Fritz Erik Hoevels

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Fritz Erik Hoevels (* 6. Januar 1948 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Psychoanalytiker, Publizist, Übersetzer und „außerparlamentarischer“ politischer Aktivist.

Leben[Bearbeiten]

Hoevels, Sohn des Frankfurter Arztes Fritz Werner Hoevels, besuchte das Leibniz-Gymnasium in Frankfurt-Höchst und studierte seit 1966 zunächst Latein und Germanistik an der Universität Freiburg. Zu Beginn seines Studiums trat Hoevels dem SDS bei und war bald als dessen „weit herumreisender Funktionär“[1] aktiv. Nach einer studentischen Aktion, die eine Strafanzeige des Rektors zur Folge hatte, entschuldigte sich Hoevels bei diesem und bat um die Rücknahme der Anzeige, was ihn vom SDS isolierte.[2]

Nach Abschluss des Studiums fand er keine wissenschaftliche Anstellung und begann 1975 ein zweites Studium (Psychologie) als „Brotstudium“[3], das er 1980 mit dem Diplom abschloss. Parallel dazu promovierte er 1977 mit der Dissertation Märchen und Magie in den Metamorphosen des Apuleius von Madaura und befasste sich intensiv mit der Freud'schen Psychoanalyse[4]. Hoevels ließ sich danach als praktizierender Psychoanalytiker in Freiburg/Br. nieder. 1983 begründete er die Zeitschrift system ubw, die sich als „einzige Zeitschrift in der unverfälschten Tradition Sigmund Freuds“ bezeichnet.

Hoevels trat außerdem als politischer Publizist hervor – als Verleger, Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher und durch laufende Beiträge in der von ihm gegründeten Zeitschrift Ketzerbriefe. Er war Initiator der Freiburger Marxistisch-Reichistischen Initiative, die als Bunte Liste Freiburg zeitweilig einen Vertreter im örtlichen Stadtrat stellte und auch als Bund gegen Anpassung [5] und Rotes Forum firmierte. Hoevels selbst und diese von ihm maßgeblich geprägten Organisationen traten mit zahlreichen Veranstaltungen, Publikationen und Flugblättern zu kontroversen Themen an die Öffentlichkeit, darunter AIDS, Überbevölkerung, Kirchenaustritt, Scientology, Republikaner, Saddam Hussein, Nordkorea. Sie vertraten dabei oft eine Position, die selbst bei nahestehenden Gruppierungen, wie beispielsweise dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA), auf scharfe Ablehnung stieß.[6] Kritisiert werden vom IBKA nicht nur inhaltliche Positionen, sondern auch die „Heilserwartung religiöser Sekten“, die Hoevels und seine Anhänger haben und beim Publikum zu wecken versuchten.[7]

Der Beauftragte für Sekten und Weltanschauungsfragen im Bistum Dresden-Meißen, Gerald Kluge, schätzt den Bund gegen Anpassung ebenfalls als Politsekte mit Hoevels als „Vordenker und Leitfigur“ ein.[8] Zu einer ähnlichen Auffassung kommt der Weltanschauungsbeauftragte der evangelischen Landeskirche Württembergs und Mitglied der Enquête-Kommission für Sekten des Bundestages Hansjörg Hemminger.[9] Er erwähnt ausdrücklich den Bund gegen Anpassung, wenn er feststellt: „… bei mehreren Meistergestalten entwickelte sich allerdings die Therapiegemeinschaft gerade nicht zur Offenheit und Autonomie hin. Vielmehr wuchs die Exklusivität der Gruppe, ihr Sendungsbewusstsein und ihre vereinnahmende Tendenz an“.[10]

Hoevels sieht sich ideengeschichtlich in der Tradition der materialistischen Aufklärung. Die für ihn wichtigsten Denker sind Marx, Engels, Lenin und Trotzki als Vertreter des Marxismus, und sowohl Sigmund Freud als Begründer der Psychoanalyse als auch der von Freud aus der Psychoanalyse exkommunizierte Wilhelm Reich.[11] Hoevels’ Buch Marxismus, Psychoanalyse, Politik stellt den Denkansatz des Reich’schen Freudomarxismus aktualisiert zur Diskussion während sein Werk Wilhelm Reichs Beitrag zur Psychoanalyse sich ausführlich mit den Schriften Reichs beschäftigt. „Reich wird [darin] zu Recht als der Psychoanalytiker herausgestellt, der am klarsten […] die gesellschaftlichen Ursachen und Folgen der Neurosenentstehung aufgezeigt hat.“ (Hans-Joachim Maaz).[12] Auf diesem von den tagespolitischen Scharmützeln weit abgehobenen Gebiet kam es im Jahre 2001 zu einer grundsätzlichen theoretischen Kontroverse mit Bernd A. Laska, der derzeit neben Hoevels wohl der einzige publizierende Reichianer ist, der Reichs Orgontheorie ausklammert.[13]

Neben seiner publizistischen Tätigkeit als Autor und Vortragsredner übersetzte Hoevels mehrere Werke des englischen Altertumswissenschaftlers und Bibliothekars des Leo Baeck College, Hyam Maccoby, sowie das Hauptwerk des indischen Islamwissenschaftlers Jaya Gopal.

