehnte Wattwanderungen. Im Rahmen der Förderung des Tourismus wurde seit Ende der 1970er Jahre der Bereich der „Spitze“ in mehreren Abschnitten massiv ausgebaut, wobei die bisher letzte größere Maßnahme 2007 begonnen wurde. Seit 2004 ist der Ortsteil Friedrichskoog-Spitze als Nordseeheilbad anerkannt; dort befindet sich auch eine große Kurklinik, die auf gemeinsame Aufenthalte mit Kindern spezialisiert ist.

Hafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrichskoog verfügt über einen 160 Jahre alten Hafen, dessen Betrieb durch das Land Anfang Juni 2015 wegen des zu teuren Unterhalts und zu geringer Nutzung eingestellt wurde.[6][7] Die hydromorphologischen Gegebenheiten am in der Elbmündung liegenden Tidehafen führen zu einer starken Versandung, deren Beseitigung (Ausbaggerungen) bisher aus Landesmitteln erfolgten. Die Gesamtunterhaltskosten des Hafens beliefen sich zuletzt auf bis zu 850.000 Euro. Dem standen Einnahmen aus dem Hafenbetrieb von rund 75.000 Euro gegenüber.[8] Andererseits wurde der Hafen immer weniger genutzt: im Jahr 2000 hatte Friedrichskoog noch rund 900 Anläufe von Krabbenkuttern, 2013 waren es nur noch 104. Es wurden nur 52 t Krabben angelandet (zum Vergleich: in Büsum werden jährlich mehr als 4000 t umgeschlagen). Auf Landesebene wurde daher beschlossen, den Hafen nicht mehr zu bewirtschaften, sondern ihn zum „Erlebnishafen“ im Kreis Dithmarschen umzugestalten, deren jährliche Kosten nur noch bei 275.000 Euro lägen.[9] Zum 1. Juni 2015 wurde der Hafen offiziell geschlossen. Den Nutzern wurde eine Duldung bis zum 30. eingeräumt; das Land Schleswig-Holstein hatte trotz aller Proteste den Sofortvollzug angeordnet.

Ölgewinnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor Friedrichskoog im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer befindet sich das größte deutsche Ölfeld, die Mittelplate. Gefördert wird von einer künstlichen Insel im Watt sowie seit 2000 auch von Friedrichskoog aus. Seit 2005 ist eine Pipeline von der Bohrinsel zum Förderbetrieb Holstein in Friedrichskoog in Betrieb. Dort erfolgt die Abtrennung des Öls von den übrigen Bestandteilen (vor allem Wasser) sowie eine Abtrennung des Ölgases. Die so aufbereiteten Produkte werden über eine Leitung nach Brunsbüttel gepumpt, wo teilweise eine Verarbeitung, teilweise eine Weiterleitung zur Raffinerie Heide in Hemmingstedt erfolgt.

Windkraft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im östlichen Teil von Friedrichskoog gab es 2010 über 50 Windkraftanlagen zur Stromerzeugung, die überwiegend mit einer Leistung von je 500 bis 600 kW und Rotordurchmessern um 40 m in der Mitte der 1990er Jahre installiert wurden. Zunehmend werden diese durch größere, leistungsstärkere Anlagen ersetzt (Repowering), wobei sich die Anzahl reduziert.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrichskoog ist mit dem Auto am besten über die B 5 zu erreichen, die man entweder in Marne oder ein Stück weiter nördlich in Helse verlassen muss. Der Eisenbahnbetrieb an der früheren Bahnstrecke von hier über Kronprinzenkoog und Marne nach Sankt Michaelisdonn ist seit Mitte der 1970er Jahre eingestellt, die Gleisanlagen wurden mittlerweile komplett zurückgebaut. Vorher verfügte Friedrichskoog über drei Bahnstationen, die mit den römischen Zahlen I bis III benannt wurden und auch als Ortsbezeichnungen dienten. Der heute nächstgelegene Bahnhof ist in Sankt Michaelisdonn an der Marschbahn (Strecke Hamburg – Niebüll – Westerland), von dort ist Friedrichskoog per Regionalbus über Marne zu erreichen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Michelsen: Chronik des Deich- und Hauptsielverbandes Dithmarschen. Hrsg.: Deich- und Hauptsielverband Dithmarschen. 2. Auflage. Bd. I: Geschichtliche Darstellung, Rechtsgrundlagen, Entstehung von Wasser- und Bodenverbänden und verbandliche Aktivitäten, Nr. 15. Hemmingstedt 2008, Kapitel 11.7 (Zur Geschichte des Friedrichskoogs).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedrichskoog – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2015 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Martin Stock et al.: Salzwiesen an der Westküste von Schleswig-Holstein 1986–2001. 1. Auflage. Boyens Buchverlag, Heide 2005, ISBN 3-8042-0703-0, S. 37/38.
  3. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.): Die Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 1867 – 1970. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel 1972, S. 44.
  4. Gemeindevertreter der Gemeinde Friedrichskoog
  5. Pia Klatt, Kai Labrenz: Filmland Schleswig-Holstein. 1. Auflage. Boyens Buchverlag, Heide 2004, ISBN 3-8042-1138-0, S. 124.
  6. Hafen Friedrichskoog kann Tor dichtmachen (Memento vom 20. Mai 2015 im Internet Archive). ndr.de vom 19. Mai 2015, abgerufen am 17. Juni 2015
  7. „Rohrbohrer“ in Friedrichskoog. In: Täglicher Hafenbericht vom 8. Juni 2015, S. 16
  8. Geld aus Hamburg möglich. In: Täglicher Hafenbericht vom 26. Februar 2014, S. 3
  9. Aus für Fischereihafen Friedrichskoog. In: Täglicher Hafenbericht vom 20. März 2014, S. 3, ISSN 2190-8753