Friesack

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Friesack
Friesack
Deutschlandkarte, Position der Stadt Friesack hervorgehoben
Koordinaten: 52° 44′ N, 12° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Havelland
Amt: Friesack
Höhe: 35 m ü. NHN
Fläche: 84,01 km²
Einwohner: 2794 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 33 Einwohner je km²
Postleitzahl: 14662
Vorwahl: 033235
Kfz-Kennzeichen: HVL, NAU, RN
Gemeindeschlüssel: 12 0 63 088
Stadtgliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktstraße 22
14662 Friesack
Webpräsenz: www.amt-friesack.de
Bürgermeister: Klaus Gottschalk (SPD)
Lage der Stadt Friesack im Landkreis Havelland
Brieselang Dallgow-Döberitz Falkensee Friesack Gollenberg (Havelland) Großderschau Havelaue Ketzin/Havel Kleßen-Görne Kotzen (Havelland) Märkisch Luch Milower Land Mühlenberge Nauen Nennhausen Paulinenaue Pessin Premnitz Rathenow Retzow Rhinow Schönwalde-Glien Seeblick Stechow-Ferchesar Wiesenaue Wustermark BrandenburgKarte
Über dieses Bild
Blick vom Marktplatz in die Berliner Straße. Rechts die Apotheke, ca. 1910

Friesack ist eine amtsangehörige Stadt im Landkreis Havelland im Land Brandenburg. Sie wird vom Amt Friesack verwaltet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friesack liegt am Alten Rhin zwischen dem Rhinkanal und dem havelländischen Hauptkanal, etwa 60 Kilometer westnordwestlich von Berlin. Die Stadt liegt zwischen den Städten Rathenow, Nauen, Kyritz und Neuruppin. Das Stadtgebiet hat Anteil am Wald Zootzen. Die Umgebung ist, abgesehen von der Felderwirtschaft, wasserreich, sumpfig und waldreich.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteile sind:[2]

sowie die Wohnplätze Am Bahnhof, Am Rhinkanal, Am Schafstall, Briesen, Briesener Zootzen, Damm, Fliederhorst, Friesacker Zootzen, Karolinenhof, Klessener Zootzen und Wutzetzer Mühle.[2]

Die vorher selbstständigen Gemeinden Wutzetz und Zootzen sind seit dem 31. Dezember 2001 Ortsteile der Stadt Friesack.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtsymbol zur Sage: Der Teufel mit dem Frie-Sack voller Bredows – Wegmarke an der B5

„Der Teufel hat einmal Musterung auf der Erde gehalten und alle die Edelleute, die nicht mehr gut thun wollten, in einen großen Sack gesteckt, den auf den Rücken gethan und ist lustig damit zur Hölle geflogen. Wie er nun über der Stadt Friesack ist, so streift der Sack etwas hart an der Spitze des Kirchthurms, sodass ein Loch hineinreißt und eine ganze Gesellschaft von Edelleuten, wohl ein Viertheil der Bewohner des Sacks, ohne daß der Teufel es gemerkt hätte, herausfallen. Das sind aber die Herren von Bredow gewesen, die nun nicht wenig froh waren, den Krallen des Teufels für diesmal entkommen zu sein. Zum Andenken nannten sie nun die Stadt, wo der Sack das Loch bekommen und sie befreit hatte, Frie-Sack, und von hier haben sie sich dann über das ganze Havelland verbreitet, wo bekanntlich eine große Menge von Rittergütern in ihrem Besitz sind. Die Namen derselben haben sie ihnen ebenfalls gegeben, und zwar meist nach der Richtung des Weges, den sie nahmen; der älteste der Brüder nämlich, der in Friesack blieb, sagte zum zweiten: »gå beß (besser) hin«, da nannte der den Ort, wo er sich niederließ, Beßhin, woraus nachher Peßin wurde; ein dritter ging von Friesack, das am Rande des mächtigen havelländischen Luchs liegt, Land einwärts, darum nannte er seine Ansiedlung »Land in« oder Landin; ein vierter ging denselben Weg entlang wie der zweite, und baute Selbelang; ein fünfter ging von dort aus rechts zu (rechts too) und baute Retzow, ein sechster endlich nannte sein Dorf nach seinem eigenen Namen Bredow.“ (Kuhn, Adalbert: Märkische Sagen und Märchen. Berlin 1843)

Ehemalige Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Burg Friesack

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche, vor 1945

In den Jahren 1538–1539, als die Hohenzollern zur evangelisch-lutherischen Lehre übertraten, wurden auch Friesack und das ganze Land evangelisch.

