Frische Nehrung

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Frische Nehrung
Frische Nehrung und Frisches Haff, Landsat-Foto
Frische Nehrung und Frisches Haff, Landsat-Foto
Gewässer 1 Ostsee
Gewässer 2 Frisches Haff

Geographische Lage

54° 24′ 0″ N, 19° 30′ 0″ OKoordinaten: 54° 24′ 0″ N, 19° 30′ 0″ O
Frische Nehrung (Oblast Kaliningrad)
Frische Nehrung
Länge 70 km
Breite 1,8 km
Fläche 25,22 km²
Trennender Landstreifen Frische Nehrung zwischen Frischem Haff und Danziger Bucht auf einer Landkarte von 1910.

Die Frische Nehrung (polnisch Mierzeja Wiślana, russisch Балтийская коса Baltijskaja Kossa) ist eine schmale Landzunge (Nehrung) von rund 70 km Länge und einigen hundert Metern Breite (größte Breite 1,8 km), die in nordöstlicher Richtung verläuft und das Frische Haff von der offenen Ostsee abtrennt. Quer über die Frische Nehrung verläuft die Grenze zwischen Polen (Woiwodschaft Pommern) und Russland (Oblast Kaliningrad).

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Ordenszeit lautete der Name auch „Danziger Nehrung“.

Der ältere preußische Name lautete „Aismares“ („aislu“: schnell, frisch und „mari, mary“: Haff). Die Bezeichnung frisch für die Nehrung dürfte eine Übersetzung von „aislu“ sein. In der Literatur ist auch eine andere Erklärung zu finden: Früher nannte man Süßwasser frisches Wasser (englisch freshwater). Alle Haffe (dänisch hav = Meer) mit ausgesüßtem Wasser wurden frisch genannt, wie auch um 1600 das Stettiner Haff. Am Anfang des 19. Jahrhunderts ging der Name „Frisches“ vom Haff auf die Nehrung über.[1][2] Bereits 1676 wird dieses in dem Buch Speculum Germaniae oder ein kurtzer geographischer Bericht von dem Gesammten Teutschland als frisches Haff bezeichnet,[3] wobei auf ältere Quellen hingewiesen wird.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Fuße der Frischen Nehrung befindet sich das Dorf Bodenwinkel (Kąty Rybackie). Der Landstraße von Danzig nach Nordosten folgend liegen auf der seit 1945 polnischen Seite die Orte Kąty Rybackie (Bodenwinkel), Skowronki (Vogelsang), die folgenden Orte gehören heute alle zur Stadt Krynica Morska: Borowo[4] (Schottland), Przebrno (Pröbbernau), Lipe (Liep), der Badeort Krynica Morska (Kahlberg) und zuletzt Nowa Karczma (auch Piaski, früher Neukrug), ca. 3 km südwestlich der polnisch-russischen Grenze. Die Orte auf der polnischen Seite gehören zur Woiwodschaft Pommern und sind nach wie vor Anziehungspunkte für den Fremdenverkehr.

Das gesamte russische Gebiet gehört heute als Stadtteil Baltijskaja kossa zur Hafenstadt Baltijsk (Pillau). Einziger Ort ist heute das ehemalige Neu Tief, das per Fähre von Baltijsk zu erreichen ist. Die deutsche, später russische Luftwaffenbasis wird von etwa 1000 Personen bewohnt.

Höchste Erhebungen sind der Kamelberg bei Kahlberg und die mit 25 Meter Höhe imposante, ehemalige Wanderdüne von Narmeln auf russischem Gebiet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 13. Jahrhundert verlandete eine Durchfahrt durch die Nehrung, die Elbing und zuvor Truso den direkten Zugang zur Ostsee ermöglicht hatte. Ein neuer Durchbruch entstand hingegen bei Pillau.

Nach der zweiten Teilung Polens kam die Nehrung bis Narmeln 1793 an Preußen und wiederum 1807–1814 zur Republik Danzig. Seit 1814 gehörte dieser westliche Teil der Nehrung zu Westpreußen. Die historische Grenze zwischen Ost- und Westpreußen verlief zwischen Narmeln und der Narmelner Düne, das entsprach der früheren Grenze zwischen Preußen Königlichen Anteils unter dem polnischen König und dem Herzogtum Preußen unter dem Herzog bzw. König in Preußen.