Publizistische Tätigkeiten[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Der Beitrag Wilhelm Reichs zur Psychoanalyse, o.O. [Freiburg/Br.], o.V. [Selbstverlag], o.J. [1979]
  • Der Oedipuskomplex und seine politischen Folgen: Grundfragen der Psychoanalyse. Freiburg/Br.: Ahriman 1980; 5., erw. Aufl. 1990 ISBN 3-922774-00-8
  • Marxismus, Psychoanalyse, Politik. Freiburg/Br.: Ahriman 1983 ISBN 3-922774-02-4 (bei Google-Bücher)
  • Tabuthema Aids-Stop: zwischen Monogamie-Propadanda u. grünem Licht für Virus-Überträger. Freiburg/Br.: Ahriman 1983 ISBN 3-922774-03-2
  • Egoismus und kollektive Selbstbestimmung. In: Ketzerbriefe, Nr. 50, August 1994, Sonderausgabe ISBN 3-89484-206-7; nachgedruckt in: 30 Jahre Ketzer, a.a.O., S. 600-621
  • Psychoanalyse und Literaturwissenschaft: Grundlagen und Beispiele. Freiburg/Br.: Ahriman 1996 ISBN 3-89484-803-0
  • (Hrsg. und Komm.:) 30 Jahre Ketzer. Der interessanteste Bohrkern aus den Sedimenten der Studentenbewegung bis ins traurige Alluvium der pax americana … (1967–1997). Freiburg/Br.: Ahriman 1998 ISBN 3-89484-809-X
  • Die sogenannte Kultur. In: Ketzerbriefe, Nr. 100, April 2001, Sonderausgabe ISBN 3-8948-4228-8
  • Wilhelm Reichs Beitrag zur Psychoanalyse. Freiburg/Br.: Ahriman 2001; ISBN 3-89484-813-8 (erw. Fassung der Schrift von 1979)
  • Richard Dawkins, der Haeckel unserer Zeit. Würdigung und Kritik. Freiburg/Br.: Ahriman 2008; ISBN 3-89484-817-0
  • Wie unrecht hatte Marx wirklich? Band I – Gesellschaft und Wirtschaft Freiburg/Br.: Ahriman 2009; ISBN 978-3-89484-818-7

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Fritz-Erik Hoevels: Der Beitrag Wilhelm Reichs zur Psychoanalyse, [1979], S. 224; in der Neufassung 2001: S. 353
  2. Hoevels richtete eine Bitte um Entschuldigung und Rücknahme der Anzeige an den Rektor. Dieser nahm sie an, machte jedoch den Wortlaut des Bittbriefs als Flugschrift öffentlich. Der SDS distanzierte sich daraufhin „von dem konterrevolutionären Verhalten Hoevels'“. Alexander Wormit, Polit-Referent des AStA, kommentierte: „Widerlich, dass ein so wortradikaler Revolutionär aus Angst um seine Karriere zu Kreuze kriecht.“ Quelle:  Weiche Knie. In: Der Spiegel. Nr. 7, 1969, S. 42 (online).
  3. Vgl. 30 Jahre Ketzer, S. 47
  4. Dies von vornherein kritisch den etablierten Positionen gegenüber. Vgl. seinen Artikel Das Elend der Psychoanalyse. Plädoyer für einen neuen Lehrstuhl. In: Freiburger Studentenzeitung, Jg. 17, Heft 7, Juli 1967; in 30 Jahre Ketzer, S. 27–33
  5. http://www.bund-gegen-anpassung.com/
  6. Vgl. hierzu den Artikel Marcus Hammerschmitt: Ahrimans Erben. Telepolis, 5. Juli 2004
  7. IBKA: Der 'Bund gegen Anpassung (1991) – Neben einer allgemeinen Einschätzung des Bundes gegen Anpassung findet sich auf dieser Webseite auch der Bericht einer geschlossenen Werbeveranstaltung, die [in nuce] erkennen lässt, wie der Bund nach innen funktioniert. Referent der Veranstaltung ist Fritz Erik Hoevels.
  8. sekten-sachsen.de
  9. udo-leuschner.de
  10. Hansjörg Hemminger: Das Heil liegt in der Gruppe. Hemminger nennt explizit den Bund gegen Anpassung.
  11. Bericht über den Ausschluss Wilhelm Reichs aus der IPV, in: Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie Jg. 2, Heft 5 (1935)
  12. Neues Deutschland, Beilage zur Frankfurter Buchmesse 2001; online
  13. Fritz Erik Hoevels: Stirner, Psychoanalyse und Marxismus. In: Der Einzige, Vierteljahresschrift des Max-Stirner-Archivs Leipzig, Nr, 1/2 (13/14), 3. Februar / 3. Mai 2001, S. 15–22; anschließend eine Replik von Laska, eine Duplik von Hoevels und ein Schlusstext von Laska (online)
  14. http://www.ahriman.com/
  15. http://www.ahriman.com/ketzerbriefe/ketzerbriefe.htm