Nachdem sich in Friesack katholische Arbeiter niedergelassen hatten, fand 1852 durch Missionsvikar Eduard Müller die erste Heilige Messe nach der Reformation in Friesack statt. Ab 1878 fanden die katholischen Gottesdienste in der Rosenkranzkapelle statt. Von 1927 bis 1935 war der am 22. Februar 1940 im KZ Sachsenhausen umgekommene Albert Willimsky Pfarrer in Friesack, 1927 wurde das Pfarrhaus erbaut. Seit 2004 gehört die katholische Gemeinde Friesack zur Pfarrei St. Peter und Paul in Nauen. Auf Grund von baulichen Mängeln der Rosenkranzkapelle finden seit 2010 die katholischen Gottesdienste im Gemeinderaum des Pfarrhauses an der Berliner Allee 9 statt. 2015 wurde auf Initiative des Vereins deo iuvante Freisack e. V. (= mit Gottes Hilfe) die Seitenstraße an der Rosenkranzkapelle in Pfarrer-Albert-Willimsky-Weg umbenannt und es wurde eine Gedenktafel enthüllt.

Feuerprobleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feuersbrünste, der „rote Hahn“, wüteten des Öfteren in Friesack. Im Jahr 1616 erhielt der Ort als dessen Folge umfangreiche Statuten, welche den Bürgern Verhaltensmaßregeln zur Brandvermeidung auferlegten. Diese findet man heute im Friesacker Heimatmuseum. Trotzdem wurden 1619 die Stadt und die zwischen 1560 und 1588 neuerrichtete Burg durch einen Brand fast völlig zerstört.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es wegen der Brandgefahr verboten, im Ort Scheunen zu bauen. Stattdessen entstand am Rande der Stadt eine ununterbrochene Reihe von Scheunen entlang der heutige Thiemannstraße. Es brannte aber immer wieder. Größere Feuer wüteten 1800, 1825, 1841 und 1945.

Nach dem großen Brand von 1841, der auch das Burggelände erfasste, aber das Herrenhaus (Friesack I) verschonte, baute Karl Georg G. F. von Bredow ein neues Herrenhaus an der Straße nach Klessen, um der Brandgefahr möglichst zu entgehen. Dieses Haus brannte 1948 infolge Brandstiftung, möglicherweise zur Vertuschung eines Einbruchs, ab. Mit dem Haus wurden viele historischen Gegenstände des ausgelagerten historischen Museums zerstört. Der Zweite Weltkrieg zerstörte neben der bald wieder errichteten Kirche und einigen wenigen Gebäude zunächst nur wenig. Erst durch Brandlegung der Besatzer wurde etwa ein Drittel der Stadt vernichtet. Noch heute finden sich daher einige Baulücken, z. B. in der Berliner Straße.

Burganlage von Friesack zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Kriege, Könige und Kaiser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmaleinweihung 1899 zu Ehren Friedrich Karl von Preußen am Krankenhausberg

Während des Dreißigjährigen Krieges hatte auch Friesack stark zu leiden. 1635 wurde der Ort tagelang geplündert. 1638 belagerten die Schweden die Burg, die von den Kaiserlichen unter General Gallas verteidigt wurde, aber nach dem Ausgehen der Verpflegung übergeben werden musste.

Große Bedeutung hatten dann wieder die Bestrebungen von Friedrich Wilhelm I. und Friedrich dem Großen im 18. Jahrhundert zur Urbarmachung und Kolonisation des Havellandes und des Rhinluches. In dieser Zeit wurden der Rhinkanal und der Havelländische Hauptkanal gebaut. Nach dem Sieg der napoleonischen über die preußischen Armeen in der Schlacht bei Jena und Auerstedt und dem Frieden von Tilsit wurden 1807 und 1808 französische Soldaten in Friesack einquartiert. Die Einwohner hatten Pferde und Wagen sowie Proviant zu stellen.