Nach dem Versailler Friedensvertrag kamen die Orte von Pröbbernau bis Narmeln 1920 zum Landkreis Elbing im Regierungsbezirk Westpreußen der Provinz Ostpreußen. Bodenwinkel und Vogelsang fielen an die Freie Stadt Danzig. Pröbbernau und Schottland gehörten nur von Januar bis Dezember 1920 zur Freistadt.

Nach der Einschließung Ostpreußens verlief seit Ende Januar 1945 die Hauptroute der Flüchtlingstrecks über das zugefrorene Haff und die Frische Nehrung in Richtung Westen. Vogelsang wurde erst am letzten Tag des Krieges durch die Rote Armee erobert.

Nach dem Kriegsende wurde die Grenze zwischen Neukrug und Narmeln gezogen, der letztere war somit der einzige Ort Westpreußens der an die Sowjetunion fiel. Der östliche Teil war von 1945 bis 2012 militärisches Sperrgebiet, die Orte Narmeln, Großbruch und Alt Tief hörten auf zu bestehen. In Neu Tief und Kaddighaken nutzte die sowjetischen Luftwaffe die 1939 entstandenen Anlagen der Reichsluftwaffe mit einer über 2 km langen Startbahn.

Natur und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ostseestrand auf der Frischen Nehrung bei Krynica Morska

Die Frische Nehrung ist per Gesetz ausgewiesenes Naturschutzgebiet. Das unfruchtbare sandige Land der Frischen Nehrung ist durchgehend mit einem Kiefernwald bewachsen und Heimat von 96 verschiedenen Vogelarten. Die Pflanzenwelt wird von Wacholdern dominiert, aber es existieren auch 13 Pflanzenarten, die ausschließlich auf der Nehrung vorkommen. Aus den „Kaddigbeeren“ (ostpreußisch für Wacholder) stellten früher die Mennoniten des Werders den berühmten Machandelschnaps her. Für den "freien Grenzverkehr" der Wildschweine ist der Grenzzaun zwischen Polen und Russland ca. 1 m hoch gestellt, damit die Tiere darunter passieren können. Der russische Teil hat sich als Sperrgebiet zu einem einzigartigen Biotop entwickelt.

Bei Krynica Morska gibt es einen 2,5 km langen Strand, umfangreiche Parkanlagen und Mischwald. Bereits 1939 wurde der Ort jährlich von rund 5000 Gästen besucht. Im ehemaligen Neutief auf der östlichsten Spitze der Nehrung befinden sich kleinere Ferienheime und eine Außenstelle des Ozeanologie-Forschungsinstituts der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Bedroht wird die einmalige Landschaft durch Pläne der Stadt Elbing bei Skowronki die Nehrung mit einem Kanal zur Ostsee zu durchstechen, um nicht auf den russisch kontrollierten Ostseezugang bei Baltijsk angewiesen zu sein. Der polnische Minister für Seewirtschaft Marek Gróbarczyk kündigte am 22. Februar 2016 an, mit dem Projekt Ende 2018 beginnen zu wollen, und es im Jahre 2022 fertigzustellen. Das Projekt stößt auf Kritik aus Kreisen von Umweltschutz und Bevölkerung. Befürchtet werden Umweltverschmutzung, Haffversalzung und Einbußen für den Tourismus auf der Nehrung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Ostseenehrungen sind die Halbinsel Hel in Polen und die Kurische Nehrung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Domers: Ostseebad Kahlberg Frische Nehrung. Truso Verlag, Münster 1991
  2. H. Baudler: Frische Nehrung und Frisches Haff in der Literatur bis 1945. (Beiträge zur Klima- und Meeresforschung), Universität Rostock, 2003
  3. Speculum Germaniae..., Nürnberg, 1676, z.B.: S. 458 Frauenburg am frischen Haff
  4. auch: Sosnowo