Friedrichsort

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 54° 23′ 41″ N, 10° 10′ 27″ O

Kiel-Friedrichsort
Stadt Kiel
Höhe: 11 m
Fläche: 2,71 km²
Einwohner: 2059 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte: 759 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1922
Postleitzahl: 24159
Vorwahl: 0431
Karte
Lage von Kiel-Friedrichsort in Kiel
Karte von Friedrichsort und Umgebung von 1898

Friedrichsort (dänisch: Frederiksort) ist ein Stadtteil im Norden von Kiel.[1] Oft wird Friedrichsort zusammen mit Pries genannt.

Namensentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heutige Friedrichsort wurde 1590 noch Prießorth (Orth heißt Vorsprung, also Vorsprung von Pries) genannt. Dann benannte der Erbauer der dortigen Burg den Bereich 1631 nach sich selbst, Christianspris (pris ist dänisch für „Preis“, nach Christian IV.). 1727 nannte König Friedrich III. es nach sich selbst Friedrichsorth, woraus dann Friedrichsort wurde. Die Namensbedeutung ist also „Der (Land-)Vorsprung von Friedrich“.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der schmalsten Stelle der Kieler Förde (Friedrichsorter Enge) baute der dänische König Christian IV. 1631 die Festung Christianspries. Europa befand sich zu dieser Zeit im Dreißigjährigen Krieg. Bereits 1634 wurde die Festung von schwedischen Truppen eingenommen, später geschleift und dem Verfall preisgegeben. Christians Nachfolger Friedrich III. erbaute die Festung in den Jahren 1663 bis 1667 neu und nannte sie in Festung Friedrichsort um. Unter den Preußen kamen weitere militärische Produktionsstätten hinzu. Bis heute ist dem Ort seine Geschichte als Militärstützpunkt anzusehen. 1922 wurden Pries und Friedrichsort nach Kiel eingemeindet, infolgedessen verschmolzen beide Orte mehr und mehr miteinander. Im Zweiten Weltkrieg wurde der größte Teil der historischen oberirdischen Gebäude zerstört. Dennoch diente die Festung mit ihren Kasematten in der unmittelbaren Nachkriegszeit für viele Kriegsflüchtlinge als Unterkunft. Die Bundeswehr betrieb dort eine Marinesignalstelle und Salutbatterie. In dieser Zeit wurden neben Erhaltungsmaßnahmen auch weitere Eingriffe in die historische Substanz vorgenommen. Erhalten sind heute noch einige Wallanlagen, eine Reihe denkmalgeschützter Gebäude aus der preußischen Zeit sowie in den Kasematten 80 Räume mit einer Fläche von 6.500 Quadratmetern. Nach intensiver Zusammenarbeit mit Standortverwaltung, Kommune und Erwerbsinteressenten konnte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben diese historische, rund 90.000 Quadratmeter große Liegenschaft an den neuen Eigentümer, die Friedrichsorter Verwaltungs GmbH, übergeben. Damit konnte die zunächst von der Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb (gebb) begonnene, aber 2003 wieder zurückgestellte Verwertungstätigkeit erfolgreich abgeschlossen werden. Der neue Eigentümer möchte die Festung zukünftig für die Öffentlichkeit zugänglich und bekannt machen.

1878 erhielt Friedrichsort einen Leuchtturm, der fast 100 Jahre in Dienst war. In den 1960er Jahren genügte er nicht mehr den nautischen Anforderungen und konnte seine Aufgaben nicht mehr erfüllen. Die Brückenhöhen der Schiffe hatten zugenommen und auch die beleuchteten Gebäude Kiels waren mehr geworden. So war der Turm für einkommende Schiffe vor dem Hintergrund der Lichtersilhouette der Stadt nicht mehr ausreichend zu erkennen. Dafür strahlte er bei der Vorbeifahrt fast direkt in die Brückenfenster. 1969 wurde der neue, höhere Leuchtturm Friedrichsort fertiggestellt und am 29. Oktober 1971 mit der Optik des alten Turmes in Betrieb genommen. Bis 1973 standen beide Türme nebeneinander. Das metallene Oberteil wurde erhalten und steht nach verschiedenen vorigen Orten in der Fußgängerzone von Friedrichsort.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute ist kaum einem Einwohner mehr bewusst, wo die Grenzen zwischen Pries und Friedrichsort verlaufen, daher befinden sich hier neuzeitliche Informationen, die eigentlich in den Artikel Kiel-Pries gehören.

Friedrichsort ist vor allem durch den dünenreichen Sandstrand Falckenstein und die Lindenau-Werft bekannt. In der Nähe des Falckensteiner Strandes und der sich anschließenden Steilküste sind noch heute Teile der früheren Festung Friedrichsort zu sehen. Friedrichsort verfügt über eine Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe, eine Grundschule (Fritz-Reuter-Schule), mehrere Kindergärten, eine Bücherei und ein Einkaufszentrum mit Fußgängerzone. Seit 2006 hat die erste Club-of-Rome-Schule Schleswig-Holsteins unter dem richtungsweisenden Namen Lernwerft[3] ihren Standort in einem denkmalgeschützten Gebäude direkt am Ostseeufer in Fußnähe zum Anleger der Fördeschiffe gefunden. Ein bekanntes Kulturzentrum ist der Kulturladen Leuchtturm im Zentrum des Ortes. Seit Juni 2006 gibt es direkt am Strand einen Hochseilgarten. Im historischen Teil des alten Leuchtturmwärterhäuschens ist seit dem Frühjahr 2006 eine Gastronomie untergebracht.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrichsort und Pries haben sich in den letzten 20 Jahren zu attraktiven Kieler Stadtteilen entwickelt. Die Neugestaltung des Einkaufszentrums gilt für Kiel als vorbildlich. Mehr als die Hälfte des Bauvolumens in diesem Bereich wurde neu errichtet. Auf Pflasterwegen bietet sich den Besuchern eine verkehrsberuhigte Einkaufsmeile mit Ruhebänken und Straßencafés, hier finden sich noch viele inhabergeführte Geschäfte. Das Zentrum bietet in unmittelbarer Nähe gebührenfreie Parkplätze.

In dem industriearmen Bundesland Schleswig-Holstein fällt in Friedrichsort die besondere Dichte von (Schwer-)industrie auf. Neben dem Schiffbau auf drei Werften werden hier Lokomotiven und große Dieselmotoren hergestellt. Bekannte Firmen sind Caterpillar, die Gießerei Kiel und Vossloh. Ebenfalls sind drei Werften an diesem Standort zu finden. Die Lindenau-Werft, die Werft Gebr. Friedrich und die Yacht- und Bootswerft Rathje. Hier werden nicht nur Schiffe gebaut, sondern seit Ende 2005 auch die ersten schwimmenden Wohnhäuser.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Falckenstein ist ein bekannter Strandabschnitt in Kiel, am Westufer der Kieler Förde.
  • Pries ist inzwischen mit Friedrichsort verschmolzen. In der Fußgängerzone markiert ein Stein die Grenze zwischen beiden Ortsteilen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landeshauptstadt Kiel: Die Bevölkerung in den Kieler Stadtteilen 2014, PDF-Datei
  2. Nicolaus Detlefsen: Die Kieler Stadtteile nördlich des Kanals, Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1978, ISBN 3-529-02637-9
  3. Lernwerft