Durch den Bau der Straße Berlin–Hamburg im Jahre 1829 (im groben die heutige B5) erlebte Friesack einen wirtschaftlichen Aufschwung, welcher jedoch durch den Eisenbahnbau 1846 wieder zurückging. Weit besser erging es Friesack dann wieder von 1860 bis 1886 als Garnisonsstadt. Die Zieten-Husaren machten ihre Reitübungen an den steilen Hängen der jetzigen Freilichtbühne. 1885 hatte der Prinz und Feldmarschall Friedrich Karl Nikolaus von Preußen eine Parade abgenommen. Ihm zu Ehren wurde dort 1899 ein Denkmal eingeweiht.

Am 13. Oktober 1894 weihte Kaiser Wilhelm II. das Denkmal für den Kurfürsten Friedrich I., den Bezwinger der Quitzow-Burg, feierlich ein. Die drei Meter hohe bronzene Statue wurde während des Zweiten Weltkrieges heruntergenommen und sollte zu Kriegszwecken eingeschmolzen werden. Dies geschah nicht mehr, sie wurde aber in der DDR-Zeit zur Produktion von Kleinersatzteilen für Landmaschinen verwendet. 2012 wurde eine Nachbildung aufgestellt.

Handwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besondere Erwerbszweige waren die Torfgewinnung und das Holzpantinengewerk. Weiterhin existierten natürlich die Landwirtschaft, das generelle Handwerk für Gegenstände des täglichen Bedarfs und ein gewisses Maß an dienstleistendem Gewerbe. So wurden 1939 14 Gastwirtschaften, 15 Lebensmittel- und Gemischtwarengeschäfte, 8 Bäckereien, 5 Fleischereien, 3 Schmiede, 4 Herrenschneider, 2 Uhrmacher, 3 Sattler und 5 Schuhmacher u. a. verzeichnet.

Kleinere Unternehmen als Folge der Industrialisierung gab es nur wenige. So bestanden zwei Ziegeleien, 1889 wurden eine Brauerei und 1920 die Molkerei gegründet. 1925 kamen ein Sägewerk und eine Haferflockenfabrik hinzu. Von 1854 bis 1945 besaß die Stadt eine eigene Heimatzeitung. Der erste Druckereibesitzer war Gustav Goldsche. Heute informiert der viermal im Jahr erscheinende Friesacker Quitzow-Kurier über die Begebenheiten im Ort.

Vereinsleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rosenkranzkapelle

Im Jahr 1830 wurde die Schützengilde gegründet. 1897 setze sich der Verschönerungsverein u. a. zur Aufgabe, die Wege und Plätze mit Flieder zu bepflanzen. Daraus resultierte das alljährliche gefeierte Fliederfest. 1884 wurde der Turn- und Sportverein gegründet, nach 1945 u. a. mit einer Feldhandballerinnen- und einer Fußballmannschaft. Weiterhin existierten mehrere Gesangs-, Theater-, Frauen- und „Krieger“-vereine. Auch eine Badeanstalt am Rhin sowie ein Badehaus mit Wannenbädern gehörten zum Freizeitangebot. Sie wurde nach 1945 als Müllkippe verwendet. Es steht zu befürchten, dass sich dort noch Munition und Schlimmeres ausgraben lassen.

In der ehemaligen „Schweizer Halle“, der heutigen Diskothek, wurde geturnt und Tischtennis gespielt. Seit 1953 erfreut der Friesacker Karnevalsverein die Menschen. Weiterhin existieren ein Tennisverein, zwei Angelvereine, ein Kleintierzüchterverein, ein Imkerverein und ein Landfrauenverein. Die Interessengemeinschaft „Die Pumpenfreunde“ sorgten dafür, dass auf dem Marktplatz 1997 eine Pumpe errichtet wurde. Seitdem wird jährlich im Juli das Pumpenfest gefeiert. Musikalisch sind der ökumenische Kirchenchor, der im Katholischen Pfarrhaus probt, recht bekannt. Auch einige Auto- und Motorradvereine sind aktiv. Seit 2010 ist der Verein deo iuvante Friesack e. V. aktiv und versucht die ehemalige Rosenkranzkapelle und das Gedenken an den am 22. Februar 1940 im KZ Sachsenhausen verstorbenen Pfarrer Albert Willimsky zu erhalten.

Schulwesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Schule und Berliner Straße in Friesack ca. 1935

Das für diese Gegend überraschend hohe Angebot an Ausbildungs- und Schuleinrichtungen ist wohl ein Hauptgrund dafür, dass dieser Ort nicht zusehends verfällt, sondern eine Zukunftschance hat. Schon im Jahre 1541 wird eine Schule erwähnt. Nach 1600 kommt eine Mädchenschule hinzu. Beide Schulen standen auf dem Burggelände. Im Jahr 1832 wurde die Stadtschule in die Berliner Straße verlegt. Bis 1971 diente sie als Polytechnische Oberschule, bis 1990 als Sonderschule. Heute wird das Gebäude als Obdachlosenheim genutzt.

Am 10. Februar 1971 wurde die neuerrichtete Schule am Sonnenweg eingeweiht. Heute ist die Kooperationsschule nach umfangreichen Modernisierungen ein Schmuckstück der Stadt.

Aus der FDJ-Landestraktoristenschule von 1950 ist die Ingenieurschule für Landtechnik entstanden. Seit 1992 befindet sich dort das Oberstufenzentrum Havelland für theoretische Berufsausbildung. Auf dem ehemaligen Gelände der Betriebsberufsschule des Meliorationskombinats Potsdam befindet sich das überbetriebliche Ausbildungszentrum Bauwirtschaft des Landes Berlin-Brandenburg. Für Aus-, Um- und Weiterbildung ist die „Ländliche Erwachsenenbildung“ zuständig.

Friesack zur Zeit der DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Bodenreform vom 2. September 1945 erhielten landarme Bauern, Landarbeiter, Flüchtlinge und Vertriebene kostenlos Acker- und Weideland sowie Wald, nachdem die bisherigen Eigentümer enteignet und vertrieben worden waren. Große Betriebe wurden verstaatlicht, neue Einrichtungen und Betriebe entstanden, so z. B. das Großprojekt „Milchader für Berlin“ der FDJ im Havel- und Rhinluch. In den fünfziger Jahren begann die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft. Viele Friesacker Familien flüchteten in die Bundesrepublik Deutschland. In der Stadt waren die ACZ, Meliorations-, Forstwirtschaft, Getränkeproduktion, Sägewerk und Kreisbaubetrieb ansässig. Am 17. Juni 1953 demonstrierten die Bauarbeiter zusammen mit der Friesacker Bevölkerung gegen die staatlichen Zwangsmaßnahmen. Einige Personen wurden verhaftet, was eine weitere Auswanderung von Friesacker Bürgern in den Westen zur Folge hatte.

Etwa zwischen 1949 und 1956 war die an der Interzonenstraße Berlin–Hamburg (damals F 5, heute B 5) gelegene Tankstelle als Zuladestelle für hochprozentigen Branntwein, der für den Schmuggel in die BRD bestimmt war, eingerichtet. Mit dem Branntwein, der auf im Interzonenverkehr eingesetzte Lastkraftwagen fassweise zwischen der Ladung versteckt oder in Schmuggelbehälter (z. B. präparierte LKW-Reifen) abgefüllt wurde, sollte durch dessen illegalen Verkauf die Wirtschaft der Bundesrepublik geschädigt werden, denn dem westdeutschen Fiskus entgingen pro Hektoliter Branntwein mehr als 1.000 DM Einnahmen, während die DDR dadurch in den Besitz von harter Währung (DM oder US-Dollar) gelangte.

Friesack nach der Wende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nauener Straße hinter dem Marktplatz, 2005

Das Feuerwehrhaus wurde nach Abriss der anliegenden Gasanlage (1996) und des Gasometers (1999) erweitert.

Im Jahr 2000 wurde die Sanierung des Marktplatzes beendet. Angrenzend in der Berliner Straße wurde eine Ladenzeile gebaut, die derzeit zum großen Teil unvermietet ist. Im Gegensatz zu früher besteht heute die starke Tendenz, Alltagsgegenstände in Einkaufszentren, wie zum Beispiel dem vor Berlin an der B 5 liegenden Havelpark Dallgow, zu besorgen. Obwohl die Stadt für kleinere Geschäfte nicht genug Käuferpotential anzieht, stellt sie für die Umgebung im Lebensmittelbereich ein lokales Einkaufszentrum dar. Sonst ließe sich die hohe Dichte von Lebensmitteleinkaufsmärkten, die sich dort halten, nicht erklären. So mager das Angebot daneben zumeist auch ist, findet man doch weitaus mehr als in der Umgebung.

