Fristigkeit

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Dieser Artikel behandelt Fristigkeit im Sinne der Volkswirtschaftslehre. Für den Gebrauch in der Betriebswirtschaftslehre, siehe Planungshorizont.

Unter dem Begriff Fristigkeit (oder dem Zeithorizont) werden in der Volkswirtschaftslehre verschiedene Konzepte von Zeiträumen zusammengefasst. Die Betrachtung konkreter Zeitintervalle (Monate, Quartale, Jahre) oder auch abstrakter Zeitperspektiven (Periode t und Periode t+1) soll es ermöglichen genauere ökonomische Aussagen zu treffen und Modelle zu entwerfen. Die abstrakte Unterteilung, die dabei vorgenommen wird unterscheidet eine kurze Frist, eine mittlere Frist und eine lange Frist. Besonders wichtig für die ökonomische Modellbildung ist allerdings die Zweiteilung in kurze und lange Frist (engl. short run, long run).

Die Trennung dieser Intervalle ist unscharf und nicht unbedingt auf konkrete Zeiträume bezogen. Es gibt zwar Autoren und Wissenschaftler, die beispielsweise für die kurze Frist einen Zeitraum von Jahr zu Jahr annehmen, für die mittlere Frist etwa 10 Jahre und die lange Frist 50 Jahre.[1] Meistens wird der Zeitbezug aber den verschiedenen ökonomischen Konzepten angepasst.

Ein klassisches Beispiel sind Fixkosten. Darunter versteht man einen Teil der Gesamtkosten, die in einem bestimmten Zeitraum konstant bleiben (z. B. eine Lagerhalle oder eine größere Maschinenanlage). In einem sehr kurzen Zeitraum (von heute auf morgen) kann man eine Lagerhalle nicht verkaufen. Es ist aber plausibel anzunehmen, dass man, wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, diese Halle verkaufen und damit die dadurch entstehenden Kosten einsparen kann. Deshalb spricht man auch davon, dass bei einem hinreichend langfristigen Betrachtungszeitraum gar keine Fixkosten existieren. Von der genauen Zeit, die es braucht, eine Maschine oder Lagerhalle zu verkaufen, wird dabei meistens abstrahiert. Tatsächlich wird der Zeitraum sozusagen erst im Nachhinein konkretisiert: wie lange es auch dauern mag, eine Lagerhalle zu verkaufen, dies markiert den Übergang zur langen Frist.

Je nachdem um welche Fristikkeit es sich handelt, werden ganz unterschiedliche Annahmen getroffen und damit Modelle entworfen. Dabei kann es sich um das Verhalten von einzelnen Akteuren (Haushalten, Unternehmen) handeln oder die Geschehnisse auf einzelnen Märkten (Gütermarkt, Arbeitsmarkt) oder in ganzen Volkswirtschaften.

Aufgrund ihrer Kontextabhängigkeit und der Inkonsistenz verschiedener Definitionen werden im Folgenden lediglich ausschnitthaft einige Beispiele aus verschiedenen Fachgebieten oder Modellen vorgestellt.

Kurze Frist[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kurze Frist

Die kurze Frist kann einen Zeitraum bezeichnen, in dessen Verlauf sich nicht alle Faktoren vollständig an eine Veränderung anpassen können.[2]

  • In der kurzen Frist werden Preise (oder Löhne) oft als fix bzw. rigide angenommen. Als Beispiel dienen hier oft Kataloge, Preislisten und Restaurant-Karten, die bis zur nächsten Auflage bzw. Drucklegung für fixe Preise sorgen.

Mittlere Frist[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mittlere Frist
  • Das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht im AS-AD-Modell kann auf kurze oder mittlere Frist betrachtet werden.
  • Mit der Fristigkeit der Betrachtung nimmt die Elastizität des Angebots generell zu.

Lange Frist[Bearbeiten]

Der Zeitraum in dessen Verlauf eine volle Anpassung an Veränderungen möglich ist.[3]

  • In vielen Wirtschaftstheorien wird davon ausgegangen, dass ein Gleichgewicht sich auf lange Sicht (lange Frist) auf allen Märkten einstellt, da die Preise genügend Zeit zur Anpassung haben und so für eine Angleichung von Angebot und Nachfrage sorgen (vgl. Steady State).
  • Im langfristigen Gleichgewicht des Solow-Modells muss gelten, dass die Investitionen genau den Abschreibungen des Kapitalmodells entsprechen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard: Makroökonomie, 3., aktualisierte Auflage, Pearson Education Deutschland GmbH, München, 2003, Seite 836
  2. William D. Nordhaus, Paul A. Samuelson: Volkswirtschaftslehre: Das internationale Standardwerk der Makro- und Mikroökonomie. mi-Wirtschaftsbuch; Auflage: 3., aktualisierte Auflage (2007). S. 1043.
  3. William D. Nordhaus, Paul A. Samuelson: Volkswirtschaftslehre: Das internationale Standardwerk der Makro- und Mikroökonomie. mi-Wirtschaftsbuch; Auflage: 3., aktualisierte Auflage (2007). S. 1043.

Weblinks[Bearbeiten]