Der 2004 erfolgte Ausbau der Bahnstrecke für den ICE-Betrieb hatte auch bei Friesack einige bauliche Veränderungen wie den Brückenbau für die Hamburger Straße nach Zootzen zur Folge.

Ein Relikt der aus der Auflösung der DDR resultierenden, teils problematischen Besitzverhältnisse ist das ehemalige Hotel „Zum Stern“ in der Berliner Straße. Das einstmals schöne Haus ist derzeit in einem verwahrlosten Zustand. Nutzungskonzepte schlugen bisher fehl, inzwischen ist das Haus abgerissen worden.

Die Stadt weckt derzeit tendenziell den Eindruck einer dreigeteilten Bevölkerung. Zunächst die Alteingesessenen, welche vor allem das Stadtbild im Ortskern prägen und sich zum großen Teil aus älteren Menschen rekrutieren. Sie wohnen sowohl in aufwendig restaurierten alten Schmuckstücken als auch in maroden baufälligen Häusern, welche ein mittelalterliches Gassenbild erzeugen. Bei neuzugewanderten Familien, welche mehr die neugebildeten Stadtviertel bevölkern und kinderreicher sind, reicht das Stadtbild von Plattenbau bis zu schönen Einfamilienhäusern. Den dritten Teil der Bevölkerung bilden die sich nur vorübergehend in der Stadt aufhaltenden Schüler und Auszubildenden. So ergibt sich eine durchaus friedliche Koexistenz, wobei diese Bevölkerungskomponente einem völligen Verfall des Ortes in die Bedeutungslosigkeit entgegenzuwirken scheint. Aber im Gegensatz zu einer normalen Entwicklung einer Stadt, deren Nachwuchs von der eigenen Bevölkerung gestellt wird, haben die Schüler wenig Einfluss auf das Stadtbild. Man wundere sich deshalb nicht, dass die „Hauptstraße“, welche eher den Eindruck macht, dass die Stadt unter Landflucht zu leiden hat, von relativ vielen Jugendlichen bevölkert ist, zumal sie für diese wenig zu bieten hat. Dieses oberflächlich betrachtet nicht passen wollende Stadtbild von einem teils „noch“ maroden, mittelalterlich wirkenden, nicht touristisch erschlossenen Ortskern und relativ vielen Jugendlichen ist ein interessanter Unterschied gegenüber anderen Kleinstädten.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 3 576
1890 3 499
1910 2 965
1925 2 889
1933 2 830
1939 2 952
1946 3 531
1950 3 634
1964 3 249
1971 2 939
Jahr Einwohner
1981 2 666
1985 2 580
1989 2 454
1990 2 379
1991 2 349
1992 2 312
1993 2 271
1994 2 356
1995 2 308
1996 2 323
Jahr Einwohner
1997 2 391
1998 2 418
1999 2 438
2000 2 464
2001 2 427
2002 2 904
2003 2 859
2004 2 855
2005 2 816
2006 2 781
Jahr Einwohner
2007 2 725
2008 2 670
2009 2 639
2010 2 541
2011 2 522
2012 2 484
2013 2 483
2014 2 546
2015 2 794

Gebietsstand des jeweiligen Jahres[4][5], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 42,6 %
 %
40
30
20
10
0
34,8 %
18,9 %
18,7 %
17,4 %
6,8 %
3,3 %
WG Bauern
Töpfer

Die Stadtverordnetenversammlung besteht neben dem ehrenamtlichen Bürgermeister aus 12 Mitgliedern:

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[6]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus Gottschalk (SPD) wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 mit 69,8 Prozent der gültigen Stimmen für eine Amtsdauer von fünf Jahren gewählt. [7]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 14. April 1994 genehmigt.

Blasonierung: „In Silber auf grünem Boden ein blau gezinntes Tor mit geschlossenen goldenen Flügeln, beiderseits gehalten von einem blauen gezinnten Turm mit rotem goldbeknauften Kuppeldach auf einem schwarzen silbergefaßten doppelten Fensterbogen; dazwischen schwebend der goldbewehrte, mit goldenen Kleestengeln belegte rote brandenburgische Adler.“[8]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friesack unterhält Städtepartnerschaften zum polnischen Parchowo und zum litauischen Mosėdis.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Friesack stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Hotel zum Stern“ in den 1930er Jahren.

Die Kirche, an der heutigen Burgstraße direkt westlich vor der Burg gelegen, brannte 1841 ab und wurde, etwas näher am Marktplatz versetzt, auf dem ehemaligen, auch abgebrannten Wirtschaftshof in der Charlottenstraße wieder neuerrichtet. 1945 brannte auch diese Kirche durch Kriegseinwirkung ab. Sie wurde in den Jahren 1949 bis 1955 in veränderter Form wieder aufgebaut.

Ab dem Jahre 1878 besaß die Stadt dank der Hilfe des katholischen Fotografen Albert Bode ein katholisches Gotteshaus, die an der Rhinstraße gelegene Rosenkranzkapelle. Da im preußischen Kulturkampf keine katholische Kirche genehmigt worden war, ließ Bode das Gebäude als Fotoatelier bauen und stellt es der katholischen Gemeinde als Gottesdienstraum zur Verfügung. Aufgrund von Baumängeln wurde die Kapelle 2010 für Gottesdienste geschlossen. 2014 wurde die Kapelle an den Verein deo iuvante e. V. verkauft, der katholisches Leben in Friesack und den Erhalt der Rosenkranzkapelle unterstützt.[9]

Vom Feuer verschont blieb das im Jahre 1774 auf dem Burgberg im Fachwerkstil erbaute Herrenhaus, das ab Mitte des 19.Jh. als Wirtschaftsgebäude diente. 1956 wurde es wegen Baufälligkeit und aus ideologischen Gründen abgetragen.

Am 3. April 1892 wurde die Freiwillige Feuerwehr Friesack durch den Bäckermeister Robert Repke gegründet. Das Feuerwehrhaus und auch das Gaswerk wurden 1900 errichtet, wobei das Gaswerk später den Neubauten der Feuerwehr weichen musste. Eine der ältesten Ladeneinrichtungen Friesacks war eine im Jahre 1775 erwähnte Apotheke, die 1945 zerstört wurde. Sie befand sich in der Berliner Straße am Marktplatz gegenüber der heutigen Apotheke. Inzwischen ist dieses Grundstück unbebaut.

Das Postamt wurde 1898 fertiggestellt. Es steht heute leer. Das Gebäude des heutigen Eiscafés Neumanns (Ecke Berliner Allee/Klessner Straße) wurde 1878 vom Ziegeleibesitzer Otto Beyer erbaut. Der Turm des Gebäudes wurde 1945 allerdings zerstört. 1914 wurde das Krankenhaus erbaut. Von 1969 bis 1991 wurde es als Landambulatorium und Ärztehaus genutzt. Zurzeit dient es als Einrichtung für betreutes Wohnen.

Neben der Straße Berlin – Hamburg im Jahre 1829 wurden 1875 die Straßen von Briesen (Ortsteil Friesack) nach Rathenow, 1894 nach Klessen sowie Rhinow, 1900 nach Wagenitz und 1906 nach Görne gebaut. Zeitweise existierten bis zu sieben Windmühlen. Noch heute ist davon eine zu einem Wohnhaus umgebaute Mühle vorhanden.

Der Marktplatz war schon in früheren Jahren ein örtlicher Umschlagplatz für Kram und Vieh. Auf dem heutigen Bushalteplatz stand das Rathaus, das 1833 abgetragen wurde. Das heutige Rathaus wurde 1994 recht aufwendig restauriert.

Die Freilichtbühne mit Tennisplatz und Rodelanlage wurde 1934 errichtet. Durch das rege Vereinsleben, die schönen Parkanlagen und ein gewisses Maß an kulturellem Angebot wurde Friesack 1928 als Luftkurort anerkannt. Drei Kurheime wurden besonders von Berliner Gästen genutzt.

Die Sieben-Brüder-Eiche, so benannt aufgrund ihrer sieben Stämme, in der Klessner Straße ist 300 Jahre alt. Neben ihr befindet sich der jüdische Friedhof mit Gräbern aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Durch seine versteckte Lage überlebte der Friedhof die Zeit des Nationalsozialismus, wenn auch nicht ganz unbeschadet. Er wurde während der DDR-Zeit von Sowjetbürgern erneuert, wobei aber die Grabsteine nicht in ihrer ursprünglichen Lage aufgestellt wurden.

Restauriertes Friesacker Heimathaus, Oktober 2005

Eine alte Schlossereischmiede wurde umfangreich saniert und ist nun das Friesacker Heimathaus. In ihr befinden sich die Stadtbibliothek und das kleine Heimatmuseum, das durch Privatinitiative ins Leben gerufen wurde. Da viele der historischen Gegenstände angefasst und technische Geräte bewegt werden dürfen, eignet sich das Museum auch für Kinder.

Die erste Kanalisation wurde 1925 in der Berliner Straße verlegt. Weitere kamen in den 1980er und 1990er Jahren hinzu. Der erste Wasseranschluss an die zentrale Versorgung erfolgte 1976. 1981 wurde die Umgehungsstraße eingeweiht. 1993 erhielt die Stadt einen Erdgasanschluss.

Auf der Berlin-Hamburger Bahn erreichte die Stromlinien-Dampflokomotive 05 002 auf ihrer Versuchsfahrt am 11. Mai 1936 nahe Friesack die Dampflok-Weltrekordgeschwindigkeit von 200,4 km/h.

  • Burgplatz mit Burgberg und Kirche.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Heimatmuseum mit Bücherei befindet sich im Heimathaus am Marktplatz.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Friesack 2014

Friesack liegt an der Bundesstraße 5 auf halber Strecke zwischen Berlin und Perleberg. In Friesack beginnt, abzweigend von der B 5, die Bundesstraße 188, die in Richtung Westen nach Rathenow führt.

Der vom Ortszentrum etwa 2,5 Kilometer entfernte Bahnhof Friesack an der Berlin-Hamburger Bahn wird durch die Regional-Express-Linie RE 2 Wismar–Berlin–Cottbus bedient.

Private Motorisierung 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Nichtgewerblich zugelassene PKW (zum 1.1.)[10] 1 264 1 253 1 268 1 249 1 248 1 258 1 248 1 229
Nichtgewerbliche PKW je 1.000 Einwohner (31.12. des Vorjahres) 464 469 480 492 495 506 503 483
Vergleichswert Land Brandenburg 475 479 486 493 506 508 510 512

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Friesack verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A. Andreae und U. Geiseler: Die Herrenhäuser des Havellandes. Lukas Verlag, Berlin 2001 ISBN 3-931836-59-2.
  • E. G. Bardey: Geschichte von Stadt und Ländchen Friesack. Selbstverlag, Nauen 1894.
  • Max Wichard von Bredow: Das Geschlecht von Bredow, Herkunft und Entwicklung 1251 – 1984. Selbstverlag, Burgdorf/Heeßel 1984.
  • Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 7: Unbekannte und vergessene Geschichten aus der Mark Brandenburg. Teil 1: Das Ländchen Friesack und die Bredows. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2005, ISBN 978-3-7466-5707-3.
  • G. Kirchert: Denkschrift zu dem 100jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr. Friesack 1992.
  • G. Kirchert: Festschrift zum 675-jährigen Stadtjubiläum. Friesack 2002.
  • Henning v. Koss: Das Ländchen Friesack und die Bredows. Märkische Verlagsgesellschaft, Kiel 1965.
  • Quitzow-Kurier (vierteljährlich), Tel.: 033235-1537, redaktion@friesack.de
  • Stadt Friesack (Hrsg.): Sanierungsgebiet Altstadt Friesack. Friesack, 2002.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friesack – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. a b Stadt Friesack – Ortsteile nach § 45 Kommunalverfassung – Wohnplätze. In: service.brandenburg.de. Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg, abgerufen am 11. Oktober 2016.
  3. Amtsblatt für Brandenburg, 2002, Nr. 20, S. 519
  4. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Havelland. S. 14-17
  5. Bevölkerung im Land Brandenburg nach kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden 1991 bis 2014
  6. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  7. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014
  8. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  9. Matthias Rheder: Was kann aus Friesack schon Gutes kommen? In: Dezernat Seelsorge des Erzbischöflichen Ordinariats Berlin (Hrsg.): Informationen Nr. 111 2-2014, S. 18–21
  10. Kraftfahrt-Bundesamt Statistik Fz3